BEKO-Supercup
Erfahrungsschatz erweitert
Beim diesjährigen Supercup in Bamberg verlor die deutsche Nationalmannschaft zwar im Finale gegen Kroatien, allen voran die Nachwuchskräfte um Robin Benzing (Foto), Per Günther, Elias Harris, Yassin Idbihi oder Tim Ohlbrecht zeigten aber eine couragierte Leistung. Beim Vier-Nationen-Turnier belegten die Mazedonier den dritten Platz vor Polen.
Von Manuel Baraniak |
23.08.2009 | |
Deutschland gegen Mazedonien 78:77 (40:48)
Die Fäuste waren geballt, die Emotionen heraus geschrien: Als Robin Benzing (Foto) zum Auftakt des Supercups gegen Mazedonien gegen Ende des dritten Viertels einen Drei-Punkte-Wurf zum 54:58 getroffen hatte, war nicht nur wieder die deutsche Herren-Nationalmannschaft im Spiel, auch die gut 4.000 Zuschauer in der Bamberger JAKO Arena voll dabei. Als der Forward in Diensten von ratiopharm Ulm wenig später an der Freiwurflinie punktete und Jan-Hendrik Jagla einen Distanzwurf versenkte, verkürzten die DBB-Korbjäger vor dem Schlussabschnitt auf 62:63. Eine Aufholjagd, die sich über weite Strecken des bisherigen Spielverlaufs abgezeichnet hatte, sollte im Schlussabschnitt sodann ihre Fortsetzung finden.
Zu Beginn der Partie schien es, als hätte sich die deutsche Nationalmannschaft einen ersten Vorteil erspielt, als Benzing hart zum Korb zog und Mazedoniens Center Predrag Samardziski früh dessen zweites Foul anhängte. In der Folgezeit waren es aber die Südosteuropäer, die ein wenig davonziehen konnten. Dies hatten sie vor allem ihrem erfahrenen Aufbauspieler Vrbica Stefanov zu verdanken, der innerhalb kürzester Zeit seinem Gegenspieler Steffen Hamann mit step-back-Dribblings narrte und zwei Drei-Punkte-Würfe versenkte. Versuchte die Mannschaft von Head Coach Jovica Arsic ihr Glück einmal nicht im Distanzwurf, so bereitete Darius Washington – welcher in der Saison 2007/08 zu 18 Einsätzen bei den San Antonio Spurs kam – mit seiner Schnelligkeit und seinem Zug zum Korb der deutschen Verteidigung Probleme.
Die Mazedonier nutzten in dieser Phase einen 8:0-Lauf, um sich leicht abzusetzen, und hatten schon nach der Hälfte des Anfangsabschnitts eine zweistellige Führung inne. Auch die Deutschen ließen mit elf Dreiern im ersten Viertel, wovon jedoch nur drei ihr Ziel fanden, einige Würfe von außen fliegen, durch zahlreiche Offensiv-Rebounds kamen sie so aber zu einigen zweiten Wurfchancen. In der Endphase des Abschnitts kam Heiko Schaffartzik, der Steffen Hamann auf der Aufbauposition ersetzte und dem deutschen Offensivspiel mehr Leben einhauchte, zweimal aus der Mitteldistanz zum Abschluss, während Elias Harris seine Athletik ausspielte und den Ball unter dem Korb durch die Reuse hämmerte. Ein Dreier von Jagla brachte den 25:25-Ausgleich.
Die Mannschaft von Dirk Bauermann kam im zweiten Abschnitt zwar mit dem flinken Washington, der in den ersten zehn Minuten acht Punkte markiert hatte, besser zurecht, die Mazedonier kamen aber vermehrt von außen zum Abschluss. Riste Stefanov war für zwei Drei-Punkte-Würfe verantwortlich, sodass die mazedonische Auswahl schnell wieder eine zweistellige Führung ihr eigen nennen konnte. Die Deutschen versuchten des Öfteren, ihre Big Men einzusetzen, doch gab es bei den Anspielen in den Low-Post des Öfteren Abstimmungsprobleme, was zu leichtfertigen Ballverlusten führte.
Möglichkeiten, durch Fastbreaks zu leichten Punkten zu kommen, gab es für die DBB-Herren ebenso kaum. Demond Greene, der als Lokalmatador ab und an Sprechchöre erntete, brachte seine Mannschaft durch zwei Treffer von „Downtown“ wieder heran. Zur Halbzeit betrug der Rückstand nur noch acht Zähler. Die Mazedonier hatten bis dahin nur selten ihre Big Men im Low-Post angespielt, kamen aber an der Freiwurflinie zu einfachen Zählern. In den ersten 20 Minuten kamen die Südosteuropäer zu zehn Versuchen von der Linie mehr als die Deutschen.
Während auf Seiten Mazedonien Darius Washington in der zweiten Hälfte gar nicht mehr auf das Feld durfte, kam sodann Jeremiah Massey das erste Mal zum Einsatz. Ein um das andere Mal ließ der 27-Jährige, der derzeit in Diensten Real Madrids steht, seine Athletik aufblitzen, als er unter dem Korb nach Offensiv-Rebounds kämpfte und so auch ab und an zum Abschluss kam. Nachdem sich die Mazedonier zunächst einige Ballverluste leistete – in der zweiten Hälfte waren es insgesamt neun Turnover –, kam die deutsche Auswahl wieder auf vier Zähler heran. Kurz daraufhin legten die Mazedonier aber wieder nach, ehe es in das Ende des dritten Abschnitts ging, und jene deutsche Aufholjagd begann.
Ein Grund dafür lag auch in der aggressiveren Verteidigung Deutschlands. Trafen die Mazedonier in der ersten Hälfte noch 53 Prozent ihrer Würfe aus dem Feld, waren es im zweiten Abschnitt nur noch 35 Prozent. Im Schlussabschnitt war es dann Elias Harris, der zunächst die Partie an der Freiwurflinie ausglich und wenig später sein Team per Distanzwurf in Führung brachte. Folglich sollte sich ein ausgeglichenes Spiel abzeichnen, bei dem sich beide Mannschaften auf Augenhöhe begegneten. Ging es lange Zeit hin und her, verloren die Mazedonier gegen Ende der Begegnung des Öfteren das orangene Leder. Heiko Schaffartzik und Tim Ohlbrecht versenkten jeweils ihre beiden Versuche von der Linie und brachten das deutsche Team mit 76:72 in Führung. 1,4 Sekunden vor Schluss kamen die Mazedonier zwar per Distanzwurf auf 77:78 heran, mehr als Ergebniskosmetik war dies aber nicht mehr.
Nach der Partie war Bundestrainer Dirk Bauermann vor allem gegenüber Robin Benzing und Elias Harris voll des Lobes. Benzing war zusammen mit Schaffartzik mit jeweils 13 Zählern sogar Topscorer der deutschen Auswahl. Der 20-Jährige griff sich zudem fünf Rebounds. Harris kam auf zehn Zähler; Bauermann war aber vor allem begeistert davon, wie es Harris geschafft habe, auf der ungewohnten Position des Shooting Guard eingesetzt zu werden und sogar gegnerische Aufbauspieler verteidigen zu können. In Reihen Mazedoniens überzeugte vor allem Vrbica Stefanov: Der 35-Jährige, der zuletzt im Kader des spanischen Erstligisten Menorca Basquet stand, markierte 22 Zähler, traf drei seiner sechs Drei-Punkte-Würfe und war der unumstrittene Dirigent seiner Mannschaft.
Kroatien gegen Polen 81:74 (42:34)
Erwartungsgemäß lichteten sich die Zuschauerränge ein wenig, als sich um 20.30 Uhr die kroatische und polnische Auswahl zum Tip-off aufstellten. Zu Beginn der Partie setzte vor allem Kroatiens Guard Davor Kus einige Duftmarken, als er beispielsweise zwei Drei-Punkte-Würfe hintereinander verwandelte und Ante Tomic per sehenswerten Bodenpass bediente. Auf der Gegenseite schulterte Maciej Lampe die polnische Punktelast, als er sowohl mit Sprungwürfen im Zurückfallen als auch mit Bewegungen in Korbnähe sein Offensivpotenial abrief. Elf der ersten 18 Zähler seiner Mannschaften gingen auf das Konto des 24-Jährigen. Durch einen erfolgreichen Distanzwurf von Oldie Adam Wojcik hatten die Polen Ende des ersten Abschnitts die erste Führung inne und lagen auch zur Viertelpause vorne (22:19).
Es waren aber die Kroaten, die besser in den zweiten Abschnitt starteten. Nikola Vujcic, der nach vier Jahren wieder in der kroatischen Nationalmannschaft steht, war in drei Angriffen hintereinander erfolgreich und brachte seine Mannschaft mit fünf Zählern in Führung. Den zweiten Abschnitt entschieden die Mannen vom Balkan mit 23:12 für sich, sodass sie mit einer Acht-Punkte-Führung in die Halbzeit gingen. Während sich bei den Südosteuropäern die Punkteverteilung ausgeglichen gestaltete, stach bei den Polen Lampe hervor, der für 16 der 34 Zähler seiner Mannschaft verantwortlich zeichnete. Am Rebound-Nachteil seines Teams konnte aber auch der Neuzugang Maccabi Tel Avivs nichts ändern.
Feuerten die Cheerleader in der ersten Hälfte noch die Kroaten mit „Defense“-Sprechchören an, sympathisierten sie in Durchgang zwei mit den Polen. Zunächst hielten die Kroaten ihre Gegenüber noch auf Abstand, als sie vor allem in Korbnähe erfolgreich waren. Während beim Nachbarn Deutschlands der eingebürgerte David Logan seinen ersten Feldkorb erzielte, drehte sodann Michal Chylinski auf. Im Zuge eines 11:0-Laufs Polens gingen drei Drei-Punkte-Würfe auf sein Konto, sodass die Polen auf drei Zähler heran kamen.
Die Polen blieben im Schlussabschnitt zwar auf Schlagdistanz, gefährden konnten sie die Kroaten aber nicht mehr. Dies lag vor allem an ihrer Freiwurfschwäche. Über das Spiel verwandelte die Mannschaft von Head Coach Muli Katzurin nur 16 ihrer 28 Versuche von der Linie. Auf der Gegenseite behielten die Kroaten dort ihre Nerven, als Roko Ukic sowie Davor Kus jeweils ihre beiden Versuche in der Schlussphase versenkten. Letzterer sorgte mit seinen beiden Freiwürfen rund 27 Sekunden vor Schluss auch für die Vorentscheidung.
Die Polen trafen in der zweiten Hälfte zwar besser von außen und konnten das Rebound-Duell ausgeglichen gestalten, doch sie suchten nur noch selten den Weg über ihren Topscorer Maciej Lampe. Der Big Man traf in den zweiten 20 Minuten nur einen seiner lediglich fünf Wurfversuche aus dem Feld, war mit 20 Zähler dennoch bester Punktesammler seiner Mannschaft. Mit Chylinksi (elf Zähler) kam ein weiterer Pole auf eine zweistellige Punkteausbeute. Auf Seiten Kroatiens gelang dies mit Davor Kus (20), Marin Rozic (13), Marko Banic (10) und Roko Ukic (10), der das Spiel seiner Mannschaft lenkte und vier Assists verbuchte, vier Spielern.
| Teil 1: Erfahrungsschatz erweitert |
| Teil 2: Zweiter Turniertag: Kroatien bezwingt Deutschland |



von FinDog 23.08.09 um 16:21:53
also das spiel gg mazedonien hat mit teilweise schon richtig gut gefallen ... sehr guter teambasketball! zwar noch nciht so konstant aber vom ansatz her schöner und erfreulicher als standbasketball mit nowitzki! zwar keine europa-spitze mehr aber gute chancen es in absehbarer zeit wieder dahin zu schaffen!
von criscross 24.08.09 um 02:19:42
Ich glaube, dass Nowitzki plus die junge Garde die in Bamberg gespielt haben eine bessere Manschaft als die alte wären.
von criscross 24.08.09 um 02:25:59
Hätten die deutsche spieler in der Vergangenhei -außer Nowitzki- besser ihre freien Würfe getroffen, dann hätten sie vieleicht mehr erfolg gehabt. Die junge Generation scheint im allgemeinen einen besseren Wurf am Start zu haben.
von FinDog 24.08.09 um 07:49:07
das würde ich noch nicht mal unbedingt sagen! ich habe nur das spiel gg mazedonien gesehen und da wurden recht viele würfe nicht getroffen! aber was mir im gegensatz zur nowitzki-ära positiv aufgefallen ist, dass zum beispiel viel öfter über den center gespielt wird und konsequent jeder den korb attackieren will und kann! mit dirk haben alle nur gewartet was er als nächstes macht!
von MavsFan 24.08.09 um 08:21:04
Was jetz auch anders wäre, und ich denke das war auch dirk sehr unangenehm, denn wenn er eben mal wieder auf dem feld verprügelt wurde von den griechen oder kroaten dann ging in der offense bei deutschland eben gar nix mehr, jetz haben sie andere optionen wie benzing, schaffartzik und idbihi. Diese Spielerkern zusammen mit Dirk und C.Kaman wäre ein definitiver Favorit für den EM-TItel
von FinDog 24.08.09 um 08:46:07
das glaube ich auch nicht ... ich denke dass die jungs die du gerade genannt hast (plus harris), nur so spielen weil sie so spielen müssen! wenn sie keine verantwortung übernehmen müssten würden sie anders spielen, dann wären ja auch die premissen im spiel der deutschen ganz anders!
von MavsFan 24.08.09 um 12:51:15
klar würde wieder viel auf dirk abgewälzt werden von der verantwortung her, aber so frech wie ein peer günther oder robin benzing aufgespielt haben denke ich nicht dass sie sich so verstecken würden wie garett, greene etc...
von Korbballfreund 24.08.09 um 14:29:51
Sehr schön, das Team hat das gehalten, was erhofft wurde. Schnell, frech, aggressiv. Das habe ich in der Tat in den letzten Begegnungen von der letzten alten Besetzung nicht gesehen. Darum bin ich jetzt sehr viel zuversichtlicher als vor dem Turnier. Und ich muss allen Recht geben, die der Meinung sind Femerling und Greene zu Hause zu lassen. Ich bin, wie viele, kein großer Femerling Fan, aber mag Greene sehr gern. Tatsache ist, die Zeit für die beiden Jungs ist vorbei. Zeit für den konsequenten Neuaufbau. Lass die Jungen ruhig bei der EM die meisten Spiele verlieren, daraus wird gelernt. In 2-3 Jahren haben die aber das Potential (mit möglicher Verstärkung aus späteren Jahrgängen) sich vielleicht mal oben in Europa zu etablieren. Hin und wieder, wenn es gut läuft auch mal ein Turnier gewinnen (so ist das bei Spanien, Griechenland, Litauen ja auch der Fall), aber immer unter den besten 6 in Europa. das Potential sollte da sein. Aber nur, wenn Vertrauen und etwas Geduld aufgebracht wird. Und die Bereitschaft, im Vorfeld in der BBL und ProA/ProB den jungen Spielern sportlich wie auch finanziell eine Perspektive zu geben. Darüber ist schon oft geschrieben worden, aber echte, konkrete Lösungsansätze sehe ich da noch nicht (bis auf wenige Ausnahmen). Die Jungs sollen gut werden, damit sie Deutschlands Ruhm mehren, aber investieren will keiner. Und das es in Deutschland zu wenig Talente gäbe, ist lachhaft. Aber wer keine Perspektive gezeigt bekommt, ist irgendwann weg.
Also lasst diese Mannschaft ein Zeichen sein, das jungen Kerls was bewegen können.
von Rip#5 24.08.09 um 18:31:04
mich haben die Jungen bis jetzt auch überzeugt.
Am Besten hat mir allerdings das Spiel in Braunschweig gefallen, als wir die Serben echt überrant haben! Das wa rgroßes Kino, die Krönung für den Fan in Bs war natürlich Heiko.
Aber auch beim Supercup haben sie als Team überzeugt, auch das verlorene Spiel gegen Kroatien macht Mut.
Schaffartzik hat bewiesen, dass er scoren kann. Auf Benzing halte ich sehr große Stücke, er erinnert mich ein wenig an Durant, natürlicht so krasse Athletik, aber ein großer Flügel, mit einem guten Wurf, der auch gut zum Korb zieht und durch seine Größe auch gut abschließen kann.
Idbihi ist auch ganz stark.
Ich finde aber, dass man die Spieler wie Greene und Femerling(mit Abstrichen) nicht unbedingt rauschmeißen sollte, da man in Polen dann doch vlt noch etwas mehr holen kann, in einigen Spielen und es mir mehr Spaß macht zuzusehen, sie werden auch mit einem Greene bzw Femerling ihre Erfahrung sammeln.
Aber ich bin positiv gestimmt für die Post- Nowitzki Ära, es gibt viele Talente...nur wann war das letzte Mal ein Spieler in der Nationalmannschaft, der in der 3. deutschen Liga spielt?Man hat ihnen nicht vertraut und lieber an den alten Spielern festgehalten. Ich hoffe einige der deutschen Spieler schaffen den Durchbruch, traue es vielen zu.
Auch bei Heiko sehe ich noch Potenzial, wenn er seine Form behält könnte er bei einem soliden Playoffanwärter für 10/3 gut sein, was ich durchaus gut finde (unabhängig, bei welchem PO Team er spielt).
von Rip#5 24.08.09 um 18:34:08
Achja, was ich noch erwähnen wollte:
Ich bin dafür, dass DSF die nächsten Deutschland übertragen soll...Bzw der Sender, bei dem Buschmann unter Vertrag steht.
Er fiebert mit für unser Team, auch bei nicht so überzeugenden Turnieren, ist er der einzige deutsche Sportkommentator, der noch richtig abgeht!
Das ist für mich auch ein ganz wichtiger Punkt beim Schauen von Basketball
von mailman-1 25.08.09 um 20:16:47
dass sich ein ohlbrecht oder ein peer günther gegen einen Ukic, Vujcic oder Kasun durchsetzen können zeigt doch, das sie (bald) internationale klasse besitzen. Und die sollen nicht das Niveau haben, um in der BBL Minuten zu sehen. Ist ja wohl lächerlich.
von rüdi 25.08.09 um 22:11:13
Femerling muss unbedingt mit nach Polen. Dafür kann man Greene ohne weiteres zu Hause lassen. Wirft eh nur Dreier. Und je wichtiger das Spiel, desto weniger fallen davon.
von FinDog 25.08.09 um 23:42:06
und was macht femerling???