Albert-Schweitzer-Turnier
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Zehn Spieler beeindruckten besonders beim 24. Albert-Schweitzer Turnier. Nicht unbedingt statistisch, auch Dinge wie verbleibendes Potenzial oder außergewöhnliche Fähigkeiten wurden berücksichtigt.
Von Peter Bieg |
01.04.2008 | |
Auch in diesem Jahr waren sie wieder zahlreich vertreten: Agenten, Scouts und Trainer aller möglichen Clubs. Ihr Ziel: Talentsichtung.
Zu diesem Zweck gibt es definitiv schlechtere Möglichkeiten als das traditionell stark besetzte Albert-Schweitzer-Turnier in Mannheim. Selten ist es möglich, so viele begabte Spieler im Zeitraum einer Woche in ganz verschiedenen Situationen - in Form von Spielen und den dortigen Matchups - beobachten zu können.
Zwar fehlten mit Ricky Rubio und den amerikanischen Highschool-Talenten, die sich zeitgleich mit dem Kampf und die Meisterschaft in der ACB bzw. dem ?McDonald's All-American Game? beschäftigten, einige namhafte Spieler, doch auch so wurde der erfahrene Sucher fündig - auf der Jagd nach jungen Spielern mit womöglich großer Zukunft.
Auch wir haben die Augen offen gehalten und uns gefragt: ?Wer könnte es schaffen, in den großen Ligen Europas, in der NBA oder bei den großen FIBA-Turnieren eines Tages für Furore zu sorgen?? Herausgekommen ist dabei eine Auswahl von zehn Spielern, ohne allerdings im geringsten für Vollständigkeit oder Richtigkeit der Auswahl bürgen zu können!
Die folgende Liste ist eine Einschätzung. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Natürlich sind die fünf Spieler vertreten, die auch von den sechzehn Nationaltrainern in die Starting Five des Turniers gewählt worden.
Nikolaos Pappas (Griechenland)
Geburtsdatum: 11.07.1990
Position: Point Guard / Shooting Guard
Größe: 1,93 Meter
Team: Panellinios Athen
Der wertvollste Spieler des Turniers legte in sieben Spielen durchschnittlich 21,2 Punkte auf. Außerdem gelangen dem 17-Jährigen 6,7 Rebounds und 2,2 Steals pro Spiel.
Der Grieche besitzt keine herausragende Athletik, ist kein wahnsinnig guter Schütze und erst recht kein ?echter? Point Guard. Für seine 17 Lenze ist er allerdings unheimlich abgezockt, verfügt über ein tolles Gespür für Rebounds, vor allem in der Offensive. So sicherte er sich und seinem Team bei 1,93 Meter Körpergröße fast drei Offensivrebounds pro Partie und sorgte somit in wichtigen Phasen immer wieder für zweite und dritte Chancen.
Sein Wurf von außen ist noch nicht wirklich sicher, aber in entscheidenden Phasen konnte Pappas ihn immer wieder an den Mann bringen, auch wenn er sich in der Crunchtime zumeist auf seinen Go-to-Move, einen extrem verzögerten, kaum zu blockenden Korbleger von der linken Seite verlässt. Auch seine an Arroganz grenzende Selbstsicherheit machte ihn zu einer Ausnahmeerscheinung unter den in Mannheim anwesenden Spielern. Locker und lässig brachte Pappas den Ball auch in den brenzligsten Situationen über die Mittellinie oder holte ihn sich an der Mittellinie ab, um die entscheidenden Spielzüge einzuleiten.
Ein wenig erinnert er schon jetzt an den legendären Theodoros Papaloukas (CSKA Moskau; Foto), auch wenn dieser noch ein wenig größer ist. Pappas scheut keine Verantwortung, er sucht sie. Beim Halbfinalsieg gegen Australien (84:79 nach Verlängerung) trug er sein Team mit 39 Punkten und zehn Rebounds fast im Alleingang ins Endspiel. In der Overtime lief alles über den so unscheinbaren, aber doch so guten Nikolaos Pappas.
Arbeiten sollte er neben den basketballerischen Fähigkeiten vor allem an seinem Auftreten auf dem Feld. Schon bei der kleinsten unfairen Aktion eines Gegenspielers forderte Pappas ständig unsportliche Fouls ein - und langte selbst teilweise kräftig zu. Vor allem beim eigenen Ballvortrag setzt er nur allzu gern den Ellenbogen ein, um sich den entscheidenden Platz zu verschaffen. Doch auch solche ?Bauernschläue? ist man von den wirklich großen griechischen Spielern bereits gewohnt, und Pappas hat zumindest eine realistische Chance, selbst mal ein solcher zu werden, vor allem wenn er seinen Distanzwurf weiter verbessert.
Irving Walker (USA)
Geburtsdatum: 17.01.1990
Position: Point Guard
Größe: 1,78 Meter
Team: Rice Highschool (Middle Village, NY)
Ganz im Gegensatz zu Pappas gehörte Irving Walker, der Topscorer des Wettbewerbs, nicht nur zu den besten, sondern auch zu den spektakulärsten Spielern des Turniers. Im Durchschnitt legte Walker 22,8 Punkte auf, holte 3,7 Rebounds, verteilte 5,7 Assists und leistete sich immense 4,4 Ballverluste pro Partie.
Offiziell ist Walker 1,78 Meter groß, doch 1,75 Meter erscheinen realistischer, was den Zwerg allerdings nie daran hinderte, mit seinen Gegenspielern zu machen was er wollte.
Walker ist pfeilschnell, verfügt über ein extrem gutes Ballhandling und einen starken Distanzwurf. Seine Körperkontrolle ist unfassbar - Walker schafft es aus vollem Lauf, auf den Punkt genau stehen zu bleiben, um dann seinen Wurf loszuwerden. Auch im Fallen und Straucheln dribbelt er den Ball kontrolliert weiter, ohne ihn zu verlieren oder größere Beachtung zu schenken. Teilweise war nicht ganz klar, ob gerade Irving Walker oder der orangene Spalding der schnellere der beiden Beteiligten ist.
Wirklich verteidigen konnte Walker im gesamten Turnierverlauf niemand - entweder sein Pull-up-Dreier fiel ins Netz, oder eben nicht. Doch auch, um für seine Mitspieler Optionen und offene Würfe zu kreieren, bringt der wieselflinke Quirl alles mit: Mit seinem Zug zum Korb und perversen Crossovern zog Walker immer wieder mehrere Verteidiger auf sich und steckte dann durch oder passte zum offenen Schützen.
Ohne Irving Walker hätte das Team aus den USA definitiv ein anderes Spiel gespielt - im Guten wie im Schlechten: Denn, obwohl Walker sein Team in einigen Fällen alleine zum Sieg geführt hat, so trägt er auch einen Großteil der Verantwortung für die Halbfinal-Niederlage gegen die Türkei. Walker neigt - in guten und in schlechten Phasen - sehr stark zum Überdrehen, nimmt dann drei Dreipunkt-Würfe in einem einzigen Angriff und scheint das Wort ?Mitspieler? überhaupt nicht mehr zu kennen. Daher resultieren auch seine vielen Ballverluste; der Umstand, dass Walker im Turnierverlauf mehr Dreier (69 Versuche) als Zweier (62 Versuche) in Richtung Korb gefeuert hat, spricht Bände.
Wenn Walker diese Schwächen am College in den Griff bekommt und lernt, mit mehr Ruhe und Köpfchen zu spielen, wird er ein sehr guter Guard werden. Auch der Sprung in die NBA ist aufgrund von Schnelligkeit, Ballhandling und Wurf durchaus möglich, wenngleich seine Körpergröße definitiv als Manko angesehen werden wird.
Tomislav Zubcic (Kroatien)
Geburtsdatum: 17.01.1990
Position: Small Forward / Power Forward / Center
Größe: 2,08 Meter
Team: Cibona Zagreb
Am Sonntag erscheint ein großes Interview mit Kroatiens Tomislav Zubcic. Dort wird der Spieler dann auch ausführlich vorgestellt. Der knapp 2,10 Meter große Schlacks war der wohl vielseitigste Spieler des Turniers und kann - zumindest im Jugendbereich - alle Positionen bekleiden. Für seine Körpergröße ist er außerordentlich agil, verfügt über einen guten Wurf, einen schnellen ersten Schritt und gute Übersicht. Zubcic muss vor allem an seinen Entscheidungen auf dem Feld arbeiten, da er sich zum Teil absolut vermeidbare Ballverluste leistet. Außerdem muss er deutlich mehr Kraft aufbauen, um eine echte NBA-Chance zu haben. Weitere Informationen folgen Sonntag.
Im Schnitt erzielte er 14,3 Punkte, 9,5 Rebounds und 4,5 Assists pro Spiel.
Enes Kanter (Türkei)
Geburtsdatum: 20.05.1992
Position: Center
Größe: 2,04 Meter
Team: Fenerbahce Ülker Istanbul
Kanter bekam den ?Burkhard-Wildermuth-Preis? und wurde somit zum Spieler mit dem größten Entwicklungspotenzial gekürt. Sofern sein angegebenes Geburtsdatum stimmt, ist diese Ehrung schlichtweg richtig: Kanter ist bereits jetzt ein körperlich sehr starker Spieler und kam auf Durchschnittswerte von 12,8 Punkten und 10,8 Rebounds pro Partie. Außerdem blockte er 1,8 Würfe pro Spiel. Kanter ist somit, zusammen mit dem Kanadier Arop (siehe unten) einer von zwei Spielern, die überhaupt zweistellige Werte in der Kategorie ?Rebounds pro Spiel? ablieferten.
Seine Werte allein sind zwar bereits stark, aber gerechnet auf sein Alter und sein Auftreten auf dem Platz erscheinen sie noch viel erstaunlicher: Denn Kanter, der zwar 2,04 Meter groß und 110 Kilogramm schwer ist, agiert tatsächlich wie ein 15-Jähriger. Regelmäßig verschläft das ?Riesenbaby? seine Aufgaben in der Helpside-Verteidigung oder fällt ganz aus Defense-Rotationen heraus. Viel zu oft versucht er gegnerische Würfe zu blocken und handelt sich vermeidbare Fouls ein. Auch sein Offensivspiel offenbart Löcher, die jeden Emmentaler Käse schimmelig und blass werden lassen.
Seine Lieblingswaffe direkt unter dem Korb ist dank langer Arme und solider Athletik der Dunk und im Umkreis von zwei bis vier Metern um den Ring herum punktet Kanter - vor allem nach Offensivrebounds - am häufigsten per Wurf aus dem Stand!
Bedenkt man diese Defizite, die allesamt in den nächsten Jahren zu beheben sein dürften, so spricht man zurecht vom entwicklungsfähigsten Spieler des Turniers. Schon jetzt ist Kanters Freiwurf stark: Eine Quote von 76 Prozent kann sich für einen solch jungen Center durchaus sehen lassen.
Deniz Kiligli (Türkei)
Geburtsdatum: 12.09.1990
Position: Power Forward
Größe: 2,04 Meter
Team: Efes Pilsen Istanbul
Deniz Kiligli scheint der passende Konterpart zu ?Big Baby? Kanter zu sein. Denn im Gegensatz zu seinem Partner im Frontcourt der zweitplatzierten Türken könnte Kiligli problemlos für einen 25-jährigen gehalten werden und erwarb im Laufe des Turniers in Insider-Kreisen auch den bezeichnenden Spitznamen ?Der Mann?.
Kiligli verfügt an Armen und Beinen bereits über sehr ausgeprägte Muskulatur und schaffte es immer wieder, sich unter Mannheims Körben in Szene zu setzen. Dies tat er allerdings auch mithilfe ausgefeilter Bewegungen, die er stets mit herausgestreckter Zunge vollführte.
Für einen Europäer verfügt Kiligli über eine starke Athletik und lies es mit schöner Regelmäßigkeit spektakulär krachen, oft ohne überhaupt Anlauf genommen zu haben.
Extrem von Vorteil für Deniz Kiligli schlug sich auch seine hervorragende technische Ausbildung nieder: Der Türke wirft seine Freiwürfe zwar mit rechts, sein bester Move ist allerdings ein lupenreiner Baby-Hook mit der linken Hand, der schlichtweg nicht zu stoppen war. Er sammelte 15,1 Punkte im Schnitt, dazu kamen 5,1 Rebounds und ein Block pro Spiel.
Ebenfalls auffallend waren Kiliglis gute Fähigkeiten als Passer, mit deren Hilfe er des Öfteren freie Mitspieler fand, oft aber auch an eben diesen Mitspielern scheiterte. Denn diese waren auf Kiliglis Pässe nicht immer vorbereitet, so dass diese als Ballverlust endeten.
Von den hier vorgestellten Talenten dürfte Kiligli das mit Abstand geringste Restpotenzial besitzen, da Körper und Spiel bereits sehr ausgereift scheinen. Natürlich kann auch er sein Spiel aus der Distanz verbessern und auch an Ballhandling und Passfähigkeiten arbeiten, aber die Upside eines Kanter oder Zubcic fehlen hier. Dennoch dürfte Deniz Kiligli in nicht allzu ferner Zukunft Teil der türkischen A-Nationalmannschaft sein und auch bei europäischen Top-Vereinen um größere Spielanteile kämpfen können.
Mangisto Arop (Kanada)
Geburtsdatum: 01.10.1990
Position: Shooting Guard
Größe: 1,97 Meter
Team: NEDA
Arop gehörte zu den fünf athletischsten Spielern des Turniers, fischte sich oft Rebounds weit oberhalb des Ringes und punktete beständig durch krachende Dunkings. Er kam auf 20,5 Punkte und 11,3 Rebounds pro Spiel und ist damit (gemeinsam mit Enes Kanter) einer von zwei Spielern, die ein Double-Double im Schnitt verbuchen konnten. Auch 2,5 Steals und 2,2 Assists pro Spiel unterstreichen seine Vielseitigkeit, denn Arop ist kein Spieler, der nur von seiner herausragenden Athletik lebt.
Im Verlauf des Turniers schoss Mangistro Arop auch eine Quote von über 50 Prozent von jenseits der Dreipunkte-Linie (15/28 3FG) und gab seiner Mannschaft damit eine gefährliche Option aus der Distanz. Besonders gerne drückte er dabei aus der Ecke ab - mit zumeist durchschlagendem Erfolg. Ebenso wie bei Kiligli ist erstaunlich, dass auch Arop zunächst nicht in der Startformation seiner Mannschaft zu finden war. Während Kiligli stets von der Bank kam, startete Arop aber zumindest die weiteren Spiele Kanadas.
Mit dieser Kombination aus Athletik und Technik sollte sich der erst 17-Jährige keine Sorgen um einen Job als Profi-Basketballer machen müssen.
Matthew Dallevedova (Australien)
Geburtsdatum: 08.09.1990
Position: Point Guard
Größe: 1,88 Meter
Team: AIS
Dallevedovas Wert für sein sympathisches Team lässt sich nicht nur statistisch erfassen. Zwar legte er 13,5 Punkte, 5,7 Rebounds, 3,5 Assists und 1,4 Steals im Schnitt auf, doch wichtiger waren die Ruhe und die Ordnung, die Dallevedova ins Spiel seiner Mannschaft brachte.
Als echter ?Floor General? hatte der Blondschopf mit dem zweifarbigen Mundschutz meist alles im Griff, sah den freien Mitspieler oder streute den eiskalten Dreier ein: 5,2 mal pro Spiel nahm er aus der Distanz maß und rechtfertigte dies mit einer guten Quote von 43,2 Prozent. Der eher schmächtige Dallevedova ist sicherlich noch einige Jahre und Kilogramm davon entfernt, um auch im Profibereich für Furore auf der Aufbauposition zu Sorgen, doch in Sachen Übersicht, Frechheit und Köpfchen ist er bereits recht weit.
Auch in Sachen Schnelligkeit und Ballhandling konnte Dallevedova gefallen. Ob es aber langfristig für Engagements in den besten Ligen der Welt reichen wird, ist noch nicht abzusehen.
Leon Radosevic (Kroatien)
Geburtsdatum: 26.02.1990
Position: Center
Größe: 2,07 Meter
Team: Cibona Zagreb
Ebenso wie Teamkollege Zubcic konnte Leon Radosevic für Furore sorgen und war, was den Status Quo anbelangt, der vielleicht beste Center des gesamten Turniers. Der große und kräftige Spieler von Cibona Zagreb räumte immer wieder kräftig ab, in Sachen Punkte und Rebounds ebenso wie in Sachen Dunks und Monsterblocks. Für einen 2,07 Meter großen Center bewegt sich Radosevic sehr gut und verfügt sogar über ein mehr als passables Ballhandling und einen schnellen ersten Schritt - die gute, alte kroatische Schule macht sich bezahlt.
Außerdem ist er für einen Europäer außerordentlich athletisch, was er unter den Brettern mehrmals bewies: In einem Highlight-Zusammenschnitt des diesjährigen Albert-Schweitzer-Turniers wäre der introvertierte Radosevic vielfach vertreten. Unvergessen bleibt seine Aktion aus dem Spiel in der Platzierungsrunde gegen Frankreich, als er direkt im nächsten Angriff der Franzosen, nach einem gegen ihn verhängten technischen Foul, den Layup-Versuch eines Gegners auf die Tribüne dreschte. Auch bei der Niederlage gegen Deutschland hatte Radosevic sein persönliches Highlight, als er aus vollem Lauf vom linken Zonenrand absprang, um das Leder mit einem einhändigen Monsterdunk durch die Reuse zu feuern.
Von Leon Radosevic wird man definitiv noch einiges hören, zumal er jetzt schon bei einem Verein spielt, der im erweiterten Bereich der europäischen Spitze anzusiedeln ist. Außerdem ist er schon jetzt recht kräftig und muskulös, was ihm den baldigen Übergang in den Profi-Bereich einfacher machen wird. Im Schnitt kam Radosevic auf 17,3 Punkte, 6,5 Rebounds und einen Block pro Partie.
Andreas Person (Schweden)
Geburtsjahr: 1991
Position: Point Guard
Größe: 1,88 Meter
Team: Uppsala
Optisch und spielerisch erinnert Andreas Person aus Schweden an den jungen Tony Parker.
Mit 1,88 Meter ist er für einen Aufbauspieler mit einer soliden Größe ausgestattet. Person verfügt auch über Schnelligkeit und Athletik, was ihn offensiv sehr gefährlich macht. Person erzielte im Schnitt 17 Punkte, 4,6 Rebounds, 2,5 Assists und starke 2,8 Steals pro Spiel.
Ganz in der Art Tony Parkers erzielte Person seine Punkte zumeist direkt unterm dem Korb, mit vielen Layup-Varianten und im Fastbreak sogar mit spektakulären Dunkings. Vor allem zu Beginn des Turniers hatte er Probleme mit dem Distanzwurf und auch von der Freiwurflinie, doch auch in diesen Bereichen wurde der junge Guard immer sicherer und beendete den Wettbewerb mit soliden Quoten von 74 Prozent von der Freiwurflinie und 35 Prozent von jenseits der 6,25-Meter-Linie.
Zieht man sein Alter und die vergleichsweise schwachen Mitspieler bei der Bewertung seiner Leistungen in Betracht, so nötigt dies umso mehr Respekt ab. Ein nächster Tony Parker wird Person nicht werden, vor allem im Bereich Geschwindigkeit wird er ihm wohl niemals das Wasser reichen können, doch die nächsten Jahre seiner Entwicklung werden spannend zu beobachten sein. Denn mit einem verbesserten Wurf und den bereits vorhandenen Anlagen kann es der drahtige Schwede sehr weit bringen.
Travis Releford (USA)
Geburtsjahr: 1990
Position: Small Forward
Größe: 1,96 Meter
Team: Bishop Miege Highschool
Travis Releford ist der zweite US-Boy in unserer Liste der zehn vielleicht vielversprechendsten Talente des Turniers. Mit 17,8 Punkten, 6,5 Rebounds und 2 Steals im Schnitt brachte er gute Statistiken, doch in Relation zu seiner Rolle im amerikanischen Team gesehen, sind diese Zahlen nicht allzu aussagekräftig.
Releford, der nach Abschluss seiner Zeit an der Highschool ans College nach Kansas wechseln wird, musste oftmals auf der Power Forward-Position aushelfen und war, neben den die Bälle dominierenden Walker und Wright, meist nur die dritte Option.
Zwar bekam Releford viel Spielzeit von Head Coach Lionel Hollins, doch in einer anderen Rolle wäre der Small Forward mit Sicherheit effektiver gewesen. Dennoch zeigte er mehrfach seinen extrem schnellen ersten Schritt und starke Athletik. Seine Trefferquote von 60 Prozent aus dem Feld spiegelt die Art seiner Korberfolge wieder - Layups und Dunkings im Fastbreak oder aus dem Setplay. Releford ist ein echter Scorer, der nur zu wenige Bälle bekam.
Als Kansas Jayhawk wird Releford seinen Weg machen, auch wenn er aufgrund seiner Körpergröße wohl auf die Position des Shooting Guard wechseln muss, um eine echte Chance in einem der kommenden Drafts zu haben. Dazu muss er weiter kräftig an seinem Wurf arbeiten, der im gesamten Turnierverlauf überhaupt nicht fallen wollte.



von lastsamurai 02.04.08 um 10:20:45
Hallo Peter,
schöne Zusammenfassung - deckt sich überwiegend mit meinen Beobachtungen.
Allerdings hätte ich statt Releford, der doch sehr eindimensional scheint, noch den Spanier Jodar in die Liste aufgenommen. Hatten uns ja über ihn unterhalten: mMn einer der vielseitigsten BigMan des Turniers.
Zu Dellavedova ist vielleicht noch zu ergänzen, dass er wohl einen der schnellsten Releases hat, den ich wurftechnisch bisher gesehen habe - fangen und werfen sind da oft nur Zehntelsekunden auseinander. Gerade das machte seine Stärke aus im Vergleich zu anderen guten Schützen des Turniers.
Ansonsten aber: "thumbs up" für den Beitrag!
Gruß
Stephan
von Äneas 02.04.08 um 10:40:53
Ja und einen Deutschen, der ansatzweise mit den o.g. zehn Jungs mithalten kann gibt's nicht?
von lastsamurai 02.04.08 um 10:58:03
Leider nicht. Der Einzige, der mir bei den Deutschen aufgefallen ist, war Maik Zirbes - was aber sicherlich mit seinen körperlichen Voraussetzungen zusammenhängt. Vom Potenzial her ist er aber ein ganzes Ende von Leuten wie Radosevic oder Zupcic entfernt.
Natürlich fehlte z.B. ein Stuckey, aber insgesamt gibt es in der Altersklasse kaum vergleichbare deutsche Talente.
von peterbieg 02.04.08 um 11:23:59
Die deutschen Jungs werden heute Abend oder Morgen vorgestellt, aber insgesamt kann ich mich meinem Vorredner nur anschließen.
von peterbieg 02.04.08 um 11:26:48
Achso, äh, danke für die Anmerkungen, Stephan. Mit Jordar gebe ich dir Recht, aber vllt. hat mich da auch der (relativ) mangelnde Teamerfolg abschrecken lassen. ;)
von Äneas 02.04.08 um 14:22:29
Schade.
Man hört man aber trotzdem immer wieder, dass beispielsweise die "Balkan-Jungs" in diesem Alter ganz andere körperliche Voraussetzungen haben - also aufholen können sie vielleicht noch.
von sasacrocop 07.04.08 um 18:20:21
auf diese jungs sollte man echt ein auge werfen, hab jeden spielen sehn und war doch zum teil sehr begeistert von ihren können