Basketball-WM
Scola entscheidet Südamerika-Krimi
In einem rein südamerikanischen Achtelfinale machte Luis Scola den Unterschied und führte seine Argentinier gegen Brasilien ins WM-Viertelfinale. Der lange recht lethargische Auftritt Litauens gegen China verblasste neben dem abendlichen Basketball-Leckerbissen.
Von Joshua Wiedmann |
07.09.2010 | |

Litauen gegen China 78:67
Im 1,3-Milliarden-Einwohner-Land China sind die Erwartungen oft nur schwer zu erfüllen. Das mussten in der Vergangenheit schon zahlreiche chinesische Teams jeglicher Sportarten erkennen, die an überzogenen Hoffnungen von Volk und Politik zerbarsten. Diese Erfahrung musste auch die Basketball-Nationalmannschaft bereits machen, als sie bei der Olympiade 2008 in Peking im Achtelfinale sang- und klanglos ausschied. Das Team, welches den damaligen Gastgeber mit 94:68 unsanft aus dem Turnier beförderte, hieß Litauen. Dass das Achtelfinale bei der diesjährigen WM einen ähnlichen Ausgang nehmen würde, war vor der Begegnung eine gängige Prognose.
Vor allem in der Anfangsphase machten die Chinesen sich und ihren Landsleuten jedoch alle Ehre. Furios und mit viel Energie aufspielend überrumpelten die Asiaten die etwas schläfrig wirkenden Litauer. Die Mannschaft aus dem Baltikum wirkte zunächst etwas steif gegenüber den flinken Chinesen, die sich überraschend eine zweistellige Führung erspielten (5:16). Litauens Coach Kestutis Kemzura wechselte frühzeitig durch und fand in seiner zweiten Garde das passende Rezept gegen China. Innerhalb weniger Minuten gestalteten die Europäer die Begegnung wieder völlig offen (32:31). Die Partie schien nun ihren erwarteten Verlauf zu nehmen. Obwohl Litauen anschließend die Partie unter Kontrolle hatte, bewiesen die Chinesen großen Kampfgeist und ließen sich nie völlig abhängen. Im Schlussviertel keimte bei den Asiaten kurzzeitig noch einmal die Hoffnung auf ein Comeback (66:60), die NBA-Rückkehrer Linas Kleiza (Foto) mit acht Punkten in den letzten drei Minuten aber fast im Alleingang zunichtemachte.
Der Forward war auf Seiten Litauens auch insgesamt der überragende Akteur (30 P). Weder Yi Jianlian noch Wang Zhizhi bekamen den beweglichen Kleiza unter Kontrolle. Ohnehin verschaffte den Europäern das Übergewicht im Frontcourt einen großen Vorteil, was sich besonders in der Rebound-Statistik niederschlug (50-33).
Argentinien gegen Brasilien 93:89
Obgleich es nur ein weiteres Achtelfinale war, trugen Argentinien und Brasilien in ihrer Partie eine interkontinentale Meisterschaft aus. Die Begegnung zwischen den beiden besten südamerikanischen Nationen markierte - wie schon das Aufeinandertreffen Spanien gegen Griechenland - eines der frühen Turnierhighlights.
Über welches Potenzial beide Mannschaften verfügen, zeigte sich frühzeitig. In den ersten Spielminuten brannten die Teams ein wahres Dreier-Feuerwerk ab. Auf Seiten Argentiniens trafen Carlos Delfino und der erneut überragende Luis Scola (Foto) von außen, auf der Gegenseite konterten Marcelo Huertas und Leandro Barbosa. Ein ausgeglichenes 25:25 unterstrich den Unterhaltungswert der ersten zehn Minuten. Ganz so konnte es freilich nicht weitergehen; beide Mannschaften forcierten nun ihre Arbeit in der Verteidigung. Nichtsdestotrotz gab es weiter sehenswerte Aktionen: Kurz vor der Halbzeit netzte Aufbauspieler Huertas trotz eines Foulspiels von „Downtown“ ein und war damit hauptverantwortlich für eine dünne Führung der Brasilianer zur Halbzeitpause (46:42). Nach dem Seitenwechsel kam dann bei Brasilien auch Neu-San-Antonio-Spur Tiago Splitter besser in Tritt, während bei Argentinien Scola und Delfino in gewohnter Manier punktete.
Fast im Gleichschritt bewegten sich beide Nationen in Richtung Schlussphase. Zwei Dreier von Barbosa beantwortete der argentinische Flügelspieler Hernan Jasen ebenfalls mit zwei Distanz-Bomben zum 72:72. Nachdem die Argentinier kurzzeitig mit sechs Zählern geführt hatten, kamen die Brasilianer zwei Minuten vor Schluss wieder auf einen Korb heran. Dann schlug (erneut) die Stunde des Luis Scola: Zwei Halbdistanzwürfe des NBA-Stars ließen die Punkte-Waage in der Schlussminute zugunsten Argentiniens ausschlagen.
Einem wahren Basketball-Krimi, der bestes Werbematerial für den Korbsport bot, konnten dann auch gleich mehrere Spieler ihren Stempel aufdrücken. Marcelo Huertas (32 P), Carlos Delfino und Leandro Barbosa (je 20 P) zeigten allesamt starke Leistungen. An einen reichten sie allerdings alle nicht heran: Luis Scola zeigte nicht nur in der Schlussphase, weshalb er der bislang beste Akteur der Weltmeisterschaft ist. Der Power Forward überzeugte mit aberwitzigen Würfen aus allen Lagen (37 P) und glänzte zudem als Rebounder (9 R) und Passgeber (3 A).
Photos by FIBA



von KB-24 08.09.10 um 09:28:38
Scola hat momentan die Form seines Lebens!So sehr ichs BRA gewünscht hätte,aber drei vergebene Angriffe in folge plus Turnover vom Tragischen held der Suns waren am ende Backbreaker neben der Form von Scola...trotzdem ein Wahnsinnsspiel
von Nelson7 08.09.10 um 12:24:29
Hätte auch lieber nen Sieg der Brasilianer gesehen, aber Argentinien hat dank der Leistung vom überragenden Scola verdient gewonnen... Wasn Spiel- bin froh dass ich gestern noch dazugeschaltet hab
von king_handles 08.09.10 um 17:52:44
HELLUVA GAME!!!!!!
Das war Unterhaltung vom allerfeinsten!