Amerikameisterschaft
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Die USA und Argentinien haben sich mit ihren Halbfinalsiegen bei der Amerikameisterschaft direkt für die Olympischen Spiele qualifiziert. Das US-Team krönte seine starke Leistung mit dem Turnersieg.
Von Manuel Baraniak |
03.09.2007 | |
Halbfinale
Argentinien gegen Brasilien 91:80 (35:43)
Im ersten Halbfinalspiel standen sich Argentinien und Brasilien gegenüber. Nachdem das Zwischenrundenspiel der beiden südamerikanischen Nationen in die Verlängerung gegangen war, konnte man auch diesmal ein knappes und ausgeglichenes Spiel erwarten. Die Brasilianer erwischten dabei den besseren Start und lagen dank eines 8:0-Laufes zu Beginn in Führung. Vor allem von jenseits der Dreipunktelinie zeigte man sich anfänglich treffsicher. Aber das brasilianische Team musste einen Rückschlag hinnehmen, als Nêne Hilario auf Grund einer Wadenzerrung im rechten Bein bereits nach vier Minuten verletzungsbedingt das Feld verlassen musste und nicht mehr zurückkehren konnte. Dennoch endete das erste Viertel mit einer Fünf-Punkte-Führung Brasiliens. Die Argentinier kamen Mitte des zweiten Viertels durch einen 7:0-Lauf ihrerseits bis auf zwei Punkte heran und konnten kurz darauf durch einen erfolgreichen Dreier von Pablo Prigioni nach langer Zeit wieder in Führung gehen. Die Brasilianer ließen sich davon jedoch nicht beeindrucken und beendeten das Viertel mit einem 10:1-Lauf. Bis dato konnte Brasilien die Punktelast auf mehrere Spieler verteilen und eine Trefferquote von 60 Prozent aus dem Feld aufweisen.
Nach der Halbzeit baute man die Führung noch aus und lag nach einem Dreipunktwurf von Leandro Barbosa nach drei Minuten mit 51:40 vorne. Doch dann drehte Argentinien das Spiel: In den letzten sieben Minuten des dritten Viertels ließ man keinen einzigen Feldkorb zu, während in der Offensive Luis Scola (zehn Punkte während dieser Phase) und Carlos Delfino (sieben Punkte, Foto) Verantwortung übernahmen. Die Argentinier beendeten das Viertel mit einem 25:5-Lauf und gingen somit mit einer 64:56-Führung in den Schlussabschnitt. Dort konnte man die Führung lange beibehalten und zeitweise leicht ausbauen, ehe die Brasilianer sechs Minuten vor Ende der Partie auf sechs Punkte und eine Minute vor Schluss auf drei Punkte verkürzen konnten. Aber das argentinische Team verwandelte seine Freiwürfe und ließ sich den Sieg nicht mehr nehmen.
Bester Punktesammler der Partie war mit 27 Zählern der Argentinier Luis Scola, der außerdem neun Rebounds holte und zehn seiner 14 Würfe aus dem Feld verwandelte. Für die ?Gauchos? trafen zudem Pablo Prigioni (14 Punkte), Carlos Delfino (13 Punkte) und Paolo Quinteros (10 Punkte) zweistellig. Auf Seiten Brasiliens punkteten Leandro Barbosa (16 Punkte) ? der als Topscorer des Turniers nur zwölf Würfe in der Partie nahm ?, Alex Garcia (16 Punkte) und Tiago Splitter (15 Punkte, zudem neun Rebounds) am häufigsten. Der Halbfinalsieg Argentiniens war gleichbedeutend mit der direkten Qualifikation für die Olympischen Spiele in Peking, so dass sich Head Coach Sergio Hernandez selbstverständlich sehr darüber freuen konnte: ?Ich bin sehr glücklich. Wir sollten uns einfach darüber freuen. [?] Hoffentlich gehen wir genauso so stark zu den Olympischen Spielen, wie wir in diesem Turnier gespielt haben.?
USA gegen Puerto Rico 135:91 (57:42)
Im zweiten Halbfinale standen die Vorzeichen ungleich anders: Die USA gingen als klarer Favorit ins Spiel und alles andere als ein deutlicher Sieg wäre auch eine Überraschung gewesen, schlug das US-Team Puerto Rico doch schon in der Zwischenrunde mit 117:78. Aber die Lateinamerikaner konnten das Spiel immerhin im ersten Viertel noch ausgeglichen gestalten. Zu verdanken hatte man dies zum einen Elias Ayuso, der in den ersten zehn Minuten elf Punkte erzielen konnte und dabei drei Dreipunktwürfe traf; zum anderen Carlos Arroyo, der immer wieder in die Zone penetrierte, wo er seine Mitspieler fand oder selbst abschloss. So war die Partie nach fünf Minuten ausgeglichen, ehe die Amerikaner einen 7:0-Lauf starteten, der ihnen eine Sechs-Punkte-Führung nach den ersten zehn Minuten einbrachte. Hatte Puerto Rico im ersten Spielabschnitt noch eine Trefferquote von 57 Prozent aus dem Feld, lag diese im zweiten Viertel nur noch bei 25 Prozent; von außen fand keiner der fünf Wurfversuche sein Ziel. Ganz anderes die Amerikaner, die weiterhin sehr sicher trafen und somit ihre Führung bis zur Halbzeit auf 15 Punkte ausbauen konnten.
Das dritte Viertel, das die USA mit 43:28 für sich entschieden, brachte dann die Entscheidung. Dabei traf Carmelo Anthony (Foto) innerhalb der ersten drei Minuten vier Dreipunktewürfe, so dass die Führung der Amerikaner schnell auf über 20 Punkte anwuchs. Im gesamten Spielabschnitt verfehlte das US-Team nur zwei Würfe, aus dem Dreipunktbereich konnte man alle acht Würfe versenken. Daran knüpften auch Michael Redd und Mike Miller im Schlussabschnitt an, als sie zusammen sieben Dreier trafen. Als Team nahm man im gesamten Spiel sogar von außen mehr Würfe als aus dem Zweipunktebereich, konnte man doch eine beeindruckende Dreierquote von 64 Prozent aufweisen. Topscorer des US-Teams war wieder einmal Carmelo Anthony mit 27 Punkten, gefolgt von Michael Redd (23) und LeBron James (19, zudem neun Assists). Auf puertorikanischer Seite waren Elias Ayuso und Carlos Arroyo mit 22 bzw. 21 Zählern am erfolgreichsten.
Sehr zufrieden mit der Leistung zeigte sich LeBron James nach der Partie: ?Ich weiß nicht, ob wir noch besser spielen können. Wir haben extrem gut geworfen und gereboundet; wir verteidigen. Alles, was man in einem Team sucht, haben wir die meiste Zeit des Turniers umgesetzt.? Anthony fügte im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Peking noch hinzu: ?Wir kennen unser Ziel: Nicht nur dieses Turnier zu gewinnen, sondern auch die Olympischen Spiele. Ich denke, wir bewegen uns in die richtige Richtung.?
Spiel um Platz 3
Puerto Rico gegen Brasilien 111:107 (48:43)
Auch wenn auf beiden Seiten die Enttäuschung nach den Halbfinalniederlagen groß war, wollte man das Turnier dennoch positiv beenden. Die Brasilianer mussten dabei auf Nêne Hilario verzichten, der sich im Halbfinale gegen Argentinien verletzt hatte. War die Partie nach den ersten Minuten noch ausgeglichen, konnte das Team aus Puerto Rico das erste Viertel mit einem 11:0-Lauf beenden und führte nach zehn Minuten bereits mit 14 Zählern. Mitte des zweiten Viertels konnte Brasilien dank eines 19:2-Laufes, bei dem Tiago Spliiter zehn Punkte erzielte, innerhalb von fünf Minuten das Spiel wieder offen gestalten, auch wenn Puerto Rico mit einer knappen Führung in die Halbzeit ging.
Nach der Pause bauten die Lateinamerikaner ihren Vorsprung aus, als sie neun Punkte hintereinander markierten. Zeitweise betrug der Vorsprung Puerto Ricos sogar 22 Zähler. In den letzten zwei Minuten erzielten die Brasilianer jedoch 13 Punkte, so dass sie den Rückstand auf zwölf Zähler verringern konnten und somit noch im Spiel blieben. Im Schlussabschnitt dauerte es allerdings acht Minuten, ehe die Südamerikaner durch einen Dreipunktwurf von Alex Garcia nur noch einstellig zurücklagen. Brasilien kam sogar am Ende noch einmal auf zwei Zähler heran, doch Puerto Rico konnte sich den Sieg und somit den dritten Platz sichern, als man in den letzten 30 Sekunden der Partie jeden der zehn Freiwürfe verwandeln konnte.
Die überragenden Spieler seitens Puerto Rico waren erneut Elias Ayuso und Carlos Arroyo (Foto). Mit 39 Punkten stellte Ayuso eine Turnierbestmarke auf. Beeindruckend auch seine Trefferquote von außen, indem er acht seiner zwölf Dreipunktwürfe versenken konnte. Arroyo legte mit 30 Punkten und zehn Assists ein Double Double auf. Ebenfalls zweistellige Werte in zwei Kategorien gelangen Angelo Reyes (15 Punkte, 15 Rebounds). Auf Seiten Brasiliens punkteten gleich sechs Spieler zweistellig, darunter Marcelinho Machado mit 21 Zählern am häufigsten. Es folgten Tiago Splitter (19 Punkte, plus 13 Rebounds), Joa Batista (17), Alex Garcia (15), Leandro Barbosa (14) und Guilherme Giovanni (10).
Mit dem dritten Platz können die Puertorikaner durchaus zufrieden sein, standen sie doch schon in der Vorrunde kurz vor dem Aus, ehe Argentinien durch einen Sieg über Panama nach Verlängerung Puerto Rico Schützenhilfe gewährte. Auch der puertorikansiche Head Coach Leonel Fernandez zeigte sich zufrieden: ?Ich fühle mich großartig. Wir müssen all die jungen Spieler, die [ins Team] nachkommen, unterstützen. Ich bin stolz auf sie.? Verständlich enttäuscht waren die Brasilianer. Head Coach Alusio Ferreira zum Abschneiden seines Teams: ?Ich bin frustriert, da wir uns nicht direkt für die Olympischen Spiele qualifiziert haben. Unser Team hat hart dafür gearbeitet. Der Traum [der direkten Qualifikation, d. Red.] ist durch ein Spiel geplatzt.?
Finale
USA gegen Argentinien 118:81 (59:34)
In der Zwischenrunde schlugen die USA Argentinien bereits mit 91:76, was den ?knappsten? Sieg der Amerikaner im bisherigen Turnier bedeutete. Doch ein wirklich enges Spiel erwartete wohl niemand. Und so konnten die Argentinier zumindest in den ersten sechs Minuten noch mithalten, ehe die Amerikaner die letzten 15 Punkte des ersten Viertels erzielten und somit bereits nach zehn Minuten mit 21 Zählern Vorsprung führten. Allen voran LeBron James und Carmelo Anthony zeigten sich für die deutliche Führung verantwortlich, als die beiden zusammen sechs von neun Dreipunktwürfen verwandelten. Auch im zweiten Viertel verteidigten die Amerikaner gut, kontrollierten das eigene Brett, so dass man durch Fastbreaks einfach Punkte erzielen konnte. Mitte des zweiten Viertels konnten die Zuschauer einige Highlights bestaunen, als das US-Team bei fünf Ballbesitzen hintereinander mit Dunks abschließen konnte. Darunter unter anderem ein ?Windmill? von Dwight Howard, der, genauso wie LeBron James, in dieser Phase vor allem durch Kobe Bryants Anspiele in Szene gesetzt wurde. Somit erspielten sich die USA einen 30-Punkte-Vorsprung. Am Ende der ersten Halbzeit führten die Amerikaner bereits mit 59:34.
Im dritten Viertel ließ das US-Team die Argentinier nicht mehr herankommen; der Vorsprung pendelte zwischen 20 und 30 Punkten. LeBron James (Foto) ließ seine beeindruckende Treffersicherheit, die er im gesamten Turnierverlauf verzeichnen konnte (James? 76 Prozent Feldquote und 62 Prozent Dreierquote bedeuten Turnierbestwerte), noch einmal aufblitzen, als er vier seiner sechs Würfe von jenseits der Dreipunktelinie versenken konnte. Im Schlussviertel ließ Head Coach Mike Krzyzewski auf Grund der hohen Führung dann vor allem die Ersatzspieler ran, so dass ? bis auf Jason Kidd, der keinen einzigen Wurf nahm ? jeder Spieler noch einmal punkten konnte. Auf Seiten Argentiniens konnte sich Luis Scola ein um das andere Mal unter dem Korb durchsetzen und kam am Ende auf 21 Zähler. Bei der anschließenden Siegerehrung wurde Scola, der ab der nächsten Saison für die Houston Rockets auflaufen wird, zum wertvollsten Spieler des Turniers ausgezeichnet. Bei den USA war James mit seinen 31 Punkten nicht nur Topscorer seines Teams; er setzte damit auch einen Bestwert eines US-Spielers bei einem Olympia-Qualifikations-Turnier. Nach James war Dwight Howard, der jeden seiner sieben Feldwürfe traf, mit 20 Punkten bester Werfer der Amerikaner, gefolgt von Carmelo Anthony mit 16 Zählern.
Der Finalsieg der USA war symbolisch für den gesamten Turnierverlauf, dominierten die Amerikaner doch jedes Spiel, bei welchen sie unter anderem durch eine sehr gute Trefferquote aus dem Feld und von außen auffielen. Im Schnitt schlug man den Gegner mit einer Differenz von 39 Punkten und erzielte in jeder Partie, ausgenommen dem 91:76-Sieg gegen Argentinien, mindestens 112 Punkte. Erwähnenswert ist vor allem die Tatsache, dass man diesmal als wirkliches Team auftrat und ein gemeinsames Ziel verfolgte, was LeBron James auch noch einmal betonte: ?Ich habe gelernt, dass Spieler ihre Egos und persönlichen Auszeichnungen beiseite legen können. Wir sind hier aus einem Grund angetreten: um Gold zu gewinnen.? Und dies ist auch das Ziel der US-Amerikaner bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking, war die ?FIBA Americas Championship? doch nur ein Zwischenschritt auf dem Weg dorthin.



von Knoedelmann 04.09.07 um 16:54:42
das kann ja richtig lustig in peking werden... hätte nicht gedacht, dass die im final die argentiniert so klar schlagen werden... wer soll die staatler aufhalten?
von BerlinAir 04.09.07 um 17:59:17
Ich denke mal, Spanien / Griechenland / Lithauen sind doch noch mal andere Hausnummern als Argentinien. Mal abwarten; ist klar, dass die umso dominanter werden, je groesser der Abstand ist. Gegen eine Defense, die die Grenze zwischen Foul und Haerte im internationalen Basketball gut kennt, kann das ganze schon wieder anders aussehen.
von KB24 04.09.07 um 19:45:35
Gegen spanien und griechenland wird es für die amis noch mal schwerer, aber litauen??
von Tomdawg 04.09.07 um 19:47:19
Es mag ja richtig sein, dass Spanien, Griechenland und Litauen eine andere Hausnummer haben, aber Argentinien wohnt mit Sicherheit auch in derselben Straße wie diese Basketballnationen!
Außerdem gönnten sich einige Leistungsträger der Südamerikaner indiesem Sommer eine Pause; im nächsten Jahr werden sie noch stärker sein als jetzt.
von lukair23 04.09.07 um 22:38:07
Da stimme ich auch mal zu...argentinien ist nicht mit der bestmöglichsten mannschaft angetreten , vor allem ginobili fehlte ja wohl.
und ich denke auch das besonders mit Spanien die USA noch ihre Probleme bekommen werden.
Griechenland ist nicht ganz so gut und litauen schätze ich auch schlechter ein als Grie. und Spanien.
von Oxymoron 05.09.07 um 12:29:03
Argentinien wird bei den Olympischen Spielen auf gleich sechs Leistungsträger zurückgreifen können: Neben dem genannten Ginobili wären das Andres Nocioni, Walter Herrmann, Fabricio Oberto, Pepe Sanchez und Ruben Wolkowisky.
Das wird dann sicherlich anders aussehen.