ProA- und ProB-Rückblick
Saisonende in der jungen Liga
Bayreuth ist Meister der ProA. Nach dem Aufstieg steht endgültig fest: Der BBC kommt aus der wahrhaften Wagnerstadt. In der ProB war es bis zum Ende spannend. Rhöndorf, Herten und Würzburg lieferten sich einen Krimi an der Tabellenspitze.
Von Dennis Klammer (dk), Martin Vogel (mv) |
30.04.2010 | |
(mv). Andreas Wagner kann stolz auf seine Bilanz in der ProA zurückblicken: In den drei Jahren, in denen die eingleisige zweithöchste Spielklasse im deutschen Basketball existiert, konnten sich seine Mannschaften zwei Mal den Meistertitel sichern. Nach den Giants Nördlingen im Jahr 2008 feierte Wagner in diesem Jahr den Aufstieg mit dem BBC Bayreuth. Der Traditionsstandort in Franken kehrt damit nach mehr als einem Jahrzehnt Abstinenz wieder auf die Bundesliga-Bühne zurück, machte es aber noch einmal unnötig spannend: Im Auswärtsspiel bei den Kirchheim Knights sahen die Bayreuther schon wie der sichere Sieger aus, als ein Dreier von Knights-Point-Guard Radi Tomasevic das Spiel mit der Schlusssirene entschied: 87:88-Niederlage für Bayreuth, die Aufstiegsfeier vertagt – und ausgerechnet eine Woche später kam mit den Nördlingern der Ex-Verein von Wagner nach Bayreuth.
Doch der BBC kannte keine Gnade, am Ende feierten fast 3.800 Zuschauer das 97:53, das nicht nur den Aufstieg für Bayreuth bedeutete, sondern zugleich den Abstieg von Nördlingen besiegelte. Damit gibt es nun nicht nur einen weiteren basketballverrückten Standort mit B in Franken, es ist auch endgültig klar: Bayreuth ist die Wagnerstadt.
Dass Cuxhaven zur Matkevicius-Stadt wird, ist eher unwahrscheinlich, wenngleich der litauische Übungsleiter der BasCats es sich verdient hätte. So wie Wagner zwei Mal den Meistertitel feiern konnte, sicherten sich die Cuxhavener zwei Mal den Vizemeistertitel in der ProA. Erst ein 92:69-Sieg in Essen am letzten Spieltag sicherte den zweiten Platz vor den mit Siebenmeilenstiefeln heraneilenden Saar-Pfalz Braves. Die hatten in den letzten zwölf Spielen nur eine Niederlage (gegen Meister Bayreuth) erlitten und hätten ihr Aufstiegsrecht wahrgenommen – im Gegensatz zu Cuxhaven: Aufgrund der Hallenauflagen der BBL werden die BasCats auch in der kommenden Saison in der ProA an den Start gehen, ebenso wie die Braves, die bereits verlauten ließen, dass sie sich an einem Wildcard-Verfahren nicht beteiligen würden.
Für die Kirchheim Knights dürfte der vierte Platz einen riesigen Erfolg darstellen. Das Team aus Baden-Württemberg vermieste dazu nicht nur, wie erwähnt, den Bayreuthern die vorzeitige Meisterfeier, sondern verbesserte die Bilanz (19-11) im Vergleich zum Vorjahr sogar noch um einen Sieg. Die BG Karlsruhe hatte sich vielleicht insgeheim sogar mehr als nur Platz fünf erhofft, aber als es im Februar binnen eines Monats drei Niederlagen in fünf Spielen setzte, war der Aufstiegszug abgefahren. Die Fächerstädter konnten dennoch den höchsten Sieg der Saison verbuchen, wenngleich dieses Spiel in Karlsruhe nicht als sportliche Sternstunde in Erinnerung bleiben wird: Mit 163:44 schlug die BG im Baden-Derby den USC Freiburg, der allerdings krankheitsbedingt nicht weniger als 38:26 Minuten des Spiels nur mit drei Akteuren absolvierte, darunter zwei Spielern aus der Jugend!
In Crailsheim dagegen wird man den sechsten Platz und die positive Bilanz feiern. Vor der Saison für viele ein Abstiegskandidat, gewann man 13 der 15 Heimspiele (zusammen mit den Braves die beste Heimbilanz der Liga), musste sich aber auch in zwölf der 15 Partien auf fremdem Parkett geschlagen geben. In Chemnitz war man ausgeglichener, acht Heimsiegen standen auch acht Auswärtspleiten gegenüber. Folgerichtig hieß es am Ende mit einer 15-15-Bilanz Platz sieben.
Enttäuschend verlief die Saison für den FC Bayern München – während für die Fußballer die erfolgreichste Saison aller Zeiten in Reichweite ist, mussten die Basketballer, bei denen vor Rundenbeginn hinter vorgehaltener Hand auch mal das Wort „Aufstieg“ in den Mund genommen wurde, sich mit achten Platz zufriedengeben und sogar eine negative Bilanz hinnehmen (14-16). Grund dafür war das schwache Finish: In den letzten elf Partien gab es nur drei Siege für den zweifachen deutschen Meister. Die GiroLiveBallers Osnabrück dagegen werden mit der gleichen Bilanz zufrieden sein. Jedoch werden nun Begehrlichkeiten wach: An Forward Steve Wachalski (17,2 PpG, 5,7 RpG) sind laut einem Artikel der Neuen Osnabrücker Zeitung zufolge die Bundesligisten aus Gießen und Ulm interessiert.
Den umgekehrten Weg, aus der Bundesliga in die ProA, ging ein Youngster-Duo: Kevin Wysocki und Oskar Fassler wechselten von den New Yorker Phantoms Braunschweig respektive Alba Berlin in der Saison zu Science City Jena und sorgten dort für ein gutes Saisonende: Sechs der letzten neun Spiele wurden gewonnen. Mit ihren Leistungen von 12,7 PpG in nur 23:11 MpG (Wysocki) und 9,3 PpG (Fassler) ist der Weg zurück in die Bel Etage des deutschen Basketballs jedoch bereits vorgezeichnet. Auch der USC Heidelberg konnte mit jungen Deutschen überzeugen: Ob der 23-jährige Oliver Komarek (17,2 PpG, 6,4 RpG) oder der erst 18 Jahre alte Danilo Barthel (4,3 PpG), Power Forwards scheinen sich am Neckar wohl zu fühlen. Dazu hatte der USC die beste Offense der Liga: 88,4 Punkte erzielte das Team von Head Coach Thorsten Daume im Schnitt pro Partie – allerdings kassierte auch kein Team mehr als die 93,6 Punkte pro Begegnung, die Heidelbergs Gegner durchschnittlich erzielten.
Die Mannschaften aus Hannover und Freiburg standen vor einem Jahr noch in der Abschlusstabelle der ProB und waren dort weit von den Aufstiegsrängen entfernt. Der Sommer letzten Jahres, der eine Neuordnung der zweiten Ligen mit sich brachte, spülte jedoch beide Teams in die ProA, wo sie keine schlechte Rolle spielten: Eine Serie von fünf Niederlagen zum Saisonende verhinderte eine bessere Platzierung der Hannoveraner, während Freiburg nach einer schwachen Hinserie (4-11) eine ordentliche zweite Saisonhälfte hinlegte (7-8) und sich so dem Abstieg entzog. Auch die ETB Wohnbau Baskets Essen, die sportlich den Aufstieg in die ProA geschafft hatten, konnten die Klasse halten. Der Ex-Nationalspieler Gerrit Terdenge, der aus Gießen ins Ruhrgebiet wechselte, konnte immerhin 9,2 Punkte und 4,4 Rebounds pro Partie für sich verbuchen.
Verabschieden aus der zweithöchsten Spielklasse muss sich dagegen der TV Langen, womit ein absolutes Urgestein der zweiten Liga im nächsten Jahr nur drittklassig sein wird. Die sportliche Heimat von Spielern wie Johannes Herber, Robin Benzing oder Denis Wucherer, die dazu noch die ewige Tabelle der zweiten Liga anführt, wird aber im Gegensatz zu den Giants Nördlingen zumindest in der ProB spielen. Vor einem Jahr noch in der BBL gewesen, werden die Giganten aus dem bayrischen Teil Schwabens in der kommenden Saison nur in der Regionalliga an den Start gehen. Das Management der Nördlinger entschloss sich, keine Lizenz für die ProB zu beantragen.
Die Abschlusstabelle der ProA 2009/10
| # | Team | S | N |
| 1 | Bayreuth | 24 | 6 |
| 2 | Cuxhaven | 23 | 7 |
| 3 | Homburg | 22 | 8 |
| 4 | Kirchheim | 19 | 11 |
| 5 | Karlsruhe | 19 | 11 |
| 6 | Crailsheim | 16 | 14 |
| 7 | Chemnitz | 15 | 15 |
| 8 | München | 14 | 16 |
| 9 | Osnabrück | 14 | 16 |
| 10 | Jena | 13 | 17 |
| 11 | Heidelberg | 13 | 17 |
| 12 | Hannover | 12 | 18 |
| 13 | Freiburg | 11 | 19 |
| 14 | Essen | 10 | 20 |
| 15 | Langen | 8 | 22 |
| 16 | Nördlingen | 7 | 23 |
ProA-Auszeichnungen 2009/10
- Youngster des Jahres: Simon Schmitz (Jena)
- Spieler des Jahres: Jaivon Harris (Bayreuth)
- Trainer des Jahres: Andreas Wagner (Bayreuth)
- Schiedsrichter des Jahres: Ronny Wegner
Bestleistungen der ProA-Saison 2009/10
Punkte: 50, Walt Baxley (Homburg)
Rebounds: 19, Alonzo Hird (Langen)
Assists: 15, Achmadschah Zazai (Freiburg)
Blocks: 6, Edward Seward (Bayreuth)
Steals: 6, Janis Heindel (Nördlingen)
Effektivität: 46, Walt Baxley (Homburg)



von Crossover 30.05.2012 um 08:36:48
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