Patrick Heckmann

Quo vadis, Heckmann?

College oder Abitur? Amerika oder Deutschland? NCAA, ProB, ProA oder gar die BBL? Freund oder Pharisäer? Es gibt zurzeit viele Fragen und Situationen, die den 19-jährigen Patrick Heckmann beschäftigen und grübeln lassen – steht er doch vor einer wichtigen Entscheidung in seinem noch jungen (Basketballer-)Leben. CROSSOVER hat sich beim Mainzer und seinem persönlichen Umfeld umgehört, um eine Antwort auf die brennende Frage zu erhalten: Quo vadis, Heckmann?

Von Martin Schenk - Sports by SPOPS
 26.04.2011 |

Patrick Heckmann klingt wie immer, als er das Telefonat zu diesem Bericht entgegennimmt: höflich, freundlich und kurzsilbig. Er ist eben nicht dieser extrovertierte Dennis-Rodmann-Verschnitt, der sein Inneres nach außen kehrt, um die ganze Welt an seinem Seelenleben teilhaben zu lassen, sondern eher der ruhige und nachdenkliche Typ. Hier mal eine kleine Diskussion mit dem Unparteiischen, da mal eine gen Hallendecke gereckte Faust nach einem erfolgreichen Dreipunktewurf. Seltene Gefühlsregungen, die nicht zu verwechseln sind mit Gefühlskälte oder Arroganz. Charaktereigenschaften, die stilleren Zeitgenossen gerne angedichtet werden.

„Patrick ist eher ein ruhiger Typ, der viel mit sich selbst ausmacht. Es sprudelt halt nicht so aus ihm raus“, spricht jemand, der es wissen muss: Ulli Heckmann, Patricks Mutter, die ihren Sohn begleitet, zu ihm steht, ihn berät, kritisiert und sich am ehesten in ihren 19-jährigen Sohnemann hineinversetzen kann. Neben der 47-jährigen Flugbegleiterin sind es Ehemann und Papa Ralf sowie die aktuell an der High-School in Amerika weilende Schwester Tanja, die Patrick am besten kennen. Menschen, die zu dem 1,95 Meter großen jungen Mann stehen. Wie in einer Ehe eben. In guten und in schlechten Zeiten – oder auch in Entscheidungsphasen, der Crunchtime. Tiefgreifende Momente und Augenblicke, die im nächsten Monat auf den Mainzer warten. Sozusagen die innere Stimme, das Bauchgefühl mit dem Kopf und der Ratio in Einklang bringen. Im Wonnemonat Mai heißt es nämlich für den Mann vom TV Langen: eine Entscheidung treffen und Verantwortung übernehmen.

Verantwortung für die nächsten Jahre seines noch jungen Basketballerlebens. Geht es für vier Jahre nach Amerika ans College? Bleibt der NBBL-Allstar in Deutschland und spielt noch ein Jahr ProB? Geht’s in die Bundesliga? Oder doch in die ProA? Konsequenzen wird jede Entscheidung mit sich bringen, was den jungen Heckmann jedoch nicht in Unruhe versetzt: „Ich lass das alles auf mich zukommen. Nehme es locker.“ Lässige Töne vom Mainzer, den es in den kommenden Tagen in die USA verschlagen wird, um dort mit seiner Mutter zwei Colleges zu besuchen. Zwei Bildungseinrichtungen in sechs Tagen. Geplant waren ursprünglich drei College-Besuche; gegebenenfalls fliegt Patrick ein zweites Mal Anfang Mai in die Vereinigten Staaten, um sich noch einen weiteren persönlichen Eindruck von einer dritten Universität zu machen. „Mitte Mai“, sagt das eingespielte Mutter-Sohn-Duo unisono, wird die Entscheidung fallen. Bis zu diesem Zeitpunkt müssen die sich bietenden Alternativen abgewogen werden. „Nach mehr als 15 College-Anfragen haben wir irgendwann einen Schlussstrich gezogen und uns vorerst auf drei potenzielle Kandidaten festgelegt – wobei wir uns immer für das gezeigte Interesse bedankt haben“, meint Mutter Heckmann, in deren Worte weder überkandidelter Stolz noch nervenzehrende Aufgeregtheit mitschwingt. Eher freudiger Stress, den sie als Flugbegleiterin und zweifache Mutter durchaus gewohnt ist.

Was in der Hand haben

„Mir ist es wichtig, dass Patrick etwas in der Hand hat, worauf er aufbauen kann. Einen Abschluss bzw. einen Grundstein. Abitur in Deutschland mit anschließendem Studium oder seinen Bachelor am College. Er soll nicht mit leeren Händen dastehen, wenn es mit der Basketballkarriere nicht klappt bzw. er sich verletzt“, erklärt Ulli Heckmann, die weiter ausführt: „Ein College hat uns sogar zugesichert, dass Patrick im Falle einer langwierigen Verletzung auf jeden Fall seinen Abschluss machen kann.“

Wasser auf die Mühlen der Erziehungsberechtigten, die wie alle anderen Mütter auch vor allem eines im Auge hat: das Wohlergehen des eigenen Kindes. Eine wegbereitende und keineswegs bemutternden Sichtweise der 47-Jährigen, die auch der Sohnemann teilt: „Ich bin meiner Mutter sehr dankbar, dass sie sich so intensiv um mich und meinen Weg im Basketball kümmert. Sie ist eine Art Puffer.“ Eine Hilfestellung, die aufgrund der sportlichen und schulischen Belastung auch von Nöten ist: Training in Langen, Übungseinheiten mit der Nationalmannschaft, bis vor kurzem noch Training mit der NBBL sowie Individualtraining, Abiturstress, Anrufe von Coaches und Vereinsanfragen.

Jede Menge Aufgaben, die nur bewerkstelligt werden können, weil die Familie einem den Rücken freihält. „Ich komm mir manchmal vor wie Patricks Sekretärin“, scherzt die zweifache Mutter schmunzelnd, die neben Ihrer Jetlag-verursachenden Tätigkeit auf Interkontinentalflügen auch noch die Termine und die Kommunikation des Juniors koordiniert. Eine Aussage, die Patrick, mit einem Augenzwinkern, aufwertet: „Meine Mutter ist aktuell so etwas wie mein Manager.“ Worte, die auch Vater Ralf, der aus beruflichen Gründen unter der Woche nicht in Mainz ist, unterstreicht: „Zudem spricht meine Frau aufgrund ihrer Tätigkeit fließend Englisch, was die Kommunikation gerade mit den USA und den Colleges ungemein erleichtert.“ Kommunikative Fähigkeiten, die auf dem nahenden Amerikatrip mit Sicherheit helfen werden, sich ein besseres Bild des Leistungsvermögens der Colleges vor Ort zu machen.

Wa(h)re Freunde

Mit dem Erfolg steigt oftmals auch die Zahl derjenigen, die ein Stück des „Ruhm-Kuchens“ abhaben möchten: scheinbare Freunde, Gutmenschen, Pharisäer und viele andere Menschen, die sich im Glanze des Namens, der Person und des Wirkungskreises sonnen möchten.

Wer sich schon nicht über sich selbst und seine eigene Leistung definiert, möchte wenigstens dem Dunstkreis einer strahlungswirksamen Person angehören, in der Hoffnung, dass ein Teil des Glamours in Form von Anerkennung, sportlichen oder finanziellen Erfolg auf einen selbst abfallen. „Ja, natürlich gibt es ein paar Leute, die ein persönliches Interesse haben und mich kontaktieren, aber das hält sich in Grenzen und ist nicht allzu wild“, sagt der U20-Nationalspieler, der für sein Alter sehr reif und bodenständig wirkt. Eine Bodenständigkeit, die er „von seinen Eltern hat“, meint Heckmann.

Wohin ihn jedoch diese gesunde Bodenhaftung führen wird, stellt sich Mitte Mai heraus. Bis dahin werden viele Gespräche geführt und etliche Meinungen eingeholt. College, ProB, ProA oder BBL: Quo vadis, Heckmann? Das ist die Frage, auf die es Mitte Mai eine Antwort geben wird.

Heckmann anders gesehen

Crossover hat sich bei den Trainern und Weggefährten Patrick Heckmanns umgehört, um von Ihnen zu erfahren, wie sie das junge Talent sehen, und zwar menschlich wie auch basketballerisch.

Wolfgang Ortmann (Headcoach ASC Theresianum Mainz [1. Regionalliga Südwest]/SG Rheinhessen [NBBL])

An Patrick schätze ich als Mensch und Basketballer Folgendes ... weil:

Ich schätze an Patrick seine offene Art und Geduld, sich alle Sichtweisen anzuhören, um dann mit einer sicheren Zielstrebigkeit eine Entscheidung für sich zu treffen, die er für sich als die Beste definiert.

Basketballerisch muss sich Patrick zukünftig in folgenden Bereichen verbessern ... weil:

Defensive Fußarbeit, weil er sich zu sehr auf seine Sprungkraft und seine langen Arme verlässt, um kleinere Fehler noch ausbügeln zu können.

Während des Spiels und Trainings eine positivere Einstellung nach außen darstellen, weil er auf Grund seiner Art und individuellen Klasse ein Führungsspieler ist.

Wenn ich Patrick einen Ratschlag geben dürfte, dann würde dieser wie folgt lauten:

Höre weiterhin auf deine innere Stimme, verliere nicht deine Bescheidenheit, dann wirst du in deinem Leben erfolgreich sein, egal wo der Weg hinführt.

Fabian Villmeter (Headcoach TV 1862 Langen e. V. [ProB] und Leiter Basketball-Teilzeitinternat Langen)

An Patrick schätze ich als Mensch und Basketballer Folgendes ... weil:

Patrick ist ein guterzogener, ordentlicher Junge, der vor allem mit seiner besonderen Art, einem „ironischen Humor“ voll auf meiner Wellenlänge liegt – was auch die tägliche Zusammenarbeit immer ein Stück einfacher macht. Außerdem trägt er dieses außergewöhnliche basketballerische Talent in sich, das mir als Trainer in jeder Sekunde verdeutlicht, dass ich an meine Grenze gehen muss, um ihn als Spieler weiterzubringen. Seine Passqualitäten und seine Spielübersicht sind für sein junges Alter bereits herausragend. Er ist ein Winner-Typ, der jede Form des Wettkampfs liebt und an Duellen mit den Besseren immer weiter wächst. Seine Begabung ist sicherlich ein Segen, aber für ihn selbst, seine Trainer und sein komplettes Umfeld auch eine Verpflichtung.

Basketballerisch muss sich Patrick zukünftig in folgenden Bereichen verbessern ... weil:

Patrick hat Defizite im athletischen Bereich. Vor allem sein Kraftpotential in den Beinen und die damit verbundene schnelle Fußarbeit muss er in den kommenden Jahren verbessern. Kontinuität ist dabei aus meiner Sicht das Zauberwort, denn aufgrund seiner schulischen Belastung hat er nicht die Möglichkeit, mehr als einmal am Tag zu trainieren. Seine Ziele im athletischen Bereich wird er also eher mittel- als kurzfristig erreichen. Außerdem muss Patrick seinen Dreipunktwurf stabilisieren. Das nötige Wurfgefühl bringt er mit. An der Technik kann man einige kleinere Verbesserungen anbringen.

Wenn ich Patrick einen Ratschlag geben dürfte, dann würde dieser wie folgt lauten:

Sei dir im Basketball, aber auch im normalen Leben, immer im Klaren darüber, warum du etwas tust. Setze dir Ziele und arbeite hart dafür, verlasse dich nicht ausschließlich auf dein Talent und habe Spaß an dem, wofür du arbeitest. Bleibe bescheiden und verinnerliche, dass man nie aufhört zu lernen - egal wie gut oder schlecht es gerade läuft.

Andreas Hornig (Center, ASC Theresianum Mainz [1. Regionalliga Südwest], ehem. Bundesligaspieler und Teamkamerad Heckmanns)

An Patrick schätze ich als Mensch und Basketballer Folgendes ... weil:

… er sehr ehrgeizig ist, er seine schulische Ausbildung nicht vernachlässigt und er sehr bodenständig und stets lernbereit ist.

Basketballerisch muss sich Patrick zukünftig in folgenden Bereichen verbessern ... weil:

Seinen Basketball-IQ erhöhen – was automatisch mit der Zeit und dem Mehr an Erfahrung kommt. Des Weiteren wird er lernen müssen, ein Team zu führen.

Wenn ich Patrick einen Ratschlag geben dürfte, dann würde dieser wie folgt lauten:

Mach dein Abi und geh danach auf ein gutes College, anstatt gleich das Glück in der BBL zu suchen.

Alphan Bartik (Assistant Coach, TV Langen [ProB])

An Patrick schätze ich als Mensch und Basketballer Folgendes ... weil:

Man hört im Allgemeinen oftmals dieselben Aussagen über talentierte Spieler. So z. B., dass sie schon früh Starallüren an den Tag legen und alles als selbstverständlich hinnehmen. Auf Patrick trifft das auf gar keinen Fall zu! Eher im Gegenteil. Patrick ist sehr beliebt im Team und im Verein. Er ist sehr umgänglich und hört zu. Hier und da versteht er es aber auch den Schelm zu spielen. Als Basketballer ist er „sehr coachable“ und ein Teamplayer durch und durch. Sein Talent, aber auch sein Einsatz und sein Arbeitswille zeichnen ihn aus. Er ist eine Persönlichkeit auf und neben dem Platz.

Basketballerisch muss sich Patrick zukünftig in folgenden Bereichen verbessern ... weil:

Er ist 19! Sicher wird er sich in allen Belangen verbessern. Die Erfahrung, die er in der Nationalmannschaft, letztes Jahr in der Regionalliga, dieses Jahr in der ProB und in den kommenden Jahren machen wird, werden ihn als Spieler und Mensch formen. Er ist sehr zielbewusst, so dass er die zukünftigen Abschnitte seines Lebens sicher nutzen wird, um sich zu verbessern – und zwar in allen Lebensbereichen.

Wenn ich Patrick einen Ratschlag geben dürfte, dann würde dieser wie folgt lauten:

Es werden sicher viele „gute Freunde“ auftreten, mit vielen „guten Ratschlägen“. Oft ist zu hören, dass man sich auf das innere Bauchgefühl verlassen soll. Patrick ist aber auch ein sehr bodenständiger Familientyp – so dass ihm die Familie sicher sehr gut helfen kann und wird. Als Team und Trainer stehen wir natürlich hinter ihm und seinen Entscheidungen. Ich wünsche ihm auf jeden Fall alles Gute und weiterhin viel Erfolg; ich bin mehr als zuversichtlich, dass sich Selbiger einstellen wird.




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Kommentare

(3 Kommentare bisher)

von Mr.Deep 27.04.11 um 13:17:29


Müsste Patrick nicht am College ein Jahr pausieren, weil er schon in der 2. Liga augelaufen ist?



von Dickson 27.04.11 um 16:01:51


Elias Harris hat doch auch in Speyer Pro B gespielt und ist direkt zu Gonzaga...



von florian.li 28.04.11 um 11:28:45


Das wird von Fall zu Fall entschieden. Die Regelung wurde jetzt aber etwas gelockert. Ich denke Heckmann könnte Glück haben.



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