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Euroleague

Das beste Team Europas

Panathinaikos Athen setzte sich vor eigenem Publikum in einem hochkarätigen Finale gegen ZSKA Moskau durch. Wir fassen das Final Four der Euroleague-Saison 2006/07 zusammen.

Von Thomas Käckenmeister
 07.05.2007 |

Die 24 besten Vereinsmannschaften Europas spielten in der Euroleague ihren Meister aus. Im Final-Four-Turnier in Athen trafen im Halbfinale ZSKA Moskau auf Unicaja Malaga, und Panathinaikos Athen trat gegen Tau Ceramica Vitoria an.


Erstes Hablfinale: ZSKA Moskau gegen Unicaja Malaga 62:50

Die Final-Four-Premiere der Überraschungsmannschaft aus Malaga misslang. ZSKA Moskau zog im vierten Viertel davon und steht somit beim fünften Final Four in Folge zum wiederholten Male im Endspiel. Der Titelverteidiger von 2006 setzte sich am Ende mit 62:50 durch und ging damit aus den letzten 20 Euroleague-Partien nur ein einziges Mal nicht als Sieger vom Platz.

Im ersten Halbfinale erwischten die Spanier den besseren Start, nachdem Matjaz Smodis in der dritten Spielminute durch einen Distanzwurf die ersten Punkte der Partie für die Andalusier erzielte. Der 37-fache russische Meister versuchte immer wieder, von außerhalb zum Erfolg zu kommen, da die großen Leute der Spanier, die ohne ihren verletzten Hünen Daniel Santiago antraten, den Weg zum Korb versperrten. Der Moskauer Aufbau John Robert Holden übernahm jedoch Mitte des ersten Viertels Verantwortung und brachte sein Team wieder heran. Zwei Freiwürfe von Theodoros Papaloukas glichen die Partie in der achten Spielminute aus (12:12). Der fünfmalige Champion zog nun die Verteidigung an und setzte sich mit 18:15 ab.

Im zweiten Abschnitt griff die Zonenverteidigung des Titelverteidigers erneut und erzwang fünf Ballverluste auf Seiten der Spanier. Das hohe taktische Niveau spiegelte sich jedoch nicht nur in den Angriffssystemen, sondern vor allem in der Verteidigungsarbeit wider. Moskau brachte es in der 16. Spielminute nicht fertig, einen Wurf zu kreieren, da Malaga die Räume dicht machte und die Wurfuhr herunter lief. Beim Stand von 24:24 schaltete die Mannschaft von ZSKA-Trainer Ettore Messina dann aber einen Gang höher und zog mit einem 9:0-Lauf davon. Die Spanier blieben die letzten vier Minuten vor der Pause ohne einen Korberfolg. Zur Halbzeit stand es somit 33:24 für Moskau.

Nach der Rückkehr aufs Parkett überraschten die Final-Four-Debütanten mit einem 7:0-Zwischenspurt, der den Rückstand auf zwei Zähler zusammenschmolz. Moskau hatte Probleme mit der aggressiven Spielweise des Gegners und versuchte drei Minuten lang vergeblich, den Korb zu treffen. Insbesondere der spanische Auswahlspieler Carlos Cabezas sorgte bei Malaga mit zwei Drei-Punkte-Würfen während eines 10:2-Lauf seiner Mannschaft dafür, dass das Spiel wieder offen wurde. Zu Beginn des letzten Abschnitt betrug der Spielstand 44:44.

Im Schlussviertel machte die Kältschnäuzigkeit und die Erfahrung des russischen Erfolgsteams den Unterschied aus. Malaga wirkte ideenlos und erzielte lediglich sechs Punkte in den letzten zehn Spielminuten. Moskau hingegen erarbeitete sich immer wieder einfache Wurfchancen. Angeführt von US-Guard Trajan Langdon (Foto), dem dänischen Center Chris Andersen und dem griechischen Basketball-Allrounder Papaloukas zog der Bezwinger von Maccabi Elite Tel Aviv im Viertelfinale nach einem 14:0-Lauf verdient ins Endspiel ein. Malaga biss sich an der knochenharten Verteidigung von ZSKA die Zähne aus und hatte auch am Brett das Nachsehen, da Moskau 13 Rebounds mehr holte.

Topscorer beim russischen Team war Trajan Langdon, der mit seinen 13 Punkten zum zwölften Mal in den letzten 13 Euroleague-Spielen mindestens zehn Zähler erzielen konnte. Chris Andersen fehlte ein Rebound zum Double Double (12 Pkt, 9 Reb) und Papaloukas glänzte in Sachen Vielseitigkeit mit elf Punkten, sieben Rebounds, vier Vorlagen und fünf Ballgewinnen. Bei Malaga, die als Team nur 34,5 Prozent aus dem Feld trafen, stach Carlos Cabezas mit 13 Punkten (3/4 3FG) als bester Werfer heraus. Von Ex-NBA-Profi Marcus Brown kamen acht Zähler. Carlos Jiminez schnappte sich acht Rebounds.

ZSKA Moskau kann damit den Titel verteidigen. Zuletzt gelang dieses Kunststück Maccabi Tel Aviv, die 2004 und 2005 die Meisterschaft der Euroleague gewannen.

Zweites Halbfinale: Panathinaikos Athen gegen Tau Ceramica Vitoria 67:53

Wenn es vorne nicht läuft, soll man über die Verteidigung ins Spiel finden. In einem Spiel für Freunde des Defensivbasketballs qualifizierte sich Panathinaikos Athen vor über 18000 heimischen Fans für das Endspiel gegen ZSKA Moskau. Die Griechen setzten sich diesmal gegen das Team aus Vitoria mit 67:53 durch.

Tau Ceramica gewann zuvor die letzten beiden Partien gegen Panathinaikos, darunter auch das entscheidende Viertelfinalspiel von 2006 in Athen. Die Spanier kämpften zum dritten Mal hintereinander beim Vierkampf um die europäische Basketballkrone.

Doch der Kampf geriet schnell außer Kontrolle. Die Athener erspielten sich zu Beginn der Begegnung eine Elf-Punkte-Führung. Tau hatte Schwierigkeiten gegen das kompakt stehende Quintett, offene Würfe zu finden. Des Öfteren hatten sie die Hand einer Panathinaikos-Verteidigers vor dem Gesicht. Die Griechen verteidigten bärenstark und versenkten auf der Gegenseite von ihren ersten zwölf Dreier-Versuchen sechs. Tau hingegen vertendelte den Ball zwölfmal und traf nur einen von neun Würfen aus Downtown.

Als die Basken im zweiten Viertel ihre Zonenverteidigung auflösten und in eine Ganzfeld-Pressverteidigung wechselten, passten sich die Hausherren an und taten so, als würde ihnen das Ganze nichts ausmachen. Sie trafen weiterhin besser als die Spanier, für die der Korb das komplette Spiel über wie zugenagelt schien. Obwohl sich Vitoria mehr Rebounds sicherte, lagen sie zur Halbzeit mit 21:35 in Rückstand. Dieses Ergebnis spiegelt die hohe Intensität in der Verteidigung wider, mit der beide Mannschaften zu Werke gingen.

Der Türke Serkan Erdogan brachte Tau nach der Pause mit fünf schnellen Punkten wieder heran, doch zwei Blocks von Robertas Javtokas unterstrichen die defensive Glanzleistung der Truppe von Coach Zeljko Obradovicdie, die Panathinaikos im zweiten Halbfinale vor heimischen Publikum darbot. Sie bestimmten das Spiel nach Belieben, spielten Pick'n'Roll, ließen Touchpässe fliegen oder punkteten sowohl aus der Halbdistanz als auch in Korbnähe. Tau konnte tun, was es wollte, die eigenen Würfe wollten einfach nicht fallen. In einer Auszeit versammelten sich die Profis des spanischen Teams um ihren serbischen Trainer Bozidar Maljkovic und blickten nicht auf ein Taktikboard, um ein System durchzuspielen, sondern lauschten den motivierenden Worten, die der Coach an seine Spieler wandte.

Als ein Alley-Oop-Anspiel der Spanier abgefangen wurde, netzte der griechische Forward Demos Dikoudis am anderen Ende des Courts problemlos per Dunk ein. Wenig später sorgte ein Tip-Dunk von Michael Batiste (Foto) für einen 16-Punkte-Vorsprung (53:37; 35. Spielminute); die Messe schien gelesen.

Doch Tau Ceramica steckte nicht auf. Ein Dreier von Erdogan brachte den dreimaligen Final-Four-Teilnehmer noch einmal auf sechs Punkte heran. Als dann jedoch nacheinander Luis Scola und Zoran Planinic ihr fünftes Foul kassierten, kannte der Jubel auf den Rängen der Athener Olympiahalle keine Grenzen mehr.

Erfolgreichste Werfer bei Athen waren Sani Becirovic und Michael Batiste (Foto), die jeweils 15 Punkte sammelten. Batiste pflückte zusätzlich zwölf Rebounds. Für Ramunas Siskauskas notierte man elf Punkte. Bei den Spaniern traf Erdogan als einziger Tau-Spieler zweistellig (11 Punkte). Tiago Splitter (7 Pkt, 6 Reb), Zoran Planinic (7 Pts) und Luis Scola (6 Pkt, 7 Reb) trafen außerdem am häufigsten.
 
Während Tau nur 31,6 Prozent aus dem Feld traf, versenkte Panathinaikos 36 Prozent und kann nun durch den deutlichen Sieg vor heimischer Kulisse den Euroleague-Titel gewinnen.


Spiel um Platz drei: Unicaja Malaga gegen Tau Ceramica Vitoria 76:74

Im Spiel um Platz drei trafen die beiden spanischen Mannschaften aus Malaga und Vitoria aufeinander. In einer ansehnlichen Partie setzte sich Malaga am Ende mit 76:74 durch.

Den entscheidenden Korb erzielte Marcus Brown (Foto), der in der Schlussphase in die Zone zog und die Spieler von Tau Ceramica wie Statisten aussehen ließ. Ungehindert legte er 1,2 Sekunden vor der Sirene den Ball in den Korb.

In einer offenen ersten Halbzeit trafen beide Mannschaften besser als im Semifinale. Zur Pause lagen die Basken mit 40:35 in Front, am Ende des dritten Viertels waren es bereits zehn Punkte. Doch Malaga nutzte die Treffsicherheit von Marko Tusek, um wieder zurück ins Spiel zu finden. Zusammen mit Brown erzielte er 18 der lezten 25 Punkte für die Südspanier.

Am Ende war Tusek Topscorer mit 18 Punkten (5/6 3FG). Marcus Brown sammelte 14 Zähler. Carlos Jiminez lieferte zehn Punkte ab, während der argentinische Aufbauspieler Pepe Sanchez acht Vorlagen servierte. Bei Tau Ceramica sammelte Igor Rakocevic 16 Punkte, Zoran Planinic kam auf 15, Luis Scola steuerte 14 Punkte und sechs Rebounds bei, Pablo Prigioni legte 13 Zähler aufs Parkett, und Tiago Splitter lieferte zehn Punkte und acht Rebounds ab.

Finale: Panathinaikos Athen gegen ZSKA Moskau 93:91

Vor ausverkaufter Kulisse gewann Panathinaikos Athen zum dritten Mal nach 1996 und 2002 die Euroleague. In einem Finale, das den Namen wirklich verdient hatte, setzten sich die Griechen, die in der gesamten Euroleague-Saison 2006/07 nur zwei Spiele verloren hatten, gegen den Vorjahressieger ZSKA Moskau mit 93:91 durch.

Schon bei der Vorstellung der griechischen Spieler stimmten die Fans lauthals ihre Fan-Gesänge an. Als dann noch direkt vor dem Sprungball die griechische Basketballlegende Nikos Gallis vom Athener Bürgermeister eine Auszeichnung erhielt, hielt es zum ersten Mal niemanden mehr auf den Sitzen.

Mit tosendem Beifall wurden anschließend auch di ersten Punkte der Partie begrüßt, die Sani Becirovic per Sprungwurf einnetzte. Moskau fand schleppend in die Partie. Die Taktik, den Ball unter den Korb zu bringen und so einfache Punkte am Brett zu erzielen, wurde von der knochenharten Verteidigung der Hausherren stetig verhindert. Das russische Team verschlief somit den Start und wirkte zudem unkonzentriert, weil sie zweimal leichtfertig den Ball verloren. Auf der Gegenseite fanden die Griechen schnell zu ihrem Rhythmus und führten bereits nach fünf Spielminuten mit sechs Punkten.

Von vielen Basketballkennern wurde dieses Finale nach den zwei intensiv geführten Halbfinal-Duellen als Abwehrschlacht betitelt, doch trotz des hohen Niveaus beider Mannschaften in der Verteidigung funktionierten die Angriffssysteme auf jeder Seite hervorragend. Besonders die Griechen wussten durch schnelles und flexibles Spiel zu überzeugen. Sie machten sich die Stärke Moskaus, das Lowpost-Spiel, selbst zu nutze, und erspielten sich auf diese Weise eine Zehn-Punkte-Führung zur Halbzeit (46:36).

Voller Tatendrang trat Moskau nach der Pause auf. Nach einem 11:1-Lauf glichen sie innerhalb von nur drei Minuten nach Wiederbeginn aus (47:47). Die griechischen Fans verstummten. Stattdessen wachten die angereisten russischen Anhänger auf und feuerten ihr Team an. Theodoros Papaloukas (Foto) wurde wenig später von Sani Becirovic unsportlich gefoult und sorgte mit zwei Freiwürfen für die erste Moskauer Führung (50:51) seit der zweiten Spielminute. Doch schnell wendete sich wieder das Blatt. Athen antwortete und zog nach einem Dreier von Dimitrios Diamantidis mit sechs Punkten davon. Zum Ende des vorletzten Abschnitts erarbeiteten sich die Griechen einen Vorsprung von acht Zählern (65:57).

In den letzten zehn Minuten versuchten die Gäste aus Moskau durch die Verteidigung zurück ins Spiel zu finden. Zwei Drei-Punkte-Spiele von Panathinaikos-Forward Dejan Tomasevic halfen Athen, den Abstand auf acht Punkte auszubauen (87:79). US-Guard Trajan Langdon nahm jedoch in den Schlussminuten zusammen mit Papaloukas das Heft für die Russen in die Hand. Eiskalt verwandelte Langdon zwei Dreier und brachte ZSKA auf zwei Punkte heran (87:85). 35 Sekunden waren noch zu spielen, als Michael Batiste einen Fade-Away aus der Mitteldistanz traf und die Führung für die Griechen auf vier erhöhte. Wenig später verkürzte Papaloukas per Dunking auf 91:88, doch Ramunas Siskauskas sicherte mit zwei Freiwürfen den Sieg vor heimischer Kulisse. Da war der Dreier, den J.R. Holden mit der Sirene traf, nur noch Ergebniskosmetik.

Mit Tränen in den Augen musste der gebürtige Athener Theodoros Papaloukas mit ansehen, wie die Truppe von Panathinaikosden Euroleague-Pokal feiernd entgegen nahm. Damit verlor der MVP der Euroleague-Saison 2006/07 bereits das zweite große Endspiel (nach dem WM-Finale 2006) innerhalb eines Jahres.

Zum wertvollsten Spieler des Final-Four-Turniers wurde Panathinaikos-Guard Dimitrios Diamantidis gewählt, der, wie auch jeder andere Spieler seines Teams, statt einer Medaille eine Miniatur-Ausgabe der Trophäe erhielt.

Die besten Spieler auf Seiten Athens waren Siskauskas mit 20 Punkten und fünf Assists sowie Tomasevic. Diamantidis erzielte 15 Zähler und spielte drei Vorlagen. Insgesamt punkteten sechs Panathinaikos-Spieler zweistellig. Bei Moskau ragte Papaloukas  mit 23 Punkten (9/10 FG) und acht Vorlagen heraus. Unterstützt wurde er von Matjaz Smodis, der in seinem fünften Euroleague-Finale 18 Punkte erzielte, und Trajan Langdon (16 Pkt.) J.R. Holden sammelte elf Zähler.

Im kommenden Jahr wird das Final Four der Euroleague in Madrid ausgetragen.


Höchstleistungen des Euroleague Final Four 2007

Punkte: 23, Theodoros Papaloukas (Moskau, Finale)
Rebounds: 12, Michael Batiste (Athen, Halbfinale)
Assists: 8, Pepe Sanchez (Malaga, Halbfinale), Theodoros Papaloukas (Moskau, Finale)
Steals: 5, Theodoros Papaloukas (Moskau, Halbfinale)
Blocks: 2, Robertas Javtokas (Athen, Halbfinale), Florent Pietrus (Malaga, Spiel um Platz drei), Thomas Van den Spiegel (Moskau, Finale)
Dreier: 5, Marko Tusek (Malaga, Spiel um Platz drei)




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von Crossover 26.05.2012 um 22:52:55


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