Basketball in Spanien
Barcelona erobert den Pokalthron
Von Marcos Garcia |
23.02.2010 | |
Regal Barcelona deklassiert den Erzrivalen Real Madrid im Finale der spanischen Copa del Rey mit 80:61 auf beeindruckende Weise und sichert sich den Pokalsieg. Der 2,09-Meter-Center Fran Vázquez wird zum MVP des Turniers gekürt.
Die Erwartungen vor dem Finale in der mit 14.814 Zuschauern (Rekord für ein spanisches Pokalfinale) rappelvollen Bizkaia Arena in Bilbao waren riesengroß: Die zwei Titanen des spanischen Basketballs konnten sich erwartungsgemäß und auf souveräne Weise für das Finale dieses Final Eight-Turniers qualifizieren.
Der „Clásico“ des spanischen Sports, der auch im Basketball mit ähnlich großer Leidenschaft wie im Fussball verfolgt wird, sollte die Krönung eines spektakulären Finalturniers im Baskenland werden. Davon sollten auch vereinzelte Pfiffe gegen König Juan Carlos nicht ablenken.
Im Aufeinandertreffen in der Hinrunde der Meisterschaft im Dezember hatten die Katalanen den Madrilenen in ihrer eigenen Halle die höchste Heimniederlage seit Jahrzehnten (57:79) beschert. Das Team von Ettore Messina wollte eine solche Schlappe natürlich nicht wieder zulassen. Nach den tollen Leistungen in Viertel- und Halbfinale war damit auch nicht zu rechnen.
Entsprechend konzentriert gingen die „Königlichen“ ins Spiel: Angeführt durch Neuzugang Marko Jaric, dem Talent Sergio Llull und der Erfahrung von Pablo Prigioni und Jorge Garbajosa ging Real anfänglich knapp in Führung, bis der 35-jährige italienische „Oldie“ und Deutschlandschreck Gianluca Basile mit zwei Dreipunktewürfen die „Blaugranas“ in Führung brachte. Nach dem ersten Viertel führte Barça mit 19:16.
Das zweite Viertel begann mit einer Show von Ricky Rubio (13 P, 3 A, 1 S), der sein ganzes Repertoire an basketballerischem Talent aufzeigte. Bereits in den ersten Sekunden klaute er dem erfahrenen argentinischen Point Guard Prigioni die Kugel und schloss den Fastbreak gleich selber ab. Was folgte, war eine Demonstration von Stärke des Teams von Xavi Pascual. Der 19-jährige Rubio diktierte das Spielgeschehen und setzte seine Teamkameraden hervorragend in Szene, vor allem die beiden Center Fran Vázquez (14 P, 4 R, 1 B) und den Slowenen Erazem Lorbek (13 P, 6 R), die ihren Gegenübern beim „weißen Basketballballett“ in allen Belangen überlegen waren. Zur Halbzeit führte Barcelona bereits mit fünfzehn Punkten Vorsprung (40:25).
Auch in der zweiten Hälfte knüpften die Katalanen nahtlos an das zweite Viertel an. Dabei spielte es keine Rolle, welche Spieler gerade auf dem Parkett standen. Bei Pascual steht die Mannschaft im Vordergrund, so benutzte er eine enorm tiefe Rotation, in der jeder Spieler eine Partie entscheiden kann. Da können sich auch die Topstars Juan Carlos Navarro (8 P) und Pete Mickeal (9 P) auch mal einen gemütlichen Abend leisten.
Das Prunkstück Barças ist die Abwehr, die auch im Finale vom Sonntag Real Madrid das Leben erschwerte. Zu Beginn des letzten Viertels erreichten die Katalanen einen Maximalvorsprung von 27 Punkten und legten danach den Schongang ein. Für die Madrilenen und deren Coach Ettore Messina, der solche Erniedrigungen nicht gewohnt ist, wurden die letzten Minuten zur Qual. Immerhin zeigten Spieler wie Llull oder der Litauer Rimantas Kaukenas ihren Stolz und konnten ein wenig Ergebniskosmetik betreiben, so dass am Ende ein 80:61-Sieg für Regal Barcelona auf der Anzeigetafel stand.
Mit diesem Titel – dem 21. Pokalsieg für Barcelona - wandelt Xavi Pascual auf den Spuren seines Trainerkollegen aus der Fussballabteilung Pep Guardiola, der in einem Jahr sechs Titel holte. Für die Basketballabteilung ist das bereits der dritte Titel innerhalb eines Jahres nach dem Meistertitel der vergangenen Saison und dem spanischen Supercup im Sommer.
In dieser Form ist Barcelona wohl auch in der Euroleague der Topfavorit: Die Katalanen haben bisher in der Meisterschaft nur ein Spiel, in Europa nur zwei Partien verloren und beeindrucken durch ein Spielniveau, das einige Experten dazu verleitet zu sagen, dass dieses Team in dieser Form auch in der NBA problemlos mithalten könnte.
Das Turnier im Überblick
| 18.02. (Viertelfinale) | Valencia - Estudiantes | 75:73 |
| 18.02. (Viertelfinale) | Barcelona - Cajasol | 77:72 |
| 19.02. (Viertelfinale) | Bilbao - Caja Laboral | 62:75 |
| 19.02. (Viertelfinale) | Madrid - Badalona | 90:82 |
| 20.02. (Halbfinale) | Valencia - Barcelona | 64:72 |
| 20.02. (Halbfinale) | Caja Laboral - Madrid | 50:78 |
| 21.02. (Finale) | Barcelona - Madrid | 80:61 |
Fran Vazquez wird MVP (12,0 PpG, 4,3 RpG)
„Die Bestie aus Galizien“ wurde erwartungsgemäss zum MVP des Turniers gekürt. Der Center von Regal Barcelona, der 2005 von den Orlando Magic an elfter Stelle des Drafts ausgewählt wurde, lieferte in allen drei Spielen Glanzleistungen ab und wurde seinem Spitznamen gerecht. Kein Spieler in Europa beherrscht die Lüfte in der Region des Korbes so gut wie der Mann aus Chantada, der am liebsten per Dunk abschließt und so stets enorm hohe Wurfquoten erreicht - im Finale beendete er das Spiel ohne Fehlwurf aus dem Feld (5/5 FG).
Neben dem MVP des Turniers bekamen die über 50 gemeldeten NBA-Scouts aber noch einige sehr interessante Spieler zu Gesicht. So werden sich die Scouts der Houston Rockets hoch erfreut über die Leistungen von Sergio Llull – die Texaner haben sich die Rechte am jungen Point Guard im vergangenen Draft die Rekordsumme von 2,25 Mio. Dollar kosten lassen – zeigen, der insbesondere mit einer Glanzleistung im Viertelfinale (29 P) gegen DKV Joventut aufhorchen ließ.
Bei Ricky Rubio, dem Nummer-fünf-Pick der Minnesota Timberwolves im vergangenen Draft, muss man sich fragen, ob es für den 19-Jährigen ein Limit gibt. Das „Jahrhunderttalent“ entwickelt sich von Spiel zu Spiel weiter, und man hat das Gefühl, dass er mit der Reife eines zehn Jahre älteren Spielers agiert – dies lässt sich wohl dadurch erklären, dass der Junge bereits mit 14 Jahren sein Profidebüt gab. Seit Jahren besticht er durch unglaublich aggressive Defense, einzigartiges Spielverständnis und guten Zug zum Korb. In dieser Saison zeigt er sich aber auch im Distanzwurf, bislang seine große Schwäche, sehr verbessert.
Bei Power Electronics Valencia spielen gleich zwei Draft-Picks des letzten Sommers: Der Franzose Nando de Colo (San Antonio Spurs) sowie der spanische Nationalspieler Victor Claver (Portland Trail Blazers). Der französische Point Guard bekommt unter Neven Spahija sehr viel Einsatzzeit und rechtfertigt diese mit guten Leistungen im Spielaufbau. Der 23-Jährige hat in der Meisterschaft auch schon seine Korbjägerqualitäten unter Beweis gestellt. Claver, ein Eigengewächs des Klubs aus Valencia, ist einer der Führungsspieler im Team und war auch Valencias bester Punktesammler an dieser Copa del Rey mit 13,5 Punkten im Schnitt in Viertel- und Halbfinale.
Weitere Namen, die man sich merken sollte, sind die der beiden Tschechen Tomas Satoransky (18 Jahre, Cajasol Sevilla) und David Jelinek (19, DKV Joventut), des Engländers Daniel Clark (22, Estudiantes), des Israelis Lior Eliyahu (24, Caja Laboral) und des Serben Novica Velickovic (23, Real Madrid).




von Crossover 12.02.2012 um 08:56:29
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