Streetball
5ive-Tour-Auftakt in Berlin
In Berlin brannte am Wochende der Asphalt. Tausende von Streetball-Anhängern kamen zum "5ive"-Event 2008 auf dem Messegelände. Und weder Regen noch Hitzestau konnten sie wieder von den Plätzen fegen.
Von Nikolaus Raab |
17.07.2008 | |

Wer am vergangenen Samstag bei strahlendem Wetter den Parkplatz in der Berliner Jafféstraße betrat, der konnte leicht in Urlaubsstimmung verfallen. Das lag nicht zuletzt am ?sportiven? Wohnwagen, mit dem das Fachmagazin ?Basket? dem Gelände vor dem Südeingang des Messegeländes das Flair einer holländischen Camping-Kirmes verlieh. Zumal man zuallererst einen Bratwurststand für die gesunde Verpflegung der Teilnehmer passierte.
Auf der linken Seite des Platzes waren mehrere Zelte aufgebaut, in denen man entspannt die Finger bei einer Partie ?NBA Live? auf der Konsole aufwärmen oder sich klamottentechnisch auf den neuesten Stand bringen konnte. Vor den Ständen gab es die Möglichkeit, die eigene Statur an den Maßen der NBA-Profis zu messen. Hierfür gab es sowohl die üblichen Aufsteller für Körperlänge und Spannweite als auch eine Reihe von Basketbällen, in die die Handabdrücke verschiedener Spieler eingelassen waren. Eine genaue Inspektion ergab, das Steve Nash erstaunlich kleine Griffel hat, aber Tim Duncan dafür Hände wie Kloschüsseln.

Wer genug derartiges Wissen angesammelt hatte, auf den wartete auf der anderen Seite des Eingangsbereichs eine Reihe kleinerer Korbanlagen. Hier durften sich Cracks und Möchtegerns an der Sprite-Slam-Dunk-Anlage versuchen, die auch für eher ?bodenständige? Spieler das passende Ringniveau bereithielt. Direkt nebenan ging es fast ununterbrochen in verbissene Eins-gegen-Eins-Duelle, die mitunter von erstaunlichem Niveau waren und den ein oder anderen Zuschauerauflauf produzierten. Sie wechselten sich ab mit zehnjährigen Nachwuchstalenten. Allerdings war es durchaus unterhaltsam, wenn die dann mal gegen die Großen ran durften. Um den Reigen komplett zu machen, gab es auch eine eigene Drei-Punkte-Anlage mit den entsprechenden Racks. Solange es das Wetter zuließ, hatten die vorderen Attraktionen großen Zulauf.

Am Ende des Platzes trohnte dann jedoch bereits der große Center-Court. Hier fanden in der Regel die wichtigsten Partien der All-Star-Division und die verschiedenen Show-Einlagen statt. Die Anlage war mit allem ausgestattet, was man brauchte. Nur eine Überdachung gab es leider nicht, so dass der zweite Dunking-Contest vom Sonntag buchstäblich ins Wasser fiel. Von der Zuschauertribüne, die sich hinter dem Court erhob, hatte man einen hervorragenden Blick auf das Geschehen auf dem Feld. Platz gab es reichlich, auch wenn es beim Auftritt der Cheerleader und während der ersten Show ?kuschelig? wurde. Die Stimmung war entspannt. Das Publikum ging ordentlich mit, was vor allem an Ermias Habtu, alias Amiaz lag. Das Allround-Talent, welches sich nie von seiner Sonnebrille trennte, heizte den Leuten vor Ort als Moderator und DJ ein und war sich auch nicht zu schade, gegen eine Gruppe kleiner Jungs im ?Freestyle-Dancing? anzutreten.

Glücklicherweise gab es für die Tanzeinlagen auch professionelle Unterstützung. Die Cheerleader der Washington Wizards hatten die lange Reise nach Berlin auf sich genommen, um auf dem Center-Court gekonnt die Hüften kreisen zu lassen. Dabei erwiesen sie sich als so routiniert, dass sie selbst dann nicht mit dem Lächeln aufhörten, als aus dem Publikum Anfeuerungsrufe à la ?Ärsche, Ärsche!? zu hören waren. Der NBA-Alltag härtet offensichtlich ab. Wahrscheinlich verstehen sie aber einfach nur kein Deutsch.

Doch die ?5ive?-Tour hatte noch weitere NBA-Profis zu bieten. Damien Wilkins (Oklahoma City) und Martell Webster (Portland Trail Blazers) gaben sich ebenfalls die Ehre. Ganz ohne BlingBling und Gepose tummelten sie sich an beiden Tagen auf dem Gelände und standen geduldig für Interviews, Autogramme und ihren Job als Juroren zur Verfügung. Dabei wirkten sie immer entspannt und hatten mitunter ordentlich Spaß. Von den Cheerleadern waren sie auf jeden Fall begeistert.

Nachdem die Gäste zusammen mit einem winzigen Cheer-Girl als Jury am Anschreibetisch platziert worden waren, begann einer der Höhepunkte des Wochenendes: der Dunk-Contest. Von den sechs oder sieben Teilnehmern fand zwar nicht jeder den Korb. Aber die, die es schafften, sorgten für Staunen. Immer wieder gingen bei Zuschauern und Preisrichtern die Schildchen mit der Neun oder Zehn nach oben. Vor allem Publikumsliebling Lars Meyer hielt sich bis zum Schluss mit seiner unglaublichen Sprungkraft im Rennen.

Doch letztlich war es Charly Dankwa, der ihnen allen die Show stahl. Nachdem er zuerst mit einigen explosiven Dunks losgelegt hatte, begann er in der Folge über immer höhere Hindernisse zu fliegen. Erst ließ er einen Kumpel zwei Meter vor dem Korb in die Hocke gehen, dann war einer der Metallzäune dran und schließlich sprang er über einen stehenden 1,90-Meter-Mann. Bei diesen Aktionen hielt es selbst die gestandenen NBA-Profis nicht mehr auf den Sitzen.

Im Mittelpunkt des Wochenendes standen natürlich die 5-on-5-Games. 146 Teams traten in 18 Divisions gegeneinander an. Je zwei davon waren den Damen und den gemischten Mannschaften vorbehalten. Von den zwölf Herren-Divisionen waren sieben für die Altersklasse U18. Auch die All-Star-Abteilung wurde noch einmal zweigeteilt. Die meisten dieser Begegnungen wurden auf dem oberen Parkplatz ausgetragen.
Wenn man die Zuschauertribüne erklommen hatte, gelangte man auf das eigentliche Spielareal. Dort wurden geschätzte 20 Courts eingerichtet, damit jedes Team mindestens dreimal Spielzeit bekommen konnte. In der Regel kamen sie sogar auf vier bis fünf Partien. Die Finalteilnehmer hatten schließlich bis zu acht Begegnungen hinter sich. Dabei wurde jedes Wertungsspiel von eigenen Schiedsrichtern geleitet. Jede Mannschaft musste dabei die Teamshirts von Adidas, dem Sponsor der Challenge, tragen, was immerhin jeden Teilnehmer kostenlos in den Besitz eines neuen Trikots brachte. Damit man Freund und Feind auseinander halten konnte, gab es die Leibchen in sieben verschiedenen Farben.

Höhepunkt und Abschluss des Wochenendes war schließlich das Finale zwischen den Mannschaften ?Ne Du!? und ?Allballers.com?. Aufgrund des schlechteren Wetters war die Partie auf einen der oberen Plätze verlegt worden. Der Center-Court war vom Nieselregen der Stunden vorher noch zu feucht, um nicht regelmäßig in der Horizontalen zu landen. So versammelten sich die verbliebenen Zuschauer, von denen die Veranstalter in den zwei Tagen insgesamt 12.000 gezählt haben, um die weißen Linien auf dem Asphaltboden, die das Spielfeld vom Rest der Welt trennten, und wurden Zeuge einer unterhaltsamen, wenn letztlich auch etwas einseitigen Partie. Das Publikum war dabei so nah am Geschehen, dass der Aufbauspieler der ?Allballers?, Achmadschah Zazai (Hortens IC, 1.Liga Dänemark), beinah unsere Kamera zerlegt hat, beim Versuch den Ball zu retten.

Gegen die gestandenen Profis seines Teams hatten die Jungspunde von ?Ne Du!?, die alle zwischen 19 und 20 Jahre alt waren, letztlich keine Chance und unterlagen mit 39:54. Für die Siegermannschaft liefen unter anderem Alex King (letzte Saison: Deutsche Bank Skyliners) und Heiko Schaffartzik (EnBW Ludwigsburg) aufs steinernde Parkett.
Für die besonderen Highlights sorgte der bullige Stipo Papic. Der sah ohne Haare zwar ein wenig aus wie der freundliche Fleischermeister von nebenan, war jedoch alles andere als schwerfällig. Schon im Warmup zeigte er fast nebenbei einen waschechten 360-Grad-Dunk. Als er den dann in der Schlussphase des Spiels noch einmal mit Karacho brachte, ging ein Raunen durch die Menge, und auch Martell Webster und Damien Wilkins waren begeistert. Zusammen mit den allgegenwärtigen Cheerleadern posierten sie schließlich für das Teamfoto mit der Siegermannschaft. Während diese ihre Sporttaschen mit den Preisen - Adidas verteilte unter anderem Sweatshirts, T-Shirts, Caps, Schuhe, Sporttaschen, Shorts, Off-Court-Apparel, Headbands, Socken, Jerseys und PS3-Konsolen an die Gewinner der Divisions - in Empfang nahmen, verabschiedete sich der Moderator von den Teilnehmern des ?5ive?-Events, und ganz allmählich machten sich mehr und mehr von ihnen wieder auf den Weg zur Berliner S-Bahn.

Bei den Teilnehmern kam das Turnier offensichtlich gut an. Trotz des Nieselregens am Sonntag blieben die Courts nie leer. Eine Anregung gab es jedoch des Öfteren zu hören: Beim nächsten Mal sollte auch 3-on-3 gespielt werden. Das würde die Teamfindung erheblich erleichtern.
Die Veranstalter sehen das vergangene Wochenende als Erfolg an. Ob es das Turnier auch im kommenden Jahr wieder geben wird, steht im Moment jedoch noch in den Sternen. Vielleicht könnt ihr mit Eurem Feedback ja ein wenig bei der Entscheidungsfindung helfen. Wir leiten Kritik und Anregungen gerne weiter.



von BerlinAir 17.07.08 um 23:59:59
yo war ganz cool aber wer zur Hölle ist auf die Idee gekommen, streetball um 10 uhr morgens am Wochenende zu spielen???
von king_handles 18.07.08 um 02:28:55
Ich dachte auch Jens Meier?! :D
Wie immer bei Turnieren auch das Ding: Erstes Spiel um 12, zweites um 17 Uhr, zwischendurch nur langweilien und essen
von TNT 18.07.08 um 13:52:46
Also Mr. (fast) 360 through the legs heißt Lars Meyer.
von TNT 18.07.08 um 13:54:51
zu bewundern auch hier: [youtube.com]
von Sokratix 18.07.08 um 15:26:56
@TNT: Danke für den Namen. habe ihn eingefügt. Hatte den Ansager nicht richtig verstanden.
von mo_baller90 18.07.08 um 16:59:14
Das Turnier war schon gut, bloß der Regen hat gestört.
Ich hoffe, dass es im nächsten Jahr wieder stattfindet. Dann hol ich mir die PS3 ;)
von TNT 19.07.08 um 12:29:52
Schade war auf jeden Fall, dass die allballers etwas konkurrenzlos waren.Das mMn zweitbeste Team wurde ja leider disqualifiziert.
von squinter 19.07.08 um 14:25:45
welches team war das?
ansonsten waren wohl keine größeren namen am start.