Top-Four-Turnier

Knüller-Samstag zum Top-Four-Auftakt

Wie könnte ein Pokalwochenende besser eingeleitet werden als mit zwei hochklassigen Halbfinals? Den Phantoms Braunschweig gelang gegen Vizemeister Frankfurt der überraschende Final-Einzug. Bamberg und Quakenbrück duellierten sich im Stile zweier Schwergewichtsboxer: Am Schluss einer hoch aufreibenden Begegnung triumphierte „Freak City“.

Von Joshua Wiedmann
 03.04.2011 |

Braunschweig stürmt ins Finale

In einer zunächst mäßig gefüllten Stechert Arena, in der beide Fanlager zahlenmäßig etwa gleich stark vertreten waren, erwischten die Phantoms Braunschweig im ersten Halbfinale den besseren Beginn. Auch ohne Tony Skinn, der mit einer Verletzung des Syndesmosebandes aussetzen musste, legte der BBL-Fünfte einen Blitzstart hin (5:12). Die Braunschweiger nutzten immer wieder ihre Größenvorteile in Korbnähe, während Frankfurt zunächst kein wirkungsvolles Mittel fand, um den Phantoms auf den Fersen zu bleiben. Die große, aber äußerst aktive Aufstellung der Phantoms ließ Frankfurt keinen Offensiv-Rhythmus finden und wusste auch Bundesliga-Topscorer DaShaun Wood unter Kontrolle zu halten. Braunschweig verpasste es in dieser Phase aber, weiter davonzuziehen: Frankfurt fand vor allem durch den Kampf zurück ins Spiel und blieb nach 20 gespielten Minuten auf Tuchfühlung (35:37).

Wie schon zu Spielbeginn kamen die Phantoms auch nach dem Seitenwechsel konzentrierter aus der Kabine. Durch gute Ballbewegung erspielten sich die Niedersachsen ein ums andere Mal offene Würfe, wohingegen Frankfurt weiterhin vom Wurfpech verfolgt wurde. Nach einer erstmals zweistelligen Führung der Phantoms (40:50) sah sich Skyliners-Coach Gordon Herbert genötigt, eine Auszeit zu nehmen. Die Timeout-Predigt des kanadischen Übungsleiters zeigte Wirkung: Zwar weiterhin ohne Fortüne von der Dreierlinie, dafür aber nun dank einer gesteigerten Energieleistung blieben die Hessen in Reichweite. Mit 52:57 ging es in die letzte Viertelpause.

Im Schlussabschnitt geriet Braunschweig schnell in ernste Foulprobleme: Sowohl der bis dato überragende Kevin Hamilton als auch Center Kyle Visser mussten früh mit ihrem fünften Foul auf der Bank Platz nehmen. Dennoch behielten die Niedersachsen auf dem Parkett die Oberhand, während bei Frankfurt vieles Stückwerk blieb. Ein seltener Dreier durch Roger Powell beendete immerhin die Durststrecke der Hessen von „Downtown“ (57:60). Viel ändern konnte das aber nicht an der Überlegenheit der Phantoms, für die nun vor allem Jason Cain und Marcus Goree Akzente setzten und einen 12:2-Lauf Braunschweigs einleiteten. Frankfurts verzweifelte Versuche, in der Schlussphase doch nochmal den Ausgleich zu erzielen, machte Braunschweig mit cleverer Ballbewegung und einem sicheren Händchen von der Freiwurflinie zunichte.

Der 77:82-Erfolg der Braunschweiger kam durchaus überraschend, war aber alles andere als unverdient. Nur im Duell der Fanblöcke konnten die Skyliners den Phantoms Paroli bieten. Insbesondere aber unter dem Korb - vor allem wegen der Braunschweiger Marcus Goree (14 P, 12 R) und Spiel-MVP Jason Cain (25 P) - und bei der Treffergenauigkeit von „Downtown“ (36,8 gegenüber 25,0 Prozent) waren die Hessen deutlich unterlegen. Auch das Point-Guard-Duell war über weite Strecken nicht so eindeutig wie erwartet: DaShaun Wood kam letztlich zwar auf 24 Punkte (7/18 FG), sein Gegenpart Kevin Hamilton (10 P, 4 A) zog aber klug die Fäden im Braunschweiger Spiel.

Dragons verlangen Bamberg alles ab

Pünktlich zum zweiten Halbfinale mit Beteiligung der heimischen Bamberger war die Stimmung in der Stechert Arena auf dem Höhepunkt. War die 6.800 Zuschauer fassende Arena noch mittags zu Beginn des ersten Halbfinales etwa halb gefüllt gewesen, so war sie schon Minuten vor dem Abendspiel maximal ausgelastet - und die Stimmung auf den Rängen am Kochen.

Passend zur kochenden Atmosphäre spielten die Hausherren zu Beginn wie losgelöst. Tibor Pleiß zeigte mit einem Block gegen Darren Fenn sowie zwei Treffern aus der Mitteldistanz gleich, wo der Haken hängt und initiierte damit einen fast schon typischen Bamberger Lauf (14:2), wie sich ihm die Gegner der Franken in dieser Saison oft ausgeliefert sehen. Trotz des schwerfälligen Beginns blieben die Dragons aber ihrem Konzept treu und damit auf Schlagdistanz (28:23). Im Verlauf der ersten Hälfte entwickelte sich dann mehr und mehr ein physisches und hochintensives Spiel, geprägt von vielen Fouls und Nickeligkeiten. Sowohl Bamberg als auch Quakenbrück gerieten schon nach etwas mehr als drei Minuten im zweiten Viertel über die Mannschaftsfoulgrenze. In der hitzigen Atmosphäre behielten nun aber ausgerechnet die Gäste den kühleren Kopf, die Bamberg zu vielen schwierigen Würfen zwangen und zwischenzeitlich den Ausgleich (36:36) markierten. Die Brose Baskets konterten aber umgehend mit einem eigenen Lauf und schraubten den Vorsprung bis zur Halbzeitpause fix auf 49:42.
Nach dem Seitenwechsel erwischte Bamberg die Drachen auf dem falschen Fuß und erhöhte schnell auf 56:45.

Erneut brachen die Dragons jedoch nicht ein und blieben auf Schlagdistanz. Mehr denn je erhitzten sich nun die Gemüter und damit auch die Stimmung in der Halle: Auf beiden Seiten reihten sich nun Fouls und kleine Geplänkel aneinander. Vor allem dank ihrer quirligen Guards Tyrese Rice und Bryan Bailey blieb Quakenbrück auf Schlagdistanz (58:62). Bambergs Liliputaner-Center Kyle Hines sorgte mit zwei Blocks binnen weniger Minuten für spektakuläre Highlights.

Nicht weniger intensiv als in den Vierteln zuvor ging es im Schlussviertel vor. Obwohl nun beide Teams mit Foulproblemen und Müdigkeit als Folge einer aufreibenden Partie zu kämpfen hatten, wurde um jeden Zentimeter gekämpft (73:73). Bei den Dragons nahm nun vermehrt Tyrese Rice die Geschicke seines Teams in die Hand, während Bamberg immer wieder an die Freiwurflinie wanderte. In den letzten Minuten wurde die Partie zu einem wahren Thriller: Einen Dreier von Darren Fenn zum 85:82 konterte Bambergs Brian Roberts rund eine Minute vor Schluss mit einem eigenen Treffer aus dem Drei-Punkte-Land. Bei Gleichstand vergab Tyrese Rice schließlich den möglichen Gamewinner.

In der Verlängerung wurde den Dragons schließlich die große Foulbelastung zum Verhängnis. Erst sammelte der überragende Rice (22 P, 6 A) sein fünftes Foul, dann mussten auch Bryan Bailey (17 P, 3 A) und Johannes Strasser auf der Bank Platz nehmen. Ohne ihre etablierten Guards konnten die Dragons nun dem Druck der „Brösels“ nicht mehr standhalten. Bamberg ging letztlich mit 101:93 als Sieger vom Parkett.

„Es war ein großartiges Spiel“, brachte es Dragons-Coach Stefan Koch anschließend auf den Punkt. In einer umkämpften Partie, die einen Vorgeschmack auf die Playoffs darstellte, wurden insgesamt 73 Fouls gepfiffen und 92 Freiwürfe geworfen. „Die Intensität heute war unglaublich“, äußerte Chris Fleming, Coach der siegreichen Bamberger, und fügte mit Blick auf das morgige Finale gegen Braunschweig an: „Wir müssen unsere Akkus nun natürlich schnellstmöglich wieder aufladen.“




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von Crossover 30.05.2012 um 08:42:36


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