Basketball-WM
Große Hoffnungen, große Sorgen
Die Gruppe C ist so ausgeglichen besetzt wie keine andere bei der WM: Mit Griechenland, Russland und der Türkei kämpfen drei echte Basketballschwergewichte um den Gruppensieg. China möchte auch ohne Yao Ming beweisen, dass es einmal ein solches Schwergewicht werden könnte und Puerto Rico, dass es längst kein Außenseiter mehr ist. Nur die „Elefanten“ der Elfenbeinküste fahren ohne große Erwartungen zu ihrer ersten Weltmeisterschaft.
Von Conrad Ziesch |
24.08.2010 | |
Türkei: Zum Siegen verdammt
Als Gastgeber des Turniers ist das Team von Headcoach Bogdan „Boscia“ Tanjevic zum Siegen verdammt. Selbst ein sechster Platz wie vor vier Jahren in Japan wäre vor heimischen Fans eine herbe Enttäuschung, zumal es gleich in der Vorrunde gegen den Erzrivalen aus Griechenland (31.08.) geht. Die WM-Vorbereitung mit drei Schlappen beim BEKO Supercup ließ aber selbst Optimisten an der Form der Türken zweifeln.
Ohne den verletzten Mehmet Okur vertraut Tanjevic ganz auf seinen Leitwolf Hidayet Turkoglu. Nach einem verlorenen Jahr in Toronto kommt der Forward aber erst langsam wieder in Tritt. Eine positive Entwicklung hat Ersan Ilyasova hinter sich, der seine Milwaukee Bucks bis in die Playoffs führte. Unter dem Korb verfügt die Türkei mit Omer Asik (Chicago Bulls) und Semih Erden (Boston Celtics) über zwei talentierte Big Man. Als Stabilisator im Aufbau und in der Verteidigung fungiert Kerem Tunceri von Efes Pilsen Istanbul.
Ob das genügt, um den heimischen Schlachtenbummlern am Ende eine Medaille zu präsentieren, bleibt abzuwarten. Mit einem fitten Turkoglu und jeder Menge Hexenkesselatmosphäre sollte es für die Türkei aber mindestens fürs Viertelfinal reichen.
China: Ohne Yao, ohne Chance
Mit neuem Trainer (Bob Donewald) aber erneut ohne Yao Ming startet China in die Weltmeisterschaft 2010. Die Nummer neun der FIBA-Weltrangliste musste kurz vor den Titelkämpfen mehrere peinliche Niederlagen hinnehmen, darunter zweistellige Klatschen gegen Puerto Rico (76:92), Kanada (62:86) und die USA (51:98).
Nicht Washingtons Yi Jianlian, sondern Wang Shipeng von den Guandong Southern Tigers war der auffälligste Akteur des Teams in der WM-Vorbereitung. Neben Yi und Wang strahlen Wang Zhizhi, Sun Yue und Point Guard Liu Wei die meiste Gefahr in der Offensive aus. Dennoch fehlt China ein konstanter Scorer sowie ein Abräumer unter dem Korb. In der Verteidigung tun sich gegen schnellere und athletischere Gegner wie die USA große Lücken auf.
Für die Mannschaft aus dem Reich der Mitte sollte der Einzug ins Achtelfinale das Höchste der Gefühle sein. Interessant wird das Aufeinandertreffen mit Griechenlands Chefcoach Jonas Kazlauskas (28.08.), der zuvor die Chinesen trainierte.
Griechenland: Der Favorit
Kazlauskas steht nun also an der Seitenlinie der Griechen, des Topfavoritens der Gruppe C. Mit ihrem 123:49-Gemetzel gegen die Kanadier und überzeugenden Erfolgen über Kroatien (90:81), Deutschland (82:54) und Russland (101:63) stellten die Hellenen schon in der Vorbereitung die Weichen in Richtung Weltmeisterschaft.
Vassilis Spanoulis ist wie in den letzten Jahren der Denker und Lenker im System Griechenlands. Auch Dimitris Diamantidis wird wieder an Bord sein und seinem Namen als einer der besten Verteidiger Europas alle Ehre machen wollen. Die Mischung aus Alt und Jung stimmt bei Hellas: Neben erfahrenen Haudegen übernehmen junge Spieler wie Nick Calathes oder Sofoklis „Baby Shaq“ Schortsanitis Verantwortung für das Team.
Die Chancen der Griechen, den drei Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften in den letzten Jahren eine vierte folgen zu lassen, hängen nach der wüsten Schlägerei im Spiel gegen Serbien am seidenen Faden. Die FIBA behält sich vor, harte Strafen auszusprechen. So könnte es etwa Schortsanitis treffen, einen der erfolgreichsten Spieler in der WM-Vorbereitung.
Russland: Mission Neuaufbau
Anders als bei Griechenland scheint bei Russland der Generationswechsel nicht reibungslos zu verlaufen. Der Europameister von 2007 muss bei der WM in der Türkei auf Andrei Kirilenko, J.R. Holden und wohl auch auf Viktor Khryapa verzichten. In die Bresche springt eine ganze Armada von Spielern, die in Moskau ihre Brötchen verdienen, allen voran Segey Monya von Dynamo Moskau. Zur Seite steht ihm mit Teamkamerad Sergey Bykow einer der besten Vorlagengeber und Punktesammler der russischen Liga.
Zu achten ist auch auf Kelly McCarty und Vitaly Fridzon, die beide bei Khimky Moskau unter Vertrag stehen. Centerhoffnung Timofey Mozgow kämpft momentan um einen Platz im Kader der New York Knickerbockers. Die Spieler von Headcoach David Blatt sind zwar allesamt talentiert, ein Einzug ins Halbfinale oder gar Finale der WM kommt für sie aber wohl noch zu früh. Für Russland sollte das Erreichen der letzten acht Teilnehmer ein realistisches Ziel sein.
Puerto Rico: Der große Kleine
Ebenfalls ins Viertelfinale vorstoßen, wollen die Spieler von Nationaltrainer Manuel Cintron. Das basketballverrückte Land mit seinen nur vier Millionen Einwohnern hat 2004 bereits die großen Amerikaner vom Parkett geputzt (92:73) und 2010 mit dem Gewinn der Mittelamerikameisterschaft Frühform bewiesen.
Die Hierarchien im Team sind klar verteilt. Carlos Arroyo ist nicht nur der beliebteste, sondern auch der beste Spieler seines Landes und wirbelt an der Seite von Maverick Jose Barea. Wenn Arroyo und Barea zum Korb penetrieren, wartet Larry Ayuso auf den Pass nach außen. Auch unter dem Korb ist Puerto Rico mit Peter John Ramos und Daniel Santiago solide besetzt. Der Mann für alle Fälle ist Renaldo Balkman von den Denver Nuggets.
Die Schwäche Puerto Ricos ist seine Unausgeglichenheit. Wenn Arroyo oder Barea eine Pause benötigen, fällt das Niveau. Auch innerhalb des Kollektivs scheint es noch zu knistern. Angeblich beschwerten sich Larry Ayuso und Christian Dalmau über fehlende Spielzeit. Prompt fehlten sie im Testspiel gegen Deutschland. Sollten die Mittelamerikaner ihre Nebenkriegsschauplätze unter Kontrolle bekommen, könnte sie eine der Überraschungsmannschaften des Turniers werden.
Elfenbeinküste: Erfahrung sammeln
Eine Überraschung waren die „Elefanten“ der Elfenbeinküste bereits: bei der Afrikameisterschaft im letzten Jahr. Dort gewannen die Ivorer, die vom Schweizer Randoald Dessarzin trainiert werden, überraschend die Silbermedaille und qualifizierten sich zum ersten Mal für eine WM. Für die meisten Akteure ist das eine einmalige Möglichkeit, sich auf internationalem Parkett zu präsentieren. Sie sind wie Brice Assie (Argentinien) oder Herve Lamizana (Libanon) über den ganzen Globus verstreut.
Die Leistungsträger der Mannschaft sind Jonathan Kale (Phoenix Hagen), der auf der Internetseite des Verbandes als Charles Barkley der Elfenbeinküste vorgestellt wird, sowie Mohamed Kone, mit seinen 2,11 Metern das größte Talent des Landes. Point Guard Pape Amagou zählt zu den wenigen international erfahrenen Spielern; er wurde in Frankreich bereits zum All Star gewählt und sollte auch im Nationalteam seines Landes Verantwortung tragen.
Die größte Schwäche und gleichzeitig größte Stärke der Elfenbeinküste ist ihre Unberechenbarkeit. Einen echten Star gibt es bei den Westafrikanern nicht. Beispiel gefällig? Didier Tape spielt nicht nur in der fünften französischen Liga (!) er war auch zweitbester Scorer seines Teams bei der Afrikameisterschaft 2009 (10,4 PpG). Trotzdem sind und bleiben die Afrikaner krasser Außenseiter in der Gruppe C.
Crossover-Tipp: Griechenland, Russland und die Türkei sollten die Gruppenphase überstehen und sicher ins Achtelfinale einziehen. Um den vierten Platz streiten sich China und Puerto Rico. Die Mittelamerikaner scheinen momentan die Nase vorn zu haben. Für die Spieler der Elfenbeinküste heißt es, internationale Luft zu schnuppern.



von mercator_oris 25.08.10 um 11:23:50
wieder ne schöne übersicht, aber laut meines wissens haben ayuso und dalmau das team verlassen und werden bei der wm definitiv nicht spielen !!!
von Clodewich 25.08.10 um 15:11:15
So weit ich weiß, galt die Maßnahme erstmal für die Spiele gegen Deutschland. Es kann aber durchaus sein, dass sich der Verband mittlerweile endgültig für den Ausschluss der beiden Spieler entschlossen hat.
Für Puerto Rico ist das spielerisch auf jeden Fall eine Schwächung; Ayuso war in den letzten Jahren einer der beständigsten Akteuren des Nationalteams.
von nicoquanz 25.08.10 um 20:59:55
griechen sind natürlich erster elfenbeinküste 6ter china 5ter 2 3 4 wird ein kampf den die russen wohl verlieren und die türken auf platz 2 beenden wegen dem heimvorteil puerto ricco kann durchaus den dritten rnag packen