Germany's Reality Check 2010
GRC - mein persönlicher Rückblick
„Germany’s Reality Check“ 2010 – für mich das erste Mal, dass ich es nach Köln geschafft habe, um die sechste Ausgabe des besten deutschen Streetball-Turniers live mitzuerleben. Seit Wochen stand für mich bereits fest: Dieses Jahr willst du in den Abenteuerhallen von Köln-Kalk dabei sein, wenn sich die Elite der deutschen und europäischen Streetballer miteinander misst.
Von Christian Gerne |
20.07.2010 | |
Doch wie es im Leben manchmal so kommt, musste ich den Samstag aufgrund von einer Hochschulvorlesung leider sausen lassen. So traf ich erst am späten Samstagabend ein, als der erste Turniertag schon vorbei war.
Am nächsten Morgen führte mich mein Weg schon früh in Richtung Christian-Sünner-Straße, wo die Veranstaltung seit sechs Jahren gastiert. Lustigerweise lernte ich am Eingang gleich Jon Mbimba, den Organisator des Turniers kennen, der die ersten Spieler und Gäste, die schon zwei Stunden vor Beginn den Weg in die Halle gefunden hatten, persönlich begrüßte.
Mein erster Plan lautete, erst einmal die Location zu inspizieren. Ich glaube für ein Streetball-Turnier gibt es keine bessere Halle als die Abenteuerhalle in Kalk. Alles wirkte authentisch, die Linien nicht zu hundert Prozent gerade, die Zuschauerplätze direkt am Spielfeldrand und jede Menge Kids und Spieler, die sich bereits auf den Körben in der Halle austobten. Dazu auf einer Empore ein fettes DJ-Pult, von dem später mehrere DJs für die richtige Stimmung sorgen sollten.
Begeistert war ich auch von den Preisen. Vor allem Leute mit kleinem Geldbeutel kamen hier auf ihre Kosten. Softdrinks kosteten gerade mal einen Euro und auch 2,50 Euro für einen Burger waren durchaus gut investiert. Selbiges galt auch für die T-Shirts und Jerseys, die es am Eingang zu kaufen gab. Leider waren die Preise in diesem Fall so fair, dass bereits am ersten Tag viele Größen ausverkauft waren. Pech für alle, die wie ich erst am zweiten Tag vorbeischauten. Aber hey, auch Größe 3XL wird mir schon irgendwie passen.
Dann ging es auch schon los: Die erste Partie lautete Düsseldorf gegen Lille. Gerade von den Franzosen erwartete ich mir aufgrund ihres Rufs als extrem begabte Straßenbasketballer so einiges. Leider bestach das erste Spiel des Tages jedoch hauptsächlich durch zwei überforderte Unparteiische, teils unnötige Härte und wenig schönen Spielfluss. Es wurde leider von beiden Teams mehr diskutiert als gespielt, was auch bei den Zuschauern nur mäßig für Begeisterung sorgte.
Besser war da schon die Partie des Team USA gegen die Mannschaft aus Frankfurt. Auch wenn es hier manchmal deftiger zur Sache ging, es war ein durchweg kurzweiliges Spiel, welches auch die Zuschauer deutlich mehr begeisterte als die erste Partie.
Mit den Teams aus Rumänien und Belgien, standen sich in der dritten Begegnung, laut meinen Crossover-Kollegen, schon zwei der besseren Teams des Vortages gegenüber. Vor allem die Rumänen, die körperlich nicht wie die anderen Teams wirkten, hatten bereits am Vortag durch eine geschlossene Mannschaftsleistung begeistert. Mit ihrem talentierten Aufbauspieler Daniel Popescu hatten sie aber eine Geheimwaffe in ihren Reihen. Während sein Wurf eher durchschnittlich war, konnte der Guard hauptsächlich durch seine schnellen Antritte, seine Spielübersicht und einige sehenswerte „Zuckerpässe“ auf seine Mitspieler überzeugen.
Das bekam auch das Team aus Belgien zu spüren. Anstatt ihr durchaus erkennbares Potenzial auf dem Court voll auszuschöpfen, war die Equipe die meiste Zeit damit beschäftigt, ihr Testosteron zu versprühen. Die Belgier zeigten nur phasenweise ihr Talent und fielen mehr durch grobe Unsportlichkeiten als durch schönen Basketball auf. Da wurden Gegenspieler hochgehoben wie beim Ringen oder den Centern bei Freiwürfen in den Bauch oder die Genitalien gehauen. Alles in allem keine gute Werbung für den Sport.
Jon Mbimba, der mit seinem Mikro immer um und am Court war, hatte die Lage jedoch super im Griff und versuchte die aufgebrachten Gemüter stets zu beruhigen. Klappte dies mal nicht, reichte ein kurzes „Security“ ins Mikrofon und schon sorgten einige gut durchtrainierte Herren für den nötigen Abstand zwischen den Beteiligten. Das Team aus Bukarest gewann die Partie jedenfalls in der Verlängerung, wofür ihnen zurecht die Sympathien der Zuschauer zuflogen, denen ein weiteres Auftreten der Belgier erspart blieb.
Im letzten Viertelfinale setzte sich dann wie erwartet das Team aus Paris gegen die Truppe aus Nürnberg durch. Auch dieses Spiel verkörperte Gott sei dank wieder Härte und Fairness und konnte den schlechten Eindruck, den das Spiel zuvor hinterlassen hatte, wieder wettmachen.
Die Halbfinalbegegnungen waren beide durchaus spannend, aber ich will sie trotzdem nicht weiter kommentieren, denn dazu gibt es ja einen separaten GRC-Rückblick.
Für mich und die meisten Zuschauer war das Highlight des Tages sicherlich der Dunk-Contest mit Guy Dupuy, der von manchen als der beste Dunker der Welt bezeichnet wird. Nach seiner Show habe ich mich dieser Meinung übrigens uneingeschränkt angeschlossen. OK, zugegeben, der Wettbewerb war relativ einseitig. Die ersten zwei Herausforderer zeigten eher eine mäßige Leistung, wobei ich zu ihrer Verteidigung sagen muss, dass sie morgens beim Aufwärmen ihre Bälle deutlich souveräner einnetzten. Lediglich Joseph, der das Team aus Lille begleitete, konnte das Publikum noch ansatzweise begeistern Die große Bühne gehörte jedoch Guy Dupuy, der mit seinem „Between-the-legs-Dunk“ über zwei Leute die Halle zum toben brachte. Selbst Moderator Amias und Jon lagen ihm am Ende wortwörtlich zu Füßen.
Apropos Jon: Ich muss schon sagen, auch wenn ich ihn nur kurz kennengelernt habe, dieser Mann hat meinen Respekt verdient. Nicht nur für das, was er dort auf die Beine gestellt hat, sondern auch für seine offene, sympathische Art. Jon ist während dem GRC überall: ob es Probleme an der Kasse gibt, jemand ein Foto mit ihm machen will (wie z.B. ich), ein kleines Kind ein Autogramm auf seinem Ball wünscht oder Spieler auf dem Feld aufeinander losgehen. Jon kümmert sich um alles und hat für jeden ein offenes Ohr. Viele Leute, die ich kenne, machen so etwas, um sich selbst zu promoten. Aber wie es schon auf dem GRC-Shirt stand: „it’s not the man, it’s the movement“. Diesem Statement hat sich Jon verpflichtet. Bei Jon konnte man merken, dass er das ist, was man als „real“ bezeichnet. Die Liebe zum Basketball und für das Event war ihm richtig anzusehen.

Was für mich beim GRC etwas „too much“ war, war das Showprogramm. Nicht, das ich es nicht gut fand, im Gegenteil. Der „Beat-Box“-Künstler hatte es definitiv drauf und auch Rapper Manuellsen und der Tanzgruppe konnte ich durchaus etwas abgewinnen. Aber in der Menge war es kombiniert mit dem Dunk-Contest und einem Wettbewerb für Kinder etwas zuviel Entertainment, was auch letztendlich den ursprünglichen Zeitplan völlig durcheinander brachte.
Darunter litt auch ich, denn bei einer Rückreise von drei bis vier Stunden Richtung Stuttgart musste ich den GRC schon vor dem Finale verlassen. Ich hoffe, hier wird für das kommende Jahr noch etwas getan. Entweder sollte man morgens einfach schon zwei Stunden früher beginnen oder einfach das Rahmenprogramm etwas kürzen. Aber ich bin mir sicher, Jon lässt sich schon etwas einfallen.
Alles in allem muss ich sagen, der GRC war sowohl die Reise als auch jeden Cent wert, den ich dafür ausgegeben hatte. Ich denke, ich werde auch im nächsten Jahr wieder am Start sein.




von ne1 21.07.10 um 13:42:31
"Anstatt ihr durchaus erkennbares Potenzial auf dem Court voll auszuschöpfen, war die Equipe die meiste Zeit damit beschäftigt, ihr Testosteron zu versprühen."
My thoughts exactly.
Fair waren die Rumänen auch nicht, aber ich denke beim Publikum sind sie gut angekommen, weil sie da waren, um Basketball zu spielen, und nicht um Stress zu suchen. Bei den Belgiern war ich mir zumindest in dem Spiel nicht ganz so sicher. ;)
von Cabalios 26.07.10 um 22:53:23
man, ich wäre auch gerne vorbeigekommen. vielleicht schaff ich es beim nächsten mal ja.
von Treffnix 26.07.10 um 23:15:49
mach es. lohnt sich auf jeden fall