In Your Face

Inside oder Outside?

In der aktuellen Ausgabe von IN YOUR FACE gibt es eine spannende Debatte. Die beiden Kontrahenten heißen: Freiplatzzock vs. Vereinsbasketball. Was ist faszinierender? Das disziplinierte Spiel in der Halle mit hohem Trainingsaufwand oder die individuelle Freiheit unter blauem Himmel?

Von Peter Bieg, Dennis Klammer
 12.04.2011 |

Freiheit im Freien
von Peter Bieg

Der Glaubenskrieg zwischen Freiplatzfetischisten und Vereinsverehrern tobt bereits ebenso lange wie erbittert. Dabei ist die Liste der Argumente, die für gepflegtes Spiel unter freiem Himmel sprechen, fast so lang wie die schrecklichen Auswärtsfahrten, die jeder halbwegs ambitionierte Vereinsvertreter alle 14 Tage über sich ergehen lassen muss.

Auf Freiplätzen stinkt es nicht, es sei denn, sie liegen neben Müllkippen, Ölraffinerien oder Kläranlagen, was selten weil unwahrscheinlich ist. Im Idealfall zwitschern an der frischen Luft sogar Vögel und die eigene Musik schallt aus den Lautsprechern des mitgebrachten Ghettoblasters. Serbisch radebrechende Schreihälse mit Hang zur Quälerei Dritter sucht man hier vergebens. Wer auf dem Freiplatz eine Pause braucht, der bekommt sie auch. Sogar ein Eis oder gar ein Schwenkbraten sind dann nicht ausgeschlossen. Auf dem Rückweg kann man überall halten, nicht nur in McDonalds oder der Autobahnraststätte. Vorher ist keine Senioren-Gymnastikgruppe da. Hinterher keine Fußballer. Der Austausch zwischen Basketballern verschiedener Generationen, Geschlechtern und Kulturen wird gefördert. Miserable Schiedsrichter dürfen hier höchstens unter Beweis stellen, dass sie besser zocken als pfeifen. Spaß wird großgeschrieben, ohne Wettkampf auszuschließen. Regeln werden ausgehandelt, um sie dann einzuhalten. Wer keine Lust hat, bleibt einfach zuhause. Kreativität ist ausdrücklich erwünscht. Jeder Platz entwickelt eine eigene Kultur. Gespräche unter Spielern sind erlaubt. Mit etwas Glück tauchen interessierte ZuschauerInnen auf und steigern die Motivation. In der Halle wartet mit etwas Pech der Hausmeister und senkt die Laune. Selbst die längste Auswärtsfahrt ist mit Fahrrad oder ÖPNV locker zu schaffen. Die Kosten fürs Sonnenstudio entfallen. Die Motivation, sich ein paar Muskeln zuzulegen, steigt im Freien. Die härteste Laufeinheit dient dazu, den Getränkenachschub zu sichern. Auch Vereinsspielern ist der Freiplatz als Testgelände dienlich. Niemand beschwert sich über fehlende Hallenschuhe. Geduscht wird zuhause oder überhaupt nicht. Über Zäune klettern ist einfacher als in Hallen einzubrechen...

Konstant und regelmäßig statt arrogant und eher mäßig
von Dennis Klammer

Zuverlässige Trainingszeiten, gute SpielerInnen und keine Launen der Natur: Basketball im Verein hat viele Vorteile. Natürlich mag auch ich ab und an einen gepflegten Zock auf dem Freiplatz. Doch langfristig bringt eine Mitgliedschaft im Verein mehr für's Baller-Herz als unstete Shootarounds unter freiem Himmel.

Freiluftbasketball hat viele Feinde. Zu den üblichen Verdächtigen in Sachen wetterbedingte Probleme (Regen, starker Wind und rutschiger Tartanplatz) gesellen sich lästige Streitereien mit Fußballern und Hausmeistern diverser Schulhöfe um das zu bespielende Objekt der Begierde.

Zu allem Überfluss gibt es aber auch noch hausgemachte Probleme. Denn wer kennt sie nicht, die And1-Kiddies, die mit wildesten Moves, Dribblings und Wurffinten ihr Spiel in eine andere Stratosphäre bringen und – noch wichtiger - dabei gut aussehen wollen. Doch was meist folgt, sind nicht Augenbrauen-Laolas und staunende „Ohhs“ und „Ahhs“ aller Beteiligten. Nein, meist folgen verdrehte Augen, genervtes Stöhnen und abwinkende Gesten und Gepöbel von Mitspielern. Auch der Hohn und Spott der Gegenspieler ist einem sicher, wenn man für einen Alleinunterhalter eine Isolation spielen muss, der sich bei seinen Tricks in seinem überdimensionierten Shirt verfängt.

Da lob ich mir das regelmäßige Zusammentreffen mit Gleichgesinnten in einer Halle. Man mag von Training halten so viel wie Allen Iverson, am Ende einer jeden Trainingseinheit wird das zuvor Geübte oft dem Tauglichkeitstest unterzogen und gespielt. Diese Weiterentwicklung des eigenen Spiels und vor allem Spielverständnisses bringt einen als Basketballer letztlich immer weiter als des Vereins unzuverlässiger Widersacher.

Im Verein weiß man, was man hat. Teamspieler, die gemeinsam Schlachten mit dir durchstehen oder sich gemeinsam mit dir schlachten lassen. Systeme verstehen, Laufbewegungen verinnerlichen, Spielverständnis schärfen. Die Chance, fundierte und konstruktive Kritik von einem Trainer zu bekommen, der mit dir an deinem Game arbeitet, ist reizvoller als Backstein- und Airball-Salven von „Mitspielern“, die ob ihrer Unfähigkeit den freien Mann nicht finden und einfach drauf halten. Teamchemie feiern und gezieltes Trainieren von Schwächen – über das ganze Jahr hinweg – würde ich immer einem Spiel vorziehen, bei dem Selbstdarsteller 20 Würfe nehmen müssen, um bei dem vermaledeiten Wind und Nieselregen ihren Touch zu finden.




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Kommentare

(21 Kommentare bisher)

von Steve#10 12.04.11 um 15:45:34


Wieso der Vergleich, wenn sich die beides nicht in die Quere kommt? Im Sommer will niemand in eine kochende Halle und im WInter keiner in die eisige Kälte!



von Treffnix 12.04.11 um 15:45:55


Ich hege nach wie vor "much love" für beides. Draussen kann man sein Game eben teilweise mehr ausleben, als beim Vereinsbasketball, wo Du an gewisse Vorgaben gebunden bist. Der Sommer gehört ganz klar dem Freiplatz, der Winter der Halle.



von eightch 12.04.11 um 15:46:24


das ist ja jetzt wohl keine ernsthafte frage oder?
gezockt wird draussen und wer über den wind oder härte jammert soll zum hallenfederball gehen ;)



von Tkay1 12.04.11 um 20:08:48


der sommer/freiplatz ist da um sein game individuell zu verbessern
in der halle ist man an seine position und spielplan gebunden,was am freiplatz nicht der fall
da ist es egal wenn man 0 von 5 vom 3er wirft
in der halle kommt man da nicht mehr aufs feld



von RUN & GUN 12.04.11 um 22:54:54


auf jeden fall beides!! no doubt!!

aber die besseren (gegen)-spieler findet man zweifellos im vereinssport!



von florian.li 13.04.11 um 16:30:51


Für mich gehören zum Basketball auch Systeme, auch wenn sie sich auf Wurfschirme und Blocks beschränken. Solche sieht man auf dem Freiplatz eher selten. Von daher bin ich eher der Vereinstyp. Ab und zu zieht es mich bei schönem Wetter natürlich auch mal auf den Freiplatz, auch wenn ich dann der einzige bin, der Blocks setzt.



von eightch 13.04.11 um 16:33:39


nix geht über nen hart gesetellten block - auch gerne beim zurücklaufen in die eigene hälfte einfach mal stehen bleiben und den garnett machen... ;)



von BerlinAir 13.04.11 um 18:07:06


Freiplatzzocker? Meist poser ohne game, die es im Verein versucht haben und versagten. Schade, dass da keiner mit denen diskutieren wollte ueber die coolsten And1 accessoires und lieber mal ein paar Linienlaeufe gemacht wurden.

Basketball findet in der Halle statt. Das ganze Jahr. Auf dem Freiplatz laeuft sog. "streetball". Das ist so aehnlich wie der Vergleich zwischen Triathlon und Synchronschwimmen.



von Treffnix 13.04.11 um 18:15:48


Ich hab auf dem Freiplatz eher die positive Erfahrung gemacht, dass sich dort auch viele Vereinsspieler einfinden, die etwas zwangloser spielen wollen. Die And1 Kiddies blieben dabei eher auf der Strecke, da sie nach und nach spielerisch aussortiert wurden (also nicht ins Spiel einbezogen). Richtig gut fand ich, dass dort auch höherklassige Spieler vorbeikamen (ja sogar heutige BBL-Spieler...Gruss nach Trier) gegen die man spielen konnte. Freiplatz muss also nicht dem Klischee entsprechen.



von peterbieg 13.04.11 um 19:03:53


Das ist absolut korrekt,@Treffnix. Ich habe in Trier auf einem der guten Plätze noch nie And1-Kiddies gesehen, geschweige denn gegen welche gespielt. Aber ich glaube, das ist auch wieder eine Kulturfrage. In Köln sind beispielsweise massenhaft And1-Kiddies rumgelaufen, als ich dort gewohnt und draußen gespielt habe.



von KB-24 13.04.11 um 19:09:02


das klishee das diese auch egoistisch sind is mmn komplett überzogen.auch diese haben game und machen so manchen vereinsballern gehörig was vor,das muss nichmal aufs handling bezogen sein...

da kotzen mich dann schon eher die ü-30jährigen an die sich ohne worte(weil sie ja schon gefühlte 5000jahre auf ein und demselben platz spielen und gehen)per augenkontakt abmachen diese kiddis dann außen vor zu lassen o in der offense ignorieren...wenn ich sowas schon höre...



von Suck My Diktiergerät 13.04.11 um 20:35:05


@BerlinAir entweder haste wieder bock auf Provo und/oder einfach nur dummerweise die falschen Leute kennengelernt.

kann mich sonst eigentlich nur den pro-straße leuten anschließen.



von Indiana 13.04.11 um 22:40:33


Also wenn man einen festen Platz hat dann weiß man schon wer was kann und dann werden halt die Jungs die was können auf einen Korb versammelt und diejenigen die nix können auf den anderen so einfach ist das.
Solange jemand nicht mit Musik im Ohr und Schal !!!!! dribbelorgien Feiert (ja so Leute gibts bei 20 grad mit schal und scheiß IPod im Ohr UND dann auch nix druf haben sowas sieht man halt auch nur aufm Freiplatz)



von Jackiman 13.04.11 um 23:45:25


Basketball habe ich auf einem Freiplatz kennen und lieben gelernt! Vereinsluft geschnuppert, klar, aber die luftig, lockere Variante bevorzuge ich einfach ...



von ca$hmoney 13.04.11 um 23:48:53


Das ist als würde man Schweinshaxe mit nem' Double Cheeseburger vergleichen. Jeder hat seine Präferenz.
Aber: Mano e mano unter der Sonne. - Mehr Freiheit geht nicht!



von Hurricane 15.04.11 um 09:52:16


Ich habe die Erfahrung gemacht, das die Vereinspieler auf den Freiplatzdie arrogantesten von allen sind. Nur am Meckern, weil sie der Meinung sind alles besser zu können.



von flashbang 15.04.11 um 16:15:22


wieso muss es verein ODER freiplatz sein?
Verein UND Freiplatz ist doch viel geiler!
Währed der Saison ist es meistens eh zu kalt als das was auf den freiplätzen los wäre, und im sommer, wenn die plätze voll sind, ist die saison längst vorbei!



von mkay 15.04.11 um 17:05:43


Was würdet ihr denn wählen, wenn ihr an einem Dienstagnachmittag eigentlich um 16 Uhr Training hättet, aber das Thermometer satte 24 Grad anzeigt? Darum gehts uns (mir zumindest) eigentlich.
Freiplatz genießen oder zum Training quälen?



von KB-24 15.04.11 um 17:24:48


training,wenn im märz oder april 24 grad sind is das für mich kein sommer,denn der kommt noch und dauer seine 3-4 monate,also ab in die halle vernünftig arbeiten,period.



von eightch 15.04.11 um 17:28:45


ich wiederhole mich jetzt gern wenn ich sage: ist das ernsthaft ne frage? streetball allday ;)
tumpz ap if ju laikt mei kommänt...



von Hurricane 16.04.11 um 11:45:39


@eightch, da stimme ich dir zu und ich habe letzte ne seite gefunden wo man ganz schnell 200 euro machen kann :D :D :D :D



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