Germany's Reality Check

Streetball-Gipfel in Köln

Krachende Dunks, kreative Dribblings und hochklassige Spiele gab es beim ?Germany?s Reality Check? zu bestaunen. Wir blicken auf den Event zurück und verraten, welches Team sich durchsetzen konnte.

Von Björn Lehmkühler
 21.07.2008 |

Qualität statt Quantität

Eine Plattform für Deutschlands Streetball-Szene sollte es werden, eine Möglichkeit für die besten Straßenzocker der Nation, sich untereinander und mit hochkarätiger europäischer Konkurrenz zu messen. Und tatsächlich wurde die Maxime ?Qualität statt Quantität", welche bei der Auswahl der 16 Teams zugrunde lag, durchaus erfüllt. So hatten vor allem München (k1x), Berlin und Brüssel starke und tief besetzte Mannschaften am Start, während andere Teams trotz aktueller oder ehemaliger Bundesligisten und Halbprofis im Kader bereits früh die Segel streichen mussten.

Den Zuschauern bot sich ob dieses hohen Spielniveaus deshalb häufig die Möglichkeit, von den Holzbänken aufzuspringen und den Akteuren zuzujubeln ? sei es nach krachenden Alley-Oops und Slams, akrobatischen Würfen, waghalsigen Dribblings oder besonders gelungenen Spielzügen. Wem die zahlreichen spektakulären Spielaktionen noch nicht reichten, wurde auch außerhalb des Spielbetriebs einiges geboten, etwa von den Ballhandling-Künstlern Surprise und Patrick Espinosa, vom Belgier Bali, der das ?One-on-one Freestyle Battle" für sich entschied oder im Slam-Dunk-Contest. Auch wenn der angekündigte Guy Dupuy nicht teilnahm und ?Dunk Father" Kadour Ziani sich auf die Rolle des Schirmherren beschränkte, brachte Vorjahressieger Charly Dankwa mit seiner phänomenalen Sprungkraft das Publikum zum Toben und sicherte sich im Finale gegen Lars Meyer erneut den Titel.

Als Rahmenprogramm zwischen den Basketballspielen hatte Initiator Jon Mbimba zahlreiche Gesangs- und Tanzkünstler eingeladen. Diese machten größtenteils einen guten Job, dienten aber eher als ? teils langatmige ? Lückenfüller zwischen den deutlich interessanteren Duellen auf dem Asphalt. Diese wurden in der kleinen aber atmosphärischen Abenteuer-Halle in Köln-Kalk ausgetragen, die gut besucht und von dröhnenden HipHop-Beats erfüllt war. Weniger glücklich als die Wahl der Location und der Teams war hingegen die zeitliche Planung. Morgens begannen die ersten Spiele mit 50 bzw. 35 Minuten Verspätung, und obwohl die Podiumsdiskussion am ersten Tag ausfiel und der Freestyle-König bereits am Samstag und nicht erst am Sonntag gekürt wurde, vergrößerte sich der Unterschied zwischen Zeitplan und Umsetzung im Laufe des Tages zunehmend. So begann das große Finale nicht um 18 Uhr, sondern erst anderthalb Stunden später. Ansonsten kann man das Event, welches der gut aufgelegte und engagierte Jon nicht selten als ?the real shit" bezeichnete, als durchaus gelungen bezeichnen und sich auf die bereits angekündigte Fortsetzung im nächsten Jahr freuen.

Welche Mannschaft bereits früh dem "Do or Die"-Modus zum Opfer fiel und wer sich beim Kampf um den Thron des ?Germany?s Reality Check" letztendlich durchsetzen konnte, folgt nun im ausführlichen Spielbericht:

1. Tag: Die Spreu trennt sich vom Weizen

Den Auftakt bereitete Titelverteidiger ?The Elements". Die Mannschaft um Ex-Bundesligaprofi Jerry Fotsing und den athletischen Guard Steven Parker tat sich dabei gegen die komplett ohne Auswechselspieler angetretenen Hamburg Tigers phasenweise schwer, konnte sich dank ihrer physischen und individuellen Überlegenheit jedoch letztendlich mit 34:27 durchsetzen. Deutlich weniger Probleme hatte ?Der Stamm", für die unter anderem der frühere Junioren-Nationalspieler Raed Mostafa auflief. Gegen ein ersatzgeschwächtes und total unstrukturiert agierendes Team Cuxhaven gelang auch mit scheinbar halber Kraft ein 60:39-Erfolg.

Nach diesem soliden Turnieranfang sollte nun, im dritten Spiel des Tages, endlich die Stimmung ihren Höhepunkt erreichen. Anlass dafür war der erste Auftritt des Team USB, einer jungen Truppe aus den Pariser Vororten. Gegen das Team ?Speed Ballin" stellten die sehr athletischen Franzosen schon früh ihre individuelle Klasse unter Beweis. Der Gegner versuchte mit Härte zu kontern, verlor jedoch zunehmend den Anschluss. So konnten sich die Pariser angesichts eines sicheren Vorsprungs auf ihre diversen Show-Einlagen konzentrieren: krachende Alley-Oops und Putback-Dunks, tänzerische Einlagen in der Spielfeldmitte und Mixtape-reife Dribblings von Aufbauspieler ?Six Combo" (Foto). Dabei düpierten sie mit einer an Arroganz grenzenden Selbstsicherheit den Gegner ein ums andere Mal und ließen es sich nicht nehmen, ihre Fotokameras sogar auf das Spielfeld mitzunehmen. Am Ende gewannen die ?United Street Ballerz" mit 44:26.

Nachdem die Zuschauer in der vorangegangenen Partie reihenweise ihre Plätze verlassen hatten, folgte nun ein weniger spektakuläres, aber dennoch intensiv und schnell geführtes Achtelfinale. Dabei bewies die Braunschweiger Mannschaft ?Confetti Sports Wear" um Bundesliga-Spieler Flavio Stückemann die höhere Zielgenauigkeit und setzte sich gegen das ?Team Sonyy" aus Münster mit 60:42 durch.

Im fünften Spiel wurde schnell deutlich, dass hier ein Turnierfavorit auf dem Asphalt stand: das k1x-Team aus München. Die tiefe und sehr ausgeglichene Mannschaft schien perfekt eingespielt und lag nach fünf Minuten bereits mit 17:3 in Front. Point Guard Tim Burnette (Kirchheim) zeigte, weshalb er in der ProB mit 21,1 PpG zu den besten Spieler der Liga zählte und war von niemandem zu verteidigen. Hinzu kam mit den A2-Nationalspielern Andrej Mangold (München), Tim Schwartz (Kaiserslautern) und Jermain Raffington (Chemnitz), den treffsicheren Distanzschützen Nikola Jovanovic (Cuxhaven) und Tom Klemm (Kirchheim) sowie ?Center-Monster" Sean Brooks (Crailsheim) ein hochkarätiger ?supporting cast" aus Zweitliga-Spielern. Spielertrainer Paul Howard musste so nicht einmal selbst ins Spielgeschehen eingreifen. Zwar kamen die keineswegs untalentierten ?Isango Baskets" aus Bremen nun besser ins Spiel, doch am Ende qualifizierten sich die Münchener sicher für die zweite Runde.

In der sechsten Begegnung konnten die Fans einen weiteren ausländischen Gast bestaunen, die ?Duke All Stars" aus Brüssel, Belgien. Diese wirkten nicht minder eingespielt und ausgeglichen als das k1x-Team zuvor und stellten sogleich ihre athletische, spielerische und physische Stärke heraus ? nach vier Minuten stand es bereits 24:4. Den Kürzeren zogen in diesem Fall die ?Otshumbé All-Stars" aus Mainz, bei denen auch der BBL-Quotendeutsche Kosta Karamastkos (TBB Trier) kaum Akzente gegen die starke belgische Verteidigung setzen konnte.

Weniger überzeugend als die französischen und belgischen Korbjäger waren hingegen die rumänischen Spieler von ?The Sportsarena". Zwar ließ Slamnation-Highflyer Marlon Jules die Korbanlagen einige Male zittern und auch das Spiel gestaltete sich zunächst recht ausgeglichen (20:20). Doch dann zog die individuell besser besetzte Mannschaft ?Monkey Cage" langsam aber sicher davon.

In der letzten Begegnung des ersten Tages kam es dann zum herbeigesehnten Auftritt der ?Berlin City Punishers", die unter anderem A2-Nationalspieler Heiko Schaffartzik (zuletzt Ludwigsburg), die Ex-Bundesligaprofis Jimmy James und Thommy Thorwarth, den pfeilschnellen Achmadschah Zazai und den 30-fachen Nationalspieler Stipo Papic ins Rennen schickten. Obwohl Papic und Schaffartzik sich offensiv eher bedeckt hielten, hatte die auch ansonsten gut besetzte Berliner Mannschaft keine Probleme mit dem Gegner ?Germany?s Finest", der mit 64:38 souverän besiegt wurde.

2. Tag: Die Entscheidung

Im ersten Viertelfinale trafen ?The Elements" und das k1x-Team aufeinander. Dabei zeichnete sich schnell der Trend ab, dass sich die Härte, Geschwindigkeit und Intensität der Spiele im Vergleich zum Vortrag noch steigern sollte. Obwohl sich k1x erwartungsgemäß als stärkeres Team erwies, gelang es den Titelverteidigern mit Körpereinsatz und vielen Einzelaktionen, zumindest in der ersten Halbzeit im Spiel zu bleiben. Nach dem Seitenwechsel zogen die Münchener jedoch an und gewannen am Ende deutlich mit 72:43. Auch das zweite Spiel stand dem ersten in Sachen Härte in nichts nach. Dank ihrer aggressiven Verteidigung und der guten offensiven Mischung aus Athleten und Schützen setzten sich die ?Duke All-Stars" aus Belgien gegen ?Monkey Cage" mit 69:45 durch.

Mit viel Spannung wurde der zweite Auftritt der Pariser erwartet, hatten sie doch am Vortag zweifellos die beste Show abgeliefert. Doch auch auf dem Asphalt zählen nicht nur Highlights und individuelle Klasse, sondern eben auch Einsatz und Zusammenspiel ? und zumindest auf letzterem Gebiet enttäuschte das ?Team USB". Denn nachdem es in der 7. Spielminute bereits 16:2 zugunsten des Gegners (?Der Stamm") stand, waren die jungen Wilden nicht in der Lage ihre technische und athletische Überlegenheit in Zählbares umzumünzen. Stattdessen scheiterten sie immer wieder an der extrem harten Spielweise ihres Gegners, die von den Unparteiischen selten mit Fouls geahndet wurde. So lieferten die Franzosen dieses Mal keinerlei Show-Elemente, sondern verstrickten sich in zahllosen uninspirierten Einzelaktionen und unterlagen dementsprechend mit 33:43.

Für die Show sorgten hingegen die Hauptstädter. Jedoch geschah dies weniger durch spektakuläre Flugeinlagen und Dribblings als vielmehr durch einen wahren Dreier-Regen, der sich über den nicht zu beneidenden Braunschweiger Kontrahenten ergoss. Nach zwei Minuten hatte Heiko Schaffartzik (Foto) bereits viermal ohne Ringberührung von jenseits der Dreierlinie eingenetzt und auch Teamkollege James traf mit blitzsauberer Wurftechnik von außen. So stand es bereits zu diesem frühen Zeitpunkt 15:0. Doch auch die anschließende Auszeit brachte Berlin nicht aus der Ruhe: Es folgten vier weitere Dreier sowie ein Sprungwurf von James, sodass die Anzeigetafel nach sechs Minuten einen Spielstand von 29:4 anzeigte. Am Ende stand eine wahnsinnige 93-Punkte-Performance (bei 59 kassierten Punkten) und zwanzig verwandelte Dreier. Schaffartzik war mit sieben Dreiern bei ebenso vielen Versuchen in der ersten Halbzeit und neun insgesamt der überragende Mann.

Er konnte sich nun in Ruhe ansehen, wie der erste Finalteilnehmer ermittelt wurde. Erneut versuchte ?Der Stamm" über harten Körpereinsatz ins Spiel zu finden, doch das k1x-Team erwies sich wie bereits in den ersten beiden Auftritten als sehr homogen und ausgeglichen und ließ keinen Zweifel an seiner Überlegenheit. Zwar gelang es Mostafa vereinzelt, die k1x-Defense mit guten Einzelaktionen zu überwinden. Letztendlich erwiesen sich die Münchener jedoch als zu ausgeglichen und treffsicher von außen und lösten mit 52:38 das Finalticket.

Damit waren bereits 13 Partien absolviert und keine hatte sich bisher zu einem Last-Minute-Spiel entwickelt. Ein solch enger Ausgang war jedoch im zweiten Halbfinale zwischen Brüssel und Berlin zu erwarten, denn beide Teams hatten sich ? ebenso wie k1x ? gleichermaßen als Titelkandidaten in den Vordergrund gespielt. Und das Spiel begann, wie man es erwarten konnte: ausgeglichen und intensiv. Dabei gelang es der gewohnt starken belgischen Verteidigung die Kreise von Schaffartzik, James und Papic einzuschränken und eine ähnliche Dreierorgie wie im Viertelfinale zu verhindern. Die ?Berlin City Punishers" reagierten, indem sie mehr zum Korb zogen, anstatt von außen draufzuhalten. Die ?Duke All-Stars" präsentierten ihre gewohnte Mischung aus Athletik und Wurfstärke und so stand es zur Halbzeit 33:32 zugunsten der Deutschen. Nach dem Wechsel gelang es Berlin nun, sich immer weiter abzusetzen. Ein ums andere Mal konnte per Pick-and-Roll gepunktet werden und auch von der Freiwurflinie erwiesen sich Schaffartzik und Co. als sehr treffsicher. So zogen sie am Ende des bis dato besten Turnierspiels ins große Finale des ?Germany?s Reality Check" ein.

So kam es zum großen Finale zwischen dem k1x-Team und den Berlin City Punishers und es wurde das erwartet knappe Spiel. Die Zweitliga-Profis von k1x um den vielleicht spektakulärsten Spieler des Turniers, Tim Burnette, lieferten sich mit den Scharfschützen aus der Hauptstadt einen offenen und intensiven Schlagabtausch auf gleicher Augenhöhe, der letztendlich zugunsten der Berliner entschieden wurde. Dabei war erneut Heiko Schaffartzik einer der herausragenden Akteure und verwandelte eiskalt aus der Distanz. Somit konnten die Berliner nach dem Sieg bei der 5ive-Tour in Berlin mit leicht verändertem Kader den zweiten Erfolg binnen einer Woche feiern.




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Kommentare

(6 Kommentare bisher)

von TNT 22.07.08 um 00:26:37


Mit Alex King und Mostafa dürfte das Team in Berlin sogar noch besser gewesen sein.
Hoffe Heiko findet nächstes Jahr einen guten Club, wo es ordentlich Spielzeit gibt.



von flashbang 22.07.08 um 10:28:07


dieser Tim Burnette war echt spektakulär, super schnell und mega sprungkraft, und dabei nur knapp 1,80m.
aber mvp des Turniers ist ganz klar Heiko. Unglaublicher Dreierschütze, sehr schnell, und verteilte einen No look pass nach dem anderen. Erinnerte mich an steve nash



von bartek 22.07.08 um 11:19:01


mies!! verpasst! next year ;)



von peterbieg 22.07.08 um 11:44:03


Jo, Berlin City Punishers haben das Haus gerocked...



von Dave von BOOM 24.07.08 um 09:11:35


Yup, der GRC war G.R.E.A.T., auch oder obwohl z.B. Guy Dupuy nicht dabei war. Für alle die das WE nicht miterlebt haben bzw. noch mal erleben möchten, keep in mind: DVD coming soon!



von Dave von BOOM 10.06.09 um 17:29:23


DVD is not coming soon. Als Ersatz gibt´s den trailer hier:
[dailymotion.com]



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