Jul
07
1. Amorbacher Basketball Challenge
12:00 Uhr Parzival Sporthalle, Amorbach




Marcus Slaughter

Die Currywurst-Affäre

Missverständnis oder provozierter Rausschmiss? Mit Wurst und Fritten hat der bisherige Bundesliga-Topscorer Marcus Slaughter seiner Karriere in Bremerhaven das nächste peinliche Kapitel hinzugefügt.

Von Jens Möller
 21.11.2008 |

Der Auslöser scheint lächerlich: Wegen einer Portion Currywurst mit Pommes kam es zum Krach zwischen dem Tabellenletzten Eisbären Bremerhaven und US-Spieler Marcus Slaughter. Der 23-Jährige verdrückte die Mantaplatte gerade einmal 40 Minuten vor dem wichtigen Pokalspiel gegen die Giants Düsseldorf. ?Rausschmiss wegen Currywurst?, titeln nun Zeitungen, in denen sonst nicht viel über Basketball berichtet wird. Slaughter selbst sagt zwar, er habe den Imbiss zwei Stunden vor dem Spiel verputzt, aber in Sachen professionelle Spielvorbereitung hat der junge Power Forward wohl ganz eigene Vorstellungen.

Eisbären-Trainer Sarunas Sakalauskas und Manager Jan Rathjen machte diese Episode aber endgültig klar, dass sie ein faules Ei geholt hatten. Schon in den Wochen zuvor hatte sich Slaughter immer mehr zum Eigenbrödler entwickelt, der nach der Pleite im Auswärtsspiel gegen Oldenburg sogar eine ganze Woche nicht mehr mit seinen Teamkollegen sprechen wollte. Das zumindest behaupten jetzt die Eisbären in einer Pressemitteilung, die so ausführlich geraten ist, dass man sich ausmalen kann, wie sehr das Management kocht wegen des Verhaltens ihres Ex-Spielers.

Eisbären schießen zurück

Slaughter habe in den Wochen ?jeglichen Respekt und Kredit bei seinen Mannschaftskameraden? verloren und sei ?zum Einzelgänger mutiert?. In Düsseldorf ? die Eisbären verloren 107:114 nach zwei Verlängerungen ? hatte Slaughter während der Partie seine Auswechslung gefordert. Ob ihm die Wurst auf den Magen geschlagen hatte oder ob er tatsächlich an Schmerzen im Knie litt, kann wohl niemand sagen. Die Eisbären ließen ihn für eine Woche krankschreiben und nahmen ihn auch danach nicht zum Auswärtsspiel nach Tübingen mit. Slaughter sagt jedenfalls in einem Interview mit Eurobasket.com, er sei ?100 Prozent? fit. Alles andere seien ?Gerüchte, die ich gerade erst gehört habe?.

Seine Gesundheit freut STB Le Havre, den französischen Erstligisten und EuroCup-Teilnehmer, bei dem Slaughter am vergangenen Montag einen Vertrag unterschrieb ? während das Eisbären-Management grübelte, wie es mit seinem Spieler weitergehen sollte. Dass sich Slaughter mit einem Pullover mit Eisbären-Logo in Le Havre vorstellte, ist da nur eine lustige Randnotiz. Aussagen des Spielers zufolge haben sich auch andere BBL-Clubs bei ihm erkundigt.

Dass seine Beziehung zu Sakalauskas am Ende völlig zerrüttet war, sieht Slaughter nicht so. ?Ich habe immer gemacht, was er wollte und das ist alles, was ein Coach verlangen kann.? Überhaupt: Die Fans in Bremerhaven seien ?großartig? und er sei dem Club ?dankbar? für die Möglichkeit, in der BBL zu spielen. Unweigerlich fragt man sich, warum es dann überhaupt zu dieser Posse kommen konnte. Die Eisbären stehen jedenfalls düpiert da ? und sind schwer beleidigt: ?Fakt ist, dass Marcus Slaughter die Mannschaft im Stich gelassen hat.?

Der Verdacht: Alles geplant

Fakt ist aber auch, dass sich beide Seiten in dieser Posse wenig professionell dargestellt haben. Slaughter ließ sich während eines Eishockey-Spiels in Bremerhaven auf der Eisfläche von Fotografen ablichten, während seine Mannschaft in Tübingen die nächste Pleite kassierte ? für die Eisbären eine ?Provokation?. Der Club wiederum ließ erst verlauten, man wolle sich gar nicht äußern ? um dann zwei Wochen später einen derart langen Beschwerdebrief zu verfassen, als würde sich ein Rentner bei der Deutschen Bahn beklagen.

Nicht wenige deuten die Affäre um Currywurst und Knieschmerzen als einen provozierten Abgang des US-Amerikaners aus Bremerhaven, aktuell dem Jammertal der Liga. Nur einen Sieg haben die Norddeutschen auf dem Konto ? es gibt derzeit schönere Orte, um Basketball zu spielen, als beim Tabellenletzten der BBL. Außerdem: Kann ein erwachsener Profi so naiv seinen Rauswurf verursachen?

Dank seiner Statistiken (18,8 Punkte und 10,0 Rebounds in acht Spielen für die Eisbären) und seines unbestrittenen Talents konnte sich Slaughter sicher sein, rasch woanders unterzukommen. Vielleicht findet er dort einen Trainer, der über pädagogische Fähigkeiten verfügt. Dann könnte dieser den jungen US-Amerikaner davon abringen, seine Profikarriere durch unreife Entscheidungen zu sabotieren.

NBA-Chance vermasselt

Schon am College in San Diego galt Slaughter als begnadeter Athlet, der seine Grenzen nicht kennt. In der Luft gab es für ihn auch keine, wie das folgende Video zeigt:

Welch große Stücke die Talent-Scouts auf den Forward der ?Aztecs? hielten, zeigt die Entscheidung der College-Liga NCAA, die ihn mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung über eine Million US-Dollar ausstattete. Nur die besten Talente werden durch das ?NCAA Exceptional Student-Athlete Disability Insurance Program? abgesichert.

Doch das Lob stieg ihm zu Kopf. Slaughter wollte im Sommer 2006 in die NBA, vorzeitig, denn eigentlich hatte er noch ein Jahr Uni vor sich. Einige Personen aus seinem Umfeld bestärkten ihn dabei, darunter sein Vater Dwight Slaughter.

Andere, auch sein College-Coach Steve Fisher, beknieten ihn, noch ein Jahr zu bleiben. Er sei noch nicht reif für die härteste Liga der Welt. Als Power Forward fehlten ihm die Muskeln, für einen Small Forward konnte er einfach nicht gut genug mit dem Ball umgehen. Ein Jahr Feinschliff hätte ihn womöglich in die ersten Draft-Runde gebracht ? dorthin, wo die dicken Verträge warten.

Doch Slaughter entschied sich dagegen, nahm sich einen Agenten und meldete sich zum Draft ? wo ihn, wie prognostiziert, niemand haben wollte. Slaughter gilt seitdem in den USA als Prototyp für verschleudertes Talent, als Spieler, den niemand vor seiner unreifen Entscheidung schützte. ?Herzlichen Glückwunsch, Marcus?, schrieb damals ein frustrierter Aztec-Fan in einem Internet-Forum.

Gefeuert wegen Damenbesuch

Slaughter wechselte daraufhin im Sommer 2006 in die Türkei und spielte eine starke erste Profisaison in Izmir. Doch schon bei seiner zweiten Station bei Hapoel Jerusalem zeigte er, dass er das letzte Jahr am College gut hätte gebrauchen können ? nicht nur sportlich. Vor dem Auswärtsspiel im Europacup in Straßburg traf er sich mit einer mysteriösen Dame auf seinem Hotelzimmer.

Sein Club bekam Wind davon. ?Diese Lady? sei keine Prostitiuerte, sondern ?eine Freundin? verteidigte er sich damals. Doch seine Ausreden klangen ähnlich plump wie seine aktuellen Ausflüchte in der Causa Currywurst. Alles nur ein Missverständnis. Alles ist gut. Und trotzdem ist er weg.

Die Verantwortlichen von Hapoel glaubten ihm damals kein Wort, kündigten ihm seine Wohnung in Jerusalem und steckten den Casanova ins Flugzeug. Den Rest der Saison verbrachte er bei BCM Gravelines Dunkerque in Frankreich. Die Flucht nach Frankreich ist also Programm. Der aktuelle Arbeitgeber Le Havre ist sein vierter Club binnen zwei Jahren. Eine Rückkehr in die BBL schließt Slaughter übrigens nicht aus: ?Vielleicht spiele ich hier mal wieder.? Ganz sicher aber nicht in Bremerhaven.




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Kommentare

(4 Kommentare bisher)

von xax 21.11.08 um 22:20:19


Merkwürdige Geschichte...

Grundsätzlich ist eine Mantaplatte nicht so optimal vor dem Game, aber solange ein Player seine Leistung bringt wäre es mir egal.
Auch ob ein Spieler in seiner freizeit Nutten nachhängt wäre mir als manager eher sekundär.

Was natürlich NICHT geht ist sich nicht in d. Mannschaft zu integrieren.



von Blackhawk 22.11.08 um 13:06:48


also wenn ich den artikel lese fehlt es diesem herr ordentlich an weitblick...
seine geldgier hat es ihm vermasselt, denke wenn er sich nicht fängt, dann wird er wohl nach seiner karriere bei McD arbeiten und abends seinen 20 kindern von der ungerechten welt erzählen...



von Treffnix 22.11.08 um 20:14:39


Nutten und Currywurst...irgendwie find ich den Typ sympathisch...er hat sowas menschliches :o)



von Nizzlo 22.11.08 um 21:33:26


hey mann,
der arme schlächter
er is Der Hass
er hat alle zerberstet



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