NBBL Playoffs
Der Weg nach Bamberg
In der NBBL geht es in die heiße Phase. Die letztjährigen Finalisten sind auch die großen Favoriten der diesjährigen Playoffs. Für 16 Teams geht es um vier Tickets für das Finale in Bamberg.
Von Max Selow |
07.03.2010 | |
„Wir trainieren ab sofort einmal mehr die Woche als Team, das wird uns weiter voran bringen“, befindet Paderborns Coach Artur Gacaev, während Bremerhavens Trainer Hamed Attarbashi seine Eisbären dazu auffordert, „von Beginn an mit einer sehr hohen Intensität“ zu spielen.
Eine Verschnaufpause wird den Spielern der 32 Teams der Nachwuchsbasketball-Bundesliga nicht eingeräumt. Erst am vergangenen Wochenende ging die nunmehr vierte Hauptrunde der 2006 gegründeten NBBL zu Ende und lieferte dabei nicht nur die Erkenntnis, dass die etablierten Kräfte des letzten Jahres aller Voraussicht nach wohl auch in dieser Spielzeit den Titel unter sich ausmachen werden. Neben den üblichen Verdächtigen hatte die NBBL-Saison auch die ein oder andere Überraschung zu bieten und präsentierte sich angesichts des spätestens seit dem EM-Sommer 2009 stetig wachsenden Interesses am deutschen Jugendbasketball wieder einmal in einem guten Licht.
Da wäre beispielsweise der „Aufsteiger“ ASC Theresianum Mainz zu nennen, der sich vor der Saison über die Relegation einen Platz in der Liga erspielte und sich als Newcomer in der Division Mitte eigentlich erst einmal zu etablieren suchte. Doch angeführt von seinem dynamischen Flügel-Duo um All-Star-MVP Patrick Heckmann (27,3 PpG) und Kevin Luyeye-Kuelusukina (13,2 PpG) gelang es dem Überraschungsteam des Jahres sogar fast, den großen Favoriten TSV Tröster Breitengüßbach vom Thron der Division Mitte zu stoßen, hätte eine Knöchelverletzung von Topscorer Heckmann vor dem großen Finale am 14. Hauptrundenspieltag nicht ein wenig ungleiche Verhältnisse geschaffen.
Erwähnenswert ist auch die Entdeckung von nun Neu-Nationalspieler Bill Borekambi, der gegen die MTV Itzehoe Eagles mit 46 Punkten und zwölf Rebounds die vielleicht beeindruckendste Individualleistung der diesjährigen NBBL-Spielzeit ablieferte und seine Bremerhavener Eisbären an der Seite des auch im Profi-Kader stehenden Anthony Canty (22 PpG, 4,4 ApG) und NBBL-All-Star Sadam Eco (18,3 PpG, 6,2 RpG) zu einem souveränen zweiten Tabellenplatz in der Division Nordost verhalf.
Das NBBL Allstar Game, das unter den Augen von 4.500 Zuschauern im fast gefüllten Telekom Dome den BBL-Profis am Allstar-Day in Bonn die Show stahl, darf auch nicht fehlen. Das Spiel war insofern fesselnd, als dass Dennis Ogbe vom Basket-College Rhein-Neckar die unheimlich intensiv geführte Partie erst mit einem Dreier 1,2 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit in die Verlängerung schickte und dann unter dem kollektiven Jubel der Zuschauer von einem überragenden Patrick Heckmann zu Gunsten des Südens entschieden wurde.
Was jedoch am Ende des Jahres für jedes der 16 Playoff-Teams von Bedeutung ist, ist der Gewinn der Deutschen Meisterschaft. Der Kampf darum beginnt heute mit den ersten Spielen des Achtelfinales. Im altbewährten Best-of-three-Modus geht es für die Mannschaften der Endrunde um den Einzug ins TopFour, das nach dem letztjährigen packenden Wochenende in der Berliner Sömmeringhalle in diesem Jahr in der 6.800-Mann fassenden Jako Arena zu Bamberg stattfinden wird.
Als die großen Favoriten gelten dabei auch in diesem Jahr wieder die letztjährigen TopFour-Teilnehmer aus Berlin, Paderborn, Urspring und Breitengüßbach, die fast alle ihre Schlüsselspieler und damit einiges an TopFour-Erfahrung für eine weitere Saison und einen weiteren Anlauf auf die Meisterschaft zurückbringen konnten. Dass dabei für alle vier Mannschaften in diesem Jahr auch jeweils der Gewinn der Division heraussprang, verwunderte kaum jemand. Der Weg nach Bamberg führt über diese Mannschaften.
Die von Henrik Rödl trainierten Albatrosse setzten in ihrer Mission Titelverteidigung mit dem Wahren der weißen Weste in der Hauptrunde ein erstes Ausrufezeichen. Sie sind dank Niels Giffey, dem letztjährigen Final-MVP und Topscorer der homogenen Mannschaft, sowie Neuzugang Malte Ziegenhagen, der vom Stadtrivalen Central Hoops kam und den Verlust von Nico Adamczak kompensierte und neben Giffey 12,2 Punkte pro Partie auflegte, auch in diesem Jahr das Team, das man schlagen muss, um die Meisterschaft für sich beanspruchen zu können. Die Achtelfinalgegner aus Gießen haben zwar mit Forward Robin Christen und Spielmacher Falko Theilig zwei herausragende Einzelspieler in ihren Reihen, für das homogene Alba-Team dürften die 46ers jedoch wohl keinen Stolperstein darstellen.
Mit Wut über das letztjährige, für alle enttäuschende Abschneiden beim TopFour im Bauch rechnet sich auch wieder Albas Kooperationspartner, die Schelklingener Urspringschule, gute Chancen auf den Titel aus. Deutschlands Basketball-Talentschmiede konnte bis auf Maurice Stuckey und Christian Standhardinger alle Schlüsselspieler zurückbringen und hat mit der Kombination seiner Forwards Justin Raffington (14,3 PpG, 6,6 RpG) und dem immer stärker aufspielenden Julius Wolf eine potente Waffe, die um den überaus talentierten, doch weiterhin unter seinen Möglichkeiten spielenden Kevin Bright ergänzt werden könnte. In der ersten Runde geht es mit dem sich unter Wert verkaufendes Funkwerk-Team aus Jena gegen eine Mannschaft, die mit seinen drei Nationalspielern Anselm Hartmann, Paul Albrecht und Jakob Krumbek für eine Sensation gut sein könnte. Keine leichte Aufgabe also für Head Coach Felix Czerny und seine Mannschaft.
Ein Team, das nicht unter seinen Möglichkeiten spielt, sondern immer am Limit, sind die Paderborn Baskets. Die selbstbewussten, immer für Furore sorgenden Wendt-Zwillinge Ole (16,5 PpG) und Lars (20,3 PpG) und der talentierte Spielgestalter Dominik Malinowski (12,3 PpG) leiteten das von Trainer Artur Gacaev gecoachte Team in diesem Jahr zu einer 13-1-Bilanz, die nur durch eine Niederlage gegen den Playoff-Konkurrenten der Phoenix Hagen Juniors getrübt wurde. Mit ihrer emotionalen Spielweise haben die Baskets schon in der Vergangenheit das ein oder andere auf dem Papier übermächtig erscheinende Team abgeschossen. Den Esprit der regulären Saison gilt es deshalb auch im Playoff-Match mit den im Normalfall unterlegenen Central Hoops aus Berlin zu bewahren.
Letztlich rechnen sich die ein wenig umgekrempelten Breitengüßbacher mit der Möglichkeit der Finalteilnahme in eigener Halle in diesem Jahr große Chancen aus. Mit Neuzugang Philipp Neumann (20,2 PpG, 13 RpG), der den abgewanderten Erik Land mehr als gleichwertig ersetzte, hat das Farm-Team der Brose Baskets den wohl besten Big Man der NBBL in seinen Reihen und bringt mit Spielmacher Daniel Leithner und den Scharfschützen Jörg Dippold, Steffen Walde und Kevin Eichelsdörfer seine Schlüsselspieler des letzten Jahres allesamt zurück. Das Achtelfinale sollte dem TSV auf seinem Weg ins Finale im „Wohnzimmer“ nicht allzu viele Sorgen bereiten, mit dem Team Kurpfalz wartet ein Team, das lediglich acht seiner 14 Spiele für sich entscheiden konnte.
Konkurrenzlos jedoch sollte der Weg für die vier Favoriten jedoch nicht verlaufen. Mit den Bayer Giants Leverkusen, den Eisbären Bremerhaven und dem ASC Mainz lauern drei weitere Teams, die sich Aussichten auf die Finalteilnahme erhoffen können. Während Leverkusen auf sein altbewährtes Triumvirat der Nationalspieler Martin Breunig (14,5 PpG, 9,3 RpG), Center Tim Unterluggauer (9,3 PpG, 7,3 RpG) und Kapitän Mathis Mönninghoff (14,2 PpG) vertrauen kann, bauen die Eisbären auf ihr eigenes Dreieck um Canty, Borekambi und Eco. Jeweils mit Heimvorteil ausgestattet, geht es für sie in der ersten Runde gegen Braunschweig bzw. die Phoenix Hagen Juniors.
Der Überraschungskandidat Mainz bekommt es mit der BBA Ludwigsburg mit einem Gegner zu tun, der in diesem Jahr schon das Team Alba Urspring ausgeschaltet hat. Zudem muss Mainz noch auf die schnelle Genesung von Patrick Heckmann hoffen, der nach wie vor an einer Knöchelverletzung laboriert. Ist er fit, kann das Team seine Erfolgsgeschichte vermutlich ausbauen, fehlt er, wird es eng für die Mainzer.
Download: Übersicht Playoffs & Playdowns (Stand: 05.03.2010) [nbbl-basketball.de]
In jedem Fall jedoch, da darf man sich wohl angesichts der letztjährigen Playoffs sicher sein, kommen auf die Fans des deutschen Nachwuchsbasketballs wieder spannende zwei Monate zu, die hoffentlich Mitte Mai wieder in einem echten Basketball-Spektakel enden werden.
Um sich diesen Traum zu erfüllen, dürften deshalb in den kommenden Wochen nicht nur die Paderborn Baskets Trainingssonderschichten einlegen.



von Crossover 30.05.2012 um 13:19:49
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