BEKO-Supercup
Jung, neu, brauchen die Erfahrung
An diesem Freitag und Samstag findet mit dem Supercup in Bamberg wieder eine Standortbestimmung für die deutsche Nationalmannschaft statt. Beim Vorbereitungsturnier auf die Europameisterschaft in Polen werden die sich im Neuaufbau befindenden Bundesadler zunächst mit Mazedonien auseinander setzen müssen. Die kroatische und polnische Auswahl komplettieren das Feld beim Vier-Nationen-Turnier.
Von Manuel Baraniak |
20.08.2009 | |
Der vergangene Dienstag in Bamberg: Die deutsche Nationalmannschaft absolviert im Zuge des Supercups eine Trainingseinheit am Nachmittag. Dabei ist auch niemand geringerer als Dirk Nowitzki zugegen. Doch anstatt, dass der NBA-Star zum Kader der deutschen Korbjäger gehört, stattet Nowitzki der Mannschaft von Bundestrainer Dirk Bauermann nur einen Besuch ab.
Zum ersten Mal seit elf Jahren wird Nowitzki nämlich nicht die deutschen Farben bei einem großen, internationalen Turnier vertreten. Mark Cuban, Besitzer der Dallas Mavericks, erinnerte seinen Arbeitnehmer an eine Vereinbarung, dass der 31-Jährige nach der Teilnahme an den Olympischen Spielen im vergangenen Jahr eine Auszeit von der Nationalmannschaft über den Sommer nehmen würde.
Mit dem Fehlen des langjährigen Zentralgestirns des deutschen Basketballs wird nun aber ein weiterer großer Schritt gen Neuaufbau eingeschlagen. Mit Robin Benzing, Per Günther (Foto), Elias Harris, Yassin Idbihi, Johannes Lischka, Tibor Pleiß, Heiko Schaffartzik und Lucca Staiger gaben gleich acht Akteure erst in diesem Sommer ihr Debüt in der A-Nationalmannschaft. Jene Jungspunde kommen mit Konrad Wysocki und Tim Ohlbrecht auf eine Länderspielerfahrung von zusammengerechnet 68 Partien. Jeder der restlichen fünf sich im Kader befindenden Korbjäger (Patrick Femerling, Demond Greene, Steffen Hamann, Jan-Hendrik Jagla, Sven Schultze) kommt da schon allein auf mehr Einsätze.
Dirk Bauermann wird nicht nur auf Nowitzki, sondern auch auf den erst im vergangenen Jahr eingebürgerten Chris Kaman verzichten müssen. Auf Grund der entstehenden Lücke unter den Körben kehrt nun sogar Patrick Femerling zurück. Der deutsche Rekordnationalspieler (209 Länderspiele) hatte eigentlich nach Peking seinen Rücktritt erklärt, stellt sich nun aber zur Verfügung. Wann der 34-Jährige allerdings das erste Mal wieder auf dem Parkett stehen wird, ist noch offen.
Ob Femerling schon beim Auftaktspiel am Freitag, um 18.15 Uhr gegen Mazedonien auflaufen wird, wird sich zeigen. Zwar konnten die Osteuropäer vor allem durch die erfolgreiche EM-Qualifiaktion von sich reden machen, als sie sich in einer Gruppe mit Estland, Lettland und Portugal durchsetzen konnten, dennoch sind die Mazedonier die großen Unbekannten. Erst zweimal standen sich die Deutschen und Mazedonier gegenüber: Bei der EM-Qualifikation für die EuroBasket 2003 konnten die deutschen Korbjäger beide Partien für sich entscheiden.
Der erfahrenste Akteur innerhalb der Auswahl von Trainer Jovica Arsic ist zweifelsohne Vrbica Stefanov. Der Aufbauspieler und Kapitän ist in seinem Heimatland so etwas wie eine Legende, wurde der 35-Jährige doch beispielsweise schon fünfmal zur Sportpersönlichkeit des Jahres ausgezeichnet. Neben dem Center-Gespann um Pero Antik und Todor Gecevski sticht vor allem noch Jeremiah Massey hervor. Der gebürtige US-Amerikaner ist sehr athletisch und konnte schon in Europas Topligen einiges an Erfahrung sammeln. Nach zwei Jahren bei Aris Thessaloniki, wo er zweimal zum MVP des griechischen All-Star Games und in der Saison 2006/07 zum spektakulärsten Akteur der Euroleague ernannt wurde, stand der Big Man zuletzt in Diensten von Real Madrid, die ebenfalls in Europas Königsklasse antreten.
Es bleibt abzuwarten, wie die Mazedonier den verletzungsbedingten Ausfall von Vlado Ilievski kompensieren werden. Ohne den Point Guard ist Stefanov ziemlich auf sich alleine gestellt. Benötigt der 35-Jährige eine Verschnaufpause, kommt im Backcourt nicht mehr viel. Für die Osteuropäer, die zum ersten Mal am Supercup teilnehmen, ist die erste EM-Teilnahme nach 1999, und die damit zweite überhaupt, sicherlich schon ein Erfolg.
Auch die polnische Auswahl wird zum ersten Mal beim Turnier in Bamberg vertreten sein. Dabei muss Trainer Muli Katzurin, der seit März vergangenen Jahres im Amt ist, auf den wichtigsten und prominentesten Akteur verzichten. Nachdem sich Marcin Gortat (Foto) in einem Testspiel gegen Großbritannien am Rücken verletzt hatte, wird der Center der Orlando Magic nicht beim Supercup auflaufen können. Doch Katzrin hat mit Maciej Lampe einen weiteren erstklassigen Big Man zur Verfügung. Der 24-Jährige absolvierte drei Spielzeiten in der NBA und wurde im vergangenen Jahr zum MVP des russischen Cup-Finals ausgezeichnet, nachdem er mit Khimki Moskau den Stadtrivalen CSKA schlagen konnte. In der kommenden Saison wird Lampe mit Maccabi Tel Aviv in der Euroleague antreten.
In den vergangenen Testspielen setzte darüber hinaus vor allem David Logan das ein oder andere Ausrufezeichen. Der amtierende MVP der polnischen Liga bekam erst in diesem Jahr die polnische Staatsbürgerschaft und absolvierte sein erstes Länderspiel für Polen am 11. August. Bei den letzten fünf Vorbereitungspartien, von denen die Polen zwei für sich entscheiden konnten, stellte der Guard stets mindestens den zweitbesten Punktesammler seiner Mannschaft. Hinter Logan klafft im polnischen Backcourt aber eine Lücke. Die Stärken sind vielmehr auf den großen Positionen zu sehen, wozu auch Oldie Adam Wojcik zu zählen ist. Der 39-Jährige lief schon bei der Europameisterschaft 1991 für sein Land auf und ist das Herz der Mannschaft.
Nachdem die Polen bei der vergangenen EM alle drei Vorrundenspiele verloren hatten, ist ihnen dieses Jahr weit mehr zuzutrauen. Bis zur Kontinentalmeisterschaft im eigenen Land wird auch Marcin Gortat wieder fit sein. Die Polen trafen bisher in 31 Partien auf den Nachbarn aus Deutschland, wovon die polnische Auswahl 13 Begegnungen für sich entscheiden konnte. In zwei Freundschaftsspielen im vergangenen Jahr behielten jeweils die DBB-Korbjäger die Oberhand.
Ein „absoluter Medaillen-Kandidat bei der EM“. So beschreibt Dirk Bauermann die kroatische Auswahl. Und so ist die Mannschaft vom Balkan auch als Favorit beim Supercup zu zählen. Head Coach Jasmin Repesa hat im Großen und Ganzen jene Akteure zur Auswahl, die bei den Olympischen Spielen in Peking auf den sechsten Platz landeten, und verfügt damit über ein ausgeglichenes Mannschaftsgefüge. Neu dabei sind unter anderem auch wieder
Mario Kasun und Nikola Vujcic (der zuletzt bei der EM 2005 im Team stand), die den kroatischen Frontcourt (um unter anderem Marko Banic und Ante Tomic) enorm verstärken. Doch auf den kleinen Positionen sind die Südosteuropäer mit den NBA-erfahrenen Zoran Planinic (Foto) und Roko Ukic, sowie Marko Popovic oder Marko Tomas nicht weniger gut besetzt.
Nichtsdestotrotz konnten die Kroaten in der Vorbereitung noch nicht überzeugen. Zuletzt setzte es zwei Niederlagen gegen Slowenien, während zuvor die Polen immerhin in einem der beiden Testspiele geschlagen werden konnten. Gegen den EM-Gastgeber wird die Mannschaft von Jasmin Repesa, die zum vierten Mal beim Supercup auflaufen wird, auch am Freitag um 20.30 Uhr antreten.
Sollte es am Samstag zu einem Duell mit der deutschen Auswahl kommen, so spricht die Bilanz gegen die Kroaten. In bisher 14 Aufeinandertreffen zwischen den beiden Nationen siegten die Kroaten bisher sechsmal. Zuletzt konnten sich die Mannen vom Balkan beim Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele in Athen im vergangenen Jahr gegen die Bundesadler durchsetzen, als sie im Halbfinale nach einem 80:71-Sieg das Ticket für Peking lösen konnten.
Die deutschen Spiele beim Supercup werden live im DSF übertragen. Die Berichterstattung der Partie zwischen den DBB-Korbjägern und Mazedonien beginnt am Freitag ab 18.00 Uhr. Am Samstag übertragt der deutsche Sportsender ab 19.00 Uhr von der Begegnung mit deutscher Beteiligung. Auch CROSSOVER wird in Bamberg vor Ort sein.






von Le-Roi-Diaw 21.08.09 um 14:39:35
Kleine Verbesserung: Massey ist schon 27 Jahre und keine 21 mehr ;-)
von Oxymoron 21.08.09 um 17:48:38
Danke, ist korrigiert.