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„Ich bin da hängen geblieben“

In dieser Saison gehen die Regensburg Baskets als Aufsteiger in der 2. Regionalliga Südost an den Start. CROSSOVER sprach mit Baskets-Coach Markus Höß über die bisherige Spielzeit sowie generell über Basketball in Regensburg und Ostbayern, Nachwuchsförderung an Schulen und das Basketball lehren sowie davon lernen.

Von Manuel Baraniak
 08.02.2012 |

Denkt man an Regensburg, mag einem zur Oberpfälzer Hauptstadt vielleicht zunächst die historische Altstadt einfallen, die von der der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt wurde und die Regensburg den Spitznamen „nördlichste Stadt Italiens“ eingebracht hat. Auch die Steinerne Brücke oder der Dom St. Peter mit seinen Domspatzen genießen überregionale Bekanntheit.

Beim Sport wird es mit Assoziationen zu Ratisbona schon schwieriger. Ob Fußball (SSV Jahn Regensburg), Eishockey (EV Regensburg) oder Handball (ESV 1927 Damen) – der Sport läuft oftmals auf Dritt-Liga-Ebene an. Immerhin weiß Regensburg mit den Buchbinder Legionären den Deutschen Meister der letzten beiden Jahre in seiner Stadt.

Erfolgreich ging es zuletzt auch für die Basketballer des TS Regensburg zu, wenn auch ein paar Ligen weiter tiefer. Sowohl die Damen- (in die Bayernliga) als auch die Herren-Mannschaft schafften in der vergangenen Saison den Aufstieg. Gelang den Regensburg Baskets zunächst sportlich nicht der Aufstieg, rückten sie später nach und gehen in dieser Saison in der 2. Regionalliga Südost, dort in der Nord-Staffel, an den Start. Neu an der Seitenlinie ist auch der Trainer, Markus Höß, der seit jeher aber in Regensburg und bei den Baskets verwurzelt ist.

Crossover: Schaut man sich deine Vita auf der Homepage der Regensburg Baskets an, kann man dort u.a. lesen, dass du derzeit Trainer der Ersten Herren- und Damen-Mannschaft bist. Du coachst die Uni-Auswahl und spielst selbst in der Zweiten Herrenmannschaft. Zudem hast du in den letzten Jahren zwei Bücher über Basketball veröffentlicht. Wie viel orangefarbenes Blut fließt durch deine Adern?

Markus Höß: Offensichtlich ziemlich viel. Ich bin da hängen geblieben. Ich hab’ relativ früh mit dem Coaching angefangen. Mein Trainer damals, der auch Abteilungsteiler bei Post/ Süd [Regensburg] war, hat einen Trainer für die Mädelsmannschaft gesucht und mich damals gefragt. Das hat mir Spaß gemacht und so bin ich dazugekommen. Irgendwie war jedes Jahr etwas Interessantes und Neues dabei gewesen. Mal Jungs, mal Damen. Dann kam das mit der Uni-Auswahl. Und ja, jetzt bin ich hängen geblieben (lacht). Ich kenn’ nichts anderes.

Apropos Herzblut. Wie viel mehr Zeit und Fleiß müsst ihr jetzt als Regionalligist aufwenden, auch im Vergleich zur Bayernliga?

Es ist schon einiges mehr. Die ganze Arbeit im Umfeld ist aufwendiger, weil es Vorgaben vom Verband gibt. Pressemeldungen, die Halle abnehmen. Jetzt dürfen wir nur noch in Königswiesen [Stadtteil Regensburgs, in der sich die Heimspielstätte der Baskets befindet, Anm. d. Red.] spielen, weil die anderen Hallen nicht die Auflagen erfüllen. Und natürlich ist es auch von der Spieltagsorganisation bedeutend mehr.

Gut, dann kommt natürlich hinzu: Auswärtsspiele. Vorher ging es nach Nördlingen, das war das weiteste, dorthin sind es etwa eineinhalb Stunden. Jetzt fährt man eben nach Gotha, Jena und Leipzig. Das ist schon mehr Aufwand. Für die Spieler ist es vom geistigen Aufwand bedeutend mehr. So ein bisschen freizeitmäßig zocken geht dann nicht. Klar, wir haben Spaß dabei, aber es ist doch ernsthafter.

Worin liegen für dich hauptsächlich die Unterschiede zwischen dem Basketball in der Bayernliga und der Regionalliga?

Ich finde es schon einen relativ großen Sprung. Das hat zum einen damit zu tun, dass wir nicht in die Süd-Liga gekommen sind, in der viele Freizeit-Teams sind, die am Wochenende einfach in ihrer S-Bahn-Liga, heißt es immer so schön, spielen. [In der Nord-Gruppe] ist das Niveau schon ein wenig größer. Viele von den Nord-Teams haben ein paar Pro-Teams oder haben Jugendnationalspieler oder ehemalige Bundesligaspieler. Das ist schon ein großer Unterschied.

Ich denke, der größte Unterschied ist, dass du in der Oberliga vor dich hin spielst, du kannst gut oder schlecht sein. Wenn es dann zur Sache geht, in der Crunchtime, du fünf gute Spieler auf dem Feld hast und einfach zusammenspielst, dann geht das schon. Und jetzt ist es genau anders. Wenn du drei, vier schlechte Minuten hast, dann kannst du das Spiel eigentlich abschreiben. Das ist eigentlich der Hauptpunkt. Dass du einfach konstant auf dem Level spielen musst.

Du hast die Reisestrapazen angesprochen. Ich habe es einmal ausgerechnet. Nach Jena fahrt ihr einfach 283 Kilometer, nach Leipzig 335, nach Gotha 311. Wie sehr schlaucht das eigentlich?

Es ist besser, als ich erwartet hatte. Wir haben einen Sponsor gefunden, der uns einen Busfahrer stellt, wir fahren mit einem Reisebus, was schon Luxus ist. Aber anders geht das auch gar nicht. Gerade das Spiel in der Hinrunde, in Gotha auswärts, das war schon was anderes. Da kommst du an und fühlst dich ganz anders, als wenn du mit dem Auto fahren würdest, gerade für die großen Center. Es ist gewöhnungsbedürftig, aber inzwischen zur Routine geworden. Aber das mit dem Bus ist echt ne super Sache.

Zur aktuellen Situation: Ihr habt die letzten sechs Saisonspiele verloren, liegt jetzt auf dem vorletzten Tabellenplatz [nach dem Interview kamen zwei weitere Niederlagen hinzu, die die Baskets auf den letzten Platz brachten]. Bei den letzten vier Niederlagen fällt auf, dass ihr eigentlich über drei Viertel auf Augenhöhe seid, aber immer ein Viertel dabei hattet, das ihr klar abgeben musstet. Woran liegt das?

Das muss man unterscheiden. Es gibt die Phase vor Weihnachten. Und es gibt die paar Spiele jetzt. In der Phase vor Weihnachten hatten wir öfter große Probleme, weil wir eben Verletzungssorgen hatten. Und wir haben einfach auf Grund unserer Herkunft nicht die Tiefe auf der Bank, dass wir zwei, drei gute Leute so einfach ersetzen können. Wenn ich Leute, die Leistung bringen, eine Pause gebe, dann kann man mit der Bank das Niveau oftmals nicht halten. Dann ist es zwangsläufig so, dass wir gute und schlechtere Phasen haben. Die Stimmung vor Weihnachten war auch etwas geknickter auf Grund der Verletzung unseres Spielmachers. Das war ziemlich schlimm. [Peter Sohn wird in der Saison nicht mehr zum Einsatz kommen, nachdem ihn die Kniescheibe herausgesprungen war.] Dann kam auch noch der Druck dazu, weil man gegen Gegner spielt, die man eigentlich schlagen sollte. Und wenn man junge Spieler hat, die kennen diese Situation nicht.

Jetzt in der Rückrunde hatten wir zwei sehr starke Gegner, mit dem Ersten und dem Zweiten. Wir haben lange mitgehalten. Es ist dann einfach die Erfahrenheit dieser Mannschaften ausschlaggebend, mit der wir noch nicht mitgehen können. Aber ich sehe durchaus eine Entwicklung. Wir haben gegen Bayreuth am Anfang Minuten gehabt, wo wir schlecht waren, dann haben wir uns wieder herangekämpft. Gegen Würzburg haben wir von Anfang an dagegen gehalten. Da waren dann die letzten fünf Minuten eher schlecht. Aber das sind jetzt beide keine Gegner, bei denen ich erwarte, dass wir gewinnen. Wenn es klappt, ist es schön, so wie gegen Nürnberg. Wichtig für mich ist, dass wir besser werden, lernen, uns weiter entwickeln, Teamplay zeigen, weniger Fehler machen oder Fehler, die wir gemacht haben, abstellen, und dann wird das schon.

Auf der anderen Seite: Zeigt dir das auch, wie gut ihr eigentlich auch mit den Top-Teams mithalten könnt? Trotz der Niederlagen kann man dann doch einiges Positives herausziehen.

Ja, sicherlich, aber es hilft nur bloß immer nichts, weil es am Ende keine Punkte bringt. Aber ich muss sagen: Wenn ich die Mannschaft sehe, wie sie letztes Jahr gespielt hat und jetzt spielt, von der Konstanz her, von den Spielentscheidungen einfach und vom geistigen Level her, da haben wir einen riesigen Schritt nach vorne gemacht. Durch die Bank, alle Spieler. Dann kann man mit dem Erreichten durchaus zufrieden sein. Wir haben relativ früh drei Siege eingefahren, die uns so keiner zugetraut hätte.



Wenn du den Saisonbeginn mit dem jetzigen Stand vergleichst, wo siehst du die größten Verbesserungen, die deine Mannschaft gemacht hat?

Ich als Trainer lege Wert auf intelligente Spielweise. Das ist mir wichtig, weil ich denke, dass Spieler daran nachhaltig lernen. Wenn man die Entwicklung sieht, vom letzten Jahr, der Vorbereitung und dem Anfang der Saison, bis jetzt, merkt man, dass die Jungs sich verbessert haben. Ein ganz großer Punkt ist auch die Einbindung der Center. Johannes Wießnet hat zwar letztes Jahr schon gut gespielt, wird jetzt aber noch besser in das Spiel eingebunden.

Wir spielen immer dann gut, wenn der Jojo [Johannes Wießnet] gut ist oder wenn überhaupt unsere Center ins Spiel eingebunden sind. Und natürlich auch Konstanz. Bestes Beispiel ist eigentlich das Spiel gegen Würzburg in der Hinrunde und das Spiel jetzt. Wir sind nach Würzburg gefahren, die haben uns mit einer Defense zu gehustlet, das war für alle überraschend. Für mich weniger, aber für die Jungs. Dann hast du einfach nicht die Ruhe, gute Pässe zu spielen, du machst Turnovers. Dann haben wir haben wir fast mit 50 verloren. Und jetzt sind wir selbst hart, spielen selbst eine aggressive Defense. Und dann kann man auch in der Offense wieder bessere Entscheidungen treffen.

An was für Dinge müsst ihr hauptsächlich noch arbeiten?

Wir spielen sehr emotional. Wir spielen eine sehr gute Verteidigung. Wenn wir mit Herz dabei sind, dann können wir es. Aber das zeigt sich dann auch in der Offense wieder. Wir spielen sehr impulsiv. Wir schmeißen dann auch oft die Bälle weg, weil wir dann auch einfach die tolle Aktion machen wollen. In der Transition, beim Tempowechsel, bei Entscheidungen wie ,Wann mach ich schnell, wann mach ich langsam? Kann ich in einer bestimmten Phase etwas riskieren oder nicht?’ Aber ich kann es verstehen, wenn man ein junges Team hat, das denkt, da geht jetzt was, dass man dann risikofreudige Sachen macht, aber das darf man eben nicht immer. Da kann man noch viel lernen.

Clevere und schöne Spielweise wie beispielsweise die Litauer, die dann noch mal den Extrapass spielen und wenn die Aktion wirklich ganz frei ist, das zu sehen und umzusetzen, das wäre natürlich so eine Sache, die einen Trainer immer erfreut. (lacht) Und nicht mit brachialen Gewalt den Korb erzwingen.

Ich denke, hauptsächlich schon Kopfsachen, von den Fertigkeiten sind wir gar nicht so schlecht. Wir sind eben insgesamt relativ klein aufgestellt, gerade auch auf den Außenpositionen. Wenn ich mir Jena beispielsweise anschaue, die laufen mit einer Starting Five mit vielen Spielern über zwei Meter auf, und der Aufbau ist 1,90 Meter. Der größte ist 2,11 Meter. Aber gut, die Jungs sind so, wie sie sind, da kann man nichts ändern.

Als Trainer mag man es vielleicht nicht so gerne, einen einzelnen Spieler herauszugreifen, aber lass uns kurz über Johannes Wießnet sprechen. Er ist euer Topscorer mit 16 Punkten, das mit gerade einmal 21 Jahren. Lange Zeit war er der einzige Big Man, was eine Herausforderung war und ist, wenn man sich die Konkurrenz in der Liga ansieht. Wie siehst du seine Entwicklung?

Jojo hat einen großen Sprung gemacht. Überhaupt was die physische Präsenz betrifft. Wie er in die Zweikämpfe reingeht. Ich glaube, sehr lehrreich war es, gegen Heuchelhof Würzburg gegen Lars Buss [früher beim MBC, bei den s.oliver Baskets] zu spielen, da hat er zwei Punkte gemacht. Durch zwei Freiwürfe, und sonst hat ihm der alte Mann keine Aktion gegeben. Und ich glaube, das hat ihn schon ein bisschen gewurmt und er hat über sein Spiel nachgedacht. Er spielt jetzt intelligenter. Letztes Jahr in der Oberliga war er fast immer überlegen, da konnte er einfach ein wenig mit der Schulter rein, durch gehen und schon war die Aktion da. Das geht jetzt halt nicht so einfach. Und trotzdem hat er aber seinen Schnitt verbessert. Was zum einen daran liegt, dass das Team besser für ihn spielt und er öfter den Ball bekommt. Man merkt auch, dass es für das Team wichtig ist, wenn er drauf ist, weil er einfach in der Defensive und in der Helpside sehr präsent ist, das macht schon den Unterschied, ob er auf dem Feld steht oder nicht.

Auf dem Feld stand bei den Regensburgern oftmals nicht der komplette Kader. Neben Jan Sauer, einem der wenigen Big Men, und Thomas Gajzur, dem drittbesten Punktesammler, fiel auch Spielmacher Peter Sohn aus, dessen verletzungsbedingtes Saisonende schwer wiegt.

War es auf Grund der Verletzungen notwendig, mit Daniel und Tobias Waldhauer zwei Nachverpflichtungen zu tätigen? Oder habt ihr auch gemerkt, dass ihr als Regionalligaaufsteiger einfach nachbessern müsst? Die beiden kommen ja aus Weiden und haben Erste Regionalliga-Erfahrung.

Es war nicht so, dass wir gezielt gesucht haben. Es hat sich einfach so ergeben. Unser Abteilungsleiter Alex Ziegler und ich kennen die Jungs schon ewig, ich habe sie in Weiden schon trainiert. Die Konstellation war günstig, Tobias wohnt eh in Regensburg und studiert hier. Daniel hat eine Veränderung gesucht, und so sind beide auf uns zugekommen. Alle kannten sich mehr oder weniger. Die Voraussetzungen waren einfach sehr günstig. Dann gab es paar persönliche Probleme, weil ihr Vater gestorben ist, ansonsten wäre die Sache wohl zwei oder drei Wochen eher über die Bühne gegangen.

Sie passen einfach gut ins Team. Du sprichst die Erfahrung an, das sind zwei Jungs, die fünf Jahre Erfahrung in der 1. Regionalliga haben. Das hilft uns sicherlich. Speziell Daniel, der war ja auch Kapitän in Weiden, er besitzt einfach eine Präsenz, das merkt man auch im Training, er macht das Team einfach besser. Wichtig für uns ist, dass wir Spieler mit Ausstrahlung haben. Ich glaube auch, dass Tobi uns noch sehr viel weiterhelfen wird, er muss noch ein wenig Selbstvertrauen tanken. Er bekam in Weiden andere Aufgaben.

Welche Aufgaben erfüllt er denn bei euch?

Den Tobias habe ich als 15-/16-Jährigen trainiert. Er hat in der Oberliga mit rund sieben Punkten im Schnitt angefangen und hat mit 25, 30 Punkten aufgehört. Ich weiß, dass er scoren kann. Das hat er auch schon unter Beweis gestellt. In einem Freundschaftsspiel hat er vier Dreier getroffen; in einem Spiel vier von vier – er kann’s. Aber nicht als erste Option. Er schaut erst auf den Pass, was nicht schlecht ist. Wenn er aber gefährlich ist, dann hilft es auch den Großen wieder, weil die Gegenspieler nicht so weit zum Korb absinken können. Aber er ist noch jung, und wird ein guter Spieler. Und er hat für sein junges Alter auch schon sehr viel Erfahrung.

Wie zuversichtlich bist du, dass ihr – auch mit den beiden Neuzugängen – den Klassenerhalt schafft? [Mittlerweile haben die Baskets noch einmal nachgebessert und mit Michael Urban einen weiteren Spieler mit Erfahrung aus der 1. Regionalliga geholt sowie Julian Larsson verpflichtet.]

Ich habe eigentlich nie Bedenken gehabt und habe sie auch weiterhin nicht, dass wir den Klassenerhalt nicht schaffen. Das liegt zum einen daran, dass ich überzeugt bin von dem, was wir machen, wie auch von der Arbeit im Umfeld. Wir machen definitiv Schritte nach vorne, auch wenn die Phase vor Weihnachten nicht so gut lief. Wir halten gegen die starken Gegner ganz gut mit und sind auch nah dran, solche Spiele zu gewinnen. Gegen Bamberg, die in der Liga nicht schlecht da stehen, haben wir gewonnen. Gegen Teams aus der unteren Tabellenregion haben wir immer die Chance gehabt zu siegen. Wenn man sich die Spiele der anderen unteren Mannschaften anschaut, kann man relativ klar vorhersehen, wer verliert und wer gewinnt. Dass diese Mannschaften mal einen Ausreißer haben und beispielsweise mal den Dritten schlagen, das gibt es eigentlich nicht. Das stimmt mich auch zuversichtlich.

Wie wichtig wäre es auch für den Basketball in Regensburg, dass ihr in der Regionalliga bleibt und euch mittelfristig dort vielleicht auch etablieren könnt?

Es sind mehrere Sachen: Zum einen ist es wichtig, weil wir bei unseren Heimspielen viele Teams aus der nähren Umgebung anziehen. Das finde ich gut, und das glaube ich hilft auch den Spielern, die sich die Partien anschauen, dass sie auch mal höherklassigen Basketball sehen. Wenn Regensburg eine Regionalligamannschaft hat, dann verliert sich doch mal ein Student hier her, wo er sagt, er kann auch hier Regionalliga spielen. Ich hege die Hoffnung, dass wenn wir zwei, drei Jahre in der Regionalliga spielen, doch mal was nach Regensburg kommt. Das ist auch ein Punkt, mit dem wir in der Arbeit im Verein längerfristig planen. Es ist natürlich schade, dass das Derby mit Tegernheim wegfällt, weil es immer ein regionaler Zuschauermagnet ist. Andererseits ist es ganz gut, wie es jetzt ist.

Vielleicht rückt Tegernheim ja nach.

Ja, einerseits das, andererseits ergeben sich vielleicht Symbiosemöglichkeiten, wenn man eben nicht in der gleichen Liga spielt.

Wenn man sich mal eine Karte Bayerns mit den Basketballvereinen bis zur 2. Regionalliga ansieht, stellt Ostbayern doch einen recht weißen Fleck dar. Die COOCOON Baskets Weiden spielen in der 1. Regionalliga; die Baskets Vilsbiburg ebenso. Dann kommt ihr als 2. Regionalligist. Was denkst du sind die Gründe, warum Basketball in der Oberpfalz bzw. in Ostbayern im Vergleich hinterher hinkt? Liegt das einfach an der starken Konkurrenz aus Oberfranken und München?

Die Erklärung, warum in der Oberpfalz so ein Loch ist, ist relativ einfach, was einfach an der Struktur in der Region liegt. Wenn man sich unsere Jugendligen ansieht, da fährt man bei Auswärtsspielen schon so 100 Kilometer. Du fährst nach Tirschenreuth, nach Weiden, nach Neustadt/ Waldnaab, nach Neumarkt, das sind einfach Abstände, die den ganzen Sport sehr aufwendig machen. Zeitgleich ist es so, dass es nicht so viele Vereine gibt. Früher gab es noch vier, fünf Vereine alleine in Regensburg, inzwischen zweieinhalb, sage ich mal, weil die DJK auch nicht mehr das ist, was sie mal war. Die Anzahl der Sportler zu finden, die den Sport attraktiv machen, ist halt sehr schwierig. Und wenn auch hinzukommt, dass sie sehr spät anfangen, wie zum Beispiel im Vergleich mit Spielern in Bamberg, dann fehlt dir einfach viel in der Entwicklungsphase. Das ist der Hauptgrund, warum Basketball hier in der Region nicht so hochklassig ist.

In der Zukunft wird man sicherlich einiges machen, um weiter zu kommen. Der DBB regt ja beispielsweise die Schulkonzepte an, wir sind da auch sehr aktiv. Ich denke, das ist der richtige Weg, um den Sport einfach interessant zu machen. Ich habe selbst früher viele Schulaktionen gemacht oder Schnuppertrainings. Es scheitert oft an der Masse der Übungsleiter. Basketball lebt halt stark vom Ehrenamt. Wir sind noch nicht so weit, dass wir sagen können, wir zahlen einem Jugendtrainer 15 Euro die Stunde, wie es in Bamberg ist. Du siehst, ich vergleiche uns trotzdem oft mit Bamberg (lacht). Aber gut, wenn man mal zehn Jahre weiterdenkt, wir sind auf Grund dieser Weite in einer interessanten Lage, weil wir sind zwischen München und Bamberg, die die zwei Großen sind bzw. werden, wir liegen genau in der Mitte, und der Kontakt zu Bamberg ist da, München ist auch nicht so weit, ich denke, wir können da durchaus profitieren, von dem Know-how. Bamberg macht ja auch immer Veranstaltungen, wie Trainerfortbildung, Konzepte, wie man an Leute rangeht, in die Schulen geht usw. Warum nicht von anderen lernen.

Du hast es angesprochen, ihr tut als Verein auch was für die Nachwuchsförderung. Ihr arbeitet seit mehreren Jahren mit ein paar Schulen zusammen im Zuge von Schul-AGs. Wie läuft die Arbeit hierbei ab?

Die SAGs laufen in der Regel einmal die Woche ab und manche von den Schülern kommen noch ins Basketballtraining zu uns. Das ist ja auch der Sinn, dass man Nachwuchs gewinnt. Es ist eben einfach Breitensportarbeit. Man kommt aber auch gut in die Schulen rein. Ich habe festgestellt, dass die Schulen immer sehr dankbar sind, gerade, wenn sie Sport- oder Projekttage machen. Letztes Jahr war beispielsweise in der Königswiesener Dreifachturnhalle von der Grundschule ein großes Sportfest, da haben wir einen Schnuppertag angeboten. Kurz danach haben wir noch mit Sebastian Böhnlein, dem Schulbeauftragten des Bayerischen Basketballverbandes, eine Aktion gestartet, und mit allen vierten Klassen der Schule ein Training gemacht. Das kommt sehr gut an. Die sind dankbar. Die Eltern finden es auch gut.

Ich habe festgestellt, dass leider viele Lehrer Basketball scheuen, weil sie merken, dass sie nicht so viel Ahnung haben, weil es einfach eine komplexe Sportart ist, von den Regeln her. Es scheitert oftmals nicht an den Schülern. Aber das ist dann auch ein Zeichen nicht nur für uns, sondern generell für Vereine, da mehr mit Lehrerfortbildungen ran zu gehen und Basketball zu vermitteln.

Seit 2008 hat der TS Regensburg mit Alexander Ziegler einen neuen Abteilungsleiter. Beim Sparkassen-Bürgerpreis 2011 wurde er für seine ehrenamtlichen Verdienste in der Kategorie „Sportprojekte“ nominiert [zum Bericht des Regionalsenders TVA] und von den Lesern beim Internetvoting auf Platz zwei gewählt. Was hat sich seit seiner Ankunft beim TS Regensburg gebessert?

Wir haben ihm viel zu verdanken. Vielleicht zu den Anfängen: Wir hatten relativ alte Funktionäre vorher, weswegen es ein wenig festgefahren war. Die haben es so gemacht, wie es gemacht wurde, was okay ist. Mit Alex und mir dazu, und damals auch dem Kevin [Decker] oder anderen, haben mehrere junge Leute zusammengefunden und sich nicht mit der Situation zufrieden gegeben. Wir wollten einfach was machen. Kevin und ich haben unsere Coaching-Erfahrung eingebracht, und Alex ist ein organisatorisches Talent, und hat gesagt, er macht die Abteilungsleitung. Ja, und das macht er sehr gut. In der kurzen Zeit hat sich viel bewegt. Nicht nur, in welcher Liga wir jetzt spielen, sondern auch vom Umfeld, die ganze Organisation, da hat sich viel bewegt. Das ist super.

Seit 2006/07 bist du Trainer der Uni-Auswahl Regensburgs. Davor bist du als Spieler zweimal 2. Bayerischer Meister geworden. Wie sieht deine Arbeit dort aus? Aus Spielern welcher Mannschaften setzt sich das Team zusammen?

Die meisten Spieler kommen aus der Region, die kenne ich vorher schon. Es gibt einige Spieler, die aus Neustadt kommen und dort in der Oberliga spielen. Dann gibt es den Kreis aus Regensburg und Tegernheim. Und ein paar, die aus der Region um Landshut, Wolznach sind. Es ist eigentlich eher unspektakulär. Für die Uni-Meisterschaft trainieren wir meist nach der Saison, weil die meisten eh unterwegs sind mit ihren Vereinen. Dann wird aus maximal zehn, zwölf Trainings die Mannschaft gebildet. Ab und zu kommen noch ein paar Externe, die erst nach Regensburg gekommen sind oder welche, die gute Zocker sind, aber nicht im Verein spielen, das gibt es auch ab und zu.

Also steht der Spaß schon im Vordergrund?

Ich versuche immer den Spaß in den Vordergrund zu stellen, auch wenn man natürlich versucht, seine Ziele zu erreichen. Für die meisten macht es auch einfach Spaß, gegen gute Gegner zu spielen, weil in Würzburg oder Bamberg laufen Spieler von der Regionalliga- bis zur 2. Bundesliga auf. Wenn dann was geht, ist es immer cool. Einmal, 2003, haben wir es geschafft, zur Deutschen Meisterschaft zu fahren, das war der größte Erfolg, damals war Kevin [Decker] noch Trainer, ich war als Spieler dabei. Aber das war auch unerwartet. Bei Bayreuth war vor zwei Jahre mehr oder weniger das komplette Zweitligateam dabei.



Von der Hochschule auf den Freiplatz. Mir ist in Regensburg schon öfter aufgefallen, wie basketballunfreundlich manche Freiplätze eigentlich sind. Ob auf Kies oder auf Rasen, dort lässt sich kaum spielen. Zumindest einen Platz an der Hermann-Geib-Straße beim Jugendzentrum gibt es, der einen Asphaltboden und zwei Körbe hat. Gibt es in Regensburg überhaupt so etwas wie eine Streetball-Szene oder kann man davon nicht sprechen?

Ich bin da nicht so involviert, weil ich eher den strukturierten Basketball bevorzuge (schmunzelt), aber es gibt schon ein paar Leute, und ich werde auch häufiger angesprochen, ob es so was gibt und wo. Es gäbe eigentlich genug Freiplätze, weil fast jede Schule einen hat, aber die Stadt Regensburg mag es einfach nicht, wenn man dort spielt. Es gibt einen Platz in Königsweisen, auf den fast immer Leute spielen, teilweise jetzt, wenn es nur einigermaßen trocken ist. Aber ich glaube nicht, dass man jetzt im Vergleich zu den großen Städten von einer „Szene“ in dem Sinn sprechen kann.

Zu Beginn habe ich angesprochen, dass du zwei Bücher veröffentlicht hast. 2009 „Grundlegende Elemente des modernen Basketball“, in dem du die effizientesten Übungen und Übungsreihen, sowie diverse Technikbeschreibungen beschreibst, vom Einzelspieler zur Mannschaft. 2011 „Building the 4 out - 1 in - Motion Offense“. Dort ist eine Offensivstrategie Grundlage. Wie kam die Entscheidung, Bücher zu schreiben?

Zum ersten Buch kam es so: Wir haben in einer Sitzung mit dem Alex und Kevin mal festgelegt, dss man eigentlich einem Trainer oder Jugendtrainer, der bei uns anfängt, eine Mannschaft zu trainieren, ein Buch in die Hand geben sollte. Ein Konzept vom Verein, was erwarten wird, was er können sollte, wenn er den Weg durch den Verein geht. Das kommt weitestgehend aus der Auswahlzeit von Kevin und mir [bis zur letzten Saison war Höß u.a. Auswahltrainer des Bezirks Oberpfalz], als wir viel unterwegs waren, auf Trainerfortbildungen. Du lernst dort einige Leute kennen und siehst, was beispielsweise ein [Holger] Geschwindner macht. Dann habe ich mal gedacht, unabhängig vom Verein, jetzt setzt du dich mal hin und schreibst, was du zu dem Zeitpunkt für dich persönlich für effektiv und wirksam erachtet hast, sammelst deine Erfahrungen und machst einfach mal ein Heft draus. So ist das erste Buch entstanden.

Ging es dir dann hauptsächlich darum, deine Erfahrungen weiterzugeben? Vor allem innerhalb des Vereins und gegenüber deinem Umfeld?

Ja, sicherlich, regional. Ich es habe nicht groß verlegt. Wenn dann noch Bedarf bestand, habe ich es noch nachgedruckt. Es ging auch darum, sich Gedanken in der Trainingsgestaltung zu machen. Bei einigen Trainern, die ich kenne, ist es oft so, dass sie mehr Betreuer sind. Sie führen dann Übungen durch, ohne sich wirklich Gedanken zu machen, was der Sinn dahinter ist. Ich habe einfach Übungen zusammengefasst und worauf Wert zu legen ist, was die Übung lehrt. Einfach, um dem Trainer etwas an die Hand zu geben. Als Spieler kann man sich immer etwas holen, aber als Trainer etwas zu holen, ist schwierig. Am meisten lernt man durchs selber machen, durch das selber lehren lernt man auch selbst am meisten.

Das zweite Buch kam aus der taktischen Geschichte, weil ich ein sehr großer Fan von Taktik bin (lacht), vom strukturierten Basketball. Ich hatte mich mit einem befreundeten Trainer unterhalten und mir Gedanken gemacht. Das Konzept ist auch das, das wir in der Regionalliga spielen.

Du warst bei den Coach Clinics u.a. in Bamberg und Hamburg. Dabei hast du auch einen Holger Geschwindner, einen Dirk Bauermann oder Ettore Messina getroffen. Was können die einem mitgeben?

Ich finde es immer interessant zu sehen, wie die Philosophie mancher Leute ist. Wie sind deren Emotionen und Ausstrahlung, wie wirken sie auf andere Leute. Das ist für mich immer das Interessante. Und dann kommt es natürlich darauf an, wie die Art und Weise ist, wie sie Basketball spielen lassen. Ich weiß nicht, ob man das in Deutschland sagen kann, aber ich bin überhaupt kein Fan von Bauermann.

Es folgte ein kurzes Gespräch über Bauermann, seiner Zeit als Bundstrainer und aktuell beim FC Bayern München und deren Spielweise im Vergleich zu anderen BBL-Clubs.

Ich finde beispielsweise die litauische Spielweise interessant, wie die Griechen spielen, wie Italien damals in der Kölnarena die Amis fertig gemacht hat. Einfach über 24 Sekunden den Ball laufen lassen, einen Extrapass mehr. Das zeugt von Spielintelligenz.

Was ich immer gut finde ist, dass man bei Trainerfortbildungen von Trainern einfach eine ganz andere Sicht der Dinge bekommt. Es gibt einfach Sachen, die regional bezogen sehr häufig vorkommen. Für Bamberg ist es beispielsweise typisch, eine aggressive Defense zu spielen. Es gibt andere Regionen, in denen eine ganz andere Art von Basketball gespielt wird. Und dadurch, dass du aus der ganzen Welt die Trainer zusammen bringst, siehst du einfach die Dinge ganz anders. Du fängst an, wieder über Sachen nachzudenken, die du für dich einfach als selbstverständlich erachtest. Und reflektierst dann ,ja, warum mache ich das eigentlich so? Wäre es vielleicht besser, es anders zu machen?’ Und dabei lernt man. Das finde ich das Beste an den Trainerfortbildungen. Und dass man Leute kennen lernt aus anderen Regionen, das mit ihnen teilt und bespricht.


[Homepage der Regensburg Baskets]

TV-Berichte über die Spiele der Baskets auf TVA:

3. Spieltag: Baskets gegen TSV Breitengüßbach 3 69:61
5. Spieltag: Baskets gegen Nürnberger BC 2 79:74
12. Spieltag: Baskets gegen TG Würzburg Baskets 62:77
2. Spieltag: Baskets gegen BIG OETTINGER Rockets Gotha 2 80:91




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von Crossover 30.05.2012 um 09:22:31


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