Jahresrückblick
Das war 2009
Das Jahr 2009 endet mit vielen Gedanken und Erinnerungen. Die Crossover-Crew hat ihre Highlights zusammengetragen. Im Jahresrückblick geht es um besondere Basketball-Spiele, Emotionen und einzigartige Momente, die nur unsere Sportart zu liefern weiß.
Von Crossover-Redaktion |
31.12.2009 | |
Björn Lehmkühler: das Marathon-Spiel
"13. März 2009. 1:22 Uhr Ortszeit ist es im Madison Square Garden, als die Partie zwischen den Syracuse Orange und den Connecticut Huskies endet. Es steht 127:117. Drei Stunden und 46 Minuten sind seit dem Sprungball vergangen. Und sechs Verlängerungen. Erst jetzt, als hierzulande bereits die Sonne aufgeht, ist für Orange-Guard Jonny Flynn der Arbeitstag vorbei. Er hat soeben 67 Minuten auf dem Parkett gestanden und 36 Punkte sowie elf Assists zum Sieg seines Teams beigetragen. Doch der Sieger ist zweitrangig in diesem Spiel, welches für viele NCAA-Anhänger als das Spiel der Dekade in die Geschichte eingehen dürfte!"
Marcos Garcia: das Spektakel in der O2-World Arena
"Anfang Mai hat Berlin Werbung in eigener Sache als europäische Basketballhochburg betrieben mit der Organisation des diesjährigen Euroleague Final Four Turniers. Zudem haben die vier teilnehmenden Mannschaften, Panathinaikos, CSKA, Olympiacos und Barcelona dem Publikum eines der wohl spannendsten kontinentalen Finalturniere aller Zeiten beschert. Die Halbfinals waren spannend bis zur letzten Minute; im rein griechischen Duell zeigten Theo Papaloukas und Sarunas Jasikevicius, dass sie zu den besten Spielmachern der letzten Jahre gehören, während im anderen Halbfinale Juan Carlos Navarro und Rimantas Siskauskas eine Demonstration ablieferten, weshalb der Spanier 2009 und der Litauer 2008 zum All-Euroleague-MVP gewählt wurden. Im Finale setzte sich der Serbe Zeljko Obradovic im Aufeinandertreffen der zwei erfolgreichsten europäischen Trainer aller Zeiten gegen den Italiener Ettore Messina durch; rien ne va plus! Das war Basketball vom Feinsten!"
Dennis Klammer: Nur die Playoffs sind die Playoffs!
"Mein persönliches Highlight des vergangenen Jahres war auf jeden Fall die Serie Boston gegen Chicago. Der Meister aus Beantown gegen den knapp in die Playoffs gekommenen Underdog aus Illinois. Wie viele andere dachte ich nicht annähernd daran, dass diese Serie eine der besten aller Zeiten werden würde. Sage und Schreibe SIEBEN Overtimes ließen alle Erwartungen bei weitem überschreiten. Fünf von sieben Partien wurden mit drei oder weniger Punkten entschieden, dazu ein Game-Winning-Block von Rose an Rondo, die sich unfassbar spannende Duelle lieferten. Diese Partien haben einem in Erinnerung gerufen, wieso die Playoffs die Playoffs sind! So eine geile Serie, unfassbar."
Christian Guse: das beste Spiel des Jahrzehnts!
"Ein Highlight des Jahres? Mit Sicherheit eine Szene aus der Playoff-Serie zwischen den Chicago Bulls und den Boston Celtics. Das sechste Spiel, es sind 40 Sekunden in der dritten Nachspielzeit an jenem 30. April zu spielen. Bei beiden Teams stehen jeweils 123 Punkte auf der Habenseite. Paul Pierce dribbelt in Richtung Zone, Joakim Noah macht einen Schritt nach vorn, um für den schon geschlagenen John Salmons auszuhelfen. Mit der linken Hand trifft Noah in unorthodoxer Art und Weise den Ball, als Pierce versucht, diesen zum vermeintlich frei stehenden Brian Scalabrine zu passen. Noah ist mit dem Ball so schnell wie Pierce ohne, drischt ihn durch die Reuse und hängt dabei Pierce auch noch das sechste Foul an. Das United Center zu Chicago steht Kopf, und ich springe wie wild durch mein Zimmer. Kurze Zeit später dann der Block von Derrick Rose gegen Rajon Rondo, die Bulls gewinnen, schlagen die Celtics mit 128:127 ein drittes Mal in den Playoffs. Das beste Spiel des Jahrzehnts! Zumindest für einen Bulls-Fan."
Max Selow: der Nachfolger MJs
"14. Juni 2009, 22:55 Uhr Ortszeit in Orlando, Florida. Für einen Lakers-Fan wie mich kann es im vergangenen Jahr kein schöneres Erlebnis gegeben haben. Die letzten Sekunden in der Amway Arena ticken herunter, Hedo Turkuglo schleicht mit dem Ball im Arm und Tränen in den Augen Richtung Kabine und Kobe Bryant springt unter den leeren Blicken von Dwight Howard und Jameer Nelson über den Court, als hätte er gerade seine erste Meisterschaft gewonnen. Die 16. Championship der Lakers, der zehnte Ring für Phil Jackson, das vierte Banner der Franchise in dieser Dekade, aber vor allem die Wiedergeburt des Kobe Jellybean Bryant! Über Jahre hinweg DER Sündenbock der Sportmedien, über Jahre hinweg als arroganter, egoistischer Bösewicht der NBA bezichtigt und über Jahre hinweg nur der Typ, der ohne Shaq einfach nix gewinnen wird. Das alles änderte sich in diesem einen seltenen Moment, als unter den Augen von 17.461 Menschen in der Arena und den Millionen Zuschauern weltweit an den Fernsehern aus dem Egozocker ohne Führungsqualitäten der endlich von allen respektierte und legitimierte Nachfolger von Michael Jordan wurde."
Christian Gerne: Basketballverrückte in Trier
"Mein persönliches basketballerisches Highlight war in diesem Jahr ganz klar abseits des Courts. Während Jan, Robin, Heiko, Sven und Tim im September zeigten, dass Basketball in Deutschland nicht tot ist, saßen zwei Tage vor Beginn der EM knapp 20 Basketballverrückte in Trier bei der Crossover-Redaktionskonferenz. Mit dem gleichen Enthusiasmus und Engagement wie "unsere Jungs" in Polen gingen wir zu Werke, um unseren Lesern auch in dieser Saison wieder täglich News, Fakten und spannende Storys zu bieten. Soviel "Luv for da Game" von den einzelnen Redakteuren und die tollen Pläne, die wir für das kommende Jahr geschmiedet haben, waren mein Highlight des Jahres 2009."

Nico Racz: Liebe zum Basketball
"Trier, 3. bis 6. September. Die Crossover-Redaktion kommt in der Römerstadt zur jährlichen Konferenz zusammen. Drei Tage lang rauchen die Köpfe. Ideen werden gesammelt, Konzepte geschmiedet, Aufgaben verteilt. Geistige Erholung findet sich bei zünftigem Schmaus, abendlichen Gelagen, einer Stadtführung und natürlich auf dem Basketballplatz. Nach einem von den zwei Neulingen durchgeführten Draft prallen zwei ebenbürtige Teams aufeinander, die sich einen fairen Kampf liefern, bis auf jeder Seite über 150 Punkte gefallen sind. Am Ende kehren alle voller Tatendrang in ihre Städte zurück. Und ich bin wie jedes Jahr davon fasziniert, was diese Leute bewegen. Wie professionell sie trotz jungen Alters und räumlicher Distanz zusammenarbeiten, dass sich so manche Konzernabteilung daneben schämen müsste. Warum das so gut funktioniert? Ganz einfach: Sie alle lieben Basketball."
Joshua Wiedmann: Kühlschrank gegen Straßenlaterne
"2009 - ein Jahr, das dem deutschen Basketball endlich wieder Hoffnung einverleibt hat, und das auch ohne Zugtier Dirk Nowitzki. Stattdessen spannten sich bei der EM andere, jüngere Spieler vor den Karren - Tibor Pleiß etwa. Dass es bei allen vielsprechenden Ansätzen der jungen Generation mitunter in Polen noch zu ungleichen Duellen kam, erfuhr der 19-Jährige gegen Griechenland am eigenen Leib: 143 Kilogramm gegen 110 Kilogramm, "Baby-Shaq" gegen Bubi-Gesicht, basketballerischer Sturzbach gegen Rinnsal - oder wie es Kommentator Frank Buschmann ausdrückte: "Das sieht aus wie ein Kühlschrank neben einer Straßenlaterne". Egal, wie hart das Duell gegen Griechenlands Koloss Sofoklis Schortsanitis auch sein mochte, lehrreich war es für Tibor Pleiß allemal."
Florian Lindemann: zwei Welten
"Mein größtes Basketballerlebnis im Jahre 2009 war das Spiel Pressevertreter gegen Manager im Rahmen des BBL Tippoffs in Oldenburg, an dem Björn und ich teilgenommen haben. Wir durften in der Weser-Ems Halle auf dem großen Feld spielen. Die Teams wurden sogar mit Ansage und Lichteffekten vorgestellt, so dass ich jetzt gut nachvollziehen kann, wie sich die Profis bei jedem Spiel fühlen. Außerdem war es eine große Herausforderung, gegen ehemalige Profis wie Robert Wintermantel anzutreten. Da merkt man schnell, dass zwischen Kreisliga und Bundesliga doch noch Welten liegen."

Manuel Baraniak: das Comeback
"11. Oktober 2009, TS Regensburg 3 gegen SV Stauf 2. Ein kleines Spiel für den Bayerischen Basketballverband, doch ein großes Spiel für mich. Zwar handelte es sich dabei nur um den Saisonauftakt und das in der Kreisliga, doch stand ich nach eineinhalbjähriger Pause das erste Mal wieder auf dem Parkett eines Ligaspiels. Die Vorbereitung, der Huddle vor dem Tip-off, eben jener erster Sprungball, das Durchlaufen eines Spielzugs, der Blick über das Feld zu den freilaufenden Mitspielern, das Rotieren in der Verteidigung - all die kleinen Dinge, von denen es noch eine Unmenge mehr gibt, die das Spiel ausmachen, waren umso präsenter. Es war nur ein kleines Spiel. Doch was zählt, als die 40 reinen Spielminuten selbst auf dem Feld zu stehen und in dem Spiel, das man liebt, aufzugehen..."
Martin Vogel: ein ganzer Sack voll Erinnerungen
"Man würde ja kaum denken, dass ich als Gießen-Fan in diesem Jahr überhaupt Highlights erlebt habe, aber ein paar Sachen gab es dann doch: Das erste Highlight war sicherlich, als die LTi 46ers in Ludwigsburg die Wildcard zugesprochen bekommen haben. Ich stand zusammen mit Geschäftsführer Christoph Syring und Head Coach Vladimir Bogojevic eine Stunde auf dem Flur, während drinnen die anderen BBL-Teams die Entscheidung fällen mussten, und als dann BBL-Präsident Dr. Thomas Braumann endlich mit der erlösenden Nachricht kam, fiel uns allen ein Stein vom Herzen.
Auf dem Feld gab es in den letzten Wochen einige Highlights, wie ein Dreier von David Teague gegen Artland: 23,8 Sekunden auf der Schussuhr, aus der Drehung, im Rückwärtsfallen, ohne Balance, mit der Hand des Gegenspielers im Gesicht, aber eben drin. Jeden anderen Spieler steinigst du für so einen Wurf, aber Dave braucht so Dinger eben. Oder der Behind-the-back-Pass von Power Forward Kevin Johnson auf Johannes Lischka im Fastbreak einige Tage später im Spiel gegen Oldenburg (siehe Video). Persönlich habe ich mich aber auch über die Testspiele von Chuck Eidson und Maccabi Tel Aviv in Deutschland gefreut - mein absoluter Lieblingsspieler mal wieder in meiner Nähe.
Und als ich dann vor wenigen Wochen meinen ersten Vertrag im Profibasketball-Busines unterschrieben habe... es ist nur die ProB, es ist nicht als Spieler - aber hey, ich verdiene mein Geld mit Basketball! Was kann es Schöneres geben? So gesehen war 2009 eigentlich dann doch reich an Highlights... selbst für einen Gießen-Fan."
Der Behind-the-back-Pass ist hier ab 0:36 Minuten zu sehen:
Jens Möller: Geh nach Hause, alter Mann
"Seit Galileo wissen wir, dass sich die Erde um die Sonne dreht. Sogar der Papst gibt da keine Widerworte. Ein paar NBA-Stars denken trotzdem, dass sich die Welt nur um sie dreht. Und was passiert, wenn dann jemand die Ego-Welt über den Haufen wirft, zeigten 2009 Allen Iverson und Tracy McGrady. Zwei Ex-Topscorer jenseits der 30, die sich noch immer zur Elite der Liga zählen. Diese Sichtweise haben sie leider ziemlich exklusiv.
Ihre Teams setzten sie nämlich auf die Bank, was die beiden alternden Guards als Hochverrat empfanden. Wie trotzige Kinder quengelten sich beide durch die Presse. Iverson verkroch sich nach Philadelphia, wo man den verlorenen Sohn wieder aufnahm. So lautet die schöne Version der Geschichte. Man könnte aber auch sagen, dass die 76ers so verzweifelt waren, dass man alles versuchen wollte. Und wenn es die Rückkehr des größten Ich-Athleten des Basketballs ist, den man einst verschacherte, weil AIs Ego der Mannschaft im Wege war.
Der nächste Fall eines Ex-Allstars, dessen Selbstwahrnehmung nicht mehr 100 Prozent mit seinem Vermögen auf dem Parkett übereinstimmt, ist T-Mac. Seine aktuelle Rolle als Bankspieler deutet er als Mangel an Respekt für ihn. In Sachen Respekt denken die Rockets aber eher ans Frühjahr 2009, als McGrady eigenmächtig sein Saison-Aus verkündete, ohne der Mannschaft etwas davon zu sagen. Oder die Rockets denken an das tapfere Playoff-Aus gegen die Lakers, nachdem T-Mac gönnerhaft lobte, die von Verletzungen zerpflückte Rumpftruppe habe ja ganz nett gespielt, aber mit ihm sei sicher mehr drin gewesen. "Ja, dann spiel doch mal eine ganze Saison durch", dachte sich wohl der eine oder andere. In dieser Saison sollte McGrady den Bankspieler geben, es schmerzt halt weniger, wenn einer von den Jungs aus der zweiten Garde dauernd ausfällt. T-Mac fand's gar nicht lustig, verzog sich über Weihnachten in seine Heimatstadt Chicago. Da dreht sich wohl noch alles um ihn."
Johannes Hübner: Die Rückkehr von Monta Ellis
"Als Warriors-Fan ein Highlight dieses Jahr zu finden, ist doch sehr schwer. Es gab mehr Verletzungen und Trade-Gerüchte als Siege. Doch trotzdem macht es immer Spaß, ein Spiel der jungen talentierten Mannschaft anzuschauen. So musste ich auch lange leiden, nachdem Monta Ellis sich entschloss, es als Moped-Fahrer zu versuchen. Die Aktion zog extrem viele Niederlagen nach sich, doch als Fan freute man sich dann doch sehr auf seine Rückkehr. Immerhin wurden ihm vor dem Unfall die Schlüssel für die Franchise in die Hände gelegt. Am 23. Januar kehrte Ellis dann zurück. Mit dem International League Pass war ich natürlich dabei als "the one man fastbreak" wieder durch die Oracle Arena sprintete. Doch seine Geschwindigkeit fehlte ihm zu Beginn noch sehr. Trotzdem markierte der Guard 20 Punkte und dunkte in der zweiten Halbzeit und riss mich nachts aus dem Sitz. Doch symptomatisch für das Jahr der Warriors verlor die Mannschaft nach einem guten Spiel durch einen Buzzer Beater von LeBron James."
Thomas Käckenmeister: wieder Basketball im Fernsehen
"Lange dürstete die deutsche Basketball-Gemeinschaft. Seit Jahren zappte sie durch die Kanäle und ständig liefen sämtliche Sportarten außer ihr geliebter Basketball. 2009 änderte sich einiges. Das NBA All-Star Game wurde im Februar vom ZDF live übertragen. Eurosport war zu den BBL Playoffs live dabei. Den frischen Zauber der verjüngten deutschen Nationalmannschaft bei der Basketball-EM in Polen konnte im DSF verfolgt werden. Der Müncher Sportsender meldete sogar wenig später, dass eine Zusammenarbeit mit der Beko BBL in den nächsten drei Spielzeiten ordentlich Live-Basketball senden wird. In der Spielzeit 2009/10 sollen mindestens 50 Begegnungen live gezeigt werden. Hinzu kommt, dass nun auch sky (ehem. Premiere) wieder auf den NBA-Zug aufspringt und ab Januar 2010 regelmäßig die US-Profiliga zeigt. Dass Basketball in den Hauptmedien wieder Anklang findet, ist ein gutes Zeichen. Nur so kann eine Nachhaltigkeit im Bewusstsein der nächsten Generation erzeugt werden."
Und was waren eure Basketball-Highlights des Jahres 2009? Nutzt einfach die Kommentare und teilt eure Erinnerungen mit der großen Crossover Community!



von MavsFan 02.01.10 um 14:30:25
Ein absolutes Highlight für mich war Kobes Scoring-Rekord im MSG. Außerdem Spiel 4 der WC-Semifinals zwischen Dallas und Denver. Dirk und Melo haben sich nur gegenseitig übertreffen können