Basketball Business
Der digitale Fastbreak
Web 2.0 ist in aller Munde. Als ein gängiges Schlagwort für eine Reihe von interaktiven Elementen stellt der Begriff eine neue Evolutionsstufe im Internet dar. Auch im (Basketball-)Sport nehmen soziale Netze, Kurznachrichtendienste und offene Portal immer mehr Einfluss auf die Berichterstattung, Öffentlichkeitsarbeit und Verbreitung von News, Meinungen und Erlebnissen. Ein Bericht erklärt, wie sich Facebook, Twitter & Co. in unsere Starting-Five spielen.
Von Sven Labenz (SPOPS – Sports by SPOPS) |
01.03.2011 | |

Bereits im Dezember 2003 wurde der Begriff „Web 2.0“ erstmalig in einem IT-Fachmagazin in den USA erwähnt – noch weit ohne Vorwarnung, in welchem Ausmaß diese neue Technologie das moderne Leben im World Wide Web beeinflussen wird.
Oft wird dabei von einer veränderten Nutzung und Wahrnehmung des Internets gesprochen, die es jedem Nutzer ermöglichen, Inhalte quantitativ und qualitativ zu erstellen, zu bearbeiten oder zu kommentieren. Jeder User wird zum Redakteur, zum Kritiker und schließlich zum Prosumer (Prosumer = Professional, Consumer), also einem professionellen Kunden.
Mit Hilfe von sogenannter „sozialer Software“ gelingen eine weltweite Vernetzung sowie eine Verbreitung von Meinungen, Fotos oder Videos. Die Architektur des Mitwirkens hat zu drastischen Veränderungen von Marketing, Öffentlichkeitsarbeit und normaler Werbung geführt. Wer heute nicht online präsent ist, wird vor allem vom jungen Kern der Gesellschaft nicht wahrgenommen und ist quasi nicht existent.
Das Social-Media Basketball-Team
Sollten Dirk Bauermann oder Phil Jackson eine Starting-Five für das Web 2.0 aufstellen, so gehören sicher Facebook, Twitter und YouTube sowie diverse Weblogs zu den absoluten Leistungsträgern. Bank- oder Rollenspieler sind die VZ-Portale oder Wer-kennt-wen. Zum „Best Sixth Man“ könnte sich das Social Bookmarking auf der eigenen Homepage mausern.
Die von Mark Zuckerberg entwickelte Social Community Facebook verzeichnet in 2011 Rekord-Nutzerzahlen von über 500 Millionen Menschen, über 700 Milliarden verbrachten Minuten pro Monat auf der Plattform sowie rund 70 Übersetzungen in alle Länder der Welt.
Social-Media trifft Sport – und ins Schwarze?
Auch im Sport ist diese veränderte Nutzung schon längst angekommen. Im Januar wurde Ex-Weltfußballer Christiano Ronaldo (Real Madrid) die Ehre zuteil, der beliebteste Sportler auf Facebook zu sein – laut Internet-Informationen hat er mit verschiedenen Fan-Pages die 3,2 Millionen-Marke geknackt. Dichte Verfolger sind Tennis-Star Roger Federer sowie Schwimmwunderkind Michael Phelps. Vor dem Portugiesen Ronaldo liegt nur ein gewisser Barack Obama, der im Jahr 2010 die meisten Nutzer (über 7 Millionen) auf seinem Profil vereinen konnte.
In der tiefsten Krise eines Gelsenkirchener Sportclubs half sich Felix Magath mit einer eigenen Seite im weltweit größten sozialen Netzwerk. Via Online-Statusmeldungen, Videos oder Podcasts tritt er mit den wütenden Fan-Massen in Kontakt. Immerhin knapp 140.000 Anhänger verfolgen täglich seine Gedanken – und das innerhalb von knapp 14 Tagen seit der Gründung der Fanseite.
Doch hinkt der Basketball-Sport auch hier seinem großen Bruder Fußball hinterher? Gelingt es den Machern des orangenfarbenen Leders die Emotionen des Spiels online zu bannen und so zum Aufschwung unseres Sports beizutragen? Ganz klar: Der Besuch eines Basketball-Spiels in einer großen deutschen Arena oder in der kleinen Mehrzweckhalle im eigenen Heimatort kann und wird durch das Internet und auch das Web 2.0 nicht ersetzt werden. Aber die bisherige Taktik der Macher geht auf – Basketball ist online, in den Hallen, vor Ort und in unseren Köpfen:
Kaum ein Beko BBL-, ProA- oder ProB-Club verzichtet aktuell auf eine eigene Facebook-Fanpage, einen Twitter-Kanal oder Videobeiträge bei YouTube. Vorreiter ist die Beko BBL-Fanzone, eine interaktive Basketball-Social-Media-Plattform, die auf einer Seite Direktlinks zu den Fan-Seiten der einzelnen Vereine bei Facebook liefert, den Twitter-Live-Stream der Bundesliga direkt anzeigt sowie die Video-Highlights der vergangenen Wochen via hauseigenem YouTube-Kanal postet.
Über 11.400 Personen haben den „Gefällt mir“-Button beim sozialen Netzwerk Facebook für die Basketball Bundesliga geklickt – Tendenz steigend. Dabei wird die Plattform zum einen für die reine Weitergabe von Informationen genutzt (Ergebnisdienst, Spielberichte, Statistiken), zum anderen regt sie aber auch zur interaktiven Diskussion unter Basketball-Fans an, die sich so „kennen lernen“ können. Die Verlinkung in Statusmeldungen auf die eigene Homepage, aber auch zu Vereinen lässt direkte Assists zu weiteren Facebook- oder YouTube-Seiten zu.
Dirk twittert, Robin & Per als Facebook-Profile
Der Social-Media-Basketballer hat also die Möglichkeit, die Highlights der gesamten Beletage der deutschen Korbjäger online zu verfolgen. Er kann sich via Tippspiel live einbringen, sich an Diskussionen über Abstiegssorgen, Transferpolitik oder Playoff-Plätze beteiligen, Videos kommentieren, weiterleiten und bewerten sowie selbst Teil der Kampagne „Spürst du das Dribbeln?“ werden. Der Beko BBL-Profilbild Generator ist eine eigens eingerichtete Applikation auf Facebook, die es erlaubt, mit seinem persönlichen Urlaubsfoto das Dribbeln zu spüren und dem ganzen World Wide Web zu zeigen, wie viel oranges Blut durch die eigenen Ader fließt.
Unser aller „German Wunderkind“ Dirk Nowitzki kann bei einer Facebook-Suche über 15 Profile sein Eigen nennen oder diese zumindest mit seinem Dallas-Trikot zieren. Bei genauem Hinsehen fällt allerdings auf, das einige Seiten nur den bekannten Wikipedia-Text des deutschen Ausnahme-Basketballers zeigen und nicht direkt zu einer Interaktion mit der Nummer 41 einladen. Ganz anders bei Twitter: Unter dem Nickname „swish41“ und einem schicken Comic-Avatar folgen rund 40.000 Zwitscherer dem deutschen Nationalspieler, der in regelmäßigen Abständen 140 Zeichen an die Welt sendet; dabei von NBA-Spielen, seinem Gesundheitszustand spricht, aber auch persönliche Wünsche und Grüße versendet.
Seine potentiellen Nachfolger sind ebenso aktiv: Die Ulmer Nachwuchshoffnungen Robin Benzing und Per Günther sind im Online-Gesichterbuch mit eigenen Fan-Seiten zu finden. Unterstützt werden Basketballer wie die beiden jungen Nationalspieler von Agenturen wie beispielsweise Lumani 10.7, der Marketing & Consulting GmbH von Ex-Albatros Marko Pesic. Spieler, die dort unter Vertrag stehen, werden über das Netzwerk vorgestellt, verlinkt sowie mit aktuellen Statistiken und Werten genau unter die Lupe genommen – ein zusätzlicher Faktor, der die Trefferquote bei der Suche erhöht und vermehrte Bookmarks schafft.
Broadcast Basketball
Neben Facebook und Twitter darf vor allem die Videoplattform YouTube zur Starting-Line-Up des Social-Media-Basketball-Teams gezählt werden. Immer mehr User geben nach aktuellen Umfragen an, dass der gemütliche Couch-Abend mit Chips und Cola vor dem TV dem Laptop auf den Knien weicht. Zahlreiche Videos, von lustig bis informativ, tragen dazu bei, dass Fernsehen zunehmend in die Welt des Web 2.0 integriert wird. So sammelt der Beko BBL-Kanal die Spielberichte, Top-5 oder Video-Magazine der Bundesliga-Clubs und präsentiert diese einer breiten Masse in der bereits erwähnten Fanzone. Ein Social-Media-Mix verlinkt die Beiträge zudem mit Twitter, Facebook sowie weiteren Gruppen in bekannten Communitys.
Sucht man einen weißen Basketballer aus L.A., der mal eben über die Motorhaube eines Autos springt und die ganze Basketball-Welt mit knapp 140 Dunks in der aktuellen NBA Saison verzückt, liefert YouTube über 5.900 Ergebnisse. Das ist ein Beweis dafür, wie einzelne User zum „TV-Produzenten“ werden und der ganzen Welt einen hauseigenen Sender mit eigener Playlist und Favoriten zusammenstellen.
Der Kanal der amerikanischen Profiliga lässt Wundersames Wirklichkeit werden: In stechend scharfer Bildqualität finden sich dort 293.453 Abonnenten, 22.181.159 Kanal- und über 559.90.617 Upload-Aufrufe. Mehrere fiktive Preise und Auszeichnungen wurden den Machern des NBA-Kanals zuteil, u.a. für die meistgesehen Videos an einem Tag oder die meisten Abonnenten. Das ist eine starke Leistung im weltweit größten Video-Portal, das mit dem Slogan „Broadcast Yourself“ wirbt.
Mein Verein 2.0?
Doch kann auch der Breitensport 2.0 werden? Kann mein eigener Basketball-Verein in die heiligen Hallen von Facebook, Twitter & Co. eintreten?
Ja, er kann – und er muss. Wie eingangs erwähnt, findet das reale Leben immer mehr in der Online-Welt statt. Wer nicht dabei ist, wird nicht wahrgenommen oder existiert nicht. Laut aktuellen Studien einer US-Marktforschung haben Facebook und Twitter die Suchmaschine Google als Dienstleister im World Wide Web schon längst abgelöst. Immer mehr User vertrauen dabei auch auf die Empfehlungen, Meinungen, Kritiken und Links von anderen „Vernetzern“.
Doch bevor in ehrenamtlichen Vorstandsitzungen oder dunklen Umkleidekabinen Pläne geschmiedet werden, dass man nun auch 2.0 sein muss, gilt es grundsätzliche Überlegungen zu treffen: Wo möchte der Basketball- oder Sportverein aktiv sein? Welche Portale sollen genutzt werden und zu welchem Zweck? Wer pflegt die Portale, beantwortet ggf. Kommentare, stellt neue Inhalte ein und schafft einen so wichtigen Social-Media-Mix? Genügt es, eine Gruppe zu gründen oder soll lieber direkt eine Fan-Page angelegt werden? Muss man alle Statusmeldungen doppelt eintragen oder vernetzen sich einzelne Profile untereinander? Und die wichtigste Frage: Wie viel Geld muss der Verein dafür investieren?
Dass Social-Media nicht die Antwort auf alle Fragen ist, kein Heilmittel für schlechte Öffentlichkeitsarbeit oder schlechtes Image ist, ist ebenso sicher wie der Aufstieg des FC Bayern München in die höchste deutsche Spielklasse. Doch Social-Media ist eine Chance, die vor allem neue Möglichkeiten schafft, sich zu präsentieren, neue Seiten in der eigenen Vereinskultur zu entdecken und gleichzeitig dem Trend der Zeit zu folgen.
Der Zeitaufwand sollte dabei nicht unterschätzt werden, ebenso wie ein gewisser Grad an Aktualität. Das Internet ist schnell, der User noch schneller. Eine veraltete Internetpräsenz oder nicht gepflegte Social-Media-Profile oder Gruppen sind ein unsportliches Foul und werden zügig mit Freiwürfen und Ballbesitz für die Konkurrenz bestraft.
Doch der Basketball-Aufschwung im World Wide Web trägt Früchte: Er regt an, er begeistert und versprüht junge und dynamische (Marketing)Ideen, die unserem Sport und seinen Emotionen gerecht werden. Ob in den größten deutschen Arenen oder deiner eigenen Mehrzweck-Turnhalle vor Ort. Manchmal lohnt es sich, die Starting-Five der eigenen Öffentlichkeitsarbeit zu überdenken und selbst 2.0 zu werden. Viel Spaß und Erfolg dabei!
Erhebungsdatum der Statistiken: 24. Februar 2011



von king_handles 01.03.11 um 19:07:05
Artikel, bis auf das Fazit, gut gelungen. Selbst 2.0 werden ist nicht der richtige Schritt.
Ja, ich bin mir der Ironie bewusst, dass ich selbst übers Internet meine Meinung Kund tu'.