Albert-Schweitzer-Turnier

Grandiose Griechen

Ungeschlagen gewinnt Griechenland das Albert-Schweitzer-Turnier 2008. Alles zum Finale, den Awards und Geschichten findet ihr hier.

Von Peter Bieg
 30.03.2008 |

Ergebnisse vom 29.03.2008:

US Sports Arena
Schweden gg. Spanien (7. Platz) 46:75
Kanada gg. Argentinien (5. Platz) 80:54
USA gg. Australien (Spiel um den 3. Platz) 67:87
Türkei gg. Griechenland (Finale) 82:96


Das 24. Albert-Schweitzer-Turnier in Mannheim ist in einem großen Fest zu Ende gegangen. Doch vor all den Ehrungen, Verabschiedungen und Feiern wurde allerdings auch noch gespielt. Hier die Zusammenfassungen der letzten vier Spiele des diesjährigen Wettbewerbes:

Spiel um Platz 7: Schweden gg. Spanien 46:75

Mit 28:25 führten die Skandinavier zur Halbzeit, und eine dicke Überraschung lag in der Luft. Die Schweden, die ohnehin nur begünstigt durch die wohl leichteste Vorrundengruppe und den einen überzeugenden Sieg in eben dieser Vorrunde gegen Deutschland, um die Plätze 1-8 spielen durften, schienen eine echte Chance gegen die talentierteren Spanier zu haben.

Im den zweiten 20 Minuten wurden die Nordlichter dann allerdings böse überrannt, verloren die zweite Hälfte mit 18:50 und mussten sich mit einem dennoch starken achten Platz zufrieden geben.

Nur Alexander Lindquist (Jg. 91) kam mit 17 Punkten auf einen zweistelligen Wert und pflückte sich zudem sechs Rebounds. Die bisher starken Person (8 Pkt, 7 Reb) und Zaghden (8 Pkt, 5 Reb) konnten ihre Leistungen in ihrem letzten Spiel des Turniers nicht bestätigen.

Spanien wurde von Jodar, Pacha und Vicente (jeweils 13 Pkt) angeführt. Hernandez verteilte acht Assists.


Spiel um Platz 5: Kanada gg. Argentinien 80:54

Mit einem sehr deutlichen 80:54-Erfolg konnten die Kanadier das Spiel um Platz 5 gewinnen. Rob Gagliardi und Maurice Arop waren zu keiner Zeit zu bremsen und bereiteten den ausgepumpten Gauchos gewaltiges Kopfzerbrechen. Gagliardi erzielte 24 Punkte (11/15 FG), und Arop konnte diese Leistung mit 30 Punkten und 17 Rebounds noch weit überbieten.

Im zweiten Viertel kamen die Argentinier nicht über magere fünf Pünktchen hinaus, die sie in diesen zehn Minuten erzielen konnten und ebneten den Nordamerikanern den Weg zu einem abschließenden Sieg nach einer starken Leistung über die gesamte Woche hinweg.

Facundo Campazzo (10 Pkt) und Andres Landoni (12 Pkt) waren die besten Punktesammler Argentiniens, bei denen besonders Orlietti (5 Pkt) blass blieb.


Spiel um Platz 3: USA gg. Australien 67:87


In einer bis auf den allerletzten Platz (und Stehplatz) gefüllten US Sports Arena überkam die Mannschaft der USA spätestens nach der Schlusssirene erneut das Gefühl der Ernüchterung.

Angetreten ohne den am Fuß verletzten Travis Releford, begannen die Männen von Head Coach Lionel Hollins mit einer sehr großen Aufstellung, die jeweils klar über zwei Meter großen Whitey, Schuck und Judge liefen jeweils von Beginn an auf.

Jeff Whitey (offiziell 2,16 Meter; Foto) hatte dann auch in den ersten Minuten sofort einige Highlights und mit zwei starken Blocks einen guten Einstand. Den 10:15-Rückstand bei noch 3:38 Minnuten im ersten Viertel konnte der baumlange Center dennoch nicht verhindern.

Nach einigen Dreiern zogen die beherzten Australier bereits auf 10:26 davon und hatten das Spiel bis zur Halbzeit (31:48 für Australien) fest im Griff. Whitey hatte zu diesem Zeitpunkt bereits vier Würfe geblockt und konnte Hollins' Vertrauen in ihn zum ersten Mal rechtfertigen, aber das sehr sympathische australische Team wirkte einfach frischer und ging mit viel Elan zur Sache.

Nach der Pause konnten die USA mit einem tollen Run bis auf sieben Punkte herankommen (55:62 im dritten Viertel). Noch immer war es Jeffrey Whitey, der sein Team zu tragen versuchte. Mit mehreren Alley-Oops und normalen Dunkings sowie weiteren Blocks sorgte er für einen Höhepunkt nach dem anderen, doch die Führung blieb stets auf Seiten der Mannschaft aus dem Land der Kängurus und Aboriginies.

In Sachen Höhepunkte gab es auch auf Seiten des Siegers einige nennensweter Aktionen zu verzeichen; für das "Play of the Day" oder zumindest "Play of the Game" sorgte 1,82-Meter-Mann Jorden Page mit einem atemberaubend schnellen und präzisen Behind-the-back-Pass zum freien Mitspieler.

Am Ende hieß es 67:87 für das wahrscheinlich beste Team des Turniers, denn in Sachen herausragender Einzelspieler dürfte die Mannschaft Australiens eher in der unteren Häfte der Abschlusstabelle (siehe unten) einzuordnen sein. Mit sehr viel Energie, Mannschaftsgeist und tollen Aktionen hat sich diese Truppe im Lauf der letzten Woche eine Menge Sympathien erarbeitet.

Beste Werfer Australiens waren Dallevedova (20 Pkt, 9 Reb, 6 Ast), Page (10 Pkt), Harris-Tunks (17 Pkt) und Salecich (15 Pkt).

Neben Whitey (16 Pkt, 8 Reb, 7 Blk) überzeugte auch Sprungwunder Wally Judge (15 Pkt, 10 Reb) im Trikot der US-Boys.


Finale: Türkei gg. Griechenland 82:96

Um 16 Uhr war es dann soweit: Mit den Mannschaften Griechenland und der Türkei trafen nicht nur die beiden besten Teams, sondern auch die wohl lautesten und emphatischsten Zuschauer aufeinander.

Vor einer tollen Kulisse begann die Partie um den Titel sehr ausgeglichen: Über 5:4 und 13:13 bis hin zum 24:24 nach zehn gespielten Minuten, keine Mannschaft schaffte es, auch nur eine kleine Führung herauszuspielen. Während die Mannschaft der Türkei von Anfang an auf eine Mann-Mann-Verteidigung setzte, begannen die Griechen mit einer nicht minder aggressiven Zonenverteidigung, auch um die vorhandenen Größennachteile unter dem Korb kompensieren zu können.

In der Startphase fielen auf Seiten der Türkei vor allem Enes Kanter (Foto) und Melih Mahmutelu auf. Der erste 15-jährige Kanter (Jahrgang 1992) gefiel durch starke Rebound-Arbeit unter dem eigenen wie dem gegnerischen Korb und einen bereits sehr feinen "Touch" unter dem Ring. Allerdings sollte er dennoch versuchen, per Sprungwurf abzuschließen, anstatt mit gestreckten Beinen auf den Korb zu werfen. Mahmutelu versenkte einen Dreier nach dem anderen und ließ sich dabei auch von heranfliegenden Verteidigern nicht im geringsten aus dem Konzept bringen.

Nikolaos Pappas präsentierte ein ums andere Mal seine Go-to-Move: Eine Art Korbleger, stets von der linken Seite eingeleitet, bei dem er den Wurf sehr, sehr lange verzögert und per Brett abschließt. Auch die Variante, diesen Korleger in eine Art Fade-away-Jumper aus extrem kurzer Distanz umzuwandeln, beherrscht der junge Grieche nahezu perfekt.

Deniz Kiligli, der im gesamten Turniervelauf kein einziges Spiel als Teil der Startformation seiner Mannschaft begann, konterte solche Aktionen zumeist mit seiner Lieblingswaffe, einem mit links abgeschlossenen Baby-Hakenwurf, obwohl der junge Mann seine Freiwürfe mit der rechten Hand gen Korb zu werfen pflegt.

Obwohl sich Pappas durch einige dumme Aktionen selbst um viele Punkte brachte, zogen die Griechen nach einem Zwischenspurt auf 27:35 davon. Anstatt bei 1-gegen-0-Korblegern schlichtweg einzunetzen, wartete der arrogant wirkende Guard mehrmals auf den heraneilenden Gegner, um diesem noch ein Foul anzuhängen - was aber selten bis niemals wirklich gelang. Den Türken fehlte in dieser Phase vor allem das Wurfglück von außen; auch Mahmutelu traf nicht mehr ganz mit der gewohnten Lässigkeit.

Durch einen traumhaften Assist von Sloukas auf Pappas und einen anschließenden Korb plus Bonusfreiwurf des Letztgenannten vergrößerten die favorisierten Griechen ihren Vorsprung gar auf 14 Punkten (27:41).

Kiligli agierte ausgerechnet in diesem so wichtigen Spiel glück- und kopflos und versuchte, bei 18 Punkten Rückstand einen Pass per Alley-Oop-Dunk in den Korb zu befördern, was aber heftig misslang.

Nachdem Mantzaris per Buzzerbeater den 38:54-Halbzeitstand hergestellt hatte, glaubten nur noch die türkischen Fans an ein erfolgreiches Aufbäumen ihrer jungen Truppe. Auch Enes Kanter war untergetaucht und leistete sich viele Fehler, vor allem in der so wichtigen Helpside-Verteidigung gegen die agilen Griechen.

Doch nach einem starken Lauf kämpften sich die rot gekleideten Türken auf 51:56 heran, und das Spiel um den ersten Platz schien wieder vollkommen offen zu sein. Nach einem krachenden Dunk des blutjungen Kanter stand es noch immer 53:53, doch über 56:60 kämpfte man sich bis auf zwei Punkte (58:60) heran und die Partie hätte kippen können.

Aber die ungeschlagenen Griechen reagierten wie eine Truppe von Veteranen und schlugen eiskalt zurück: Pappas netzte mit der Schlusssirene des dritten Viertels zum 60:69 für Griechenland ein und holte das so wichtige "Momentum" auf die Seite seiner Mannschaft zurück.

Nach einem weiteren "And One" ihres Anführers Nikolaos Pappas und einem Dreier nach lehrbuchmäßigem Ball-Movement führten die Griechen wieder mit 62:77. Den Türken lief die Zeit davon, und der starke Mahmutelu hatte sein Pulver nun endgültig verschossen.

Die Partie war bei Stand von 71:81 bei noch 4:31 zu spielenden Minuten endgültig vorbei. Auf alle türkischen Ideen und Attacken fand der spätere Turniersieger die passende Antwort, konnte die Führung weiter ausbauen und profitierte auch stark von dem Umstand, dass das türkische Team sehr früh im letzten Abschnitt die Mannschafts- foulgrenze überschritten hatte.

Beim Stand von 82:96 zugunsten Griechenlands war das Finale des 24. Albert-Schweitzer-Turniers beendet. Griechenland gewinnt zum zweiten Mal (nach 2002) in der Geschichte des Wettbewerbes das bestbesetzte Junioren-Turnier weltweit.

Pappas (17 Punkte, 9 Rebounds, 6 Assists, 6 Turnover), Sloukas (20 Pkt) und Papanikolau (27 Pkt) waren die Stützen der griechischen Mannschaft in diesem Spiel.
Mahmutelu (29 Pkt, 6/13 3FG), Kiligli (17 Pkt, 6 Reb) und Kanter (13 Pkt, 15 Reb) lieferten die besten Werte für die unterlegenen Türken.

Im Anschluss an die Siegerehrung wurden verschiedene Auszeichnungen vergeben. Sämtliche Ehrungen wurden durch die Wahl der sechzehn Nationaltrainer bestimmt.

Zum wertvollsten Spieler des Turniers wurde Griechenlands Nikolaos Pappas (Guard, 1,93 Meter, Jahrgang 1990) ausgezeichnet.

Den "Burkhard Wildermuth Preis" für den Spieler mit dem meisten Entwicklungspotenzial erhielt der Türke Enes Kanter (Center, 2,04 Meter, Jahrgang 1992).

In die Starting Five des Turniers wurden gewählt:
Bester Point Guard: Irving Walker (USA)
Bester Shooting Guard: Nikolaos Pappas (Griechenland)
Bester Small Forward: Tomislav Zubcic (Kroatien)
Bester Power Forward: Deniz Kiligli (Türkei)
Bester Center: Enes Kanter (Türkei)

Mit diesen und weiteren Spielern sowie den Spielern der deutschen Mannschaft werden wir uns in der folgenden Woche ausführlich beschäftigen. Dann werden auch hier verschiedene Bewertungen und Beobachtungen bezüglich der größten Talente erscheinen. Außerdem warten ein Interview und eine Foto-Galerie auf den geneigten Leser.

Die Abschlusstabelle

1. Griechenland
2. Türkei
3. Australien
4. USA
5. Kanada
6. Argentinien
7. Spanien
8. Schweden
9. Deutschland
10. Kroatien
11. Frankreich
12. Italien
13. Russland
14. Neuseelad
15. Israel
16. Niederlande




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Kommentare

(2 Kommentare bisher)

von Äneas 30.03.08 um 21:43:13


Danke für die tolle Berichterstattung vom AST.



von Anklebreaker 30.03.08 um 23:23:15


kann mich da nur anschließen...super job! freu mich schon auf die einschätzung der talente



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