Jul
07
1. Amorbacher Basketball Challenge
12:00 Uhr Parzival Sporthalle, Amorbach




Germany's Reality Check

Zwei Tage purer Streetbasketball

Am vergangenen Wochenende fand wieder Deutschlands bekanntestes Streetball-Turnier „Germany‘s Reality Check“ in Köln statt. Streetball- und Basketballfans jeder Altersgruppe füllten die Hallen und genossen zusammen das Streetbasketball-Event des Jahres.

Von Jessica Gravina, Nicolas Racz (Text), Fabian Klindt (Fotos)
 20.07.2010 |

Es ist um die 25°C in Köln, doch trotz der Hitze sind fast alle Sitzplätze in der Abenteuerhalle Kalk besetzt. Nach und nach füllt sich die Halle mit mehr Zuschauern, die alle darauf warten, dass das „Germany‘s Reality Check“-Turnier anfängt. Sogar der Oberbürgermeister der Stadt Köln ist anwesend. Um halb zwei ist es soweit: Musik ertönt zum Einzug des Veranstalters und Initiators des GRC, Jon Mbimba Mavinga. Wie gewohnt mit Afro-Perücke und goldener Maske betritt er das Spielfeld und eröffnet das Turnier. Vor dem ersten Spiel heizt ein Beatboxer noch den Fans ein und beatboxt alles von Busta Rhymes bis zu Snoop Dogg.

Im ersten Vorrundenspiel trifft der Titelverteidiger Hannover auf Düsseldorf. Hannover muss dieses Mal ohne seine Topspieler Mensah Taylor, der sich in den USA aufhält, und Andrej Mangold, der aufgrund eines Erstliga-Vertragsgespräches erst zur letzten Spielminute eintrifft, antreten. Zwar können die Hannoveraner in der ersten Halbzeit noch mithalten und halten den Spielstand offen, jedoch lassen sie in der zweiten Hälfte nach und werden deutlich (27:42) von den Düsseldorfern besiegt.

International sind dieses Jahr Italien, USA, Frankreich (mit zwei Teams aus Paris und Lille), Belgien und Rumänien vertreten. Italien überzeugt zwar mit organisiertem Set-Play, scheidet jedoch schon im ersten Spiel gegen das noch gar nicht in Bestbesetzung antretende Team aus Frankfurt aus.

Die zwei französischen Mannschaften aus Lille und Paris sind spielerisch leider nicht auf dem gleichen Niveau wie ihre Vorgänger im letzten Jahr, schaffen es aber trotzdem ins Achtelfinale. Vor allem das von Mike Mixtur aufgestellte „Shest Hustler“-Team aus Paris schafft dies ohne große Mühe, da es im ersten Spiel gegen das schwach besetzte Team aus Heidelberg, für das allerdings kein einziger Spieler aus Heidelberg auflief, antritt. Auch die Mannschaft aus Mainz kann nicht an den Erfolg vom letzten Jahr anknüpfen und unterliegt in der ersten Runde.

Dass auf dem Turnier immer wieder überraschend gute Mannschaften spielen, die zu Beginn unterschätzt werden, wird auch dieses Jahr offensichtlich. So spielt das Team Frankfurt, das zunächst nur mit vier Spielern vertreten ist, sehr gut und schafft es ohne Probleme gegen Lille und die lustlos agierenden USA in das Finale.

Die rumänische Mannschaft, die letztes Jahr schon im ersten Spiel gegen Aachen die Segel streichen musste, spielt sich gar in die Herzen der Zuschauer. Auch liefern die Rumänen die spannendsten Spiele des gesamten Turniers: sowohl am Samstag, als sie Aachen in der Verlängerung mit einem Punkt besiegen, als auch im Viertelfinale gegen Belgien (siehe unten).

Ein großes Lob muss man auch der belgischen Mannschaft aussprechen, die in der Vorrunde die Mannschaft aus Bremen, in der sogar Erstligaspieler wie Benjamin Fumey und Kosta Karamatskos standen, durch starkes Hustle-Play nach Hause schicken.

Ein kleines Highlight am Samstag bietet das All-Star-Game der U12, bei dem Mavingas Sohn aufdreht. Er und seine Altersgenossen haben dem erstaunten Publikum gezeigt, was der Nachwuchs bereits zu bieten hat.

Ab dem Viertelfinale am Sonntag wird das spielerische Niveau nicht nur in der Partie Rumänien gegen Belgien auf eine neue Ebene gehoben. Die besten acht Mannschaften sind übrig geblieben. Um jeden Punkt wird gekämpft, sowohl offensiv als auch defensiv. Das Motto „Do Or Die“ wird im wahrsten Sinne des Wortes beherzigt. Nach und nach werden die Mannschaften aussortiert. Erst verliert Düsseldorf gegen Lille in der Verlängerung mit einem Punkt. Dann muss sich Belgien gegen Rumänien verabschieden.

Der rumänische Aufbauspieler und Publikumsliebling Daniel Popescu verzaubert dabei die Zuschauer mit seinen Pässen, seinem sicheren Ballhandling und seiner fabelhaften Spielübersicht. Als Rumänien drei Sekunden vor Schluss mit drei Punkten zurück liegt, zieht er ein Foul und bekommt drei Freiwürfe (1+1+1, beim ersten Fehlwurf geht das Spiel also weiter und die übrigen Freiwürfe verfallen) zugesprochen. Den ersten Schuss verwandelt er, den zweiten vergibt er nach einer Trash-Talk-Aktion mit dem belgischen Coach.

Allerdings greift sich ein Mitspieler den Rebound und schießt mit dem Ertönen der Schlusssirene seine Mannschaft in die Verlängerung. Das Publikum rast, die Emotionen und die Euphorie der Spieler und der Zuschauer sind unbeschreiblich. Auch in der Verlängerung schenken sich beide Mannschaften nichts. Das Spiel bleibt bis zur letzten Sekunde spannend, doch Rumänien siegen auch wegen eines technischen Fouls (Wurf des Balles ins Gesicht von Popescu) mit 39:38 gegen die unsportlich agierenden Belgier und ziehen somit in das Halbfinale ein, wo sie später aber Paris (27:48) unterliegen. Dort kann man der rumänischen Mannschaft ansehen, dass sie körperlich und konditionell geschwächt sind, immerhin haben die Spieler 29 Minuten lang gegen Belgien um jeden einzelnen Punkt kämpfen müssen.

Derweil unterliegen die starken Nürnberger den Parisern unglücklich mit nur einem Punkt. Die Viertelfinalspiele sorgen für Herzklopfen und Gänsehaut bei den Zuschauern. Nur die Spieler der USA, die es wohl für wichtiger gehalten haben, auf der Aftershow Party bis zum Morgengrauen zu feiern, enttäuschen gegen Frankfurt und werden mit einer deutlichen und peinlichen Niederlage (13:24) zurück in die Staaten bzw. an ihre deutschen Wirkungsstätten geschickt.

Vor dem Halbfinale folgt ein absolutes Highlight des Events. Jon Mavinga fordert die Zuschauer auf, sich auf das Spielfeld um den Korb zu setzen, denn der Dunk-Contest, auf sich alle freuen, beginnt.

Unter den vier Teilnehmern befinden sich unter anderem Germany's Finest-Spieler Michael Posim und Guy Dupuy vom Team Flight Brothers, der in den Spielen für Paris aufläuft. Jeder, der das Team Flight Brothers kennt oder Guy Dupuy beim Aufwärmen zugesehen hat, weiß, dass er den Contest mit Leichtigkeit gewinnen wird.

Zwar sind Michael Posim und die anderen Teilnehmer nicht schlecht, aber gegen einen „Between the legs“-Dunk über zwei Personen mit vorgelegtem Bounce-Pass kommen sie nicht an. Mavinga ist von dem Dunk so angetan, dass er nach der unglaublichen Aktion zu Dupuy läuft und dessen Beine umklammert. Spätestens nach Dupuys 360-Grad-Dunk rastet das Publikum aus und entscheidet per Applaus eindeutig, dass der Franzose die Dunk-Contest-Trophäe mit nach Hause nehmen darf.

Leider ist der Dunk Contest die einzige unterhaltsame Show-Einlage am Finaltag. Rapper Manuellsen kann das Publikum nicht beeindrucken und das vor dem Turnier angekündigte One-on-One-Battle wird nicht ausgetragen.

Gegen halb neun Uhr abends findet das begehrte Finale statt: Frankfurt gegen Paris. Leider fällt das Finale nicht so spannend aus wie im letzten Jahr. Die Frankfurter besiegen Paris deutlich mit 32:16. Vor allem der Frankfurter Aufbau Sebastian Köhnert, der zum MVP des Turniers geehrt wird, als auch Cedric Quarshie stechen heraus.

Köhnert sorgt für einen fantastischen Spielaufbau, während Quarshie eine hervorragende Defense spielt und mit dem einen oder anderen Block für viele „Ooohs“ und „Ahhs“ im Publikum sorgt. Die Mannschaft aus Frankfurt kann sich folglich verdient „Germany‘s Reality Check Champion 2010“ nennen.

Auch dieses Jahr kann man auf dem Turnier Streetbasketball in Reinform genießen. Zwar ist das spielerische Niveau nicht ganz so hoch wie in den letzten zwei Jahren, jedoch gibt es wie jedes Mal viele interessante Spiele mit etlichen Highlights zu sehen.

Der Idee des GRC folgend hat sich die Streetball-Community mit ihren Mitgliedern aus verschiedenen Altersgruppen und Nationen wieder für ein Wochenende vereint und gemeinsam viel Spaß gehabt.

Allerdings muss man auch Kritik an der Organisation üben. So fing das erste Spiel am Sonntag erst nach 14 Uhr an. Neben den Verlängerungen zogen vor allem die Show-Einlagen das Event in die Länge, so dass das Finalspiel erst gegen 21:45 Uhr zu Ende war – sehr zum Bedauern vieler Zuschauer, die extra aus anderen deutschen Städten angereist waren und das Finale aufgrund der späten Uhrzeit und langen Heimfahrt nicht mehr mit ansehen konnten.

Veranstalter Mavinga hat bereits angekündigt, dass der „Germany´s Reality Check 2011“ noch besser werden soll. Auch sollen zum ersten Mal zwei Damenmannschaften gegeneinander spielen.

Man darf also sehr gespannt sein auf die Neuauflage im nächsten Jahr.




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Kommentare

(7 Kommentare bisher)

von Treffnix 20.07.10 um 12:30:43


Öhöm muß das mit den Damenmannschaften sein ? :-)



von Bigshorty 20.07.10 um 14:21:52


Super Artikel Jessica Gravina kriegst richtig probs von mir;-)



von wintermute19 20.07.10 um 17:17:11


Kleiner Fehler im Text: Es war nicht der Kölner Oberbürgermeister anwesend, sondern "nur" einer der vier Bürgermeister.

Ansonsten alles zutreffend, leider auch die Kritik an den Showeinlagen, die tatsächlich sehr zäh waren.

Aber insgesamt eine lohnende Veranstaltung.



von Luv 4 Da Game 20.07.10 um 20:40:07


Man hätte ja nochmal von den ganzen Teams die Spieler aufzählen können!



von MavsMan 21.07.10 um 15:44:34


Insgesamt auf jeden Fall ein cooles Event!

Die Showeinlagen fand ich jetzt weniger schlimm. Die waren teilweise sogar richtig gut, z.B. das rope skipping Team am ersten Tag.

Was mich mehr gestört hat, war die unsinnige Foulregel. Ein Kommentar von Short-E beim anderen Bericht beschreibt es eigentlich ganz gut.



von big187 14.08.10 um 23:01:52


Hi, der artikel ist an sich gut, aber weiß jemand wie der rumänische aufbauspieler wirklich heißt? den namen eines rumänischen turners da hin zu schreiben ist ja keine gute recherche:P



von GarySonics 15.08.10 um 11:05:50


Da ist er:
[eurobasket.com]
Alles in Ordnung mit der Recherche!



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