ProA- und ProB-Rückblick

Wechselspiele im Unterhaus

In Weißenfels stellt sich ein gebürtiger Göttinger an, sein zweites Ost-Team in die BBL zu bringen, in Lich kehrte ein Abgang wieder zurück und in Homburg muss man die Fans bald an den Teamnamen erinnern. In der ProB vollzog sich derweil ein Wachwechsel an der Spitze.

Von Thomas Käckenmeister (tk), Martin Vogel (mv)
 25.02.2009 |

(mv). Seit dem letzten Rückblick hat sich einiges in der zweithöchsten deutschen Spielklasse getan. Die wichtigste Neuerung fällt beim ersten Blick auf die Tabelle auf. Anstelle des BBC Bayreuth steht der Mitteldeutsche BC auf der Spitzenposition der ProA. Dreizehn Spiele in Serie konnte der FIBA EuroChallenge-Sieger von 2004 für sich entscheiden. Erfolgsgarant auf dem Feld ist Guard Wayne Bernard. Der Absolvent des Davidson College ist mit 14,2 Punkten pro Begegnung der Topscorer der Wölfe und ProA-Spieler des Monats Januar. An der Seitenlinie dagegen hat Björn Harmsen das Kommando. Und der Ex-Trainer von Science City Jena hat Erfahrung damit, Teams aus den neuen Bundesländern in die erste Liga zu führen.

Hinter dem Tabellenführer (38:4 Punkte) kämpfen mit Hagen und Bayreuth (jeweils 17-4 Siege) zwei Traditionsvereine um den zweiten Aufstiegsplatz. Die Westfalen hatten mit ihrer 92:95-Niederlage gegen den MBC bereits alles dafür getan, den Franken den zweiten Platz abzutreten, doch Bayreuth unterlag überraschend gegen Jena. Das Aufstiegsrennen bleibt also auch weiterhin spannend.

Während diese drei Teams um den Aufstieg kämpfen, hat der Tabellenvierte gerade erst einen Aufstieg hinter sich. Die Kirchheim Knights (13-8) haben erst in der vergangenen Saison den Titel in der ProB errungen und sind jetzt schon ?best of the rest? in der ProA. Vor allem dank Forward Adam Baumann: Der aus Hagen gekommene Amerikaner markiert mit 18,2 PpG und 10,6 RpG ein lupenreines Double-Double im Schnitt.

Vor der ProA spielten die BG Karlsruhe und Jena nicht in der ProB, sondern in der BBL. Die Karlsruher kommen seit dem Trainerwechsel zu Dr. Ivan Vojtko immer besser in Tritt und mussten sich in den letzten neun Spielen nur den drei Topteams geschlagen geben. Bei den Thüringern übernahm Tino Stumpf Anfang des Jahres für Sean McCaw. Obwohl der neue Trainer eigentlich gute Arbeit leistet, steht Jena dennoch mit einer Bilanz von elf Siegen gegenüber acht Niederlagen nur auf dem sechsten Rang. Das Schiedsgericht der ProA zog den Jenaern vier Pluspunkte ab, da das Team Verbindlichkeiten gegenüber der AG 2. Basketball-Bundesliga von mehr als 3.000 Euro hatte und mit der Zahlung mehr als einen Monat im Rückstand war.

Das letzte Team mit einer positiven Punktebilanz ist der FC Bayern München. Nach dem nur mäßig erfolgreichen Januar, in dem vier von fünf Spielen verloren wurden, haben sich die Bayern wieder berappelt und in den letzten drei Spielen drei Siege gefeiert.

Feiern dürfte bei den Chemnitz 99ers vor allem Nikita Khartchenkov. Vor der Saison noch aufgrund eines arbeitsrechtlichen Verfahrens aus der BBL verschwunden, sorgt der junge Flügelspieler derzeit in Sachsen für Furore: 24,2 PpG legte der Youngster in den letzten sechs Spielen auf, gegen Heidelberg sogar 36 Punkte. Die ProA belohnte den 22-Jährigen mit der Auszeichnung zum Youngster des Monats Januar.

Probleme dagegen gibt es bei den Bremen Roosters. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten musste das Team aus der Hansestadt bereits Josh Mueller ziehen lassen. Nur noch wenig erinnert an den guten Saisonstart mit fünf Siegen zum Auftakt.

Auch bei den teckpro Braves dürfte man sich derzeit eher an gute, alte Zeiten erinnern wollen. Das Team gab kürzlich bekannt, in der kommenden Saison als Saar-Pfalz Braves auflaufen zu wollen. Damit haben die Homburger den vierten Namen in vier Jahren, nachdem man zuvor als 1. FC Kaiserslautern (06/07), Kaiserslautern Braves (07/08) und teckpro Braves auflief.

Letztes Jahr holten die Cuxhaven BasCats noch die Meisterschaft der ProA, nahmen den Aufstieg aufgrund der Rahmenbedingungen aber nicht wahr. Während die Spieler des letztjährigen Teams nun in BBL oder Ausland für Furore sorgen, stehen die Katzen von der Nordsee nicht so gut da: 18:24 Punkte bedeuten den elften Platz. Einzig Brandon Watkins kann sich unter Umständen Hoffnung machen, in der kommenden Saison höherklassig zu spielen: Mit 22,4 Punkten im Schnitt ist der Amerikaner der zweitbeste Werfer der Liga.

Hinter den Teams des TV Langen (8-13) und der ETB Wohnbau Baskets Essen (7-14) beginnt die Abstiegszone: Der FC Schalke 04 feierte am vergangenen Wochenende beim 77:71-Sieg gegen die Bremen Roosters den ersten Sieg nach zuletzt zehn Niederlagen in Folge, die Trainer Boris Kaminski den Job kosteten. Für ihn übernimmt einmal mehr Hubert Beck die sportliche Leitung bei den Gelsenkirchenern, die mit 10:32 Punkten den letzten Nichtabstiegsplatz halten.

Hinter ihnen hofft mit dem USC Heidelberg ein weiteres Traditionsteam darauf, auch in der kommenden Saison noch in der zweitbesten Liga des Landes antreten zu dürfen. Seit dem Jahreswechsel konnten die Baden-Württemberger allerdings nur eines ihrer sieben Spiele gewinnen und mussten ansonsten immer dem Gegner den Vortritt lassen. Für Coach Thorsten Daume und seine Truppe wird es vor allem auf die letzten fünf Spiele ankommen: Dann trifft der USC vornehmlich auf Konkurrenten aus der unteren Tabellenhälfte.

Unter ihnen befindet sich auch LTi Lich, das neue Tabellenschlusslicht. Die Mittelhessen mussten mit dem Daumenbruch von Jannik Freese (20,3 PpG) einen schweren Schlag verkraften. Um die Feuerkraft der schlechtesten Offense der Liga zu steigern, holte Lich Flügelspieler Jesse Bunkley zurück, der bereits am Anfang der Saison für das Team von Alexander Biller auflief, dann aber wegen Heimweh zurück in die USA flog. Nach acht Niederlagen in Folge hoffen die Licher nun darauf, dass sich nicht mehr allzu viele ihrer Spiele mit denen der LTi Gießen 46ers überschneiden ? so können die Doppellizenzspieler Freese und Johannes Lischka für die Licher spielen.

Tabelle nach 21 Spieltagen (Spiele, Siege-Niederlagen, Differenz)

1. Mitteldeutscher BC, 21, 19-2, +234
2. Phoenix Hagen, 21, 17-4, +317
3. BBC Bayreuth, 21, 17-4, +264 
4. VfL Kirchheim Knights, 21, 13-8, +14
5. BG Karlsruhe, 21, 12-9, -4
6. Science City Jena*, 21, 13-8, +63
7. FC Bayern München, 21, 11-10, -15
8. BV Chemnitz 99, 21, 10-11, -23
9. Bremen Roosters, 20, 9-11, -9
10. teckpro Braves, 21, 9-12, +5 
11. Cuxhaven BasCats, 21, 9-12, -7
12. TV 1862 Langen, 21, 8-13, -65
13. ETB Wohnbau Baskets, 21, 7-14, -28 
14. FC Schalke 04, 21, 5-16, -148
15. USC Heidelberg, 20, 4-16, -239
16. LTi LICH, 21, 4-17, -359 

Bestleistungen des Monats

Punkte: 36, Nikita Khartchenkov (Chemnitz)
Rebounds: 20, Edward Seward (Cuxhaven)
Assists: 13, Japhet McNeil (Heidelberg)
Steals: 6, Josh Porter (Cuxhaven)
Blocks: 5, Thomas Fairley (Jena)
Effektivität: 37, Nate Gerwig (Chemnitz)

Statline des Monats

Nikita Khartchenkov (Chemnitz gg. Heidelberg, 36 Pkt (9/16 3er), 2 Reb, 2 Ast)

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Teil 1: Wechselspiele im Unterhaus
Teil 2: Wachwechsel in der ProB



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Kommentare

(1 Kommentar bisher)

von jordan 27.02.09 um 20:26:19


Ist schon bemerkenswert wie sich Wohlfahrt-Bottermann die Bälle unter den ProB-Körben schnappt (10,0 RPG). Respekt!



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