Top-Four-Turnier
Fränkische Glückseligkeit
Die Brose Baskets Bamberg sind Pokalsieger der Beko BBL. Das Team aus „Freak City“ bezwang die gastgebenden Frankfurt Skyliners im Finale des Top Four denkbar knapp mit 76:75. Dabei hätten sich die „Brösels“ fast noch selbst um den verdienten Lohn gebracht.
Von Fabian Klindt (Fotos), Joshua Wiedmann (Text) |
11.04.2010 | |
Spiel um Platz drei: Bremerhaven überrumpelt Göttingen
Am frühen Nachmittag trugen die Verlierer des Vortags, Göttingen und Bremerhaven, das Spiel um den dritten Rang des diesjährigen Top Four aus. Bereits zu Beginn des Spiels deutete sich an: Beide Teams würden nicht alles in die Waagschale werfen, um sich diese Platzierung zu sichern. Diesen Eindruck bestätigte die Tatsache, dass beide Coaches auf leicht angeschlagene Akteure verzichteten (John Little bzw. Philip Schwethelm).
Besonders die verletzungsgeschwächten Göttinger rotierten frühzeitig und brachten auch die Ergänzungskräfte Tobias Welzel, Nico Adamczak und Jan Schiecke ins Spiel. Letzterer wurde wenige Minuten nach seiner Einwechslung in der ersten Hälfte Opfer von Bremerhavens Brandon Brooks, der in der Zone abhob und dem Deutschen den Ball per Dunking ins Gesicht drückte. Ohnehin taten sich die „Veilchen“ schwer mit dem athletischen Spiel der Bremerhavener. Insbesondere die Guards Torrell Martin und Brandon Brooks bereiteten den Niedersachsen Probleme. Eine klare 52:39-Führung zur Halbzeitpause bauten die Nordlichter im Verlauf des dritten Viertels weiter aus; bereits gegen Ende des Spielabschnitts war die Begegnung entschieden (76:52). Nun schalteten auch die Eisbären einen Gang runter und gönnten ihrer ersten Garde einige Verschnaufpausen – der Rest der Partie war Auslaufen bzw. (im Bremerhavener Fall) Schaulaufen. Als schließlich die 40 Minuten abgelaufen waren, prangte ein 90:65 aus Eisbären-Sicht von den großen Anzeigetafeln in der Ballsporthalle.
„Es war klar, dass wir heute keine Chance haben würden“, äußerte BG-Coach John Patrick anschließend, „trotzdem bin ich stolz auf die Mannschaft.“ In Anbetracht der nächsten Titelchance, die sich Ende des Monats bei der EuroChallenge in eigener Halle bieten wird, war die Top-Four-Pleite für Göttingen zu verschmerzen. „Das ist alles eine große Erfahrung für die Jungs“, sekundierte Patrick. Auch Eisbären-Coach Doug Spradley zeigte sich freilich zufrieden mit dem Auftreten seines Teams: „Göttingen hatte nichts zu verlieren. Dennoch waren wir hochkonzentriert und haben gut gespielt.“
Finale: Wechselbad der Gefühle – mit einem verdienten Sieger
Frankfurt gegen Bamberg. In der Tat war dies schon vor dem Turnier-Wochenende keine unwahrscheinliche Final-Paarung gewesen. Vor dem Sprungball am Sonntagnachmittag ließ sich dennoch nur schwerlich absehen, wem in dieser Paarung der Favoritenstatus zustehen würde. Für die Frankfurter sprach der Heimvorteil, auch wenn das Bamberger Fan-Lager ebenfalls erneut gut vertreten war. Auf Bamberger Seite machte die lange Zeit ordentliche Leistung aus dem Halbfinale Hoffnung. Ein Wermutstropfen blieb jedoch: Leistungsträger und Ex-NBAler Casey Jacobson würde für die Begegnung ausfallen. „Wir werden alles geben und uns einsetzen. Wir spielen heute für Casey!“, ließ Baskets-Manager Wolfgang Heyer verlauten.
Zu Spielbeginn in einer stimmungsvollen Ballsporthalle nahm sich das vor allem Bambergs Forward Predrag Suput (Foto) zu Herzen. Der Serbe markierte die ersten sieben Punkte seiner Mannschaft und brachte Bamberg schnell mit 2:7 in Front. Frankfurt schien nach dem starken Auftakt der „Brösels“ in Panik zu geraten: In der Offensive nahmen die Hausherren einige überhastete Aktionen, in der eigenen Hälfte waren sie oft einen Schritt langsamer als ihre Gegenspieler aus dem Frankenland. Während sich die Bamberger nun in einen wahren Rausch spielten, lief bei den Skyliners immer weniger zusammen – ein 12:25-Rückstand nach dem ersten Viertel war die Folge. Die Ansprache von Skyliners-Coach Murat Didin schien jedoch zumindest ein bisschen gewirkt haben: Zu Beginn der zweiten zehn Minuten spielten die Gastgeber ihre Spielzüge konsequenter durch und präsentierten sich nun auch defensiv endlich konzentrierter. Nach zwei Dreiern von Pascal Roller und Derrick Allen sowie einem weiteren von Dragan Labovic wenig später lagen die Frankfurter plötzlich wieder in Reichweite (30:26). Dank eines überragenden Suput, der überdies seinen Gegenspielern zahlreiche Fouls anhängte, blieben die Brose Baskets bis zur Pause aber stets mit einem größeren Polster in Front. Kurz vor der Hälfte überhitzten dann die Gemüter auf beiden Seiten kurzzeitig, als sich Bambergs Elton Brown und Frankfurts Aubrey Reese in die Haare bekamen und sich technische Fouls einhandelten. Nichtsdestotrotz brachte Bamberg eine souveräne 32:43-Führung in die Halbzeitpause.
Auch im Verlauf der zweiten Halbzeit wahrten die Brose Baskets stets ein beruhigendes Polster von mindestens zehn Zählern. Immer dann, wenn es schien, als könnten die Skyliners einen kleinen Lauf starten, gelang Bamberg ein wichtiger Korb. Vor allem mit den vielen vergebenen Wurfchancen am Brett und von der Freiwurflinie schnitten sich die Gastgeber immer wieder ins eigene Fleisch. Einen kurzen Run der Skyliners zum 51:57 machten die „Brösels“ ebenso schnell wieder zunichte wie einen 6:0-Lauf wenige Minuten später. Insbesondere Suput und Anton Gavel trafen die Frankfurter mit ihren Würfen ins Mark.
Erst in der buchstäblich letzten Minute geriet der Bamberger Pokalsieg noch einmal in Gefahr: Quantez Robertson nach einem Steal und Pascal Roller mit einem Dreier verkürzten den Skyliners-Rückstand auf vier Zähler (70:74). Zwei vergebene Freiwürfe von Suput und ein Korbleger von Frankfurts Jimmy McKinney später belief sich der Rückstand nur noch auf zwei Zähler. Doch es sollte nicht reichen für die Hessen: Suput netzte zwei weitere Versuche vom „Stripe“ nun sicher ein – am Sieg der Bamberger änderte dann auch ein Dreier von Skyliners-Guard Reese nichts mehr!
„Wir sind nach dem zweiten Viertel ständig einem Rückstand hinterher gelaufen. Am Ende hat vielleicht auch die Kraft gefehlt“, meinte ein resignierter Skyliners-Kapitän Pascal Roller, der allerdings auch zugeben musste: „Das Spiel war nicht so knapp, wie es das Ergebnis aussagt.“
Auf Bamberger Seite war vor allen Dingen der überragende Predrag Suput der Erfolgsgarant: Der 32-jährige Serbe markierte 26 Punkte und kam zusätzlich auf acht Rebounds. „Heute war einfach mein Tag“, brachte er es nach der Partie mit einem schelmischen Lächeln auf den Punkt.
Jan Pommer: „Suput hat wie ein junger Gott gespielt!“
Im Anschluss an das Finale am Sonntag traf CROSSOVER Jan Pommer, Geschäftsführer der Beko Basketball Bundesliga, zum kurzen Gespräch.
Herr Pommer, wie sieht ihr Gesamtfazit zum Top-Four-Wochenende aus?
Es war eine sehr dichte und tolle Veranstaltung mit einem verdienten Pokalsieger in Bamberg. Predrag Suput hat heute gespielt wie ein junger Gott. Ich hoffe, dass wir den noch lange hier in der ersten Liga sehen. Bamberg hat das wirklich verdient gehabt. Das Ergebnis war dann sicherlich knapper, als das Spiel faktisch über den ganzen Spielverlauf war. Ich freue mich, ich hätte mich für einen anderen Klub allerdings natürlich auch gefreut. Aber für die Bamberger ist das heute schon etwas besonderes, Immerhin sind sie heute vor genau 40 Jahren auch [in die Bundesliga] aufgestiegen. Von daher passt das schon. Ich ermuntere die Bamberger da auch immer, diesen 11. April zukünftig frei zu geben.
Ein anderes Thema: Wie beurteilen Sie die Zuschauerentwicklung an diesem Wochenende? Immerhin waren gestern, aber auch heute beim Spiel um Platz drei einige Plätze in der Halle frei.
Ja natürlich, aber gerade für ein Spiel um Platz drei ist das normal. So viele Zuschauer wie heute zu diesem Spiel schon da waren – in Relation zur Hallengröße –, das gab es meiner Erinnerung nach noch nie. Und dass der Frankfurter sich bei dem schönen Wetter dann mal das Spiel um den dritten Platz schenkt, ist offensichtlich so.
Ist es möglich, dass Frankfurt in den nächsten Jahren noch einmal Austräger des Top Four wird?
Frankfurt ist jetzt zunächst einmal einige Jahre „gesperrt“. Es ist nicht möglich, dass da ein Klub über Jahre einen sportlichen Vorteil erwirbt, oder ihn sich erkauft. Deswegen wird es Frankfurt erst einmal nicht werden, aber es ist ja trotzdem gut möglich, dass sich die Skyliners sportlich weiter etablieren.



von flipflop 12.04.10 um 11:03:53
guter artikel. bringt es auf den punkt.
ich war da gestern. ging ab auch wenn frankfurt kanpp verloren hat. ein sieg wäre auch nicht wirklich verdient gewesen.
werbung für den deutschen basketball. (ich bin das beste beispiel :-P )
von BerlinAir 12.04.10 um 15:23:35
Sehr elegant das eigentlich disqualifizierende Foul von Brown uebergangen...man koennte natuerlich jetzt den Eindruck bekommen, der Schreiber ist etwas voreingenommen.
von RUN & GUN 12.04.10 um 17:06:53
und der einstand von sport1 war auch ok. aber warum wird buschi zum interviewer degradiert. beim dsf hat er die spiele immer kommentiert. hoffe das war ne ausnahme denn zum lachen is der typ immer wieder. ich glaub gavel weiss jetz zumindest, dass er nach der bierdusche ganz schön gestunken haben muss :-)