Top-Four-Turnier
Stimmungsvolles Frankfurt
Zum Auftakt des Top Four präsentierte sich das Publikum in Frankfurt von seiner besten Seite. Auf dem Parkett kämpften Bamberg und Frankfurt Göttingen und Bremerhaven nieder und werden morgen das Finale um den Pokal der Beko BBL austragen.
Von Fabian Klindt (Fotos), Joshua Wiedmann (Text) |
10.04.2010 | |

Schon über eine halbe Stunde vor Spielbeginn wurde deutlich, was an diesem Wochenende für die Baskets Bamberg, BG Göttingen, Eisbären Bremerhaven und die gastgebenden Frankfurt Skyliners auf dem Spiel stehen würde. Bereits beim Warmlaufen für das erste Halbfinale zwischen den „Veilchen“ aus Göttingen und den Bamberger „Brösels“, die im Vorfeld das Favoritenetikett hatten aufgedrückt bekommen, bereiteten die mitgereisten Fans in der zunächst mäßig gefüllten Ballsporthalle ein wahres Spektakel. Fast schien es, als wollten sich beide Lager im Anfeuern übertrumpfen, um ihre Mannschaft so zum Sieg zu peitschen. Selbst die mitgereisten Hallensprecher beider Teams bekamen massig Applaus. Die Spannung, aber auch die Vorfreude unter allen Beteiligten lag in der Luft. Es wurde deutlich, wie innig sich die Fans, aber auch das spielende Personal - in Abwesenheit der Liga-Schwergewichte Berlin, Bonn und Oldenburg – den großen Triumph an diesem Wochenende wünschten.
Bamberg gegen Göttingen: Viel Kampf, wenig Glanz
Bei beiden Teams hatte es im Vorfeld ernstzunehmende Verletzungssorgen gegeben – insbesondere bei der BG aus Göttingen. Einmal mehr verstärkte sich aber hier der Eindruck, den auch schon die Fans manifestiert hatten: Für den Pokal-Sieg würden beide Lager an diesem Wochenende alles tun. Bei Göttingen trat Center-Koloss Jason Boone trotz Fingerfraktur an; auf Bamberger Seite liefen ebenfalls die zuletzt angeschlagenen Casey Jacobsen und Elton Brown auf.
In den Anfangsminuten schenkten sich beide Teams, wie auch schon ihre Fanlager auf den Rängen, wenig. Göttingens aggressive Defense brachte die Bamberger zunächst nicht in die erhofften Probleme: Die Franken bewegten den Ball gut und kamen nach einem Drei-Punkte-Wurf von John Goldsberry mit 9:6 in Führung. Die Göttinger dagegen bissen sich im weiteren Verlauf des ersten Viertels gegen die beweglichen Bamberger Verteidigungsreihen die Zähne aus und wurden immer wieder zu schwierigen Würfen gezwungen. Erst ein eleganter Unterhand-Layup von Veilchen-Forward Chris Oliver beendete die Durststrecke der Truppe von Coach John Patrick (11:8). Dennoch: auch in den folgenden Minuten lief bei den Niedersachsen wenig zusammen. Bamberg hingegen bewegte den Ball offensiv gut und kam immer wieder zu einfach erspielten Zählern oder offenen Dreiern. Bis zum Viertelende konnten die Mannen aus „Freak City“ ihren Vorsprung auf 25:11 ausbauen.
In den zweiten zehn Minuten setzte sich die Demonstration bambergischer Stärke zu Beginn fort. Fast immer schienen die Mannen in den weißen Trikots einen Schritt schneller zu sein als ihre Gegenspieler. Die Göttinger dagegen agierten in Abwesenheit ihres Aufbauspielers Ben Jacobson weiterhin nicht mit der gewohnten Souveränität. Während die Fans ihre Mannschaft mit frenetischer Beharrlichkeit nach vorne puschten, blieb beim spielenden Personal vieles Stückwerk (31:15). Erst zwei Treffer von „Downtown“ durch Taylor Rochestie schienen die „Veilchen“ aus ihrer Lethargie zu reißen (31:21). Bamberg geriet allerdings nur kurzfristig aus der Fassung und hielt den Vorsprung, nicht zuletzt dank eines hart rackernden Elton Brown, bis zur Hälfte bei formidablen zehn Zählern (39:29).
Die Situation war nach dem Seitenwechsel klar: Die Göttinger würden einige Gänge hochschalten müssen, um noch für die Finalteilnahme in Frage zu kommen. Sowohl im Angriff als auch in der Verteidigung hatten die „Veilchen“ bisher nicht zu ihrem gewohnt intensiven und abgeklärten Spiel gefunden. Unmöglich schien ein Aufschwung der Patrick-Truppe allerdings nicht: auch die Bamberger hatten im zweiten Teil der ersten Hälfte einiges an Rhythmus eingebüßt. Darüber hinaus war den Göttingern bereits in einem Ligaspiel gegen Bamberg nach einem 20-Punkte-Rückstand noch ein Sieg gelungen.
Zu Beginn des dritten Spielabschnitts gelang es aber beiden Teams nicht, einen echten Spielfluss aufzubauen. Auf beiden Seiten stimmte der Einsatz, die Partie an sich wurde jedoch immer fahriger: Ballverluste und Fouls häuften sich. Zusätzlich heizten strittige Schiedsrichter-Entscheidungen die Stimmung an. Dennoch schien Göttingen in dieser Atmosphäre nun besser klarzukommen und verkürzte den Rückstand im Laufe des Viertels nach und nach (41:34; 41:36; 41:38). Die berüchtigt aggressive Verteidigung der Niedersachsen zeigte nun Wirkung: Bamberg blieb minutenlang ohne Wurferfolg aus dem Feld, kam aber durch das intensive Auftreten der Göttinger immerhin zu einigen Freiwürfen. Mit 47:42 gingen die Brose Baskets in die letzte Viertelpause.
Zu Beginn des letzten Viertels begegneten sich beide Mannschaften auf Augenhöhe. Was sich schon zuvor angedeutet hatte, schien sich nun endgültig zu bewahrheiten: Bamberg zeigte sich tiefer und frischer, konnte sich gegen die hart arbeitenden Göttinger aber nicht mehr wirklich absetzen. Vor allem der Kampfgeist und der Einsatz der dezimierten BG-Truppe imponierten in einem weiterhin durchwachsenen Spiel. Durch einen Drei-Punkte-Wurf ihres Spielstärksten, US-Boy Taylor Rochestie (Foto, am Ball), kamen die „Veilchen“ rund dreieinhalb Minuten vor Schluss auf 57:54 heran.
Zum entscheidenden Mann wurde nun Bambergs Off-Guard Brian Roberts: Der US-Amerikaner konterte mit einem Jumper und vier weiteren Zählern vom „Stripe“ und erhöhte im Nullkommanichts auf neun Punkte (63:54). Dieser kurze Lauf schien Göttingen das Genick gebrochen zu haben: Coach John Patrick versuchte das Spiel seiner Mannen in einer Auszeit noch einmal neu auszurichten, wirklich Früchte trug dies aber nicht. BG-Forward Chris Oliver gelang noch ein Dreier und ein Dunk, die Butter ließen sich die „Brösels“ nun aber nicht mehr vom Brot nehmen. Mit 71:59 gingen die Franken schlussendlich als Sieger vom Platz und sicherten sich den ersten von zwei Plätzen im Finale.
Letztlich hatten die tiefer aufgestellten Bamberger in der Schlussphase die nötigen Körner gehabt, um siegreich vom Platz zu geben. Die Göttinger dagegen waren lange Zeit ihrem frühen Rückstand hinterher gelaufen und hatten schließlich der kräftezehrenden Aufholjagd Tribut zollen müssen. BG-Coach John Patrick sprach im Anschluss an die Partie vor allem von mangelhafter Verteidigung seiner Mannschaft. „Wir wussten, dass wir gut am eigenen Brett würden rebounden müssen, aber das haben wir nicht“, spielte der US-Amerikaner auf die Vorteile der Bamberger am Brett an (36:34 Rebounds).
Bei den Bambergern überzeugten besonders die beiden Guards Anton Gavel (16 Pkte) und Brian Roberts (13 Pkte). „Heute war Casey [Jacobson] verletzt, dann haben wir Kleinen eben ein wenig mehr gescort“, meinte Gavel später. Auf Seiten der Göttinger stach Aufbauspieler Taylor Rochestie mit 20 Zählern hervor.
Frankfurt gegen Bremerhaven: Umgekehrtes Déja-Vu
Eine blaue Wand – die erwartete die Eisbären Bremerhaven, als sie zur ersten Hälfte des zweiten Halbfinal-Spiels aufs Feld schritten. Die gesamte Querseite, in deren Richtung die Nordlichter in der ersten Hälfte spielten, war mit blau gekleideten Skyliners-Fans bevölkert.
Die ersten Akzente im Spiel setzten trotz der Publikumsvorteile der Hausherren die Gäste aus Bremerhaven. Torrell Martin netzte zwei schwierige Drei-Punkte-Würfe ein, ein weiterer Versuch sprang aus der Reuse. Frankfurt behielt jedoch einen kühlen Kopf und antwortete durch einen sehenswerten Dunking von Flügelspieler Quantez Robertson und einen Alley-Oop-Layup von Dominik Bahiense de Mello, der auf Frankfurter Seite starten durfte. In einem interessanten, weil zunächst äußerst rasanten ersten Viertel konnte sich in der Folge kein Team wirklich absetzen, auch wenn die Eisbären zumeist in einen kleinen Vorsprung verwalteten. Frankfurt blieb aber – nicht zuletzt dank guter Szenen der Deutschen Pascal Roller und de Mello – bis zum Viertelende auf Schlagdistanz (17:18).
Den besseren Start in die zweiten zehn Minuten erwischten, wie schon zu Spielbeginn, die Bremerhavener. Die Mannschaft von Coach Doug Spradley zeigte sich treffsicherer von „Downtown“, während die Gastgeber zu oft am Korb einfache Leger daneben setzten. Große Vorteile konnten sich die Eisbären trotz allem nicht erarbeiten: Offensiv blieb vieles Stückwerk, es kam wenig Spielrhythmus zustande. Beide Teams standen defensiv nun ordentlich. Punkte kamen oft nur durch zweite Chancen nach dem Offensivrebound oder an der Freiwurflinie zustande. Frankfurt suchte nun oft Pascal Roller an der Dreierlinie, aber auch er konnte die maue Quote der Skyliners von draußen nicht wirklich aufbessern. Passend zum bisherigen Spielverlauf hatten die Eisbären im Abschluss von „Downtown“ das bessere Händchen, aber auch mehr Glück, als Andrew Drevo (Foto) in den Schlusssekunden des zweiten Spielabschnitts einen Dreier mit Brett zur 32:35-Führung einnetzte.
Der konzentriertere Auftakt in die zweite Hälfte gelang den Skyliners. Während die Eisbären noch einige Anlaufschwierigkeiten hatten, starteten die Hausherren mit breiter Brust – trotz des Minirückstands. Derrick Allen mit zwei Sprungwürfen und Quantez Robertson mit einem akrobatischen Korbleger überrumpelten die Nordlichter und zwangen Gäste-Coach Doug Spradley beim Stand von 42:36 zur ersten Auszeit nach dem Seitenwechsel. Symbolisch für die Situation in diesen Minuten: Nachdem die Eisbären Skyliners-Guard Aubrey Reese mit Ablauf der Schussuhr zu einem schwierigen Wurf gezwungen hatten, schaltete Derrick Allen am schnellsten und lupfte den Ball noch in den Korb. Auf der anderen Seite blieben die Eisbären dank eines glücklichen Dreier von Philip Schwethelm und zweier guter Aktionen von US-Boy Brandon Brooks in Reichweite (47:46).
Auf beiden Seiten wechselten sich in der Folge gute Aktionen und schöne Spielzüge mit schlampig abgeschlossenen Spielzügen ab, sodass die Partie eine knappe Angelegenheit blieb. Treffenderweise endeten die dritten zehn Minuten mit einem ausgeglichenen Spielstand (50:50), nachdem der starke Brandon Brooks erneut wichtige Zähler für die Eisbären erzielt hatte.
Vor dem letzten Viertel stellte sich die breite Mehrheit der Zuschauer wohl die Frage, ob die Begegnung einen ähnlichen Verlauf nehmen würde wie die BBL-Begegnung am vorigen Wochenende. Da waren die Bremerhavener im letzten Viertel noch dramatisch eingebrochen. Zu Viertelbeginn schien es, als würde sich tatsächlich ähnliches anbahnen: Bremerhaven bekam offensiv kein Bein auf den Boden, was aber auch der effektiven Frankfurter Verteidigung zuzuschreiben war. Die Skyliners agierten mit dem Heimvorteil im Rücken nun selbstbewusster und gingen nach einem Dreier von Jimmy McKinney mit neun Zählern in Führung (59:52). Die ersten Bremerhavener Punkte des Viertels kamen bezeichnenderweise erst nach einem Offensivrebound durch Brooks zustande (35. Minute).
Nachdem es schien, als ginge der Sieg schon sicher an die Skyliners, kamen die Eisbären doch nochmal in Reichweite. Fast wie im Bundesliga-Spiel eine Woche zuvor wurde es nun in den letzten Minuten noch einmal hochspannend – nur, dass dieses Mal die Frankfurter den Faden verloren. Nach einigen Unkonzentriertheiten waren die Bremerhavener plötzlich zurück im Spiel und hatten in den Schlusssekunden noch die Chance auf den Sieg. Doch die letzten Wurfversuche der Eisbären fanden nicht ihr Ziel, so dass die Frankfurter schließlich mit einem blauen Auge davon kamen und ein 61:59 über die Zeit retteten.
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| Frankfurts Pascal Roller (am Ball) gegen Lou Campbell |
„Es war eine Schlacht“, kommentierte Frankfurts Derrick Allen (15 Pkte) nach der Partie lapidar, aber treffend. Denn offensiv boten Teams nur Magerkost (beide unter 40 Prozent FG); zugleich präsentierten sich beide Mannschaften in kämpferischer Hinsicht stark, auch wenn Eisbären-Coach Spradley äußerte, dass „wir erst in den letzten drei Minuten die nötige Intensität gezeigt haben, um gegen eine Mannschaft wie Frankfurt zu gewinnen.“




von Crossover 30.05.2012 um 08:42:48
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