Basketball in New York City
"Ich mag Überraschungen"
Was wäre ein Artikel über NYC-Basketball ohne ein Interview mit Bobbito Garcia? Obwohl der Streetball-Pate im Sommer immer sehr beschäftigt ist, erklärte er sich Anfang Juni zu einem Kurzinterview bereit.
Von Christoph Kummer |
01.08.2006 | |
Bobbito Garcia ist ein DJ, Autor und Pro-Basketballspieler aus New York City. 1967 geboren und in Harlem aufgewachsen, kam Bobbito schon früh mit der Playground-Szene in Berührung. In der Lower Merion High School spielte er unter den Fittichen von Earl Manigault, der Streetball-Legende, die als "The Goat" weltberühmt wurde. Ende der Achtziger Jahre kehrte er zu seinen Wurzeln nach Puerto Rico zurück und spielte dort professionellen Basketball. Einige Monate später stiess er zu Def Jam Records und wurde bald als Radiomoderator und DJ bekannt. Seine Hiphop-Sendung gewann haufenweise Auszeichnungen und präsentierte als eine der ersten Künstler wie Nas oder Jay-Z. Darauf folgten Werbeauftritte für Nike und zahlreiche Kolumnen in Zeitschriften wie Slam oder Vibe. 2003 erschien die erste Ausgabe von BOUNCE, ein von Bobbito initiiertes Streetball-Magazin.
CROSSOVER: Im Sommer ist immer viel los auf den Freiplätzen von New York City. Wo trifft man dich momentan am meisten an?
BOBBITO: Na ja, überall! Heute Nacht war ich Celebrity Guest Announcer beim Kingdome B-Ball Classic in Harlem. Morgen spiele ich mit Puerto Rican Pride beim Sun Tournament in Orchard Beach, am Montag spielen wir beim Dyckman. Danach, beginnend am 26. Juni, werde ich eine TV-Serie namens "Summer Ball" für Madison Square Garden Network moderieren, welche dann jeden Montag im Sommer ausgestrahlt wird. Wir werden Highlights von der EBC zeigen und dazu Interviews mit der Welt des NYC-Playground-Basketballs führen. Es ist eigentlich dasselbe, wie ich beim Bounce Magazine als ehemaliger Chefredakteur von 2003-2005 gemacht habe, nur halt jetzt am Bildschirm.
Du bist in Harlem während einer Art "Goldenen Ära" des New Yorker Basketball aufgewachsen. Wie hast du diese Zeit erlebt?
Eine "Goldene Ära" im Playground-Basketball gab und gibt es nicht. Jedes Jahrzehnt hat seine Legenden und seine unvergesslichen Highlights und Spiele erlebt. Die frühen 70er waren ein Höhepunkt aufgrund der spielerischen Klasse in der Rucker Pro League an der 155th St. Leider verpasste ich dies, doch habe ich tonnenweise Stories davon gehört und diese dankbar aufgenommen.
Wie groß ist der Einfluss der Szene in New York City auf den Basketballsport?
Der in Kanada geborene Dr. James Naismith erfand das Spiel in Springfield, Massachusetts, aber New York erfand es neu. Das begann schon früh in den 20er Jahren, als die Harlem Rens und andere Teams das Tempo und die Athletik ins Spiel einbrachten. Dann, in 1946, erfand Mr. Holcombe Rucker die Idee von organisiertem Outdoor-Basketball für Jugendliche. Wir veränderten nicht einfach nur das Spiel, sondern schufen eine Bewegung und Kultur, welche die Welt (und die NBA!) beeinflusst hat.
In New York City gibt es über 500 Freiplätze. Warum wurden so viele gebaut? Und wann? Gab es eine Art Boom-Periode?
Ich kenne die Antwort darauf nicht, aber ich weiß, dass dort, wo Nachfrage existiert, auch Angebot ist. Japan hat vergleichsweise nur 25 Outdoor-Plätze im ganzen Land. Außerdem hat New York zwischen 50 und 70 Summer Leagues in allen Altersklassen und damit am meisten von allen Städten weltweit.
Im Bezirk Staten Island gibt es nur 36 Playgrounds, in Brooklyn dagegen 170. Was sind die Gründe für diesen Unterschied?
Keine Ahnung. Ich weiß, dass Shaolin mehr eine Wohngegend ist. Und wenn du die Courts in den Grundstückseinfahrten mitzählen würdest, wäre die Anzahl grösser. Aber ich kann das nicht beantworten.
Du interessierst dich mehr für Streetball als für die NBA. Trotzdem: Wie denkst du über die Situation bei den Knicks? Was sagen die Leute auf der Strasse?
Ich liebe die Knicks, weil mein Vater ein Riesenfan war. Ich erinnere mich, wie ich mit ihm zusammen Spiele angesehen habe, schon 1970, als ich vier Jahre alt war. Aber im Allgemeinen spiele ich lieber, als dass ich zuschaue und wenn ich die Wahl habe, entweder ein Pro-Spiel oder ein lokales Turnier anzuschauen, entscheide ich mich immer für den Amateur-Level. Ich mag Überraschungen. Von Profis erwartest du, dass sie Schüsse und Dunks treffen, aber wenn es im Park passiert, denkst du so: "Wow, wer ist dieser Kerl?" So wie heute Nacht, als ich einem den Spitznamen "The Difference" gab. Später fand ich heraus, dass es sich um Shane Gatson handelte, der für Oklahoma State spielte und aktuell mit den Cavs trainiert. Ich liebe das. Sein Spiel war klasse und niemand im Park kannte ihn. So was passiert in der NBA nicht wegen all der Werbung. Ich mag auch den Spielstil in der "Hood". Es gibt keinen Coach an der Seitenlinie, der die Spielzüge ansagt, kein Training. Die Spieler handeln instinktiv und du weißt nie, was passieren wird.
Wenn du eine Starting Five aus aktiven NYC-Spielern zusammenstellen müsstest, egal ob NBA, College, High School oder Street, welche wäre das?
Hmmm. Speedy Williams, John Strickland, Junie Sanders. Alle drei Veteranen wurden MVPs von jedem wichtigen Turnier und gewannen auch jede Menge Kohle, egal ob Pro?s mitspielten oder nicht. (Strick spielte während zwei Preseasons für die Knicks und Junie spielte in der NBDL. Sie kennen also das Profigeschäft.) Ich mag die Spielweise von Allen Ray sehr. Joakim Noah spielt in der EBC und auch beim Kingdome. Das wär? eine kranke erste Fünf. Echt KRANK!
Die Pics stammen von Stanley Lumax und Madison Square Garden Photos
Mehr zu Bobbito Garcia findest du unter folgenden Links:
www.somosarte.com/bobbito
www.myspace.com/bobbitogarcia
www.youtube.com/user/bobbitogarcia
www.bouncenyc.com



von Crossover 30.05.2012 um 09:08:12
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