Amerikameisterschaft

Träumen erlaubt

Während im Basketballeuropa der Blick auf die Europameisterschaft in Spanien gerichtet ist, läuft zurzeit in Las Vegas die "FIBA Americas Championship". Besonders das Team USA sticht dabei hervor.

Von Manuel Baraniak
 28.08.2007 |

Auch bei der "FIBA Americas Championship" wird nicht nur das beste Team des Kontinents ermittelt, die Titelkämpfe dienen gleichzeitig zur Qualifikation für die Olympischen Spiele 2008 in Peking.

Von den teilnehmenden zehn Nationen aus Nord-, Mittel- und Südamerika reisen nur die beiden Finalisten direkt nach China. Die Spiele der Amerikameisterschaft finden im Thomas & Mack Center in Las Vegas statt, in welchem auch das diesjährige ?NBA All-Star Game? ausgetragen wurde. Die zehn Nationen wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. In Gruppe A trafen Argentinien, Mexiko, Panama, Puerto Rico und Uruguay aufeinander. Brasilien, die Jungferninseln, Kanada, die USA und Venezuela traten sich in Gruppe B gegenüber.

Im Folgenden nun ein Rückblick über die Vorrunde, mit einem Hauptaugenmerk auf die USA:

USA (Bilanz: 4 Siege, keine Niederlage)

Der erste Gegner des Team USA hieß Venezuela. Nach dem Spiel gab Carmelo Anthony (Foto), der zusammen mit Michael Redd mit jeweils 17 Punkten Topscorer der Amerikaner war, zu Protokoll, dass es das Ziel gewesen sei, ?raus zu gehen und zu dominieren.? Das tat man auch. Das erste Viertel, das die USA mit 13 Punkten Differenz gewannen, legte den Grundstein für den deutlichen 112:69-Sieg gegen die Südamerikaner. Head Coach Mike Krzyzewski ließ jeden seiner Spieler mindestens zehn Minuten ran; Tayshaun Prince stand mit nur 24 Minuten am längsten auf dem Feld. Jedoch war man vor allem mit der zu Beginn fehlenden Sicherheit von außen ? das US-Team traf nur zwei seiner ersten neun Wurfversuche von jenseits der Dreipunktelinie ? nicht zufrieden.

Dieses Manko konnten die Amerikaner bereits im nächsten Spiel beheben: Beim noch deutlicheren Sieg über die Jungferninseln, die sich mit 59:123 geschlagen geben mussten, traf man jeden zweiten der 30 Wurfversuche von außen. Vor allem Michael Redd, der früh für den foulbelasteten Kobe Bryant einsprang, fiel hierbei positiv auf. Er traf vier von neun Würfen aus dem Dreipunktebereich und war am Ende zusammen mit Carmelo Anthony (jeweils 22 Punkte) bester Punktesammler der USA. Wieder konnte das US-Team bereits im ersten Viertel die Weichen für einen deutlichen Sieg stellen, das man mit 42:13 für sich entscheiden konnte.

Auch der nächste Gegner der USA, Kanada, stellte keine große Hürde dar. Nach einem Tag Pause bezwang man den Nachbarn mit 113:63. Jedoch taten sich die Amerikaner im ersten Viertel noch ein wenig schwer (28:21). Vor allem dank Olumuyiwa Famutimi, der in den ersten zehn Minuten elf Punkte für Kanada erzielte, war die Partie bis dahin noch relativ ausgeglichen. Doch zu Beginn des zweiten Viertels erhöhten die USA den Druck in der Verteidigung, und man hielt den Gegner in diesem Spielabschnitt bei zwei Feldkörben, so dass die USA zur Halbzeit mit 31 Punkten führten. Wieder einmal zeigten sich die Amerikaner mannschaftlich geschlossen und ausgeglichen. Mit 25 Punkten war Anthony Topscorer der Partie. Michael Redd und Kobe Bryant folgten mit 19 bzw. 15 Punkten. Auf Seiten Kanadas blieb der Philadelphia 76er Samuel Dalembert mit fünf Punkten und zwei Rebounds blass. 

Mit Brasilien traf man zum Abschluss der Vorrunde auf den vermeintlich stärksten Gegner der Gruppe B. Wie einen Tag zuvor gegen die Kanadier konnte man sich im ersten Viertel noch nicht so deutlich absetzen. Doch wieder war es die Verteidigung im zweiten Viertel, die den Unterschied ausmachte. Dabei wurden die Südamerikaner sechs Minuten lang ohne Feldkorb gehalten. Vor allem die Verteidigung Bryants (Foto) gegen Leandro Barbosa, der als Topscorer des Turniers in die Partie gegangen war, stand nach der Partie im Mittelpunkt des Interesses. Dabei konnte der Brasilianer nur einen seiner sieben Würfe versenken und kam gerade einmal auf vier Punkte. Der Laker ließ sich sogar vor dem Spiel eine DVD mit Aktionen Barbosas zusammenstellen. ?Für ihn [Bryant] geht es darum, Defense zu spielen, und er liebt die Herausforderung?, sagte Jason Kidd nach der Partie. Schließlich muss Bryant nicht die Hauptlast in der Offensive tragen, wie es bei den Los Angeles Lakers der Fall ist, sondern könne mehr Energie in die Verteidigung investieren. Am Ende gewann das US-Team mit 113:76 wieder deutlich. LeBron James, Carmelo Anthony (jeweils 21 Punkte) und Kobe Bryant (20) erzielten die meisten Punkte bei den US-Amerikanern.

Müsste man die Vorstellung des US-Teams bisher in ein Wort fassen, so wäre dies ?Dominanz?. Im Schnitt wird der Gegner mit 48,4 Punkten Unterschied geschlagen. Sicherlich darf man die deutlichen Siege nicht überbewerten, aber zumindest der Sieg gegen die Brasilianer stellt schon mal ein großes Ausrufezeichen dar. Die Dominanz der USA lässt sich auch in den Statistiken wiederfinden: So belegt man bei der Dreipunkt-, Feld- und Freiwurfquote, bei den erzielten Punkten, den Rebounds, Assists und Blocks den ersten Platz, nur bei den Steals knapp hinter Mexiko den zweiten Platz. Außerdem kassiert man die wenigsten Punkte und leistet sich die wenigsten Turnovers. Durch die klaren Siege konnte es sich Head Coach Krzyzewski auch erlauben, viel durchzuwechseln. Mit Ausnahme Tyson Chandlers (knapp zehn Minuten pro Partie) stand kein Spieler im Schnitt weniger als 15 Minuten und kein Spieler länger als 21 Minuten auf dem Feld. Auch bei den erzielten Punkten zeigte sich das US-Team ausgeglichen. Mit Carmelo Anthony (21,3 Punkte pro Partie (PpG)), Michael Redd (18,5 PpG), Kobe Bryant (14,5 PpG), Amaré Stoudemire (13,0 PpG) und LeBron James (12,5 Ppg) kamen fünf Spieler auf mindestens zehn Punkte pro Partie.


Argentinien (4-0)

Auch der amtierende Olympiasieger Argentinien konnte bis dato alle Spiele gewinnen, jedoch nicht - das konnte man auch nicht erwarten - in der Deutlichkeit der USA. Schließlich musste man auch auf einige wichtige Spieler, die gleichzeitig alle in der NBA ihr Geld verdienen, verzichten: Emanuel Ginobili, Fabricio Oberto (beide von den San Antonio Spurs), Andres Nocioni (Chicago Bulls) und Walter Herrman (Charlotte Bobcats) entschlossen sich, diesen Sommer nicht in der Nationalmannschaft zu spielen. Doch die Südamerikaner zeigten sich bisher sehr ausgeglichen. In jeder Partie war ein anderer Spieler Topscorer. Im ersten Spiel gegen Uruguay, das man mit 90:69 schlagen konnte, war dies Aufbauspieler Paolo Prigioni mit 20 Punkten. Beim 87:75-Sieg über Puerto Rico erzielte Luis Scola mit 22 Punkten die meisten Zähler. Carlos Delfino (Foto) gelangen beim 104:83 gegen Mexiko 20 Punkte. Und beim abschließenden Sieg gegen Panama (109:92 nach Verlängerung) war Paolo Quinteros (20 Punkte) Topscorer der Gauchos. Dabei setzt Head Coach Sergio Hernandez auf ein diszipliniertes und ruhiges Spiel: ?Diese Teams hier lieben den Fast Break, das Eins-gegen-Eins. [? ] Wir dagegen versuchen, ruhiger und organisierter zu spielen. Den anderen Teams gefällt das nicht.?


Brasilien (3-1)

Verteilte sich bei den Argentiniern das Punkten auf mehrere Spieler, so stand bei den Brasilianer vor allem ein Spieler im Zentrum der Offensive: Leandro Barbosa (Foto) von den Phoenix Suns. Beim 93:89-Sieg über die Jungferninseln beispielsweise sammelte der Guard in 36 Minuten ebenso viele Punkte. Damit gelangen ihm, zusammen mit dem Uruguayer Nicolas Mazzarino, die meisten Punkte in einer Partie im bisherigen Turnierverlauf. Im Schnitt kommt Barbosa bis dato auf 21,3 PpG und ist damit drittbester Scorer des Turniers. Sein Punkteschnitt wäre höher ausgefallen, wenn die USA Barbosa bei deren Sieg über die Brasilianer nicht bei nur vier Punkten gehalten hätte. Doch der 24-Jährige konnte dem auch etwas Positives abringen, da er schließlich ?eine Menge daraus lernen konnte, wie [Kobe Bryant] mich verteidigte.? Neben Barbosa verdient vor allem noch Tiago Splitter, erwähnt zu werden. Der 22-Jährige, der im diesjährigen Draft von den San Antonio Spurs am Ende der ersten Runde gewählt wurde, war hinter Barbosa der zweitbeste Scorer der Brasilianer (12,0 PpG) und holte zudem die meisten Rebounds (6,8 RpG).


Uruguay (3-1)

Dass das Team aus Uruguay am Ende mit drei Siegen Zweiter in der Gruppe A werden würde, war zu Beginn des Turniers nicht unbedingt zu erwarten. Immerhin konnte man mit Puerto Rico und Panama zwei WM-Teilnehmer des letzten Jahres hinter sich lassen. In Reihen der Südamerikaner sind eher unbekannte Spieler zu finden. Zudem spielen bis auf drei Akteure alle in der heimischen Liga Uruguays. Jedoch hat man in Esteban Batista (Foto) einen Spieler, der in den letzten beiden Jahren bei den Atlanta Hawks in der NBA zwar wenig, aber immerhin überhaupt Spielminuten sah. Der Center war auch der überragende Akteur des südamerikanischen Landes. Er erzielte mit 25,0 PpG nicht nur die meisten Zähler für sein Team, sondern aller Spieler des Turniers. Dasselbe gilt für die Rebounds: 14,5 RpG bedeuteten mit Abstand den besten Wert in der Vorrunde. So gelangen ihm auch beeindruckende Double Doubles: Beim 88:84-Auftaktsieg über Panama gelangen ihm 26 Punkte und 19 Rebounds. Zudem erzwang Batista mit einem Korbleger zwei Sekunden vor Schluss die Verlängerung. Beim knappen Erfolg über Puerto Rico (82:79) konnte er sich mit 24 Punkten und 15 Rebounds in den Statistikbogen eintragen. Bei der einzigen Niederlage gegen Argentinien jedoch knüpfte der Center bei weitem nicht an seine Leistungen an, als ihm bei einer Trefferquote von 30 Prozent nur sieben Punkte gelangen. Neben Bastista sei noch Nicolas Mazzarino erwähnt. Schließlich erzielte dieser gegen Mexiko 36 Punkte, was eine Bestleistung im Turnier (zusammen mit Leandro Barbosa) bedeutet.


Nennenswerte Leistungen ...

Wie zuvor schon erwähnt worden ist, gelangen dem Brasilianer Leandro Barbosa und dem Uruguayer Nicolas Mazzarino mit jeweils 36 Punkten Bestwerte des Turniers. Acht getroffene Dreipunktewürfe Mazzarinos im selben Spiel sind auch gleichbedeutend mit einer Turnierbestmarke. Bemerkenswert ist auch Victor Mariscals Leistung im Spiel gegen Puerto Rico. Beim 100:89-Sieg seiner Mexikaner erzielte der 25-jährige Forward 30 Punkte, allein 22 davon in der ersten Hälfte. In genau diesem Spiel traf er außerdem 15 Freiwürfe, so viel wie kein anderer Akteur bislang. Des Weiteren schrammten die beiden Venezolaner Greivis Vasquez (18 Punkte, zehn Assists, acht Rebounds) und Héctor Romero (29 Punkte, zehn Rebounds, acht Assists) im Spiel gegen die Jungferninseln, die sich mit 90:100 geschlagen geben mussten, nur knapp an einem Triple Double vorbei.


? und bekannte Gesichter

Ein paar weitere Akteure sind bei einem der Teams aus der NBA unter Vertrag und somit sicherlich bekannt. In Reihen Puerto Ricos finden sich diesbezüglich ein Carlos Arroyo (Orlando Magic, Foto) und ein Jose Barea (Dallas Mavericks). Jedoch fielen die beiden nicht unbedingt positiv auf. Der Aufbauspieler der Magic enttäuschte eher mit einer Trefferquote von 38 Prozent aus dem Feld und 4,4 Turnovers pro Partie. Auch Barea fiel negativ auf, als er bei der Auftaktniederlage gegen Mexiko nach dem fünften Foul vom Feld musste und daraufhin den Schiedsrichter beleidigte. Auf Grund dessen wurde er für die zwei nachfolgenden Spiele gesperrt. Er konnte somit nicht verhindern, dass Puerto Rico mit nur einem Sieg bisher eher enttäuschte. Noch zwei weitere Spieler des Turniers sind in der NBA zu finden. Zum einen der Kanadier Samuel Dalembert (Philadelphia 76ers). Der in Haiti geborene Center wurde erst kurz vor Beginn der Meisterschaft eingebürgert. Mit 3,0 Blocks pro Partie führt er diese Kategorie bisher an. Außerdem erzielte er bisher 12,0 PpG und 7,0 RpG für die kanadische Nationalmannschaft. Zum anderen ist noch Néné Hilario (Denver Nuggets) zu nennen, der für Brasilien im Turnierverlauf bisher 8,3 PpG und 5,3 RpG beisteuerte.


Wie geht es weiter?

Neben den USA, Argentinien, Brasilien und Uruguay qualifizierten sich außerdem Kanada (zwei Siege, zwei Niederlagen), Puerto Rico, Mexiko und Venezuela (jeweils ein Sieg und drei Niederlagen) für die zweite Gruppenphase. Panama (ein Sieg, drei Niederlagen) schied auf Grund des direkten Vergleichs mit Puerto Rico und Mexiko aus, die Jungferninseln verließen viermal als Verlierer den Platz.

Diese acht Nationen werden nun in eine Gruppe zusammengefasst. Dabei nehmen die Teams die Punkte (bei einem Sieg erhält man zwei Punkte, bei einer Niederlage einen) mit, die sie gegen Teams, die sich auch für die Zwischenrunde qualifizierten, erhielten. In dieser zweiten Gruppenphase spielt nun jede Nation gegen die Länder aus der jeweils anderen Vorrundengruppe, die nun weiterhin im Turnier sind. Nach diesen zusätzlichen vier Spielen erreichen daraufhin die vier besten Nationen aus dieser einen Gesamtgruppe das Halbfinale, welches wie gewöhnlich im KO-System ausgetragen wird, so dass es einen Tag vor Beginn der Europameisterschaft am 2. September zum Finale kommen wird.

Wie das Turnier weiterhin verläuft und wer sich letztendlich beste Mannschaft Amerikas nennen darf, erfahrt ihr auf Crossover.




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Kommentare

(4 Kommentare bisher)

von Skateboard_P 28.08.07 um 14:39:41


Guter Artikel zur "FIBA Americas Championship". Ich hab zwar gesehen, das die USA ihre Spiele immer mit großer Differenz gewinnen konnten, wusste aber nicht wirklich, worum es geht. Hab eher gedacht, das sind nur Testspiele o.ä. Jetzt weiß ich aber, worum es geht. Wenn Amerika so weiterspielt, wird das Ticket für Olympia bestimmt gelöst. Kein Zweifel.



von all eyez on me 28.08.07 um 14:44:39


Echt krass was die USA bis jetzt abliefern...sie werden jeden gegner in diesen tunier fi**en.
Das ist wahrscheinlich das beste Team USA seit dem *Dream Team*. Aber sie sollten aufpassen das sie nicht überheblich werden, denn nächtes Jahr gegen die Top Team aus Europa wirds deutlich schwerer. Trotzdem werden sie wohl wieder Olypia sieger werden und sich für 2004 revanchieren.

P.S: Da is ein Fehler : " .....Héctor Romero (29 Rebounds, zehn Rebounds, acht Assists) "



von CS7 28.08.07 um 17:33:20


naja das beste team seit dem dream team ist ein bisschen übertrieben....wenn das dream team von 92 gemeint ist gibt es ja noch das 96er team mit hakeem, shaq und reggie miller und co. und das 2000er team das auch mindestens gleichwertig war mit carter zu seiner besten zeit, einem jungen garnett und jason kidd



von KB24 28.08.07 um 20:31:00


vergleiche mit dem dream team sind schon angebracht.
aber mich würde interessieren wie team USA gegen argentinien mit den ganzen nba spielern aussähe.



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