ProA- und ProB-Rückblick

Die Wölfe sind zurück

Der MBC ist Meister der ProA-Saison 2008/09. Das Team vom Coach Björn Harmsen entscheidet Ende Juni, ob es 2009/10 in der BBL antreten wird. Wie die Saison in der ProA und ProB zu Ende ging und welche Spieler ins Rampenlicht rückten, steht im letzten Rückblick.

Von Thomas Käckenmeister (tk), Martin Vogel (mv)
 19.05.2009 |

ProA: Aufstiegskrimi bis zum letzten Spieltag

(mv). Überraschend kam der Aufstieg für Fans und Verantwortliche des Mitteldeutschen BC dann nicht mehr. Seit dem 13. Spieltag standen die Weißenfelser auf einem Aufstiegsplatz, die gesamte Rückrunde auf dem ersten Rang der Tabelle – und am Ende die Rückkehr in die Basketball-Bundesliga. Für MBC-Cheftrainer Björn Harmsen ist es bereits das zweite Mal binnen drei Saisons, dass er einen Verein aus dem Osten Deutschlands ins Oberhaus bringt: Damals gelang dem gebürtigen Göttinger der Aufstieg mit Science City Jena, wo er allerdings nach einigen Monaten entlassen wurde. Der Mitteldeutsche BC, für den in der Bundesliga Spieler wie Chris Ensminger, Mithat Demirel oder Ingo Freyer aufliefen, kehrt dagegen fünf Jahre nach dem Zwangsabstieg zurück in die Beletage des deutschen Basketballs.

Ebenso lange musste die Stadt Hagen auf die Rückkehr von Erstligabasketball warten: 2003/04 beendete die Insolvenz von Brandt Hagen mit einem Schlag die Präsenz der Eliteliga in der Heimat des DBB. Unter der Regie des bereits erwähnten Ingo Freyer schaffte es nun aber Phoenix Hagen, den Traditionsstandort wieder auf die Landkarte der BBL zu bringen. Die Feuervögel mussten allerdings lange zittern: War der MBC noch souverän aufgestiegen, lieferte sich Hagen mit dem BBC Bayreuth ein packendes Duell um den Aufstieg. Ausgerechnet eine 66:67-Niederlage der Oberfranken gegen die Westfalen sorgte am 27. Spieltag für den Platztausch der beiden Teams. Am Ende feierten die Hagener, während man in Bayreuth zehn Jahre nach dem letzten Auftritt in der BBL noch mindestens ein Jahr warten muss, um wieder im Konzert der Großen mitspielen zu können.

Ob man sich bei der BG Karlsruhe wohl wünscht, man hätte früher auf Dr. Ivan Vojtko als Head Coach gesetzt? Abwegig ist der Gedanke nicht: Als die BG sich von Peter Krautwald trennte, stand das Team mit je sechs Siegen und Niederlagen mittelmäßig da. Unter dem Slowaken, der die Karlsruher bereits in die BBL führte, verließen die Badener das Feld 13 Mal als Sieger, bei nur fünf Niederlagen und legte im Frühjahr eine Bilanz von zehn Siegen aus elf Spielen auf das Parkett, gut genug für den vierten Platz in der Tabelle.

Die zwei Teams hinter den Karlsruhern bestritten jeweils ihre erste ProA-Saison: Während die Kirchheim Knights allerdings aus der ProB aufgestiegen waren und sich konsequent nach oben arbeiteten, bis sie am Ende den fünften Platz gesichert hatten, spielte Science City Jena, der letztendlich Sechstplatzierte, in der Vorsaison noch in der Basketball-Bundesliga. Nach vier Spieltagen standen die Jenaer sogar noch auf dem letzten Tabellenplatz und ließen schon an das Schicksal von Ex-BBL-Team Nürnberg erinnern.

Eine echte Überraschung kann es für niemanden mehr gewesen sein, dass die Chemnitz 99ers am Saisonende mit einer ausgeglichenen Bilanz von 15 Siegen und ebenso vielen Niederlagen dastehen. Nach acht Spielen: vier Siege, vier Niederlagen. Nach 18 Spielen: neun Siege, neun Niederlagen. Nach 24 Spielen: zwölf Siege, zwölf Niederlagen. Kein Wunder also, dass die Sachsen sich auch die gesamte Saison über im Mittelfeld der Tabelle tummelten.

Der wohl größte Name des deutschen Zweitligabasketballs folgt auf dem achten Platz: Dort endete die Saison des FC Bayern München, und es bleibt ein wenig im Dunkeln, ob das nun ein Erfolg ist oder nicht. Mit Spielern wie Kelvin Parker (Rhöndorf), Michael Buse (MBC) und Stuart Robbins (Kaiserslautern) konnte Head Coach Georg Kämpf sich ein Team mit viel Zweitligaerfahrung zusammenstellen. Die höchste Platzierung in der Saison blieb allerdings der sechste Platz, den die Bayern genau drei Mal inne hatten. Es bleibt abzuwarten, wie die Verantwortlichen auf das Saisonergebnis reagieren werden, ob sie ruhig bleiben – oder ob sie alles durcheinanderwerfen. So geschehen bei den Teckpro Braves vor der Saison, als Trainer Vladimir Bogojevic mitten in der Vorbereitung das Team verließ, weil die Erwartungen, welche die sportliche Leitung an ihn und sein Team stellte, nicht zu erfüllen waren. Nicht ganz zu Unrecht, denn die erfolgsverwöhnten Braves standen Ende Januar mit einer Bilanz von 6-11 nur knapp vor den Abstiegsrängen und damit alles andere als gut da. Am Ende reichte es jedoch trotz allem noch für den neunten Platz.

Einen besseren Start hatten die Bremen Roosters erwischt: Nach fünf Spieltagen eine perfekte Bilanz, den zweiten Tabellenplatz – an der Weser schien die Sonne zu diesem Zeitpunkt besonders hell. Dann aber der Absturz: Aus den 25 Spielen nach dem Super-Start holten die Roosters nur noch sieben Siege. Zwar reichte das dennoch für den sportlichen Klassenerhalt, ob die Bremer auch nächstes Jahr noch in der ProA an den Start gehen, entscheidet sich allerdings wohl eher im Finanzbereich.

Starteten die Bremer furios, startete der USC Heidelberg fürchterlich: 1-9 lautete die Bilanz nach dem ersten Saisondrittel, auch das 4-16 nach zwei Dritteln der Spielzeit ließ nur wenig Raum für Hoffnung bei den Anhängern des Traditionsklubs vom Neckar. Die letzten zehn Saisonspiele werden im Schatten des Schlosses aber schon fast in die Kategorie „Wunder“ einsortiert. Sogar Meister Weißenfels wurde mit fast 20 Punkten Unterschied an die Wand gespielt, aus den letzten zehn Spielen holte Heidelberg acht Siege, die sie im Schnitt mit 10,4 Punkten Unterschied einfuhren. Head Coach Thorsten Daume und sein Team feierten am Ende den elften Platz wie eine Meisterschaft.

Ein Jahr zuvor waren die Cuxhaven BasCats eine Halle von der Basketball-Bundesliga entfernt. Angesichts der nur 1.100 Zuschauer fassenden Rundsporthalle und der damit verbundenen finanziellen Möglichkeiten nahm das Management des Nordseeklubs Abstand von einem Aufstieg. Das Team der BasCats ging auseinander, sorgt nun in BBL und Ausland für Furore, während die Cuxhavener mit acht Niederlagen im letzten Saisondrittel eine Saison beendeten, die wohl niemanden so richtig zufrieden stellt.

Dieses Gefühl der Unzufriedenheit dürfte sich bei den ETB Wohnbau Baskets Essen nicht einstellen. Der Aufsteiger rutschte nur am achten Spieltag auf einen der beiden Abstiegsplätze, bewegte sich ansonsten zwar immer im Tabellenkeller, aber doch auf der sicheren Seite der Abstiegszone. Auch der TV Langen rutschte zwar anfangs das ein oder andere Mal unter den roten Strich, letztendlich konnten auch die Südhessen den Verbleib in der ProA feiern.

Dass das für sie nicht der Fall sein würde, wussten die Spieler und Fans des FC Schalke 04 schon lange zuvor. Die Gelsenkirchener hatten bereits in der Saison angekündigt, sich nach Rundenende in die Regionalliga zurückzuziehen und dabei unter anderem mangelnde Unterstützung aus dem Hauptverein beklagt. Eine sportliche Rettung wäre allerdings auch alles andere als einfach gewesen. Seit dem 13. Spieltag standen die Königsblauen ununterbrochen auf einem der beiden letzten Plätze in der ProA, was unter anderem an der miserablen Bilanz in den letzten 20 Saisonspielen lag, in denen die Schalker nur drei Siege einfahren konnten. Damit endet eine fünfjährige Zweitligageschichte im Ruhrgebiet, die 2006 sogar mit dem sechsten Platz in der damaligen zweiten Liga Nord gekrönt werden konnte.

Noch länger ist die Zweitligatradition in Lich: Vor zehn Jahren hatten die Mittelhessen noch sensationell den Aufstieg in die BBL geschafft, wo sich das 13.000-Einwohner-Städtchen mit Alba Berlin und Co. messen konnte. Nach der einjährigen Stippvisite in der Eliteklasse agierten die Bierstädter als Farmteam des Basketball-Bundesligisiten aus Gießen. Doch auch die Nachwuchsspieler Johannes Lischka und Jannik Freese, die in dieser Saison als Doppellizenzspieler fungierten, konnten in diesem Jahr den Abstieg in die drittklassige ProB nicht aufhalten.

Die Top Ten 2008/09 der wichtigsten Kategorien

Punkte pro Spiel

1. Johannes Lischka* (Lich): 23,7
2. Brandon Watkins (Cuxhaven): 21,8
3. Jibril Hodges (Heidelberg): 18,8
4. Nikita Khartchenkov* (Chemnitz): 18,3
5. Melvin Hall (Schalke): 18,3
6. Robin Benzing* (Langen): 18,3
7. Kelvin Parker (B. München): 17,2
8. Jannik Freese* (Lich): 17,1
9. Rouven Roessler* (Karlsruhe): 17,0
10. Chase Griffin (Hagen): 16,9

Rebounds pro Spiel

1. Edward Seward (Cuxhaven): 10,4
2. Adam Baumann (Kirchheim): 10,1
3. Rashad Jennings (B. München): 10,1
4. Kyle Jeffers (Langen): 9,9
5. Gary Hamilton (Bayreuth): 9,3
6. Johnnie Gilbert (MBC): 9,2
7. Justin Howard (Karlsruhe): 9,0
8. Johannes Lischka* (Lich): 8,8
9. Nate Gerwig (Chemnitz): 8,5
10. Jannik Freese* (Lich): 8,5

Assists pro Spiel

1. Japhet McNeil (Heidelberg): 7,9
2. Dustin Pfeifer (Chemnitz): 5,6
3. Willy Anthony Bannister (Schalke): 5,6
4. Daniel Ruffin (teckpro Braves): 4,9
5. Clifford Crawford (Kirchheim): 4,7
6. Brandon Watkins (Cuxhaven): 4,4
7. Drew Williamson (Jena): 4,3
8. Chase Griffin (Hagen): 4,3
9. Whit Holcomb-Faye (Bayreuth): 4,1
10. Kelvin Parker (B. München): 4,1

* Deutsche Spieler

Abschlusstabelle 2008/09

1. Mitteldeutscher BC (26-4)
2. Phoenix Hagen (24-6)

3. BBC Bayreuth (24-6)
4. BG Karlsruhe (19 -11)
5. VfL Kirchheim Knights (18-12)
6. Science City Jena* (18-12)
7. BV Chemnitz 99 (15-15)
8. FC Bayern München (14-16)
9. teckpro Braves (13-17)
10. Bremen Roosters (12-18)
11. USC Heidelberg (12-18)
12. Cuxhaven BasCats (11-19)
13. ETB Wohnbau Baskets (10-20)
14. TV 1862 Langen (10-20)
15. FC Schalke 04** (7-23)
16. LTi Lich (7-23)

* Gemäß § 21, 3 LizSt Abzug von vier positiven Wertungspunkten
** Rückzug in die Regionalliga zur Saison 2009/10

Crossover All-ProA-First-Team

G: Dustin Pfeiffer (Chemnitz, 14,5 PpG, 3,5 RpG, 5,6 ApG, 2,2 SpG)
G: Chase Griffin (Hagen, 16,9 PpG, 3,9 RpG, 4,3 ApG, 0,9 SpG)
F: Johannes Lischka (Lich, 23,7 PpG, 8,8 RpG, 2,2 ApG, 1,8 SpG)
F: Johnnie Gilbert (MBC, 13,2 PpG, 9,2 RpG, 0,8 SpG, 0,8 BpG)
C: Edward Seward (Cuxhaven, 11,3 PpG, 10,4 RpG, 1,4 BpG)

Crossover All-ProA-Second-Team

G: Japhet McNeil (Heidelberg, 14,8 PpG, 3,1 RpG, 7,9 ApG, 3,5 SpG)
G: Melvin Hall (Schalke, 18,3 PpG, 4,7 RpG, 1,5 SpG)
F: Adam Baumann (Kirchheim, 16,5 PpG, 10,1 RpG, 1,2 SpG)
F: Ben Beran (Heidelberg, 16,3 PpG, 7,5 RpG, 1,1 SpG)
C: Bernd Kruel (Hagen, 13,5 PpG, 7,7 RpG, 2,5 ApG, 1,1 SpG)

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Teil 1: Die Wölfe sind zurück
Teil 2: ProB: Identifikation durch deutsches Profil



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Kommentare

(3 Kommentare bisher)

von Bratfisch 19.05.09 um 07:21:06


Der Link "Teil 2: ProB..." ist falsch, er verweist auf den ersten Teil.

Ansonsten enttäuschende Analyse der ProB, warum nicht genauso ausführlich wie die ProA?



von jordan 21.05.09 um 17:48:17


Auch wenn in der ProA ein Deutscher weniger auf dem Feld stehen musste, sind unter den zehn besten Scorern fünf mit einem deutschen Pass. Bei der ProB hingegen nur drei.



von dreiergott 25.05.09 um 09:30:56


warum steht denn der mvp der proa wayne bernard weder im first noch im second team?
ansonsten guter rückblick auf die beiden ligen :-)



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