Albert-Schweitzer-Turnier
Deutsche Hoffnungen
Auch der deutschen Mannschaft haben wir uns in einer kleinen Analyse gewidmet. Einzelkritiken und Bewertungen eines jeden Spielers mit dem deutschen Adler findet ihr hier.
Von Peter Bieg |
02.04.2008 | |
Natürlich haben wir auch die Leistungen der deutschen Nationalspieler beobachtet und zu bewerten versucht. Allerdings müssen diese Bewertungen ganz klar vor dem Hintergrund gesehen werden, dass nicht alle deutschen Spiele analysiert werden konnten. Es handelt sich also mehr um eine Sammlung von Eindrücken als um ein Dossier, welches den Namen ?Analyse? wirklich verdienen könnte. Vor allem eine angemessene Bewertung der Leistungen der Rollenspieler fällt, aufgrund sehr geringer Spielzeit, extrem schwer.

Harald Debelka
Geburtsdatum: 31.01.1991
Position: Shooting Guard
Größe: 1,95 Meter
Team: TSV Crailsheim
Statistiken pro Spiel:
3,5 Pkt / 0,8 Reb / 1,2 To / 30% FG / 8,57 Min
Der erst 17-jährige Debelka war noch nicht soweit, um dem deutschen Team wirklich Impulse geben zu können. Meist versuchte der Shooting Guard aus der Distanz oder mit einer Art Floater bzw. Runner zu punkten. Außerdem scheute der nicht besonders kräftige Debelka auffällig oft den Körperkontakt und schaffte es im gesamten Turnier nicht ein einziges Mal, an die Freiwurflinie zu kommen. Auch in der Verteidigung wirkte er eher schwach.
Jusuf El Domiaty
Geburtsdatum: 11.10.1990
Position: Point Guard
Größe: 1,89 Meter
Team: SG Braunschweig
Statistiken pro Spiel:
6,5 Pkt / 1,4 Reb / 3,8 To / 2,6 Ast / 1,2 Stl / 42% FG / 17,48 Min
Jusuf el Domiaty gab den Backup auf beiden Guard-Positionen und zeigte Licht und Schatten im steten Wechsel. Der sehr introvertiert wirkende El Domiaty verfügt über einen guten Wurf, vor allem von jenseits der Dreierlinie, auch sein Ballhandling ist ansprechend. Allerdings war ebenso eine gewisse Neigung zur Rolle des ?Alleinunterhalters? zu erkennen, die längere Einsätze womöglich verhindert hat. Die sehr hohe Anzahl an Ballverlusten macht es deutlich: Nicht immer wirkte er vollkommen auf die Systeme konzentriert und neigte zu Fahrlässigkeiten im Ballvortrag und beim Pass.
Niels Giffey
Geburtsdatum: 08.06.1991
Position: Shooting Guard
Größe: 1,98 Meter
Team: TuS Lichterfelde / Alba Berlin
Statistiken pro Spiel:
2,3 Pkt / 0,8 Reb / 2,0 To / 1,0 Ast / 37% FG / 9,17 Min
Der zweite Spieler des Jahrgangs 1991 im deutschen Kader bekam ebenso wie Debelka nicht allzu viel Einsatzzeit. Giffey hatte im Auftaktspiel gegen die Niederlande ein Highlight, als er einem Gegenspieler den Ball ins Gesicht dunkte. Ansonsten war nicht viel von ihm zu sehen. Die körperlichen Vorraussetzungen sind gut, doch in Sachen Wurfauswahl und -quote ist sehr viel Luft nach oben. Auch Niels Giffey leistete sich in kurzer Zeit viele Ballverluste.
Melvin Gyau
Geburtsdatum: 30.01.1990
Position: Point Guard
Größe: 1,83 Meter
Team: BIS Baskets Speyer
Statistiken pro Spiel:
4,3 Pkt / 1,4 Reb / 1,0 To / 1,1 Ast / 1,0 Stl / 31% FG / 13,14 Min
Auch vom kleinsten Spieler in der deutschen Nationalmannschaft bekam der geneigte Zuschauer nicht so viel zu sehen. Gyau leistete einen soliden Ballvortrag und verteilte den Ball ordentlich. Eigene offensive Akzente blieben eher Mangelware, wobei seine geringe Körbergröße definitiv einen entscheidenden Faktor darstellt.
Robert Hülsewede
Geburtsdatum: 19.04.1990
Position: Small Forward
Größe: 1,99 Meter
Team: TSVE Bielefeld / Paderborn Baskets
Statistiken pro Spiel:
3,8 Pkt / 2,6 Reb / 2,3 To / 1,6 Ast / 1,3 Stl / 17% FG / 18,1 Min
Hülsewede, zu Beginn in der Startformation von Head Coach Kay Blümel, gehört zu den größten Enttäuschungen auf deutscher Seite. Seine Quote aus dem Feld spricht Bände. Der junge Forward nahm viele Würfe und traf fast keinen davon. Hülsewede feuerte dabei meist recht gewissenlos auf den Korb, nahm schwierige Würfe aus der Drehung oder direkt nach dem Block. Ansonsten spielte der drahtige Flügel aus Bielefeld bemüht und ackerte in der Verteidigung.
Was ihn langfristig limitiert, sind sein dünner Körper und eine durchschnittliche Athletik. Hülsewede bewegte sich gut ? im Sinne von zielgerichtet ? auf dem Court; viel ist nicht dabei heraus gekommen.
Marvin Kruchen
Geburtsdatum: 22.03.1990
Position: Center
Größe: 2,09 Meter
Team: TSV Bayer 04 Leverkusen
Statistiken pro Spiel:
2,5 Pkt / 2,0 Reb / 1,4 To / 50% FG / 6,22 Min
?Tony?, wie Marvin Kruchen aufgrund seiner Ähnlichkeit zum jungen Tony Marshall (ein Star der Schlagerszene, Anm. d. Red.) von vielen Fans genannt wurde, bekam nicht viel Zeit, seinen Körper einzusetzen. In seinen Kurzeinsätzen wirkte Kruchen behäbig und einseitig. Abgesehen von seinen 209 Zentimetern Körpergröße bringt Marvin Kruchen nicht allzu viel mit, was ihn eines Tages zu einem legitimen BBL-Center machen könnte.
Erik Land
Geburtsdatum: 03.06.1990
Position: Center
Größe: 2,05 Meter
Team: TSV Breitengüßbach
Statistiken pro Spiel:
11,0 Pkt / 6,3 Reb / 2,1 To / 1,0 Ast / 1,0 Blk / 55% FG / 24,23 Min
Erik Land war einer der absoluten Führungsspieler im deutschen Team und verdiente sich einiges an Lob und Sympathien. Land arbeitete stark unter dem Korb und bringt eine feine Mischung aus Technik, Kraft und Köpfchen mit, die ihm auf seinem weiteren Weg sehr helfen wird.
Obwohl Land nicht der athletischste Spieler ist, schaffte er es mit Täuschungen und gutem Timing immer wieder, unter dem Korb zu punkten. Außerdem erfüllte er auch seine Rolle als Anführer, gab Anweisungen und kommunizierte sehr viel mit seinen Mannschaftskameraden.

Femi Oladipo
Geburtsdatum: 27.06.1990
Position: Power Forward
Größe: 1,99 Meter
Team: BSG Bremerhaven
Statistiken pro Spiel:
14,6 Pkt / 5,6 Reb / 1,5 To / 1,6 Ast / 1,3 Stl / 49% FG / 18,11 Min
Der ?Joker? der Deutschen. Obwohl er nicht Teil der Starting Five war, wurde Femi Oladipo zum besten Werfer seiner Mannschaft im gesamten Turnier. Zumeist wurde er recht bald für den blassen Hülsewede eingewechselt, um für Punkte zu sorgen.
Mit seiner herausragenden Athletik und seinem exzellentem Korbdrang stellte er immer eine Gefahr dar. Dennoch scheiden sich an ihm die Geister: Denn Freunden des organisierten und systemgeprägten Spiels versucht Oladipo zuviel auf eigene Faust und nimmt teilweise einfach zu viel Risiko in Kauf. Seine Befürworter sehen einen kräftigen Springer mit allen Anlagen, um ein sehr guter Spieler werden zu können, der eben ab und an noch Fehler macht.
In Sachen Rebounds hatte seine Athletik auf jeden Fall ihre Wirkung, denn seine fast sechs Rebounds im Schnitt sind ein Spitzenwert für einen Spieler unter zwei Metern Körpergröße. Interessant wird auch sein, für selche Position sich Oladipo in der Zukunft entscheidet, denn als Power Forward ist er auf Profi-Niveau wohl doch ein bisschen klein. Auch sein Schuss aus der Distanz wirft Fragen auf. Zwar traf er 100% von der Dreierlinie ? bei lediglich zwei Versuchen.
Simon Schmitz
Geburtsdatum: 17.02.1990
Position: Point Guard
Größe: 1,88 Meter
Team: BIS Speyer
Statistiken pro Spiel:
9,5 Pkt / 2,2 Reb / 2,5 To / 3,3 Ast / 2,0 Stl / 45% FG / 25,39 Min
Simon Schmitz ist nicht nur der Sohn von Horst Schmitz, kurzzeitig Trainer der damaligen BBL-Mannschaft aus Karlsruhe und heute Co-Coach des deutschen U18-Teams, sondern auch Point Guard eben dieses Teams. Schmitz bekam die meisten Minuten aller deutschen Akteure und war der verlängerte Arm seiner Trainer.
Seine Sporen verdiente sich Simon Schmitz nicht nur durch eine starke Defense, sondern vor allem durch die Fähigkeit, den deutschen Angriff schnell, aber dennoch kontrolliert zu gestalten. In Sachen Scoring bleiben allerdings einige Fragen offen, denn sein Distanzwurf ist weder konstant gut noch besonders schön, und auch beim Zug zum Korb ist Schmitz durch seine körperlichen Defizite leicht zu stoppen. Für seine 1,88 Meter ist der Junge vom BIS Speyer extrem dünn und auch nicht in der Lage Gegenspieler aufzuposten.
Aufgrund seiner Spielintelligenz und Geschwindigkeit ist er zwar mit Sicherheit ein interessanter Spieler, aber sein dürrer Körper wird es ihm wohl nicht erlauben, viel Kraft aufzubauen und ihn dauerhaft limitieren.
Bastian Winterhalter
Geburtsdatum: 27.07.1990
Position: Power Forward
Größe: 2,00 Meter
Team: SOBA Rhöndorf
Statistiken pro Spiel:
5,0 Pkt / 2,4 Reb / 1,0 To / 50% FG / 12,32 Min
Winterhalter nutzte seine wenigen Minuten recht gut und versuchte stets Korbgefahr auszustrahlen. Unkonventioneller Spieler, der allerdings noch stark an Muskelmasse zulegen sollte, um unter den Körben der Senioren für Aufsehen sorgen zu können.
Jonas Wohlfahrt-Bottermann
Geburtsdatum: 20.02.1990
Position: Center
Größe: 2,07 Meter
Team: Telekom Baskets Bonn
Statistiken pro Spiel:
5,1 Pkt / 7,2 Reb / 1,4 To / 1,0 Stl / 1,2 Blk / 28% FG / 13,11 Min
Der sehr dünne Wohlfahrt-Bottermann nutzte seine Einsatzzeit gut aus. Der Bonner schnappte sich sehr viele Rebounds und stellte mit seinen langen Armen stets eine Gefahr in der Zone als Shotblocker dar. Hochgerechnet auf 40 Minuten sind seine Werte in diesem Bereich sehr stark.
In der Offensive war er allerdings kein Faktor, punktete nur nach eigenen Rebounds oder Durchsteckern. Er muss weiter hart an seinen Bewegungen und Entscheidungen arbeiten, seine Feldwurfquote bringt es zum Ausdruck. Aufgrund seines Mangels an Masse stellt er allerdings gegen schwerere Gegenspieler ein Risiko dar, weil diese ihn mit Leichtigkeit durch die Gegend schieben und drücken.
Dennoch wird es interessant sein, den weiteren Weg dieses Spielers zu verfolgen, denn in Sachen ?Länge? macht ihm so schnell niemand etwas vor. Wohlfahrt-Bottermann besitzt absolute Krakenarme, mit denen er sich auch ohne besondere Sprungkraft viele Rebounds angeln konnte.
Maik Zirbes
Geburtsdatum: 29.01.1990
Position: Center
Größe: 2,06m
Team: TBB Trier / TVG Baskets
Statistiken pro Spiel:
13,1 Pkt / 9,0 Reb / 2 To / 1,8 Ast / 57% FG / 23,12 Min
Deutschlands bester Spieler beim Albert-Schweitzer-Turnier heißt Maik Zirbes. Der Trierer war bester Rebounder und zweitbester Scorer seiner Mannschaft und lieferte bisweilen sehr starke Auftritte ab.
Mit seinen 120 Kilogramm besitzt er schon jetzt einen Körper, mit dem er auch in höheren Ligen mithalten kann. Zirbes setzt seinen Körper sehr gut ein, um leichte Punkte und Rebounds zu erhaschen. Auch ohne ein riesiges Arsenal an Postmoves ist Zirbes stets in der Lage zu punkten.
Zwar bekam er von Head Coach Blümel ?Wurfverbot? aus der Distanz verhängt, aber auch aus diesem Bereich kann er freistehend bereits jetzt treffen. Furchtloser Spieler und starker Dunker, der eine unheimliche Ruhe und Präsenz ausstrahlt und den Gegner auch dadurch beeindrucken kann. Bisweilen mit Hang zu Foulproblemen, aber auch die wird er mit steigender Erfahrung in den Griff bekommen.
Zirbes erlangte auch bei Scouts und Trainern anderer Vereine große Aufmerksamkeit, und es wird interessant sein, zu sehen in welche Richtung es den Koloss aus Trier nach seinem Schulabschluss verschlägt. Er selbst plant, nach Amerika zu gehen, aber nach einem solch guten Turnier stehen ihm viele Türen offen.
Nachdem Zirbes erst im Februar zu einem Lehrgang der Nationalmannschaft eingeladen wurde, ist es umso erfreulicher für ihn, dass er seine starken Leistungen aus der NBBL jetzt auch in der höchsten deutschen Auswahlmannschaft bestätigen konnte. Schon seit langer Zeit wurde von den Trierer Verantwortlichen immer wieder kritisiert, Zirbes solle endlich seine Chance bekommen. Diese hat er nun erhalten und produktiv zu nutzen gewusst.



von Crossover 30.05.2012 um 09:54:31
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