Basketball-WM
Griechenland und Spanien im Finale
Nicht die beiden Topfavoriten, die USA und Argentinien, bestreiten das Finale der Basketball-WM, sondern Spanien und sensationell Griechenland.
Von Dennis Amedovski |
01.09.2006 | |
Griechenland ? USA 101:95
Die Sensation ist perfekt! Der Europameister erreicht nach dem verdienten 101:95-Erfolg gegen das "Team USA? das Finale der diesjährigen Weltmeisterschaft. In einem intensiven, aber stets fairen Spiel zeigten die Griechen Team-Basketball und beendeten vorzeitig den Höhenflug der US-Amerikaner.
Dabei sah es für die NBA-Profis zunächst gut aus. Sie dominierten in den ersten zehn Minuten die Zone (sechs Offensiv-Rebounds) und führten mit 20:14. Auch im zweiten Viertel zeichnete sich zunächst das gleiche Bild ab. Die Amerikaner lagen, angeführt von Carmelo Anthony, mit neun Punkten vorne (33:21), ehe ein 9:0-Lauf der Griechen die Partie wieder ausgeglichen gestaltete. Dann folgte die große Sofoklis Schortsianitis-Show. Der Center, der 2003 von den Los Angeles Clippers gedraftet wurde, machte acht Zähler in Folge. Immer wieder wurde er gut eingesetzt und konnte unter dem Korb leicht punkten. Die Griechen fanden immer besser ins Spiel, während bei den Amerikanern nur Carmelo Anthony (13 Punkte in der ersten Hälfte) dagegen halten konnte. Zur Halbzeit lag der Europameister mit 45:41 in Front.
Die US-Fans hofften zum Start der zweiten Hälfte auf einen ähnlichen Beginn ihrer Mannschaft wie gegen Italien und Deutschland, als man jeweils im dritten Viertel einen Lauf starten und so frühzeitig den Sieg feiern konnten. Entgegen aller Erwartungen trafen die Griechen nun ihre Dreier (Spanoulis und Diamantidis), während die US-Boys mit ihren Nerven haderten und sogar Freiwürfe nicht erfolgreich verwandeln konnten. Griechenland kontrollierte ab dem dritten Viertel nicht nur ihren eigenen Korb und ließ die Amerikaner nicht zu leichten Punkten kommen, sondern auch die Partie und gingen mit einem 12-Punkte-Polster in das letzte Viertel.
Dort ließ dann Head Coach Mike Krzyzewski seine drei Stars (LeBron James, Dwyane Wade und Carmelo Anthony) gemeinsam mit zwei Distanzschützen (Joe Johnson und Kirk Hinrich) und ohne Center auf das Parkett. Die Griechen jedoch nutzten das Loch unter dem Korb aus, punkteten immer wieder per Pick-and-roll aus der Nahdistanz, während die Offensive der US-Boys nur aus Einzelaktionen bestand. Zwar keimte nach einem Dreier von Kirk Hinrich noch einmal Hoffnung auf (86:91), doch nach einem unsportlichen Foul vom Point Guard der Chicago Bulls an Schortsianitis, punktete erneut Spanoulis, der von den Houston Rockets gedraftet wurde, per Dreier zum 94:86. Die Amerikaner gaben jedoch nicht auf und kamen durch Hinrich auf vier Punkte heran, doch Michail Kakiouzis und Antonis Fotsis verwandelten auf der Gegenseite ihre Freiwürfe, sodass Griechenland immer wieder auf die schnellen Punkte der Amerikaner antworten konnte. Kakiouzis stellte mit zwei Freiwürfen den Endstand her.
Die US-Amerikaner warten nach der Halbfinal-Niederlage seit 1994 auf den WM-Titel und werden sich in den kommenden Tagen einiges von den heimischen Medien anhören müssen. Carmelo Anthonys 27 und LeBron James? 17 Punkte gingen in den griechischen Freudentänzen unter.
Spanien ? Argentinien 75:74
In einem weiteren spannenden Halbfinale besiegten die Spanier Argentinien knapp mit 75:74. Die Südamerikaner erwischten zwar den besseren Start in die Partie (7:0-Lauf gleich zu Beginn des Spiels) und hielten die Iberer auf vier Punkte nach fünf Minuten, doch großartig ausnutzen konnten die Gauchos dies, trotz Reboundüberlegenheit, nicht. 21:15 lautete das Ergebnis nach den ersten zehn Minuten. Die Partie blieb weiter ausgeglichen. Während die Spanier mit einem Dreier von Jorge Garbajosa und einem Drei-Punkte-Spiel von Pau Gasol vorlegten, antworteten die Südamerikaner mit Distanzwürfen von Walter Herrmann und Carlos Delfino. Denkbar knapp ging es daher in die Halbzeit (40:38 für Argentinien).
Mit der ausgeglichenen Partie wurde der Spielverlauf härter und intensiver. Bei einer kleinen Auseinandersetzung kassierte der argentinische Point Guard Juan Sanchez ein unsportliches, Carlos Delfino kurz darauf sein viertes Foul und Manu Ginobili musste kurzzeitig mit Problemen an seinem linken Handgelenk behandelt werden. Eng blieb es bis zum Schluss, was vor allem daran lag, dass Juan-Carlos Navarro einen rabenschwarzen Tag erwischte. Erst Mitte des letzten Viertels traf er seinen ersten Wurf aus dem Feld zur 71:67-Führung. Anschließend verpasste Ginobili es mit einem Dreier zu verkürzen, während auf der anderen Seite Pau Gasol gefoult wurde. Der Forward der Memphis Grizzlies trat dabei mit seinem rechten Fuß unglücklich auf, verwandelte zwar anschließend seine beiden Freiwürfe, konnte aber im weiteren Spielverlauf nicht mehr eingesetzt werden. Per Dreier von Sanchez kam Argentinien auf 70:73 heran, während auf der anderen Seite José-Manuel Calderon nur einen Freiwurf treffen konnte. Ginobili und Luis Scola sorgten per Layer bzw. zwei Freiwürfe für den Ausgleich (74:74). 22 Sekunden vor dem Ende entschieden sich die Südamerikaner zu foulen, schickten Calderon wieder an die Linie und erneut traf er nur einen Freiwurf. Die letzten Sekunden gehörten dann dem Guard der San Antonio Spurs. Ginobili ließ die Zeit herunterspielen, zog in die Zone, sah sich mehreren spanischen Gegenspielern gegenüber, passte raus auf Andres Nocioni, der an der Dreierlinie frei stand, den Wurf aber nicht verwandeln konnte.
Dem spanischen Erfolg standen spanische Tränen gegenüber. Während seine Mitspieler feierten, humpelte Pau Gasol und weinte. Sein Einsatz im Finale ist mehr als fraglich. Die unterlegenen Argentinier, die bei der letzten WM erst im Finale von Serbien und Montenegro gestoppt wurden, treffen im morgigen Spiel um den dritten Platz auf die US-Amerikaner.



von Crossover 09.09.2010 um 11:56:37
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