Top-Four-Turnier
Sturm auf Bambergs Bastion
Wenn am Wochenende in Bamberg das Top Four steigt, wird die Rollenverteilung so klar sein wie selten zuvor. Titelverteidiger Bamberg hat in eigener Halle fast alle Trümpfe in der Hand. Können die Herausforderer aus Frankfurt, Quakenbrück oder Braunschweig dem fränkischen Giganten dennoch ein Bein stellen?
Von Joshua Wiedmann |
02.04.2011 | |

Als fast genau vor einem Jahr das letzte BBL Top Four Turnier anstand, schickte Crossover eine Preview mit der Überschrift „Titel ohne Favorit“ ins Rennen. Damals ein durchaus angebrachter Titel, hatte sich doch keiner aus dem Turnier-Quartett zuvor in eine echte Favoritenstellung bringen können.
Rund ein Jahr später könnte die Situation kaum anders aussehen: Gastgeber Bamberg ist der Konkurrenz in der Beko BBL meilenweilt enteilt und der einhellige Favorit auf den Pokal-Gewinn. „Es ist ziemlich klar für alle - die Medien und auch die Gegner -, dass wir am Ende des Tages der große Favorit sind. Aber ich glaube, wir können damit ganz gut umgehen“, sagt Wolfgang Heyder, Manager der Brose Baskets.
Trotzdem fährt die Konkurrenz nicht unter der Prämisse nach Franken, Kanonenfutter für den amtierenden Titelträger abzugeben: „Es ist klar: Hier geht es um den Titel und um nichts anderes mehr“, betont Gunnar Wöbke, Geschäftsführer der Skyliners Frankfurt.
Wie die Chancen aller vier Teams auf den ersten echten Titel der Spielzeit 2010/11 (Bamberg gewann vor Saisonstart bereits den Champions Cup) stehen, erklärt die Crossover-Vorschau auf das Top-Four-Turnier.
Brose Baskets Bamberg: Nur der Titel zählt
Dass Bamberg aktuell die dominierende Mannschaft im deutschen Basketball ist, dürfte inzwischen in der kompletten Fangemeinde geläufig sein. Die Franken sind der amtierende Titelverteidiger, deutscher Meister sowie das beste Team der laufenden BBL-Hauptrunde und gehen nicht nur deswegen mit einem großen Bonus in das Turnier-Wochenende.
Als Ausrichter des Top Fours können die Brose Baskets auf das Privileg bauen, in der heimischen Stechert Arena vor gewohnter Kulisse antreten zu können. In der laufenden BBL-Saison konnte noch kein Team die Bamberger Bastion einnehmen. „Ob das dann aber ein Vorteil ist, muss man abwarten. Wir haben inzwischen ja auch sehr ungeduldige Fans“, wendet Bambergs Manager Heyder ein.
Ein Vorteil ist jedenfalls der außerordentliche Lauf, den die Truppe aus Freak City in der laufenden Saison vorweisen kann. In der Beko BBL haben sich die Franken mittlerweile zwar „schon“ zwei Patzer geleistet, eine echte Schwächephase musste Bamberg aber noch nicht durchmachen. Mit ihrer Konstanz beeindrucken die Brose Baskets ganz Basketball-Deutschland. „Sie spielen seit Saisonbeginn auf einem unglaublich hohen Niveau und waren bisher in der Lage, dieses Level auch über Monate zu halten“, sagt der Ex-Bamberger Derrick Taylor. Auch im Hexenkessel der o2 World zu Berlin behielten die Bamberger am vergangenen Wochenende einen kühlen Kopf. Dass die „Brösels“ bis dato auch in Drucksituationen gute Auftritte ablieferten, stimmt Manager Heyder optimistisch: „Wir haben immer dann, wenn große Herausforderungen auf uns zu kamen, unsere besten Leistungen gezeigt.“
Bamberg hat, so glauben viele Experten und Fans, bereits eine Hand am BBL-Pokal. Chris Flemings Truppe wird aber nicht den Fehler machen, die Endrunden-Spiele auf die leichte Schulter zu nehmen - dafür ist die Konkurrenz, trotz der Dominanz der „Brösels“ in der BBL, zu hochkarätig.
Artland Dragons: Unter dem Radar
Die Artland Dragons stehen beim Top Four sowohl im Schatten der gastgebenden Bamberger als auch in dem von Vizemeister Frankfurt. Bei genauerem Hinsehen verdient die Mannschaft aus dem kleinsten Bundesliga-Standort aber durchaus das Prädikat „Geheimfavorit“.
In der ersten Saison unter der Ägide von Trainer-Fuchs Stefan Koch ist den Dragons der Schritt vom Durchschnittsteam zum sicheren Playoff-Teilnehmer in Lauerstellung gelungen. Fünf Spieltage vor Ende der Hauptrunde tummeln sich die Dragons auf einem aussichtsreichen dritten Tabellenrang. Obendrein ist Quakenbrück derzeit auf einem wahren Siegeszug in der BBL: Die letzten fünf Begegnungen konnten im Schnitt mit fast 17 Zählern Vorsprung gewonnen werden.
Vor dem Halbfinale gegen Bamberg hat man im Artland aber keine Probleme damit, unter dem Radar zu fliegen. „Es spricht eigentlich alles dafür, dass das Wochenende für uns sehr erfolgreich werden kann, denn in der Underdog-Rolle haben wir uns schon immer wohl gefühlt“, witzelte Dragons-Geschäftsführer Marko Beens am Rande der BBL-Pressekonferenz unter der Woche.
Tatsächlich hat Quakenbrück aber wirklich gewichtige Argumente auf der eigenen Seite, wieso es mit einer Überraschung klappen könnte: In der laufenden Bundesliga-Spielzeit brachten die Dragons Bamberg zweimal an den Rand einer Niederlage - in der Stechert Arena sicherte sogar erst ein Gamewinner von Brian Roberts den Brose Baskets den knappen 60:58-Erfolg.
Die Dragons besitzen mit Tyrese Rice nicht nur einen der besten Aufbauspieler in der BBL, sondern spätestens seit der Verpflichtung des ehemaligen NBA-Profis Rob Kurz auch genug Tiefe im Kader, um mit den Schwergewichten im deutschen Basketball mithalten zu können. Der ehemalige Dragons-Coach Throsten Leibenath glaubt daher: „Im Halbfinale wird es auf Kleinigkeiten ankommen.“
Deutsche Bank Skyliners: Nur nicht wieder Zweiter werden
Bei den Skyliners Frankfurt werden mit Blick auf das Top Four schnell Erinnerungen wach. Was die Telekom Baskets Bonn seit Urzeiten in der Bundesliga sind, waren die Skyliners in der vergangenen Saison - nämlich immer Zweiter. Nicht nur im Pokalfinale in eigener Halle, sondern auch in den BBL-Finals blieb Frankfurt nur der undankbare zweite Platz; beide Male mussten die Skyliners Bamberg den Vortritt lassen.
Sollten beide Mannschaften - sowohl Bamberg als auch Frankfurt - ihre Halbfinals für sich entscheiden können, käme es zu einer Neuauflage des fränkisch-hessischen Duells.
Zuvor gilt die Konzentration der Skyliners aber der Partie gegen Braunschweig, weshalb der Klub aus der Mainmetropole kurzerhand noch ein viertägiges Mini-Trainingslager abhielt. Nach einer schier teuflischen Verletzungsmisere zu Saisonbeginn sind in Frankfurter nun „völlig überraschend auf einmal alle gesund“, erklärt Gunnar Wöbke: „Wir befinden uns in einer Phase wie der Saisonvorbereitung, weil wir nun viele Leute haben, die alle ihre Rolle finden müssen“, nennt der Skyliners-Geschäftsführer die Gründe für das spontane Trainingslager.
Seine Rolle definitiv nicht mehr finden muss DaShaun Wood: Der Frankfurter Topscorer trug sein Team durch die von Personalintegration geprägten letzten Wochen und markierte nur in einer der letzten sechs Begegnungen weniger als 22 Zähler. Auch beim Top Four wird die Leistung des US-Guards zu einem essentiellen Faktor für den Erfolg der Sklyliners werden.
Gegen Braunschweig im ersten Semifinale ist Frankfurt leicht in der Favoritenrolle, trotz des jüngsten Personaltrubels. Geht man nach den Ergebnissen in der BBL-Hauptrunde, ist dennoch ein spannendes Spiel zu erwarten: Beide Partien gewann Frankfurt nur mit drei bzw. einem Zähler Vorsprung.
New Yorker Phantoms Braunschweig: Nichts zu verlieren
Wenn aus dem hochkarätigen Quartett, das in Bamberg an den Start geht, eine Mannschaft die Bezeichnung „Außenseiter“ verdient, dann sind das am ehesten die New Yorker Phantoms Braunschweig. Der aktuell Tabellenfünfte der Beko BBL nimmt zum ersten Mal an der Runde der letzten Vier teil und spielte recht durchwachsene letzte Saisonwochen.
Seit Ende Januar gingen fünf von neun Bundesliga-Partien verloren. Sowohl in Berlin (70:94) als auch gegen Frankfurt (67:68) und Quakenbrück (75:91) setzte es dabei Pleiten - keine guten Vorzeichen, zumal mit Tony Skinn der etatmäßige Point Guard der Phantoms weiter mit einem Riss des Syndesmosebands ausfällt. „Wir gehen als Underdog ins Top Four und haben nichts zu verlieren“, macht Sportdirektor Oliver Braun klar. Der ehemalige Braunschweiger Coach Emir Mutapcic meint: „Der Einzug in die Runde der letzten Vier ist allein schon ein großer Erfolg für den Verein.“
Nicht zu unterschätzen ist aber, dass Braunschweig nominell durchaus Vorteile gegenüber Halbfinal-Gegner Frankfurt hat. Vor allem unter dem Korb sind die Niedersachsen mit Kyle Visser (2,11 Meter), Jason Cain (2,09 Meter) und Marcus Goree (2,01 Meter) überlegen. Eine Tatsache, die auch Mutapcic als mitentscheidend ansieht: „Wenn es die Braunschweiger schaffen, den Ball viel in Korbnähe zu bringen, sehe ich gute Chancen, das Spiel zu gewinnen“, meint der 50-Jährige.
TV-Fahrplan für’s Top Four
1. Halbfinale: Frankfurt gegen Braunschweig (Samstag ab 16:45 live auf Sport1)
2. Halbfinale: Bamberg gegen Quakenbrück (Samstag ab 20 Uhr live auf Sport1)
Das Finale am Sonntag (ab 16:45 Uhr) wird ebenfalls live auf Sport1 übertragen.



von Crossover 30.05.2012 um 08:42:54
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