Nachwuchsspieler
Großer Schritt für Oldenburger Riesen
Der Oldenburger Nachwuchs-Center Frederik Jörg hat ein Basketball-Stipendium an der Eastern Washington University in den USA bekommen. Mangels Möglichkeiten bei Bundesligavereinen Einsatzzeiten zu bekommen, nutzen viele deutsche Talente derzeit die professionellen Bedingungen an US-Colleges.
Von Arne Jürgens |
18.01.2012 | |
Ein aufregendes Jahr kommt auf Frederik Jörg von der Baskets Akademie Weser Ems zu. Der 19-Jährige folgte im August 2010 seinem vormaligen Trainer Mladen Drijencic nach Oldenburg und kam in der vergangenen Saison in der Nachwuchs-Basketball-Bundesliga (NBBL) zum Einsatz. Zudem ist er seit seinem Wechsel Teil des 1. Regionalliga-Teams der Akademie. Doch bald steht Jörg ein mächtiger Schritt bevor. Es geht über den großen Teich, in die Vereinigten Staaten. Damit liegt er absolut im Trend, denn viele junge deutsche Basketball-Talente suchen ihr Wohl derzeit in der Ferne, sprich an amerikanischen Colleges, um eine umfassende Ausbildung zu erhalten.
Durch den Akademie-Nachwuchskoordinator Ralph Held kam der Kontakt zu der Eastern Washington University zu Stande - dort zeigte man Interesse an einer Verpflichtung des Center-Spielers. „Headcoach Jim Hayford war dann hier in Deutschland. Er hat sich unser Training angesehen und ein persönliches Gespräch mit mir und meinen Eltern geführt, woraufhin ich mich für dieses College entschieden habe“, erzählt Jörg und sagt weiter: „Nach meiner Abiturprüfung in zwei, drei Monaten werde ich dann in die USA reisen und mir den Campus ansehen. Der Vertrag ist aber schon unterschrieben und ich stehe im regelmäßigen Kontakt zum Coach.“
Nach seinem Abitur am Gynmasium Eversten in Oldenburg, im Sommer 2012, geht es für Jörg zur Saison 2012/2013 nach Nordamerika. Dort wird er für das Basketball-Team der „Eagles“ auflaufen und strebt einen Abschluss in „Business and Economics“ an. Den gebürtigen Saarbrückener erwartet in den USA eine völlig andere Welt. Der College-Sport genießt in ganz Nordamerika ein unglaublich hohes Ansehen. Spiele finden vor bis zu 15 000 frenetisch feiernden Fans statt, das Fernsehen zeigt rund um die Uhr Live-Übertragungen aus den Hallen.
Dazu kommen ein professionelles Coaching, Trainingsmöglichkeiten wie bei NBA-Teams, ein sportverrücktes Umfeld und damit auch eine besondere Stellung auf dem Campus. Mit Stipendien locken die Universitäten talentierte junge Spieler und bezahlen ihnen das Studium. „Basketball ist in den USA die Sportart Nummer eins und besitzt einen ganz anderen Stellenwert als in Deutschland. College-Spiele habe ich mir vorher nur im Fernsehen angeschaut und freue mich jetzt auf die Herausforderung selbst vor einer großen Kulisse gegen so starke Teams zu spielen“, erklärt Jörg.
Sein zukünftiger Trainer Hayford ist von der Neuverpflichtung überzeugt und sagt: „Frederik ist offensichtlich eine sehr große Person. Er spielt intelligent und nutzt seine Länge sehr effektiv. Damit gibt er uns einen großen Vorteil unter den Körben.“ In der NBBL überzeugte der Centerspieler in der vergangenen Saison mit durchschnittlich 15 Punkten, 11 Rebounds und 2,5 Blocks pro Partie. In einem Spiel gelang ihm sogar das Kunststück sich ganze 25 Rebounds zu angeln, ein Topwert in der NBBL-Saison 2010/2011.
Und auch in diesem Jahr spielt Jörg eine wichtige Rolle in der Regionalliga-Mannschaft von Akademie-Trainer Drijencic und ist fester Teil der Rotation. Eben jener war es auch der Jörg damals zum Sport mit dem orangenfarbenden Leder brachte. „Mladen hat mir Basketball von der Pike auf beigebracht. Er war früher schon in Uerdingen mein Trainer und durch ihn bin ich auch zur Akademie gekommen - ich verdanke Mladen wirklich vieles“, weiß Jörg.
An der Eastern Washington University, kurz „Eastern“ genannt, wird Jörg einer von drei deutschen Spielern sein, was ihm die Eingewöhnung leichter machen sollte. „Mit Thomas Reuter habe ich früher schon einmal zusammengespielt. Wir kennen uns sehr gut, deshalb ist es ein schöner Zufall ihn dort wieder zu treffen“, sagt der 2,13-Meter-Mann, welcher bald der größte Spieler in der Geschichte der Universität sein wird.
Neben dem Hagener Reuter läuft noch Martin Seiferth aus Berlin für die Universität aus der 10.000-Einwohner-Stadt Cheney, nahe den Rocky Mountains, im US-Bundesstaat Washington auf. Doch sie sind nicht die einzigen „Internationals“, erklärt Jörg: „Neben uns drei Deutschen, spielen in der kommenden Saison noch drei Australier an der 'Eastern'. Coach Hayford pflegt einen sehr europäischen Stil Basketball spielen zu lassen, was mir entgegenkommt. Das heißt viel Ballbewegung und weniger das typisch amerikanische Isolation- und One-on-One-Spiel.“
An der Uni eingeschrieben sind derzeit 12.000 Studenten. Ausgetragen werden die Spiele im sogenannten „Reese-Court“, der 7.000 Zuschauern Platz bietet. Eine atemberaubende Kulisse, besonders für einen 19-Jährigen, der fast ohne Profi-Erfahrungen ist. Als Doppellizenzspieler kam Jörg in dieser Spielzeit zwar zu einem Kurzauftritt mit der Bundesliga-Mannschaft der EWE Baskets Oldenburg vor mehr als 3.000 Zuschauern in Göttingen, doch der „Reese-Court“ ist noch einmal eine ganz andere Hausnummer.
Ein Problem mit den Regularien der NCAA sieht Jörg durch seinen Einsatz in der Bundesliga nicht: „Die NCAA ist eine Amateur-Liga, deshalb werden alle Spieler, die vorher schon im Profi-Bereich aktiv waren, für ein Jahr gesperrt, wenn sie in die USA wechseln. Da ich aber nie einen Profi-Vertrag unterschrieben habe und der Einsatz eine Ausnahme auf Grund der Verletzung von Robin Smeulders war, muss ich nicht mit einer Sperre rechnen.“
Das Team der „Eagles“ ist Teil der Big Sky Conference und spielt in der höchsten College-Liga NCAA Division I. Im Jahr 2004 qualifizierten sie sich erstmals für das NCAA Tournament, in dem der Landesmeister ausgespielt wird. Sogar einen NBA-Spieler brachte das Programm hervor: Rodney Stuckey, der zuletzt einen neuen Vertrag über drei Jahre und 25 Millionen Dollar bei den Detroit Pistons unterschrieb.
Auch Jörg würde gerne einen ähnlichen Weg gehen: „Mein Ziel ist es auf jeden Fall Profi-Spieler zu werden, deshalb gehe ich auch an das College. Ich hoffe ich kann dort viel mitnehmen. Mein Traum wäre es später einmal im europäischen Ausland, zum Beispiel in Spanien oder Italien, zu spielen. Aber auch der Bundesliga wäre ich nicht abgeneigt.“ Den ersten großen Schritt wird Jörg im nächsten Jahr machen.



von Dickson 19.01.12 um 08:37:30
Den gebürtigen "Saarbrückener" erwartet in den USA eine völlig andere Welt.
Saarbrückener ist nicht euer Ernst? ;-)