Crossover Local

Mit viel Schwung in eine neue Ära

Am 10. Dezember 2011 wurde in Ulm die brandneue ratiopharm Arena eröffnet. Zum Auftakt feierten die Hausherren gegen Oldenburg einen deutlichen Erfolg. Crossover Local blickt hinter die Kulissen der neuen Heimspielstätte und erkennt eine neue Ära in der Donaustadt.

Von Patrick Ruess
 14.12.2011 |

Die neuen LED-Lichter erlöschen, augenblicklich wird es ruhig auf den Rängen ringsum das am Hallenboden ausgelegte Parkett. Die Spannung und die Vorfreude sind förmlich zu spüren, als auf den beiden Anzeigetafeln die ersten bewegten Bilder erscheinen. Zeitgleich startet eine aufwendige Inszenierung aus Laser- und Pyrotechnik, sowie der eigens dazu kreierten musikalischen Untermalung.

Die Eröffnungszeremonie, mit der ratiopharm Ulm am Samstag in ihre neue Spielstätte einzog, hatte durchaus etwas Epochales. Blickt man einmal auf die vergangenen Monate, so kann man die Spieleröffnung aber auch einfach als standesgemäßes Intro bezeichnen. Denn mit dem Umzug in die neue ratiopharm Arena fand am Wochenende ein vor Monaten eingeleiteter Umbruchprozess sein Ende. Ein Prozess, für den die Ulmer Geschäftsführung zu einigen Einschnitten bereit war.

Fast vergessen ist inzwischen der Trubel um die Trennung von Mike Taylor oder die Vertragsauflösung des langjährigen Team-Kapitäns Lee Humphrey.

In der Münsterstadt schaut man nicht mehr zurück, der Blick ist auf das Kommende gerichtet. Zu groß ist die Freude über die neue Heimat, zu groß die Euphorie über den erfolgreichen Saisonverlauf. Es hat wohl selten mehr Spaß gemacht, Ulm-Fan zu sein.

Großen Anteil an den jüngsten Errungenschaften hat Trainer Thorsten Leibenath. Wurde die Personalentscheidung zu Gunsten Leibenaths zu Saisonbeginn in der Liga noch belächelt, so sind die einstigen Skeptiker inzwischen vollständig verschwunden. Der gebürtige Leverkusener hat einen homogenen Kader zusammengestellt, der mit Teambasketball überzeugt. Jeder Spieler der Neuner-Rotation ist in der Lage, zweistellig zu punkten und hat dies in der laufenden Saison auch schon bewiesen.

Das ist eine Tiefe und Qualität, die es in Ulm so noch nicht gegeben hat und die selbstverständlich auch auf die besseren finanziellen Rahmenbedingungen zurückzuführen ist. Und doch: Mit Leibenath erhielten Begriffe wie „Auszeit“ oder „Defense“ eine andere Definition. Zudem gehört die eklatante Auswärtsschwäche (vier Siege, 30 Niederlagen in den vergangen zwei Spielzeiten) inzwischen der Vergangenheit an.

Thorsten Leibenath ist angekommen in Ulm, und Ulm ist angekommen in der Liga. Nun gilt es, den eingeschlagenen Weg auch in der neuen Halle konsequent weiterzuverfolgen. Die ratiopharm Arena ist Chance, Herausforderung, aber in erster Linie Notwendigkeit für den traditionsreichen Basketballstandort.

Mit der Aussicht auf die neue Spielstätte ließ sich der Saisonetat vorab von 1,8 auf 3,0 Millionen Euro steigern. Damit gehört man finanziell zwar weiterhin nicht zu den Schwergewichten der Liga, mittelfristig hat man aber nun zumindest die Perspektive, sich zu einem zu entwickeln. Sportlich sind die Schwaben ja derzeit bereits auf Augenhöhe mit den „ganz Großen“. Nachdem sich in den letzten Wochen heraus kristallisierte, dass ein Sieg zum Arenaauftakt gar keine allzu große Überraschung wäre, waren die Tickets innerhalb weniger Stunden vergriffen.

Selbst Sport1 ließ es sich dieses Event nicht entgehen und übertrug erstmals eine Begegnung aus Ulm.

Weder die Fans noch das Publikum vor den TV-Geräten oder die Verantwortlichen beim Münchner Privatsender selbst dürften beim gebotenen Spektakel enttäuscht gewesen sein. Die Gastgeber zeigten genau das Spiel, dass sie im bisherigen Saisonverlauf auszeichnete und so erfolgreich werden ließ: Ansehnlicher Teambasketball mit einem dominierenden John Bryant (20 Punkte, 15 Rebounds) unter den Körben und dem an diesem Abend ausgezeichnet aufgelegten Point-Guard-Duo, bestehend aus Tommy Mason-Griffin und Per Günther. Gerade Letzterer genoss die Partie sichtlich und relativierte dank einiger starker Aktionen in den ersten Minuten sicherlich den ein oder anderen glücklosen TV-Auftritt mit der Nationalmannschaft.

Der bisherige Ulmer-Topscorer Isaiah Swann hielt sich gegen die Oldenburger deutlich zurück und glänzte stattdessen mit sechs Assists. Die Punkte machten an diesem Abend andere.

Es läuft derzeit in Ulm. Dabei darf nicht vergessen werden, dass es sich beim derzeitigen Tabellenstand nur um eine Momentaufnahme handelt. Bei den Vergleichen in Berlin (23.12), Bonn (27.12), Braunschweig (30.12) und gegen München (4.1) wird sich schon in den nächsten Wochen zeigen, ob Orange auch weiterhin eine der Farben der Saison ist.

Des Weiteren gilt es, die ratiopharm Arena auch in den kommenden Monaten zu füllen. Das mag derzeit ein Selbstläufer sein, da sich der Nebel des Eröffnungsfeuerwerks gerade erst verzogen hat, doch der Ligaalltag hat bislang jedes Team wieder eingeholt.

Dass nicht jede neue Halle Garant für einen kometenhaften Aufschwung ist, lässt sich seit geraumer Zeit beim württembergischen Kontrahenten aus Ludwigsburg beobachten.

Schon am Samstag, wenn das Schlusslicht aus Göttingen im neuen Domizil antritt und man als haushoher Favorit in die Partie gehen wird, muss die Mannschaft um Kapitän Steve Esterkamp auch ohne Eröffnungsspektakel, Kuhberghallenabschiedstränen oder Derbyfieber zur Normalform finden.

Die Fans haben daran keine Zweifel. Die Partie ist nahezu ausverkauft. Ganz ohne Lasershow und Pyrotechnik gelingt es derzeit, rund 6.000 Zuschauer in den modernen Bau an der Neu-Ulmer Europastraße zu locken. So kann es bleiben, vielleicht ja sogar nicht nur bis zum 34. Spieltag.




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Kommentare

(1 Kommentar bisher)

von Marius1999 17.12.11 um 12:16:04


Hammer Halle!!!!!!!!!!!!!!!!
Die schönste der BBL.



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