Basketball-WM

Litauisches Spektakel gegen die „Gauchos"

Die Basketballnation Litauen hat ihrem Namen alle Ehre gemacht: Gegen favorisierte Argentinier brannte die Truppe vom Baltikum ein wahres Feuerwerk ab und steht damit im WM-Halbfinale. Dort treffen die Europäer auf die USA, die Russland letztlich klar besiegten.

Von Joshua Wiedmann
 09.09.2010 |

USA gegen Russland 89:79

Bislang hatten sich die USA bei der Weltmeisterschaft so dominant präsentiert, wie sich das die Verantwortlichen aus Nordamerika erhofft hatten. Fünf eindeutigen Vorrundensiegen - den knappen Erfolg gegen Brasilien (70:68) ausgeklammert - war auch gegen überforderte Angolaner ein spektakulärer Achtelfinal-Sieg gefolgt.

Gegen Russland würden die US-Amerikaner durchaus gefordert sein, das wurde früh deutlich. Im Gegensatz zu den vorigen Partien kam die Truppe von „Coach K“ nur schwerfällig ins Spiel (10:9; 20:18). Gegen die große russische Aufstellung taten sich die USA vor allem in Brettnähe schwer, was den Osteuropäern wiederholt einfache Leger und Offensivrebounds ermöglichte. Mit fortschreitender Spieldauer schien dann auch das Selbstbewusstsein bei den Russen zuzunehmen, während die NBA-Stars offensiv nun teils äußerst ideenlos agierten. Nach einem zwischenzeitlichen 25:29-Rückstand erhöhten die US-Boys allerdings die Intensität in der Verteidigung und konnten die Führung zurückerobern. Nach dem Seitenwechsel fanden die Russen immer weniger Mittel gegen die athletischen Nordamerikaner. Nach sieben schnellen Punkten von Russell Westbrook (Foto) und einem Dreier durch Chauncey Billups schien Russland schon zu resignieren. Die USA kamen durch Westbrook und den herausragenden Kevin Durant immer wieder zu Körben und fuhren letztlich so einen klaren Erfolg ein.

Trotz des eindeutigen Endergebnisses machten die US-Boys keinen unschlagbaren Eindruck. Offensiv mangelte es bisweilen an konsequenten Systemen und einer ordentlichen Option im Post, was sich übrigens auch in der Rebound-Statistik widerspiegelte (37:45). Gegen Russland reichte eine starke Einzelleistung Kevin Durants (33 P) und gelegentliche Punkte aus dem Fastbreak heraus. Um im Halbfinale und später beim erhofften Finaleinzug siegreich zu sein, bedarf es einer Steigerung im Team der US-Stars.

Argentinien gegen Litauen 85:104

Es gibt Tage, da kommt alles zusammen: Die Würfe wollen nicht fallen, der Star-Spieler schwächelt und dann erwischt der Gegner auch noch einen wahrhaftigen Sahnetag. Das Duell zwischen den Argentiniern, die sich noch am Dienstag durch einen Südamerika-Krimi gegen Brasilien gekämpft hatten, und den Litauern konnte als Prototyp für einen solchen Spieltag durchgehen. Die Mannen vom Baltikum warfen sich in einen wahren Rausch, während das favorisierte Argentinien und dessen Star Luis Scola kraftlos aus dem Turnier ausschieden.

Früh bahnte sich eine Überraschung an: Litauen wirkte, anders als noch im Achtelfinale, äußerst fokussiert und ging aggressiv in die Begegnung. Nach einer ausgeglichenen Anfangsphase (9:10) gelang den Europäern im Laufe des ersten Viertels ein erster Lauf, von dem sich die Argentinier nicht mehr erhalten konnten. Vor allem das Patentrezept der Südamerikaner - namentlich Luis Scola - brachte gegen die exzellent verteidigenden Litauer kaum etwas zustande. Diese wiederum profitierten von einer argentinischen Mannschaft, denen vorne wie hinten die Energie zu fehlen schien, um nötigen Extrawege gehen zu können. Litauen erspielte sich so zig freie Distanzwürfe, welche mit nahezu traumwandlerischer Sicherheit in den argentinischen Korb fielen (12/24 3FG). Bereits im Laufe des dritten Viertels (36:66, 36. Minute) war die Partie überraschend zugunsten der Litauer entschieden.

Das junge Team von Nationalcoach Kestutis Kemzura zeigte eine insgesamt beeindruckende Mannschaftsleistung, die nach der fahlen Vorstellung gegen China so nicht unbedingt zu erwarten gewesen war. Überzeugend agierten insbesondere Linas Kleiza (16 P, 9 R) und Simas Jasaitis (19 P). Auf Seiten der Argentinier kam kaum ein Spieler wirklich ins Rollen: Carlos Delfino kam auf trotzdem auf 25 Zähler, Luis Scolas Ausbeute belief sich auf 13 Punkte und der beherzt aufspielende Hernan Jasen markierte 11 Punkte.

Photos by FIBA




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von Crossover 30.05.2012 um 09:59:50


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