Basketball-WM
WM-Blog (03): Abschied
Genauso wie die deutsche Mannschaft wieder in Deutschland ist, bin auch ich zurück geflogen. Schade, das Abenteuer WM war damit schneller zu Ende, als gedacht. Was bleibt von einer Woche Non-Stop-Basketball in Kappadokien?
Von Jens Möller |
06.09.2010 | |
Das Aus der Deutschen wurde ja hitzig diskutiert – nicht nur auf unserem Portal. Meiner Meinung nach ist das Ergebnis dieser WM aus deutscher Sicht ok. Zwei Siege aus fünf Spielen: Diese Rechnung hatte man vorher schon aufgemacht. Die Art und Weise des Ausscheidens liegt dagegen schwer im Magen. Jeder, wirklich jeder Journalist war in Kayseri fassungslos nach dem Angola-Spiel – auch die Kollegen aus Argentinien und Angola.
Aber es war nicht so sehr der Punkt, dass Deutschland nun gegen einen Luxemburg-artigen Basketballzwerg verloren hätte. Die Angolaner spielen ja nicht zu Hause barfuss in der Wüste. Wenn's unbedingt sein muss, darf man eventuell gegen eine solche Mannschaft verlieren. Nur eben nicht mit neun Punkten vor und noch 90 Sekunden auf der Uhr. Das war dann „die Art und Weise“. Das Ende zeigte aber eher die massive Unerfahrenheit der Jungen und die fehlende Klasse eines Steffen Hamann. Es war kein Zeichen für den Untergang des deutschen Basketballs, wie man manchmal das Gefühl beim Lesen all der Kommentare im Internet bekommen konnte.
Es ist nicht so, als wäre der deutsche Basketball jetzt in die Steinzeit zurückgefallen, weil man gegen eine afrikanische Mannschaft verloren hat. Vielmehr werden die Schwächen dieser deutschen Mannschaft verschwinden, denn Spieler wie Pleiß, Harris, Benzing und Staiger werden weiter Erfahrungen sammeln und mit 25 Jahren schon vier, fünf internationale Turniere auf dem Buckel haben. Und Steffen Hamann wird dann, sofern er noch im DBB-Trikot spielt, wieder das tun, was er kann. Verteidigen. Und nicht tun müssen, was er nicht kann: Eine Mannschaft führen.
Auf der Rückreise saß ich im Bus durch Istanbul (Nur für den Transfer von Flughafen zu Flughafen, keine Sorge, ich musste nicht mit dem Bus nach Deutschland fahren) neben einem argentinischen Fotografen. Er wollte fast die Pässe tauschen, weil Argentinien schon jetzt den Abgesang auf die „goldene Generation“ anstimmt. Scola und Co. werden nicht jünger. Da sitzt das ganze Land vor dem Fernseher und bekommt bei jedem Rückstand einen halben Herzinfarkt. Jedes Ausscheiden schmerzt gleich doppelt und dreifach, denn diese Mannschaft hat nur noch ganz wenige Chancen, (noch) einen Titel zu holen. Danach, das wissen alle, fällt der argentinische Basketball in ein Loch.
„Ihr werdet dagegen noch richtig gut sein“, meinte der Fotograf zu mir. Der deutsche Basketball darf träumen – von (bestenfalls) zwei Sommern mit Dirk Nowitzki, von einem Kern junger Spieler, die auf Jahre zusammenwachsen werden, von der EM 2015 im eigenen Land, wenn der DBB tatsächlich die Wahl hinbekommt. Das ist die tröstliche Botschaft des Turniers aus deutscher Sicht. Freut euch auf die kommenden Jahre.
Das heißt natürlich nicht, dass man nun alles schön reden soll. Die Fortschritte der Jungs sind alles andere als selbstverständlich. Robin Benzing muss in dieser Saison zeigen, dass er auf dem Feld nicht nur von seinen Stärken leben, sondern auch seine Schwächen beheben kann. Elias Harris muss endlich komplett auf die Drei umsatteln. Dirk Bauermann hat das Versprechen vom Gonzaga College bekommen, dass Harris dort in der kommenden Saison nicht mehr auf der Vier spielen wird. Tibor Pleiß muss irgendwie einen Weg finden, um Masse zuzulegen, ohne dass sein Körper unter dem Gewicht nachgibt (einen Fußbruch hatte er deswegen schon). So schön es ist, solche Talente zu haben, ihren Weg dürfen, müssen wir auch kritisch begutachten. Wir sollten aber nicht den Fehler machen, diese Generation nach einer WM abzuschreiben, weil sie einem Land unterlegen waren, „gegen das man einfach in keinem Sport verlieren darf“, wie jemand zu mir meinte.
Es ist komisch, den Rest der WM von Deutschland aus zu verfolgen, wenn man vorher so nah dran war. Ich bin gespannt, wer sich den Titel holt. Ehrlich, ich habe den Türken einen solch starken Auftritt nicht zugetraut und sie nie zum Kreis der Medaillenkandidaten gezählt. Aber mit dieser Euphorie bei den Spielen vor Heimpublikum könnten sie eine Überraschung schaffen. Oder wird es am Ende doch das Duell der beiden üblichen Verdächtigen, Spanien (wieder erstarkt) und USA?
Die Woche in Kayseri hat für mich noch eine ganz andere Frage aufgeworfen: Wie schaffen es die Jungs von ESPN, neben dem Recherchieren und Schreiben auch noch zu Bloggen, zu Twittern, zu Facebooken und sonstwie webzwopunktnullig aktiv zu sein? Woher nehmen sie die Zeit? Haben die Twitter-Sklaven, die für sie auch noch diese Kanäle füttern? Ich war mit meiner „klassischen“ Arbeit so ausgelastet, dass ich abends höchstens ein Bier aufgemacht habe und keinen neuen Blog-Eintrag. Gerne hätte ich an dieser Stelle mehr über den Alltag bei einer Basketball-WM geschrieben, aber die ganzen Ideen blieben einfach liegen.
Dafür kommen jetzt ganz am Ende noch die versprochenen und ewig aufgeschobenen Fotos in einer Galerie.




von Crossover 26.05.2012 um 22:43:19
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