Albert-Schweitzer-Turnier
Ein relativ überwältigendes Ergebnis
Mit den Plätzen zwei und drei erreichten die beiden deutschen Teams beim 25. Albert-Schweitzer-Turnier in Mannheim absolute Spitzenergebnisse und spielten erstmals wirklich um den Turniersieg mit. Im Rahmen eines insgesamt schwach besetzten Wettbewerbs gab es auf deutscher Seite reichlich Grund zu Freude.
Von Peter Bieg |
12.04.2010 | |
Am vergangenen Samstag ging das 25. Albert-Schweitzer-Turnier in Mannheim zu Ende. Völlig überraschend und zum ersten Mal überhaupt konnte sich die Mannschaft aus Australien den Titel beim bedeutendsten Turnier in der Altersklasse U18 sicher. Die deutschen U18 und U17-Nationalmannschaften erreichten den zweiten bzw. dritten Platz und sicherten dem Deutschen Basketball-Bund (DBB) damit das erfolgreichste Abschneiden seit Bestehen des renommierten Turniers.
Hatten es die Deutschen bisher bereits zweimal (1958, 1983) auf den dritten Platz geschafft, feierte die Truppe von Bundestrainer Kay Blümel, die Australien im Finale mit 51:68 (11:16, 12:8, 19:22, 9:22) unterlag, einen historischen Erfolg. Im Endspiel musste die deutsche Auswahl sich den athletisch, kämpferisch und letztlich auch spielerisch überlegenen Australiern geschlagen geben, die den Sieg verdient davon trugen.
Die von Frank Menz betreute U17-Auswahl (Jahrgänge 1993 und jünger), die das Großereignis in der Quadratstadt zur Vorbereitung auf dieWeltmeisterschaft im eigenen Land (2. bis 11. Juli in Hamburg) nutzte, kam völlig überraschend auf den Bronzerang, da es gelang, die Amerikaner im Spiel um den dritten Platz mit 79:68 (19:17, 25:18, 17:11, 18:22) in die Knie zu zwingen.
Was für die Verantwortlichen beim DBB für strahlende Gesichter und Lobeshymnen auf die deutsche Nachwuchsarbeit sorgte, machte Scouts und Experten während der Turnierwoche in Mannheim alles andere als glücklich: Das Niveau beim diesjährigen Albert-Schweitzer-Turnier (AST) lässt sich kaum mit dem der vergangenen Jahre vergleichen. Die deutschen Teams schlugen sich nicht nur wegen ihrer vergleichsweise lockeren Vorrundengruppe (in der die Mannschaften auf Japan, China, Brasilien, Italien, die Türkei und Neuseeland trafen) mehr als beachtlich.
So waren nur eine Handvoll Spieler zu beobachten, die es in einigen Jahren auch im Seniorenbereich schaffen könnten, international zu dominieren. Besonders unter den Körben waren kaum Spieler anzutreffen, die bei den Abgesandten der NBA-Klubs für nachhaltiges Mit-der-Zunge-Schnalzen sorgen konnten.
Stattdessen fanden sich vor allem auf der Center-Position zwar etliche lange Akteure, denen aber die angemessene Grundausbildung oder aber das basketballerische Talent schlichtweg fehlte. Überhaupt wurde das Albert-Schweitzer-Turnier 2010 weniger von herausragenden Einzelspielern dominiert, als von mannschaftlicher Geschlossenheit, Kampfgeist und starker Verteidigungsarbeit.
Auch die im Juniorenbereich typischen Leistungsschwankungen zwischen verschiedenen Jahrgängen eines Landes wurden anhand der Platzierungen traditionell starker Basketballnationen sehr deutlich: Argentinien schaffte es nur auf einen enttäuschenden 15. Platz, Frankreich beendete das Turnier auf Rang 13 und auch Titelverteidiger Griechenland musste sich mit einem neunten Platz begnügen.
Mit Australien wurde das Turnier von der – individuell wie kollektiv – besten Mannschaft gewonnen. Mitchell Creek (Power Forward), der zugleich zum MVP des Turnier gewählt wurde, Jackson Aldridge (Point Guard) und Hugh Greenwood (Small Forward) vertraten die Farben des fünften Kontinents in der Auswahl der besten fünf Spieler des Turniers. Außerdem schafften der Franzose Evan Fournier (Shooting Guard) und der Center der deutschen U18-Nationalmannschaft, Philipp Neumann (2,12 Meter, Breitengüßbach/Bamberg), den Sprung in diesen Kreis.
Den „Burkhard-Wildermuth-Award“ als talentiertester Spieler des AST 2010 sicherte sich wenig überraschend der kroatische Power Forward Dario Saric (2,03 Meter, Jg. 1993). Der vielseitige Saric galt schon vor dem Turnier als vielversprechendstes Projekt und wird von europäischen Klubs mit Vertragsangeboten überhäuft.
Für die deutsche U18-Mannschaft spielten Neumann (16,6 PpG, 10 RpG und 3,5 BpG), Bill Borekambi (1,99 Meter, Power Forward, 10,4 PpG, 6,4 RpG), Patrick Heckmann (1,96 Meter, Small Forward, 8,1 PpG), Mathis Mönninghoff (1,98 Meter, Shooting Guard, 8,7 PpG) die Hauptrollen.
Im jüngeren Jahrgang überzeugten vor allem Besnik Bekteshi (1,87 Meter, Point Guard, 11,3 PpG, 3,6 RpG), Jakob Krumbeck (1,87 Meter, Shooting Guard, 10,9 PpG) und Paul Albrecht (2,03 Meter, Power Forward, 9,7 PpG, 5,6 RpG).
Mit diesem tollen Ergebnis im Rücken darf man gespannt sein, wie sich die deutschen Teams bei den internationalen Turnieren im Sommer präsentieren. Während der Woche in Mannheim haben die Jungs mit dem Bundesadler allerdings deutlich gezeigt, dass sie in ihren Altersklassen ein Wörtchen mitreden können. Für grenzenlosen Optimismus ist es angesichts eines eher durchwachsenen Talent-Levels beim AST 2010 definitiv zu früh.



von Crossover 30.05.2012 um 09:54:41
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