Germany's Reality Check
Eine Überdosis Streetball
An zwei Tagen wurde beim "Germany’s Reality Check" 2009 in Köln der Asphalt gerockt. Nicht nur Streetball-Enthusiasten kamen bei einem echten Basketball-Marathon voll auf ihre Kosten. Begleitet wurde das Event von Musik, Tanz und Mode.
Von Peter Bieg |
17.07.2009 | |
Sonntag, 12. Juli 2009, gegen 19 Uhr: Das Sitzfleisch ist langsam wundgescheuert auf den harten Bierbänken in der Abenteuerhalle Köln-Kalk. Weniger Glückliche stehen sich seit Stunden die Beine in den Bauch. Die Luft ist schlecht und auch die mittlerweile weit geöffneten Tore können kaum Abhilfe schaffen, denn die schwitzenden Athleten auf dem Asphalt kämpfen um jeden Ball. Ab und an regnet es heftig, Schauer ziehen über Köln, während in der Halle die Spieler auf ihren nächsten Auftritt und Zuschauer auf das nächste Highlight warten. Bereits am Samstag haben sie einen ganzen Tag voller Streetball, Show und Musik erlebt und Stunden in der kleinen Arena im Kölner Arbeiterviertel verbracht.

Aufstehen sollte man an diesem Sonntag auf eigene Gefahr, denn Sitzplätze sind noch gefragter als das Grillgut vom Barbecue vor der Halle oder ein erfrischendes Eis aus dem Kiosk. Ohne entsprechende „Platzhalter“ und Verbindungen bedeutet ein Gang zur Toilette in vielen Fällen einen Stehplatz für den Rest des Tages. Es ist voll in der Abenteuerhalle, richtig voll. Zu stetig aus den großen Boxen wabernden Hip-Hop-Beats wird auf dem Asphalt um jeden Punkt gekämpft. Es geht hektisch zu, vor allem die Verteidigung ist knallhart und Geschenke - in Form von einfachen Punkten – werden hier von niemandem verteilt.
Diese kurze Skizze soll einen ersten Eindruck vermitteln von einem vollgestopften Wochenende, das selbst härtesten Streetball-Junkies einiges abverlangte. Veranstalter und Initiator Jon Mbimba zeigte sich voll zufrieden mit dem Verlauf des besten Streetball-Turniers auf deutschem Boden und sprach von „mehr als einem Erfolg“. Zwar wurde spielerisch nicht ganz das Vorjahresniveau erreicht, denn mit den Teams von „K1X“ und aus Berlin fehlten beide Finalisten des Jahres 2008. Gerade der Berliner Heiko Schaffartzik hatte im vergangenen Jahr für eine Ein-Mann-Highlight-Show gesorgt und wurde schmerzlich vermisst. Sein „Nicht-Erscheinen“ beim "Germany's Reality Check" (GRC) 2009 kann Schaffartzik allerdings mit einem nahezu unschlagbaren Argument entschuldigen, wurde er doch von Nationaltrainer Dirk Bauermann zum Auftaktlehrgang der A-Nationalmannschaft eingeladen und gilt als aussichtsreicher Kandidat auf der Aufbauposition, der sich vor fahrlässig eingehandelten Verletzungen dringend selbst schützen sollte.
Stars und Sieger
Während 2008 vor allem Schaffartzik und sein Berliner Kumpel Stipo Papic mit Würfen vom Parkplatz (Schaffartzik) und krachenden 360° Grad Dunks (Papic) für Verzückung sorgten, kamen die spielerischen Highlights der diesjährigen Auflage des GRC vor allem aus Frankreich: Das Team Paris unterlag erst im Finale der Mannschaft aus Hannover um Turnier-MVP und BBL-Center Björn Schoo (2,13 Meter, in der vergangenen Saison bei den Köln 99ers) und begeisterte die Zuschauer mit Streetball vom Allerfeinsten.
Für einige der französischen Spieler schienen normale Pässe etwas vollkommen Neues und Fremdes zu sein, denn die Jungs aus dem Nachbarland brachten ihre Vorlagen zumeist ohne Hinzuschauen an den Mitspieler und erreichten recht locker das Finalspiel. Vor allem Jean-Marc Kraidy, der „Leitwolf“ der Franzosen, ein ungemein kräftiger und abgezockter Spieler mit langen Rastazöpfen war kaum zu stoppen und sorgte für Mismatches am laufenden Band. Mit seinen 2,01 Metern präsentierte der gebürtige Ivorer, der in der kommenden Saison höchstwahrscheinlich für Bilbao in Spanien wirbeln wird, heftiges Ballhandling und teils unglaubliche Pässe.

Dennoch sollte es im Finale nicht reichen für das Team Paris. Die Franzosen unterlagen den Hannoveranern mit 25:37 schlussendlich sogar recht deutlich. Allzu verwunderlich war das nicht, denn obwohl die Franzosen den wohl spektakulärsten weil wildesten Basketball des Turniers spielten, standen in den Reihen des Teams aus Hannover mit Andrej Mangold (Telemotive München, ProB), Jermain Raffington (Bayreuth, ProA) oder Tim Schwarz (Saar-Pfalz-Braves, ProA) doch einige bekannte Gesichter aus Deutschlands Profiligen, die allesamt bereits im vergangenen Jahr ihre ersten Eindrücke von Deutschlands bestem Street-Turnier sammeln durften.
Während die Franzosen die Mannschaften aus Köln, Aachen und Mainz besiegen mussten, um das Finale am Sonntagabend zu erreichen, hatten es die Niedersachsen mit den Teams aus Wuppertal, Hamburg und Bremen zu tun.
Eindrücke und Ergebnisse
Auch die Vorrunde hatte es bereits in sich, galt es doch, sich im kompromisslosen „Do or die“-Modus jeweils für die nächste Runde zu qualifizieren, um nicht sofort wieder die Heimreise antreten zu müssen.
So kam es direkt im dritten Spiel des ersten Turniertages – beim Aufeinandertreffen von Wuppertal und Hannover – zu einem Duell der Giganten, denn mit Björn Schoo (Hannover) und Bernd „Storch“ Kruel (Wuppertal) stand auf der Center-Position ein Duell zweier ebenso langer wie bekannter Spieler auf dem Programm. Nach einigen Minuten sorgte Schoo für das erste echte Highlight. Einen 2,13 Meter großen BBL-Center sieht man nicht alle Tage über Beton sprinten, um dann mit einem gewagten Sprung in Richtung Bierbänke seine Gesundheit zu riskieren, „nur“ um in einem Vorrundenspiel einen Ball zu ergattern. Letztlich setzte sich der spätere Champion aus Hannover in einer eher durchschnittlichen Partie mit 19:35 aber klar durch.
Noch viel klarer fiel das Ergebnis beim zweiten Vorrundenspiel zwischen den Mannschaften aus Bonn und Kaiserslautern aus. Der Halbzeitstand von 32:13 bedeutete das Aus für das Team aus Kaiserslautern, welches aufgrund eines Rückstandes von mehr als 15 Punkten nach nur zwölf Minuten von Jon Mbimba für „nicht wettbewerbsfähig“ erklärt und vom Turnier ausgeschlossen wurde.
Zum vierten Spiel am Samstag durften dann weit gereiste Gäste begrüßt werden: Ein Team war aus Rumänien angereist, um sich mit deutschen und weiteren europäischen Straßenbasketballern zu messen. Trotz der Unterstützung des Publikums und vorbildlichem Teamplay mussten sich die Rumänen allerdings bereits nach einem Spiel (28:36 gegen Aachen) aus dem Turnier verabschieden. Lange konnten die Gäste aus Osteuropa das Spiel offen gestalten und präsentierten mit Defensivrotationen aus dem Lehrbuch und sauberen Würfen aus der Distanz einen eher unkonventionellen Stil von Streetball. Gegen Ex-BBL-Spieler Derrick Freeman (früher in Trier aktiv) und seine präzisen Dreipunktwürfe war aber letzten Endes doch kein Kraut gewachsen.
Im fünften Spiel des ersten Turniertages konnten sich die stark eingeschätzten „Duke All-Stars“ aus Belgien erst durch einen Buzzerbeater am Ende der ersten Verlängerung mit 31:28 gegen die Mannschaft aus Düsseldorf durchsetzen. Während die hochtalentierten Belgier sehr gemächlich in die Partie starteten und direkt einen 0:9-Lauf kassierten, gaben die äußerst aggressiven Jungs aus Düsseldorf alles, um einen der großen Turnierfavoriten aus dem Rennen zu werfen. Dieses Spiel ließ kaum Wünsche offen, von A wie „Aufholjagd“ bis Z wie „Zankereien“ war alles dabei, dramatisches Finish inklusive. In den restlichen Spielen der Vorrunde besiegte Mainz Nürnberg (25:21), Hamburg Polen (41:29) und Paris Köln (38:30).
Der Finaltag
Am zweiten Turniertag stieg das Niveau nahezu von Minute zu Minute und ein Team nach dem anderen musste die Segel streichen. Neben überraschenden Niederlagen der arrogant auftretenden Belgier gegen das Team aus Bremen (35:41) oder des Teams aus Bonn gegen verblüffend stark spielende Mainzer (37:41) schafften es die späteren Finalisten aus Hannover und Paris recht souverän in das mit Spannung erwartete Endspiel.

Bevor es dazu kam, sorgten Live-Musik von „Blaze“ aus Frankfurt, der Auftritt eines Geigers, der zu Hip-Hop Beats spielte, ein beatboxender Zwölfjähriger sowie die Einlage der Opernsängerin Mona Burman für reichlich Abwechslung in der äußerst gut gefüllten Halle.
Während die Zuschauer aufgrund der Verletzung von Titelverteidiger Charly Dankwa auf den Dunking-Contest verzichten mussten, setzte sich im „One-on-One Battle“ der 20-jährige Kölner Joel Mondo recht überlegen durch und strich als Gewinn eine komplett neue Ausrüstung von Nike ein. Der Guard, der auch bereits einige Minuten für die 99ers BBL-Luft schnuppern durfte, war mit seiner Mischung aus starker Athletik und gefühlvollem Abschluss am Brett von niemandem aufzuhalten und schaltete im Finale mit „Sou-Sou“ einen weiteren Lokalmatador aus. In der Zwischenrunde hatte es beim „One-on-One Battle“ bereits einiges an Aufruhr gegeben, als es einem als „Super-Mario“ bezeichneten und spontan mitspielenden Zuschauer fast gelang, einen der gemeldeten Teilnehmer aus dem Rennen zu werfen. Der etwas beleibte Basketballfanatiker mit den hochgekrempelten Jeans sorgte mit einem Monsterblock sogar dafür, dass der Court gestürmt und das Spiel kurzzeitig unterbrochen werden musste.
Es war schon spät, als am Sonntagabend die Sirene zum Ende des GRC 2009 ertönte und sich auch die letzten Hartgesottenen aus der Abenteuerhalle schlichen, um den Heimweg anzutreten. Das Publikum war dabei mindestens so bunt gemischt, wie die Streetball-Szene hierzulande. Jon Mbimba sprach von „Menschen aus allen Ecken der Republik“ und traf den Nagel damit auf den Kopf. Der "Germany’s Reality Check" erinnerte über weite Strecken an ein großes, multikulturelles Fest und Familien mit kleinen Kindern mischten sich ebenso unter die Zuschauer wie die Bundesligaspieler Jay Thomas (Tübingen) und Raed Mostafa (Köln).
Für das kommende Jahr kündigte Mbimba Großes an. So wird nicht nur die Mannschaft aus Paris an den Rhein zurückkehren. Als Gradmesser für die besten Freiplatzspieler Deutschlands wird eine Mannschaft vom legendären Rucker Park aus New York eingeladen werden, dann wenn es wieder heißt: „Do or die“, beim besten Streetballturnier Deutschlands.




von Mbimba Jon 17.07.09 um 16:11:40
Diese Turnier wurde kalkuliert. Dedicated für alle Ballers und B-ball Fans... Die sollen Sehen und Fühlen und bekommen was sie verdienen. Die deutsche Street Szene hat jede Menge Skillz zu bieten. GRC 2006...2009...2010 und seine Zukunft ist der Beweis!!! Streetball lebt !!!
und kann nur funktioniere wenn der richtig
Mann dahinter steckt.
DO OR DIE
von flashbang 17.07.09 um 17:21:22
danke jon! du bist der beste, dass ist so ein geiles event dass du auf die beine stellst! keep it up!
von CRUNKALiSHEZ 18.07.09 um 16:19:38
Krasser Turnier. Alle die da waren hatten spaß . Teilnehmer, Spieler, Zuschauer, Helfer und MBiMBA sowieso. Wahrhscheinlich das beste Basketballturnier nicht nur rund um basketball , sondern auch im hip hop bereich mit der besten musik unterstrichen von dj.osun und und dj say whaat. egal dass der dunk contest nicht war die spiele waren spektakulär genug . Streetball steht langsam aus dem grab auf und deutschland fängt an zu realisieren basketball is mehr als nur ein ami-sport , er ist multikulturell , alle menschen alle länder frauen und männer kinder und erwachsene alle haben spaß fuer jeden was dabei . wer nicht da war hat sich selbst verarscht . GOOD JOB
von Mädschig 21.07.09 um 14:51:16
Na ja - ich fande es schon schade, dass mit Berlin und München zwei tolle Teams fehlten. Das Niveau war im letzten Jahr wesentlich höher. Dafür war die "Reizbarkeit" der player in deisem Jahr niedriger - "Fast-Schlägereien" müssen nun wirklich nicht sein.
Dass die angekündigten "Promi-BBaller" (Mithat, Misan und Steffen) fehlten, damit kann man leben, ebenso wie mit dem avisierten NBA-Star, gefreut hatte ich mich aber auf Guy Dupuy, der nun überhaupt nicht anwesend war.
Der one-o-one-Contest war gar nichts (entweder spielen performer oder aber player gegeneinander), schade um den dunk-contest und last, but not least: Beginn 11:00 Uhr heißt für mich eigentlich auch Start um 11:00 Uhr, und nicht (wie am Samstag) erst Einlass ab 12:40 Uhr und am Sonntag Beginn um 13:00 Uhr.
John - das kannst du besser!!!!
Bis zum nächsten Jahr......
von x-ecutioner 22.07.09 um 10:31:44
Wie gerne wäre ich hingefahren