Amerikameisterschaft

Peking vor Augen

Bei der "FIBA Americas Championship" stehen die Halbfinalisten fest. Mit einem Finaleinzug ist auch das Ticket zu den Olympischen Spielen in Peking gelöst.

Von Manuel Baraniak
 01.09.2007 |

Vor wenigen Tagen berichteten wir bereits über die Vorrunde der Amerikameisterschaft in Las Vegas. Mittlerweile ist auch die Zwischenrunde abgeschlossen. Somit verbleiben nur noch vier Nationen, die nun um den Einzug ins Finale kämpfen.

Hier der Weg der Halbfinalisten durch die Zwischenrunde:


USA (Bilanz: Vier Siege, keine Niederlage in der Zwischenrunde)

In ihrem ersten Spiel der Zwischenrunde schlugen die USA den Nachbarn aus Mexiko mit 127:100. Head Coach Mike Krzyzewski musste dabei auf Tayshaun Prince verzichten, der im letzten Spiel der Vorrunde gegen Brasilien umgeknickt war. Auch ließ Coach K zum ersten Mal im Turnier eine andere ?Starting Five? aufs Feld: Jason Kidd wurde im Aufbau durch Chauncey Billups ersetzt, Amaré Stoudemire vertrat Dwight Howard. Aber auch mit einer veränderten ersten Fünf spielte man schon im ersten Viertel einen deutlichen Vorsprung heraus: Nach den ersten zehn Minuten führten die Amerikaner bereits mit 45:23, als sie 16 ihrer 20 Feldwürfe verwandelten. Die Mexikaner gaben sich keineswegs geschlagen und konnten das zweite Viertel mit 28:20 sogar für sich entscheiden. Auch Krzyzewski zollte dem Gegner Respekt: ?Sie gaben nie auf. Sie trafen einfach weiter ihre Würfe und das verdient Anerkennung.? Jedoch war der Sieg der Amerikaner zu keinem Zeitpunkt des Spiels gefährdet. Wieder einmal war Carmelo Anthony (Foto) Topscorer des Teams, der 16 seiner 28 Punkte im ersten Spielabschnitt erzielen konnte. Mit seinen 28 Punkten zog Anthony außerdem mit Allen Iverson gleich, was die Bestmarke bei einem Olympia-Qualifikations-Turnier der USA betrifft. Kobe Bryant folgte mit 21 Zählern, LeBron James und Dwight Howard kamen jeweils auf 19 Punkte.

Im nächsten Spiel gegen Puerto Rico konnte man wieder auf Prince zurückgreifen. Head Coach Krzyzewski ließ zudem wieder die ?alte? Starting Five, bestehend aus Kidd, Bryant, James, Anthony und Howard, ran. Dabei konnten sich die USA für die Niederlage bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen revanchieren, als man mit 73:92 die höchste Niederlage der Geschichte des US-Basketballs kassierte. Carmelo Anthony gab dann auch zu, ?dieses Spiel jedes Mal, wenn wir gegen sie spielen, im Kopf zu haben.? Wie in einigen Partien zuvor auch, war es das zweite Viertel, in dem sich die Amerikaner absetzen konnten. Puerto Rico blieb in den ersten sechseinhalb Minuten dieses Abschnitts ohne Feldkorb. Auf Grund dessen konnten die USA ihren Vorsprung auf 48:19 ausbauen. Am Ende gewannen die Amerikaner mit 117:78. Dabei stand jeder Spieler mindestens zehn Minuten auf dem Parkett. Mit James (21 Punkte), Anthony (17), Michael Redd (15), Bryant (14) und Stoudemire (12) konnten gleich fünf Spieler zweistellig punkten. Mit diesem Sieg waren die USA schon zu diesem Zeitpunkt für das Halbfinale qualifiziert.

Was jedoch nicht bedeutete, dass man nun den Schongang einlegte. Auch den nächsten Gegner, Uruguay, konnte man mit 118:79 deutlich schlagen, auch wenn man mit Anthony, der sich leicht an der Ferse verletzt hatte, auf den teaminternen Topscorer verzichten musste. Für ihn durfte Michael Redd von Beginn an auflaufen. Der Mann des Abends jedoch war LeBron James (Foto). Der 22-Jährige traf jeden seiner elf Wurfversuche aus dem Feld, vier davon von jenseits der Dreipunktlinie. In nur 14 Minuten kam der Cleveland Cavalier auf 26 Punkte, und war damit auch bester Punktesammler des Spiels. Chauncey Billups kommentiere die Leistung seines Teamkollegen so: ?Das zweite Viertel war einfach nur phänomenal. Ich war einfach nur glücklich, dass ich es mit ansehen durfte.? Beeindruckend ist generell James? Wurfsicherheit im Turnier, kann er doch mit knapp 76 Prozent bis dato die beste Feldwurfquote aller Spieler aufweisen. In der zweiten Hälfte gönnte Coach K seiner ersten Fünf eine Pause und ließ sie nicht mehr aufs Feld. Nach James traf Amaré Stoudemire (19 Punkte) am häufigsten.

Zum Abschluss der Zwischenrunde hatten es die Amerikaner dann mit dem vermeintlich härtesten Konkurrenten des Turniers zu tun. Doch auch Argentinien konnte besiegt werden. Das Ergebnis fiel mit 91:76 dann auch nicht so hoch aus, auch wenn es im ersten Viertel vielleicht noch den Anschein hatte. Denn dieses entschieden die Amerikaner mit 28:13 deutlich für sich. Vor allem Kobe Bryant konnte zu Beginn dem Spiel seinen Stempel aufdrücken, indem er 15 seiner 27 Punkte in den ersten zehn Minuten erzielte. Auch wenn die restlichen drei Viertel relativ ausgeglichen waren, konnten die Südamerikaner die USA nie ernsthaft gefährden. Laut Anthony war man sich bewusst, dass dies eines der wichtigsten Spiele des Turniers sein würde und dass man deswegen energisch aufs Feld gehen müsse. Auch wenn er noch Defizite im Fast-Break-Spiel seines Teams sah, so zeigte sich Head Coach Krzyzewski vor allem mit der Defensivleistung seiner Spieler zufrieden. Außerdem fühle man sich geehrt, ?nun ungeschlagen [ins Halbfinale] gehen zu können.?


Argentinien (3?1)

Zum Auftakt der Zwischenrunde schlugen die Argentinier Venezuela mit 98:63. Schon nach dem ersten Viertel, das man mit 18 Punkten Differenz gewinnen konnte, waren die Weichen bereits auf einen Sieg gestellt. Verlassen konnte man sich zum einen auf die gute Verteidigung - Venezuela traf nur 35 Prozent seiner Würfe -, zum anderen auf die Treffsicherheit von außen; konnte man doch 14 von 26 Würfen aus dem Dreipunktbereich versenken. Die meisten Punkte für die ?Gauchos? erzielten Roman Gonzalez (21 Punkte) und Carlos Delfino (19).

Die gute Defensivleistung war auch der Erfolgsgarant beim 85:70-Sieg über Kanada. Dabei konnte man die Nordamerikaner in der ersten Hälfte bei einer Feldwurfquote von 25 Prozent halten, so dass ihnen in den ersten zwanzig Minuten gerade einmal 16 Punkte gelangen. Allein Carlos Delfino (Foto) machte von seinen insgesamt 15 Punkten zwölf in der ersten Halbzeit. Topscorer bei den Südamerikanern war diesmal Luis Scola mit 23 Zählern. Auch die Argentinier sicherten sich mit dem zweiten Sieg in der Zwischenrunde bereits den Einzug ins Halbfinale.

Gegen Brasilien sah es für Argentinien lange Zeit nicht nach einem Sieg aus, lag man doch zu Beginn des dritten Viertels mit 17 Punkten im Rückstand. Unter anderem Luis Scola war es zu verdanken, dass man noch einmal zurück kam, erzielte der Forward doch elf seiner insgesamt 23 Punkte im vierten Viertel. Scola traf ebenfalls einen Freiwurf zum Ausgleich, so dass das Spiel in die Verlängerung ging. Dort brachte der Argentinier Paolo Quinteros mit einem erfolgreichen Dreipunktwurf sein Team zweieinhalb Minuten vor Ende in Führung, die man nicht mehr abgab. Neben Scola konnten noch Quinteros (19 Punkte), Carlos Delfino (17) und Pablo Prigioni (12) zweistellig punkten.

Im letzten Spiel der Zwischenrunde mussten sich die Argentinier, wie zuvor schon erwähnt, den USA mit 76:91 geschlagen geben. Bei der Niederlage enttäuschten vor allem Prigioni und Delfino, die zusammen nur zwei von 14 Wurfversuchen trafen und zehn Ballverluste zu verzeichnen hatten. Ein Grund für die Niederlage war laut Argentiniens Head Coach Sergio Hernandez das eher körperliche Spiel, das man gerne hätte vermeiden wollen. ?Wir wollten smart spielen, das Spiel kontrollieren, aber wir lagen zu schnell zurück.? Zumindest Scola zeigte mit 20 Punkten und einer guten Trefferquote Normalform.


Brasilien (2?2)

Auch Leandro Barbosas 26 Punkte in der zweiten Hälfte konnten am Ende die deutliche 75:97-Niederlage gegen Puerto Rico nicht verhindern. Einzig Tiago Splitter (15 Punkte, elf Rebounds) konnte seinen Teamkollegen, der letztendlich 34 Zähler markierte, unterstützen. Der Rest des Teams erzielte zusammen nur 26 Punkte. Laut Head Coach Aluisio Ferreira ?lief einfach alles schief.?

Doch Brasilien erholte sich von der klaren Niederlage und besiegte im nächsten Spiel Mexiko mit 104:90. Durch einen 11:2-Lauf im zweiten Viertel erspielten sich die Brasilianer einen Vorsprung heraus, der nach der Pause sogar bis auf 32 Punkte anwuchs. Was die Punkteverteilung betraf, zeigten sich die Südamerikaner ausgeglichen: Fünf Spieler konnten zweistellig punkten. Dennoch war wieder einmal Leandro Barbosa (Foto) mit 21 Punkten der Topscorer seines Teams.

Im darauffolgenden Aufeinandertreffen mit Argentinien sah man längere Zeit schon wie der Sieger aus, führte man doch zu Beginn der zweiten Hälfte bereits mit 17 Punkten. Doch vor allem Leandro Barbosa enttäuschte nach der Pause. Gelangen ihm in den ersten beiden Viertel noch 15 Punkte, so brachte es Barbosa danach nur auf magere vier Punkte und traf keinen seiner sieben Wurfversuche aus dem Feld. Am Ende unterlag Brasilien den Argentiniern mit 79:86 nach Verlängerung. Mit noch 18 Sekunden in der regulären Spielzeit zu spielen, hatten die Brasilianer zweimal die Chance, die Führung zu erzielen, doch beide Würfe fanden nicht ihr Ziel.

Mit einem 96:62-Sieg über Uruguay am letzten Zwischenrundenspieltag sicherten sich die Brasilianer den dritten Platz in der Gruppe und somit den Einzug ins Halbfinale. Entscheidend war dabei das dritte Viertel, das Brasilien mit 30:8 für sich entscheiden konnte. Wieder einmal führte Barbosa (32 Punkte) sein Team bei den Punkten an. ?Nachdem wir gestern verloren hatten, kamen wir mit viel mehr Energie [aufs Feld]?, gab Nêne Hilario nach dem Spiel zu Protokoll. ?Wie werden diese Energie auch am Samstag [Tag des Halbfinals, d. Red.] zeigen.?


Puerto Rico (3?1)

Wie zuvor schon erwähnt, konnte Puerto Rico im ersten Spiel der Zwischenrunde Brasilien mit 97:75 schlagen. Spielentscheidend war dabei ein 19:2-Lauf, mit dem die Lateinamerikaner viereinhalb Minuten vor Schluss auf 81:56 davonzogen. Innerhalb dieser Phase erzielte Carlos Arroyo zehn seiner insgesamt elf Punkte. Topscorer des Teams war Elias Ayuso mit 24 Zählern.
Im anschließenden Aufeinandertreffen mit den USA war man jedoch chancenlos. Schon nach den ersten beiden Vierteln lag man mit 36 Punkten zurück. Dabei kam Puerto Rico vor allem mit der Verteidigung der Amerikaner nicht zurecht und traf so als Team nur 36 Prozent aus dem Feld. Konnte man das US-Team drei Jahre zuvor bei den Olympischen Spielen noch überraschend deutlich schlagen, habe man laut Head Coach Manolo Cintron nun ein anderes Team. ?[José Ortiz] war 26 Jahre lang das Gesicht des puertorikanischen Teams. Nun haben wir eine neue Mannschaft, die versucht, sich zu entwickeln und zu wachsen.?

Gegen Venezuela hatten die Puertoricaner keinerlei Probleme und gewannen mit 92:63. Bester Spieler beim Sieg war Elias Ayuso, der sechs Dreipunktewürfe traf und am Ende auf 25 Punkte kam. Damit wahrte Puerto Rico die Chance, doch noch ins Halbfinale einzuziehen. Dafür musste man im letzten Spiel jedoch Kanada schlagen. Das gelang den Lateinamerikanern auch. Am Ende hieß es 72:66. Acht Minuten vor Schluss konnte Puerto Rico bereits mit 19 Punkten in Führung gehen, doch das kanadische Team machte die Begegnung durch einen 11:0-Lauf noch einmal spannend. Die Puertoricaner blieben danach bei sechs Ballbesitzen hintereinander ohne Korberfolg, doch die Kanadier konnten daraus nicht wirklich Profit schlagen und kamen erst 21 Sekunden vor Schluss bis auf zwei Punkte heran. Das Team von der Karibikinsel bewies allerdings Nervenstärke und konnte seine Freiwürfe verwandeln. Topscorer der Partie war Carlos Arroyo (Foto) mit 22 Punkten. Head Coach Cintron dankte nach dem Spiel Gott für diesen Sieg.


Wie geht es nun weiter?

Am heutigen Abend kommt es zu den beiden Halbfinalspielen. Dabei treffen die USA als Gruppenerster auf den Viertplatzierten Puerto Rico. Beide Teams standen sich in der Zwischenrunde bereits gegenüber. Dabei gewann die USA deutlich. Alles andere als ein Sieg der Amerikaner wäre auch eine Überraschung. Eine andere Voraussetzung ist beim zweiten Halbfinale zwischen Argentinien und Brasilien gegeben. Gingen doch beide Teams beim Zwischenrundenspiel in die Verlängerung, ehe die Argentinier das Spiel für sich entscheiden konnten.

Das Finale steigt in der Nacht zum 3. September. Direkt für die Olympischen Spiele 2008 in Peking qualifizieren sich nur die beiden Finalisten. Doch auch die beiden Verlierer, und noch der Fünftplatzierte der Zwischenrundegruppe Kanada, haben bei einem Ausscheidungsturnier kurz vor Beginn der Spiele noch eine letzte Chance, sich zu qualifizieren. Wie die beiden Halbfinal-Begegnungen und das Finale ausgehen, werdet ihr natürlich wieder bei Crossover erfahren.




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Kommentare

(3 Kommentare bisher)

von Skateboard_P 01.09.07 um 16:09:37


Es wäre wirklich eine Riesen Überraschung, wenn USA mit einer Niederlage die "FIBA Americas Championship". Dieses Team ist wirklich in unschlagbar, zumindest in meinen Augen. Wir dürfen also gespannt sein, wie dies endet.



von KB24 01.09.07 um 20:51:32


Hoffentlich wird sich im team usa roster, nächstes jahr in peking, auch nichts groß ändern.
sie sollten nächstes jahr genauso antreten und nicht z.B. miller oder redd durch wade ersetzen.



von Sincere 01.09.07 um 20:53:20


unschlagbar sind die sicherlich nich...haben wir ja bei den letzten turnieren gesehen...und das mit timmy d.......aber das die aufjedenfall besser geworden sind, und endlich an die spitze der basketball welt wollen haben sie eindrucksvoll bewiesen...kann kaum auf olympia08 warten:) beachtlich wie teamorientiert sie aufeinmal agieren;)



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