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NBBL Monatsrückblick

Kleine Nowitzkis gesucht

So wie sich die besten Profis der 18 BBL-Teams zum alljährlichen All-Star-Spiel zusammenfinden, treffen seit der Gründung der NBBL vor einem Jahr auch die besten Nachwuchstalente aufeinander.

Von Maximilian Selow
 25.01.2008 |

Das Auswahlspiel am BBL All-Star Day ist nicht nur eine Belohnung für die harte Arbeit der jungen Hoffnungsträger des deutschen Basketballs, sondern es bietet auch eine Plattform, um sich Nationaltrainern, Scouts von Profi-Klubs und nicht zuletzt der Öffentlichkeit zu präsentieren.

In diesem Jahr startete die BBL mit einem neuen Konzept in das All-Star-Wochenende: Wo im letzten Jahr noch eine U20-Auswahl gegen die NBBL-All-Stars antrat, lud man in diesem Jahr zu einem Aufeinandertreffen der besten NBBL-Spieler des Nordens und Südens, welches, so hoffen die Verantwortlichen, die Institution ?Nachwuchsbasketball-Bundesliga? populärer machen und weiter nach vorne bringen soll.

Unter den Augen von Bundestrainer Dirk Bauermann und U20-Bundestrainer Emir Mutapcic engagierten sich beide Seiten vom ersten Sprungball an vor allem in der Defensive und ließen zu keiner Zeit den Eindruck aufkommen, dass es sich hier um ein laxes Show-Spiel handele.

Nach einem ausgeglichenen ersten Viertel, in dem es der Süden mit starken Rotationen verstand, den Weg zum eigenen Korb größtenteils dichtzumachen, aber vorne zu viele Bälle leichtsinnig verspielte, geriet das Spiel im zweiten Abschnitt zu einem Schützenfest, in dem sich der Norden zeitweilig mit einer kleinen Führung absetzen konnte, bis der Süden sich jedoch auf seine Stärken besann und über das Spiel unter den Körben in die Partie zurückkam.

Nach der Halbzeitpause begann sich die physische Überlegenheit des Südens, angeführt von Christian Standhardinger, Elias Harris, Stefan Schmidt und Matthias Hurst, bemerkbar zu machen, als sich das Team von Head Coach Jürgen Barth mehr und mehr absetzte. Nord-Coach Hendrick Rödl versuchte die körperliche Überlegenheit mit Schnelligkeit zu kontern und stellte auf eine Full-Court-Press um, die jedoch angesichts des sich immer stärker profilierenden Inside-Out-Spiels des Nordens nicht bewähren sollte. Nachdem Philipp Lieser den Norden noch einmal mit zwei Dreiern in Folge auf vier Punkte Unterschied heranbracht hatte, übernahmen vor allem Standhardinger und Harris Verantwortung für ihr Team und sorgten letztendlich für den eindeutigen Endstand von 65:47.


Und so präsentierten sich die NBBL-All-Stars des Jahrgangs 1989 im Einzelnen:

Guards

Milan Obradovic (Junior Baskets Oldenburg), NordenDer kleinere Teil der Oldenburger Super-Combo blieb über weite Strecken des Spiels eher blass, ließ aber seine Fähigkeiten als Spielmacher das ein oder andere Mal aufblitzen. Nach Zug zum Korb steckte er zweimal schön auf den Bigman durch, ließ jedoch insgesamt ein wenig Routine vermissen.

Thomas Schoeps (Alba Berlin), Norden:
Albas Aufbauspieler Thomas Schoeps wusste trotz zwischenzeitlicher Verletzungspause auf der Bank auf ganzer Linie zu überzeugen. Schoeps zeigte sowohl aus der Distanz als auch beim Zug zum Korb seine Fähigkeiten als Punktesammler und bewies zudem seine Fähigkeiten als Spielorganisator. Hätten seine Mitspieler ihre Dreier getroffen, hätte Schoeps auf dem Boxscore noch den ein oder anderen Assists mehr verbuchen können.

Malte Schwarz (Bramfelder SV), Norden:
Der Bramfelder war trotz 16 Minuten Spielzeit eigentlich so gut wie nie zu sehen, engagierte sich in der Offensive nur selten und wusste auch nicht in anderen Teilen des Spiels zu überzeugen. Für ihn dürfte die Partie alles andere als eine optimale Empfehlung für die Nationalmannschaft gewesen sein.

Philipp Lieser (SG ASC/BG Göttingen), Norden:
Lieser war neben Schoeps der beste Aufbauspieler im Nord-Team, organisierte das Spiel gut, sammelte hier und dort bei Zügen zum Korb ein paar Punkte ein, lief im dritten Viertel mit zwei Dreiern in Folge heiß und brachte sein Team zurück ins Spiel. Gute Partie vom Nachwuchstalent.

Ermen Reyes-Napolos (FUNKWERK Junior Baskets Jena), Norden:
Jenas große Nachwuchshoffnung gehört definitiv zu den interessanteren Perspektivspielern der NBBL. Obwohl nur 1,82 Meter groß besitzt Reyes-Napoles die Toughness, die Physis und die Agilität, um sich vielleicht auch bald in der Profiliga durchsetzen zu können. Ein starker "And1-Korb" stellte dies ebenso unter Beweis wie sein determinierter Zug in Richtung Brett, wo er sich auch immer wieder als hervorragender Passgeber herausstellte. Für das Profiteam Science City Jena kam er in dieser Saison bereits sechsmal zum Einsatz.

Kai Barth (TV Langen), Süden:
Der Sohn von Head Coach Jürgen Barth dürfte die Vorstellungen seines Vaters auf dem Feld nicht wirklich umgesetzt haben. Barth blieb ebenso wie sein Gegenüber Milan Obradovic größtenteils blass, sammelte zwar ein paar Punkte und Rebounds, fiel aber durch einige Ballverluste weniger positiv auf.

Sebastian Dietz (Basket-College Rhein-Neckar), Süden:
Dietz streute ein paar Würfe aus der Distanz ein und glänzte zu Zeiten mit seinem Spielverständnis, aber verspielte dabei auch den ein oder anderen Ball. In lediglich acht Minuten Spielzeit konnte er sein volles Können jedoch nicht darbieten.

Matthias Perl (BBLZ Mittelhessen), Süden:
Der ?Verteidigungsminister? machte seinem Ruf wieder einmal alle Ehre, hatte immer irgendwo die Hand am Ball und lieferte sogar einige, mehr oder weniger gewollte, Punkte auf sein "Stat-Sheet". Beim Fastbreak verwertete Perl einen paradox-aussehenden Korbleger über zwei Riesen des Nordens.


Forwards

Philipp Schwethelm (Köln 99ers), Norden:
Der beste Scorer der NBBL war kaum zu sehen, punktete nur bei einem Dreier aus der Ecke, aber blieb weit hinter seinen Erwartungen zurück. Überraschend vor allem deswegen, weil Schwethelm der erfahrenste Spieler auf dem Parkett war. Wegen des Insolvenzantrag der Köln 99ers muss auch er sich nun Gedanken um seine Zukunft machen.

Thomas Gajda (Paderborn Baskets), Norden:
Auch der andere Top-Scorer der Nachwuchsliga konnte nur punktuell Akzente setzen, traf zweimal aus der Distanz und verwertete einen Babyhook nach einem Drive. Er konnte sein Team jedoch nicht auf seinen Schultern tragen.

Fabian Thülig (SG Bonn/Rhöndorf), Norden:
Thülig begann die Partie stark, aber wurde im weiteren Spielverlauf immer unsichtbarer. Der Forward zeigte sich nicht nur aus der Distanz zielgenau, sondern überraschte auch mit guter Athletik und starken Aktionen in Korbnähe.

Thierno Agne (Team Urspring), Süden:
Agne streute einen Dreier ein und überzeugte durch seine Athletik unter den Brettern, blieb jedoch insgesamt unter seinen Möglichkeiten. Eine Feldwurfquote von 20 Prozent und zwei verpasste Freiwürfe müssen in einem All-Star-Game nicht sein.

Robin Benzing (TV Langen), Süden:
Benzing konnte ebenso wie Philipp Schwethelm trotz seines Talentes zu keiner Zeit im Spiel wirklich überzeugen, schien zeitweise sogar, als wäre er mit seinen Gedanken nicht im Spiel. Als er zwischenzeitlich aufwachte, ließ er seine Beweglichkeit und seine starke Fußarbeit aufblitzen, die Scouts von ihm schwärmen lassen.

Ruben Spoden (Team Urspring), Süden:
Der Forward vom Team Urspring machte sich als Spot-Up-Schütze nützlich und verwertete seine Distanzwürfe mit Präzision, konnte sonst jedoch in anderen Bereichen des Spiels nicht aufblitzen. Nur ein Rebound in 29 Minuten sind für den sonst so brettstarken Spoden zu wenig.

Elias Harris (BiS Speyer), Süden:
Der MVP des Spiels brachte die Zuschauer in der SAP Arena zu Mannheim das ein ums andere Mal mit krachenden Dunks zum Staunen, inklusive einem ?Stopfer? ins Gesicht von Albas Andreas Seiferth. Seinen Mitspielern ist er in Sachen Talent um Welten voraus: Ein explosiver erster Schritt, gutes Spielverständnis, ein sich entwickelnder Jumper aus der Mitteldistanz und einige Blocks zeigte der Forward im All-Star-Spiel. Was ihm fehlt, ist die Ballbehandlung, um auch im Eins-gegen-Eins erfolgreich zu sein. Im nächsten Jahr, so verriet er nach dem Spiel, will Harris in den USA am College spielen.

Christian Standhardinger (Team Urspring), Süden:
Der routinierteste Spieler in der Arena dürfte Christian Standhardinger, der Final-Four-MVP des letzten Jahres, gewesen sein. Standhardinger punktete beim Fastbreak und präsentierte sich mit seiner starken Fußarbeit und seiner Aggressivität im Eins-gegen-Eins als Monster in Korbnähe. Zudem trug er sein Team, wenn der Spielstand es erforderte. Den MVP-Titel hätte er genauso verdient gehabt wie Nationalmannschaftskollege Elias Harris.


Center

Andreas Seiferth (Alba Berlin), Norden:
Der Center der jungen Albatrosse zeigte sich als Werfer mit Finesse und verwertete seine wenigen Chancen nach Durchsteckern unter den Körben. Vor allem in der Rebound-Arbeit am offensiven Brett, wo er allein vier Abpraller einsammelte, dürfte er seinen Head Coach stolz gemacht haben.

Azeez Oladimeji (Junior Baskets Oldenburg), Norden:
Der Nigerianer stellte, auch wenn er zwei Dunks ungenutzt ließ, ein ums andere Mal sein extremes Talent unter Beweis. Der 2,06-Meter-Riese zeigte nicht nur seine Sprunggewaltigkeit, sondern auch seine starke Fußarbeit, Agilität, Schnelligkeit und Athletik. Operiert er nicht immer nur in Lichtgeschwindigkeit, sollte seine Zielgenauigkeit in Korbnähe noch zu verbessern sein. Das rohe Talent allerdings dürfte ihn auf die Einkaufszettel einiger Scouts gebracht haben.

Stefan Schmidt (Franken Hexer), Süden:
Schmidt dürfte das komplette Gegenteil zu Oladimeji sein. Nicht sonderlich talentiert, aber groß, kräftig und mit einem relativ gutem Touch in Korbnähe ausgestattet kann er zumindest die Mitte versperren und vorne die einfachen Punkte verwerten.

Matthias Hurst (BG Karlsruhe), Süden:
Der einzige wirkliche Center mit einem klassischen Rücken-zum-Korb-Spiel wurde zwar selten ins Spiel eingebunden, zeigte aber, was man mit 2,06 Meter anstellen kann. Ein schöner Hakenwurf aus der Drehung und ein weiterer Korbleger ließen ihn gut aussehen.




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Kommentare

(3 Kommentare bisher)

von dreiergott 25.01.08 um 20:32:42


naja, das war ja "nur" ein allstar-game und nach so einem spiel wird doch nicht gleich ein spieler, der gut gespielt hat, von einem top-verein verpflichtet oder einer, der schlecht gespielt hat, sich seine zukünftige karriere verbaut haben.



von Kobe 8 27.01.08 um 19:54:40


Das habe ich auch gar nicht behauptet ;)

Sollte ja nur eine Momentaufnahme und Auswertung des All-Star-Games sein, keine Zukunftsprognose für jeden einzelnen Spieler.



von FT_Baller#14 28.01.08 um 14:10:38


harris ist wirklich voll gut! HAb schon paar spiele in der pro b von ihm gesehen, da hat er auch ziemlich das haus gerockt un den gegnern gezeigt wo es lang geht. Der Junge hat wirklich Zukunft!!



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