Basketball-WM
Im Schongang ins Viertelfinale
Die Türkei reitet bei der Basketball-Weltmeisterschaft im eigenen Land weiterhin auf einer Welle der Euphorie. Gegen Frankreich setzten sich die Osteuropäer klar durch und stehen damit im Viertelfinale. Der Gegner dort heißt Slowenien, das Australien im zweiten Achtelfinale des Tages demontierte.
Von Joshua Wiedmann |
06.09.2010 | |

Slowenien gegen Australien 87:58
Im „Achtelfinale der Wundertüten“, so hatte Crossover das Aufeinandertreffen zwischen Slowenien und Australien tituliert, war im Vorhinein eine verlässliche Prognose schwergefallen. Zurecht, wie sich zeigte, denn ein Ausgang wie das klare 87:58 der Slowenen war tatsächlich kaum zu erwarten gewesen. Das ehemals zu Jugoslawien gehörende Land machte seinem Status als Basketball-Nation alle Ehre und dominierte gegen überforderte Australier von Anfang an. Gegen eine erstklassig eingestellte Defensive Sloweniens fanden die „Boomers“ kaum ein Mittel und brauchten sechs Minuten bis zum ersten Korberfolg (12:2). Die Slowenen, insbesondere Scharfschütze Jaka Lakovic, bescherten ihrerseits den Mannen von „Down Under“ große Probleme aus dem Drei-Punkte-Land (16/33 3FG).
Schon beim Halbzeitstand von 42:21 stand Slowenien (Foto rechts: Bostjan Nachbar) quasi als Teilnehmer des Viertelfinales fest. Die Osteuropäer gaben auch weiterhin den Takt der Partie vor, dem Australien nicht folgen konnte. Besonders offensiv fanden die Ozeanier keinerlei Rhythmus und verstiegen sich immer wieder in einer Wurfauswahl, die Sport1-Kommentator Frank Buschmann zu dem Ausdruck „Wildwest-Basketball“ verleitete. Slowenien blieb konstant hoch in Führung und konnte Ende des dritten Viertels einen 26-Punkte-Vorsprung verbuchen (71:45). Für Australien stand der Schlussabschnitt dann einzig und allein unter dem Motto, sich noch halbwegs anständig aus dem WM-Turnier zu verabschieden. Obwohl die slowenische Auswahl nun eindeutig einen Gang heraus und Coach Mehmed Becirovic seine Starter vom Platz nahm, blieb bei Australien der Wurm drin. Mit einer wenig schmeichelhaften 87:58-Schlappe verabschiedeten sich die „Boomers“ aus Istanbul.
Letztlich war Slowenien eine ganze Klasse besser als Australien - das spiegelte sich auch in den Statistiken wider: Becirovics Mannschaft traf weitaus besser aus dem Feld (50% FG gegenüber 31% FG) als die unterlegenen Australier. Alle zwölf eingesetzten Slowenen punkteten, angeführt vom überragenden Point-Guard-Tandem Jaka Lakovic (19 P) und Goran Dragic (10 P, 8 A). Australiens Nationalcoach Brett Brown konnte und wollte die fast durchgehend schwache Leistung (Topscorer: Patrick Mills mit 13 P und 6/16 FG) anschließend nicht mit der Tatsache entschuldigen, dass in den Vortagen ein Magen-Darm-Infekt sein halbes Team lahm gelegt hatte.
Türkei gegen Frankreich 95:77
Für weitaus mehr Aufmerksamkeit als die äußerst einseitige Begegnung zwischen Slowenien und Australien sorgte der Auftritt der Türkei. Der WM-Gastgeber, welcher in der Vorrunde auf einer wahren Euphoriewelle geritten war, sah sich in einer ausverkauften Halle in Istanbul in der Favoritenrolle. Nach fünf glanzvollen Siegen in der Gruppenphase erwarteten die türkischen Basketballanhänger gegen Frankreich nichts weniger als die Fortsetzung des bisherigen Sommermärchens.
Die Franzosen, die in der Vorrunde u.a. Weltmeister Spanien besiegt hatten, zeigten sich zunächst aber als achtbare Gegner. Gegen die türkische Zonenverteidigung behaupteten sie sich mit schnellem und athletischem Spiel und blieben anfangs auf Schlagdistanz (17:13). Dank einiger erfolgreicher Aktionen in Korbnähe und einem schwierigen Dreier von Ender Arslan entwickelte sich die Begegnung im zweiten Viertel aber immer mehr nach dem Geschmack der Türken (26:16). Frankreich offenbarte nun immer öfter Lücken im eigenen Defensivriegel und kam offensiv gegen die agile Zone der Hausherren seltener zum Zug. Initiiert vom überragenden Hedo Türkoglu (Foto rechts), der sowohl als Scorer als auch als Passgeber in Erscheinung trat, zogen die Osteuropäer bis zur Hälfte auf 43:28 davon. Mit steigendem Selbstvertrauen machten die Türken nun kurzen Prozess mit den Franzosen, die an einer starken Verteidigung der Gastgeber verzweifelten. Immer mehr machte sich das Fehlen eines Einzelkönners wie Tony Parker bei der „Grande Nation“ bemerkbar. Türkeis Nationalcoach Bogdan Tanjevic vertraute in der Schlussphase des längst entschiedenen Spieles seiner zweiten Garde, die noch das ein oder andere Highlight aus türkischer Sicht hinzufügte.
Aus einer geschlossenen Teamleistung stachen bei den Türken Hedo Türkoglu (20 P, 3 A), Ömer Asik (10 P, 5 R) und Point Guard Sinan Güler (17 P) hervor. Nicht aber in der Offensive, sondern mit der Leistung in der Defensive brachen die Gastgeber ihrem Gegner das Genick: Ohne konstant gut zu treffen waren die Franzosen letztendlich chancenlos - da halfen selbst 21 Punkte von Boris Diaw wenig. Einziger Wermutstropfen für die Türken: Starting-Point-Guard Kerem Tunceri verletzte sich in der zweiten Halbzeit am Fuß und kam anschließend nicht mehr zum Einsatz. Ob der Routinier im Viertelfinale gegen Slowenien wieder einsatzbereit ist, wird sich zeigen.
Photos by FIBA



von Jarlaxle 06.09.10 um 08:37:01
Also mich enttäuschen die Franzosen irgendwie immer. z.T. tolle Einzelspieler (Batum, Diaw) und sehr athletisch. Aber machen tun sie nix daraus. Das sah offensiv doch etwas planlos aus. Erinnerte mich an Deutschland, nur ohne Schüsse von außen.*G*
von Dickson 06.09.10 um 08:40:04
Nach der ganzen spannung am ersten 1/8 final tag, wurde es ja am zweiten tag etwas deutlicher...
aber slo-aus war ein richtiger grottenkick, wenn die slowenen ihre dreier nicht getroffen hätten, wäre es not gegen elend geworden...
von Dickson 06.09.10 um 08:43:40
schland kann sich besser gegen so eine agressive 2-3 zone behaupten, weil mit jagla, schaffartzik, greene, evtl staiger & schwethelm spieler dabei sind, die konstant ihre dreier treffen können.
hätten die franzosen und griechen 2 spieler die an der dreierlinie eine gefahr sind, wäre diese 2-3 Zone nicht aufgegangen, aber stattdessen wurde der ball immer unter den korb gepasst oder von aussen reingetragen...
meine meinung...