Top-Four-Turnier

Finale Vorstellung

Der Weg nach Bamberg ist geschafft. Am Wochenende wird unter vier Finalteilnehmern das beste Nachwuchsteam Deutschlands gesucht. Paderborn, Team Alba Urspring, Alba Berlin und die Franken Hexer streiten sich um die Krone.

Von Maximilian Selow
 13.05.2010 |

"Gut ausgebildete Spieler", möchte Dirk Bauermann sehen. "Spieler, die das Spiel verstanden haben, die mannschaftsdienlich spielen, die intensiv spielen und mit einer guten Einstellung sowie mit einem guten Auftreten überzeugen."

Drei Monate vor Beginn der FIBA-Weltmeisterschaft 2010 richtet der Bundestrainer seinen Blick nicht nur auf seine A-Nationalspieler und die, die es noch werden könnten, sondern auch auf den deutschen Nachwuchs. In der JAKO Arena zu Bamberg wird Bauermann am kommenden Wochenende die vier besten Nachwuchsmannschaften im NBBL TopFour 2010 beobachten und sie um die Vergabe der vierten Deutschen (Nachwuchs-)Meisterschaft kämpfen sehen.

Dabei hat die Liga, die 2006 auf Druck des Nationalcoachs und des Deutschen Basketballbunds mit dem Ziel ins Leben gerufen wurde, den deutschen Nachwuchs zu fördern, bis zu diesem Zeitpunkt hin alle Hoffnungen und Erwartungen übertroffen. Aus ihr gingen Nationalspieler wie Robin Benzing, Tim Ohlbrecht oder vielleicht auch bald Per Günther und Eisbären-Guard/Crossover-Blogger Philipp Schwethelm hervor, die allesamt von der Möglichkeit profitierten, sich abseits der lokalen Jugendligen auch auf nationaler Ebene regelmäßig mit den besten Spielern ihrer Altersklasse messen zu können. Nimmt man das jüngst beendete Albert-Schweizer-Turnier als Maßstab, kann man angesichts des guten Abschneidens der deutschen U19- und U17-Nationalteams, die beide fast ausschließlich aus NBBL-Spielern bestehen, als deutscher Basketballfan mehr als optimistisch in die Zukunft blicken.

Die Protagonisten aus Mannheim werden auch in Bamberg wieder tragende Rollen in ihren Mannschaften spielen. Zeit also, die vier Finalisten noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen und ihren Weg nach Bamberg zu beleuchten.

Alba Berlin

Back-to-back, zwei Titel in Folge also, heißt die Mission, auf der sich die Albatrosse von Head Coach Henrik Rödl befinden. Nach dem letztjährigen Titelgewinn gegen Paderborn vor eigener Kulisse in der Berliner Sömmeringhalle ist die Mannschaft aus der Hauptstadt mit nur wenigen Abgängen und der Schlüsselverpflichtung von Scharfschütze Malte Ziegenhagen auf dem besten Weg ihren Titel zu verteidigen.

Die Berliner setzten sich nach der starken Hauptrunde, in der sie mit einer Bilanz von 14-0 die weiße Weste behielten, im Achtelfinale der Playoffs mit Leichtigkeit gegen den Konkurrenten aus Gießen in zwei Spielen durch, der mit einem Punkteunterschied von durchschnittlich 21,5 Punkten abgefertigt wurde. In der zweiten Runde wartete mit dem hochveranlagten, aber dennoch jungen Team aus Leverkusen eine zumindest auf dem Papier weitaus schwierigere Aufgabe. Nach einem 91:61-Sieg in eigener Halle, bei dem die Albatrosse Leverkusen nur im ersten Viertel mitspielen ließen, waren die Kräfteverhältnisse jedoch auch hier schnell unter Beweis gestellt worden. Im darauffolgenden Auswärtsspiel setzte Rödls Mannschaft angeführt von Spielmacher Konstantin Klein in einem 72:57-Triumph den Schlusspunkt und zog damit ohne Probleme in die Endrunde ein.

Konstantin Klein

Alba Berlin wird angeführt von Niels Giffey (13,9 PpG), dem sowohl in Korbnähe als auch aus der Distanz treffsicheren Flügel , der sich bereits im letzten TopFour für seine Leistungen mit der MVP-Trophäe belohnen lassen konnte. Hinzu kommen mit Aufbauspielern Konstantin Klein (Foto, 7,4 PpG) und Sebastian Fülle (11,1 PpG), sowie den Flügeln Friedrich Lotze (9,0 PpG) und Erik Müller (11,1 PpG) weitere meisterschaftserfahrene Rollenspieler. Neuzugang Malte Ziegenhagen hat hinter Giffey mit 12,2 Punkten pro Partie die beste Offensivausbeute und den Abgang von Nico Adamczak in die erste Bundesliga (Göttingen) fast vergessen gemacht.

Zwar ohne Heimvorteil, aber dafür mit dem in der Breite am besten besetzten Kader besitzen die Albatrosse sicherlich die besten Chancen zur Titelverteidigung.


Team Alba Urspring


Das Team Alba Urspring dürfte in Bamberg um Wiedergutmachung für ihre Leistung im letzten TopFour bemüht sein. Dort trat das Team von Head Coach Ralph Junge mit dem vielleicht talentiertesten Kader und fast 100 nach Berlin mitgereisten Anhängern im Turnier zur Titelverteidigung an, um dann mit zwei schmerzhaften Niederlagen nur auf dem vierten Platz zu landen.

In diesem Jahr soll das Ergebnis der Schelklinger Talentschmiede wieder positiver ausfallen. In der Hauptrunde überzeugte die Mannschaft trotz der langen Abwesenheit von Go-to-guy Kevin Bright, der effektiv nur die Hälfte der regulären Saison bestreiten konnte, mit einer Bilanz von 13 Siegen bei nur einer Niederlage. In der ersten Playoff-Runde wartete mit den Funkwerk Junior Baskets aus Jena ein Team mit drei aktuellen Nationalspielern, die zumindest theoretisch eine erste echte Herausforderung für den Berliner Kooperationspartner darstellen sollte. Zwei starke Leistungen von Power Forward Julius Wolf, der im Hinspiel 23 und in Jena sogar 31 Punkte auflegte, sollten sich im Endeffekt für die Junior Baskets jedoch schon als zu viel herausstellen.

Überraschend schwieriger gestaltete sich Ursprings Aufgabe im Viertelfinale beim baden-württembergischen Derby gegen die BBA Ludwigsburg. Nach einem überzeugenden Heimsieg musste die Truppe von Ralph Junge in Ludwigsburg eine empfindliche 16-Punkte-Schlappe einstecken, die ein drittes und entscheidendes Spiel in der Serie heraufbeschwor. Vor heimischer Kulisse drehten die Internatsschule die Schrauben in der Verteidigung fester und sicherten sich letztlich mit einem 53:43-Erfolg das Ticket nach Bamberg.

Auch Urspring bringt einen Großteil seines TopFour-Kaders der letzten Saison mit nach Bamberg. Bester Spieler des Teams war in diesem Jahr Center Justin Raffington, der mit 14,3 Punkten und 6,6 Rebounds pro Partie als Fels in der Schelklinger Brandung fungierte. Aufbau Felix Engel (13,2 PpG) und Big Man Benedikt Breiling (10,4 PpG) zählen mit zu den konstantesten Kräften im Team. Die hochveranlagten Flügel Kevin Bright (11,8 PpG) und Julius Wolf (9,0 PpG) geht diese noch ein wenig ab, doch auch sie können ein Spiel an sich reißen.

Für das Team Alba Urspring wird es auch diesmal wieder darum gehen, alle Rädchen so zu bewegen, dass sie ineinander greifen. Die Aufgabe von Head Coach Ralph Junge wird es auch in diesem Turnier sein, die herausragenden Einzelspieler zu einer Einheit zu formen.


Paderborn Baskets Junior

Der Favoritenschreck aus Paderborn hat sich nach einer herausragenden Leistung im letzten TopFour wieder in die Gruppe der besten vier Mannschaften katapultiert. Grund dafür dürfte nicht zuletzt die von Head Coach Artur Gacaev installierte effektive Ganzfeldpresse, die den Gegner für keine Sekunde zur Ruhe kommen lässt. Für den erfolgreichen Coach, der ab der kommenden Saison das ProA-Team Paderborns übernehmen wird, wollen die NBBLer noch einmal um den Titel mitspielen.

Bereits in der Hauptrunde kristallisierte sich heraus, dass die Baskets an ihre guten Vorstellungen im letzten Jahr nahtlos würden anknüpfen können. In 14 Spielen mussten Gacaevs Jungs nur eine Niederlage einstecken und erkämpften sich somit den ersten Platz in der Division Nordwest. Im Playoff-Achtelfinale gerieten die Baskets gegen die Central Hoops aus Berlin zwar ins Straucheln, setzten sich aber im dritten Spiel der Serie in der Verlängerung knapp durch. Leichter sollte sich das Viertelfinale im Anschluss nicht gestalten. Nach einem überzeugenden Heimsieg und einer knappen Auswärtsniederlage ging es für Paderborn in ein entscheidendes drittes Spiel ohne Leistungsträger Ole Wendt, der sich zuvor eine Bänderverletzung zugezogen hatte. Sein Zwillingsbruder Lars und Aufbau Martin Schmeling sprangen in die Bresche und zeichneten mit insgesamt 50 von insgesamt 86 Paderborner Punkten für den Sprung ins TopFour verantwortlich.

Paderborn setzt neben seiner Verteidigung auf sein offensiv potentes Dreigestirn bestehend aus Lars (20,7 PpG) und Ole Wendt (15,9 PpG), sowie Aufbau Dominik Malinowski (12,3 PpG). Vor allem der emotional spielende Lars Wendt sorgte im letzten Jahr in Berlin für die Höhepunkte, als er das Team Alba Urspring fast im Alleingang besiegte und in einem Privatduell mit Albas Niels Giffey im Finale fast den Titel nach Paderborn holte. Mit Martin Schmeling, der 10,1 Punkte und 6,1 Rebounds im Schnitt produziert, hat zudem Paderborn einen guten Mann unter den Brettern.

Mit seinen drei Nationalspielern dürften die Paderborner auch in diesem Jahr wieder in der Lage sein, für die ein oder andere Überraschung gegen die Konkurrenten mit großem Namen zu sorgen.


Franken Hexer

Die große Überraschung des TopFour sind die Franken Hexer, die ihr Ticket mit einer sensationellen Leistung im Viertelfinale buchten und nun überraschend eine Art Heimspiel im fränkischen Bamberg bestreiten können.

Die Hauptrunde beendete das Team aus Nürnberg mit einer Bilanz von nur acht Siegen in 14 Spielen lediglich auf dem dritten Platz der Division Mitte, sorgte aber im Achtelfinale der Playoffs für die erste Sensation, als es das Basket-College Rhein-Neckar in nur zwei Spielen aus den Playoffs katapultierte. Im Viertelfinale, so die einhellige Meinung, wurde dann jedoch das Aus gegen den Favoriten vom TSV Tröster Breitengüßbach erwartet, der nicht nur mit dem vielleicht besten Spieler der NBBL, Philipp Neumann, sondern auch mit der Aussicht im Hinterkopf antrat, in der eigenen Halle ein TopFour bestreiten zu können. Doch was auf dem Papier unmöglich aussah, machten die Hexer in zwei harten und bis zum Ende umkämpften Spielen zur Realität. Mit 60:57 und 60:54 schalteten die Nürnberger den großen Konkurrenten aus der Nachbarschaft aus und zogen somit mehr als minder überraschend ins Finalturnier ein.

Einen großen Anteil daran hatte vor allem Forward Dennis Ogbe, der zwar nicht zu den talentiertesten Spielern im Kreis gehört, aber 17,9 Punkten und 7,9 Rebounds pro Partie starke Werte auf dem Spielberichtsbogen aufweisen kann. Mit Center Daniel Stawowski (16,9 PpG, 8,6 RpG), der den zuvor angesprochenen Philipp Neumann egalisierte, und Power Forward Johannes Richter (10,1 PpG, 8,8 RpG) haben die Nürnberger das wohl größte und rebound-gewaltigste Team des Turniers im Rennen.

Nach zwei Sensationen in Folge wäre alles andere als ein vierter Platz im TopFour ebenfalls wieder eine Sensation. Mit den eigenen Anhängern zahlreich im Rücken könnte aber genau das wieder passieren.

 

Los geht es am Samstag um 12:30 Uhr in der JAKO Arena, in der gleichzeitig auch das TopFour die Jugendbasketball-Bundesliga für die U16 stattfinden wird. Nach dem Aufeinandertreffen von Alba Berlin und den Franken Hexern werden dann (erneut) Urspring und Paderborn um das Ticket für das Finale kämpfen.

 

Bei allen Erwartungen, die die Spieler und Verantwortlichen an das Turnier haben, ist es Bundestrainer Dirk Bauermann ziemlich egal, wer gewinnt: "Wenn Qualität sichtbar wird, bin ich zufrieden."




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Kommentare

(10 Kommentare bisher)

von rajonrondo9 13.05.10 um 22:50:52


Paderborn macht's!



von Chi-ball 14.05.10 um 08:16:46


"Sein Zwillingsbruder Lars und Aufbau Martin Schmeling sprangen in die Bresche..."

Schmeling spielt auf der 4



von JBowler 14.05.10 um 12:54:14


Paderborn holt das Ding an die Pader,klar Geschichte!!!



von rajonrondo9 14.05.10 um 20:40:58


Da stimm' ich dir zu!



von Noah 14.05.10 um 23:44:38


Paderborn!



von rajonrondo9 14.05.10 um 23:47:32


Da stimm' ich dir zu!



von Äneas 18.05.10 um 00:51:53


Ihr Helden. Ihr wurdet mal schön vom späteren Meister vermöbelt ;P



von rajonrondo9 18.05.10 um 21:53:03


mit 1 toll.
und wokommst du her?
konnstest dus dir leisten nach bamberg zu fahren???
ich denk ma nee



von Äneas 18.05.10 um 22:27:54


Alter, war natürlich nicht ernst gemeint!

Doch, als Halb-Ulmer(nicht weit von Schelklingen/Urspring) entfernt, war ich auch in Bamberg. Es war wirklich ein tolles Spiel mit furiosem Finale. Ein Heartbreaker für die tapferen Paderborner.



von rajonrondo9 20.05.10 um 19:36:23


stimmt



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