Amerikameisterschaft

Goldener Himmel über Rio

Die brasilianische Nationalmannschaft hat nach einem knappen Sieg über Gastgeber Puerto Rico die „FIBA Americas Championship“ gewonnen. Die Südamerikaner sicherten sich somit auch das Ticket für die Weltmeisterschaft 2010 in der Türkei. Auch die unterlegenen Puertorikaner sowie die dritt- und viertplatzierten Teams aus Argentinien und Kanada haben sich für die WM qualifiziert.

Von Manuel Baraniak
 07.09.2009 |

Als am 15. November 1889 um 8.30 Uhr morgens die brasilianische Republik ausgerufen wurde, zeigte sich der Himmel über Rio de Janeiro in einer ganz bestimmten Konstellation. In welcher Art, das zeigt die brasilianische Flagge mit ihren 27 Sternen, die für die 26 Bundesstaaten und dem Bundesdestrikt stehen, noch heute.

Der Himmel über Brasilien erstrahlt seit gestern jedoch in goldenem Glanze, nachdem die Nationalmannschaft die Amerikameisterschaft nach einem 61:60-Sieg über Gastgeber Puerto Rico gewinnen konnte. Nach 1984, 1988 und 2005 entschied Brasilien damit zum vierten Mal die Kontinentalmeisterschaft für sich. Zwar kann sich das Team von Head Coach Moncho Monsalve nun die beste Nation Amerikas nennen, mit den USA trat der amtierende Olympiasieger – der für die Weltmeisterschaft in der Türkei im kommenden Jahr schon qualifiziert war – aber gar nicht an.

Zwischenrunde: Kanada überrascht

Ehe es zum Endspiel gegen die Puertorikaner kam, musste sich Brasilien aber erst in der Zwischenrunde beweisen. Dabei hatte die Auswahl Südamerikas neben Puerto Rico die besten Karten, blieben beide Mannschaften doch in der Vorrunde ohne Niederlage.

Nach fünf Vorrundensiegen bestritten die Brasilianer auch ihre ersten drei Partien der Zwischenrunde erfolgreich, als sie Mexiko, Kanada und Uruguay bezwangen. Erst in der letzten Begegnung der zweiten Gruppenphase setzte es gerade gegen Puerto Rico eine knappe 82:86-Niederlage. Dabei musste Brasiliens Head Coach Moncho Monsalve zum ersten Mal in seiner Karriere überhaupt die Bank verlassen, nachdem sein Team das fünfte technische Foul kassierte, was nach FIBA-Regeln zur Disqualifikation des Cheftainers führt.

Larry Ayuso versenkte dabei ganze sechs Freiwürfe und brachte seine Mannschaft siebeneinhalb Minuten vor Schluss mit 73:54 in Führung. Die anschließende bravoröse Aufholjagd Brasiliens fand keinen Erfolg. Auf Seiten der Lateinameriker lieferte Angel Vassallo (Criollos Caguas, Puerto Rico) ein perfektes Spiel ab: Der 23-jährige Small Forward versenkte jeden seiner acht Feldwürfe sowie seinen einzigen Versuch von der Linie und leistete sich keinen Ballverlust.

Dennoch konnten die Südamerikaner nach der Zwischenrunde den ersten Platz behaupten – dies jedoch nur dank des besseren Korbverhältnisses –, sodass sie im Halbfinale den Argentiniern und Puertorikanern aus dem Weg gehen konnten und es mit der Auswahl aus Kanada zu tun hatten.

Nachdem die Argentinier nach ihren ersten beiden Partien des Turniers noch als Verlierer vom Feld gehen mussten, gewannen sie alle vier Spiele der Zwischenrunde. Unter anderem musste sich Puerto Rico mit 78:80 geschlagen geben, als Luis Scola (Foto, 25 Punkte, zwölf Rebounds) und Pablo Prigioni (elf Zähler, zwölf Assists) nur schwer zu stoppen waren. Der Aufbauspieler war es auch, der mit zwei erfolgreichen Freiwürfen vier Sekunden vor Schluss den Erfolg eintütete.

Nachdem die Mannen von Head Coach Sergio Hernandez am letzten Zwischenrundenspieltag die Auswahl aus Uruguay besiegen konnten, kam es im Anschluss daraufhin zum Endspiel um die Teilnahme am Halbfinale sowie um die direkte Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2010, sind doch die ersten vier Teams für die Türkei gesetzt. Dabei standen sich Kanada und die Dominikanische Republik gegenüber.

Zweitgenannte mussten wie schon bei der vorrangegangenen Partie gegen Mexiko auf Francisco Garcia (Foto) verzichten. Der Small Forward der Sacramento Kings, der während des Turniers mit durchschnittlich 15,8 Zählern der zweitbeste Punktesammler seiner Mannschaft war, hatte sich eine Fraktur im Ringfinger zugezogen. Und so waren es am Ende auch die Nordamerikaner, die sich mit 80:76 durchsetzen konnten, und somit überraschend das Halbfinale erreichten. Dabei verwandelten Joel Anthony (Miami Heat) und Andy Rautins (Syracuse, NCAA) in den letzten 19 Sekunden jeweils ihre beiden Freiwurfversuche.

Über den Turnierverlauf zeigten sich die Mannen von Head Coach Leo Rautins, der Vater von Shooting Guard Andy, äußerst mannschaftsdienlich. Während Carl English (Saski Baskonia, Spanien) als bester Punktesammler auf 12,5 Punkte pro Partie kam, markierte Olu Famutimi (Khimki Moskau, Russland) als sechstbester Scorer durchschnittlich 8,0 Zähler. Der letztjährige Point Guard Tübingens, Jermaine Anderson, leitete das kanadische Spiel mit 4,2 Korbvorlagen pro Begegnung. Als Mannschaft verteilten die Kanadier zudem die meisten Assists (18,1 ApG) aller Mannschaften.

Die Dominikanische Republik verpasste somit zwar die direkte Qualifikation für die kommende Weltmeisterschaft, jedoch wird man sich bei der FIBA um eine der vier Wild Cards bewerben.

Abschlusstabelle nach der Zwischenrunde

Nation W L Punkte
1. Brasilien 6 1 13
2. Puerto Rico 6 1 13
3. Argentinien 6 1 13
4. Kanada 3 4 10
5. Dominikanische Republik 3 4 10
6. Uruguay 2 5 9
7. Mexiko 1 6 8
8. Panama 1 6 8


1. Halbfinale: Brasilien gegen Kanada 73:65


Nachdem Leandro Barbosa im letzten Zwischenrundenspiel noch geschont wurde, war der Shooting Guard der Phoenix Suns im Halbfinale wieder zur Stelle und führte letztendlich alle Spieler mit 22 Zählern an. Konnte sich in der ersten Hälfte noch keines der beiden Teams mit mehr als vier Zählern absetzen, nutzten die Brasilianer im dritten Abschnitt einen 14:2-Lauf, um leicht davon zu ziehen. Dabei blieben die Kanadier sechs Minuten lang ohne Korberfolg aus dem Feld.

Gut vier Minuten vor Ende der Partie noch mit 19 Zählern in Rückstand liegend, gaben sich die Nordamerikaner aber nicht auf und kamen, angeführt von Olu Famutimi, und nach einem Drei-Punkte-Wurf von Jermaine Bucknor (Maurienne, Frankreich) noch einmal auf 63:69 heran. Marcelinho Machado (Flamengo, Brasilien) sicherte den Brasilianer aber mit vier erfolgreichen Treffern von der Linie den Sieg und somit den Finaleinzug.

2. Halbfinale: Puerto Rico gegen Argentinien 85:80

Nach knapp acht Minuten sah es so aus, als könnten die Argentinier ihren Sieg über Puerto Rico aus der Zwischenrunde wiederholen, nachdem sie sich eine 18:6-Führung erspielen konnten. Die Südamerikaner behaupteten über weite Strecke der Partie eine zweistellige Führung, ehe im dritten Abschnitt das Trio um Carlos Arroyo (Maccabi Tel-Aviv, Israel), Larry Ayuso (Cangrejeros Santurce, Puerto Rico) und Carmelo Lee (Vaqueros Bayamon, Puerto Rico) die Gastgeber wieder heranbrachten. Sodann entwickelte sich eine ausgeglichene Partie, in der zunächst vier Führungswechsel und zwei Gleichstände folgten.

In der Schlussphase war es Arroyo (Foto, insgesamt 19 Punkte), der in zwei aufeinanderfolgenden Angriffen punkten konnte. Während auf der Gegenseite Paolo Quinteros beim Distanzwurf, der den Ausgleich bedeutet hätte, geblockt wurde, traf Ayuso den spielentscheidenden Korbleger zum Endstand. Trotz einer Turnierbestleistung von 31 Zählern konnte auch Luis Scola (Houston Rockets) die Niederlage seiner Mannschaft nicht verhindern.

Spiel um Platz 3: Argentinien gegen Kanada 88:73

Am Folgetag konnte die Auswahl Argentiniens das Turnier aber versöhnlich beenden, als sie einen ungefährdeten Erfolg über die Kanadier einfahren konnten. Dabei hielten die Südamerikaner ihren Gegenüber in der ersten Halbzeit bei einer Feldwurfquote von 28,6 Prozent. Nachdem Argentinien in den letzten sechs Minuten des ersten Abschnitts zu einem 21:2-Lauf stürmte, war die Partie nach den ersten beiden Vierteln so gut wie entschieden: Von einem 18:49-Rückstand konnten sich die Nordamerikanern nicht mehr erholen.

Mit 27 Punkten war Scola ein weiteres Mal der teaminterne Topscorer Argentiniens. Dem Big Man wurde somit auch die Ehre zuteil, das Turnier als wertvollster Spieler zu beenden. In insgesamt zehn Partien kam der 29-Jährige auf durschnittlich 23,3 Punkte (Turnierbestwert), 6,8 Rebounds und 2,6 Assists.

Finale: Puerto Rico gegen Brasilien 60:61

Das Finale des Amerikameisterschaft wurde eindeutig von der Defensive geprägt, als beide Mannschaften die drittniedrigste Gesamtpunktzahl des Turniers markierten. Dabei schien es lange Zeit, als würde den Brasilianern eine Revanche zur Zwischenrundenniederlage gelingen. Kontinuierlich bauten die Südamerikaner ihren Vorsprung aus und führten nach einem 8:0-Lauf Mitte des zweiten Abschnitts bereits mit 30:18. Vor allem Leandro Barbosa (Foto) war anfangs nicht zu bremsen und hatte nach den ersten 20 Minuten bereits 14 Zähler auf seinem Konto.

Nach den ersten sechseinhalb Minuten nach der Pause waren die Brasilianer schon auf 44:28 davon gezogen, vor dem Schlussabschnitt betrug deren Vorsprung 13 Zähler. Der puertorikanische Nationaltrainer Manolo Cintrón schickte sodann seine Ersatzspieler auf das Parkett und glaubte gut sechs Minuten vor Schluss (42:55) wohl nicht mehr an eine Wende. Doch die zweite Garde präsentierte sich ungemein gut, punktete in vier aufeinanderfolgenden Angriffen und war zweieinhalb Minuten vor Ende der Partie wieder im Spiel (57:59). Nachdem Tiago Splitter in Reihen Brasiliens zwei Freiwürfe versenkte, brachte Arroyo bei noch 35 Sekunden zu spielen sein Team wieder auf zwei Zähler heran.

Der im ersten Aufeinandertreffen noch so überzeugende Angel Vassallo wurde sodann zur tragischen Figur: Zwar klaute der Small Forward den Brasilianern nach deren Einwurf den Ball, jedoch versenkte er nur einen seiner beiden Freiwürfe, nachdem er gefoult worden war. Daniel Santiago blockte elf Sekunden vor Ende der Partie einen Wurf Barbosas. Nachdem auch Splitter nicht erfolgreich war, konnte Puerto Rico den letzten Angriff sein eigen nennen. Arroyo nahm den Ball in die Hand, stürmte alleine nach vorne, drückte jenseits der Drei-Punkte-Linie ab, doch sein Wurf mit der Schlusssirene verfehlte das Ziel.



Mit 24 Zählern stellte Barbosa den Topscorer der Partie. Unterstützung erhielt der Guard vor allem von Tiago Splitter, der 13 Zähler, neun Rebounds und vier Assists verbuchte. Auf Seiten Puerto Ricos kam einzig Arroyo (14 Zähler) auf eine zweistellige Punkteausbeute. Anderson Varejao (Cleveland Cavaliers) kam am Ende auf acht Punkte und acht Rebounds und blickte nach dem Turniererfolg sogleich in die Zukunft: „Ich glaube, dass dieser Titel der erste von mehreren sein wird, welche diese Generation gewinnen wird.“

„Ordem e progresso“, was übersetzt Ordnung und Fortschritt bedeutet, ist ebenso auf der brasilianischen Flagge zu lesen. Und so war es auch die brasilianische Offensive, die geordnet ihre Arbeit verrichtete und ein großer Bestandteil des Erfolges war. Mit einem Assist/Ballverlust-Verhältnis von 1,395 waren die Brasilianer so gut wie gleich auf mit den führenden Argentiniern (1,398), Brasiliens Feldwurfquote von 53,0 Prozent war sodann der beste Wert aller Teams. Erwartungsgemäß war es Barbosa, der sein Team mit 21,1 Punkten pro Partie anführte. Dabei verwandelte der Shooting Guard überragende 71,6 Prozent seiner Würfe aus dem Zwei-Punkte-Bereich.

Bestleistungen des Turniers


Punkte: 31 (Luis Scola, ARG, gegen Puerto Rico, Halbfinale; Leandro Barbosa, BRA, gegen Kanada, Zwischenrunde)
Rebounds: 18 (Esteban Batista, URU, gegen Mexiko, Vorrunde)
Assists: 12 (Pablo Prigioni, ARG, gegen Puerto Rico, Zwischenrunde)
Steals: 6 (Pablo Prigioni, ARG, gegen Kanada, Zwischenrunde)
Blocks: 6 (Gustavo Aguirre, MEX, gegen Jungferninseln, Vorrunde; Anderson Varejao, BRA, gegen Uruguay, Zwischenrunde)
Dreier: 7 (Leandro Morales, URU, gegen Dominikanische Republik, Zwischenrunde)




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Kommentare

(2 Kommentare bisher)

von jordan 07.09.09 um 22:38:45


Da übertrifft der brasilianische (?) Kommentator des Finales ja schon unseren Buschmann. Wo soll das nur hinführen :D ?!



von dreiergott 07.09.09 um 22:55:23


der kommentator in dem videobeitrag scheint ja eher ein fußball- denn ein basketballkommentator zu sein :-)

schöner rückblick auf die amerikameisterschaft, von der ich sonst nichts mitbekommen hätte.



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