Lucca Staiger
Die Akte Lucca Staiger
Die Personalie Lucca Staiger wurde in den letzten Wochen häufig gewälzt. Als der 21-jährige Nationalspieler Ende Januar sein College-Team mitten in der Saison verließ und bei Alba Berlin unterschrieb, gab es geteilte Meinungen ob seiner Entscheidung. Beim Gastspiel in Ulm stand der Neu-Berliner nun erstmals im Aufgebot.
Von Thomas Käckenmeister |
17.02.2010 | |
Bereits im Vorfeld des Bundesligaspiels zwischen Ulm und Berlin am vergangenen Wochenende brannte die Luft. Die Personalie Lucca Staiger sorgte für brisante Stimmung in beiden Lagern. Und das, obwohl der College-Flüchtling beim 77:86-Sieg der Albatrosse keine Sekunde zum Einsatz kam.
Was war geschehen? Ulms Manager Thomas Stoll schüttete Öl ins Feuer und stellte Staigers Ausbildungsstätte, die Urspringschule in Schelklingen, in Frage: "Die Urspringspieler sind schlecht ausgebildet und haben nicht die notwendige Härte. Lucca soll seine Sporen erstmal woanders verdienen, bevor er bei uns ein Thema wird, wenn überhaupt", wetterte Stoll in der Südwest Presse. Die Worte lösten umgehend Reaktionen bei Alba Berlins Sportdirektor Henning Harnisch ("Ich werde mich nicht öffentlich zu diesem Thema äußern") und Bundestrainer Dirk Bauermann aus: "Für mich als Bundestrainer und für den deutschen Basketballsport als Ganzes wäre eine Kooperation von Urspring und Ulm traumhaft." Obwohl zwischen Ulm und dem Basketballinternat knapp eine halbe Stunde Autofahrt liegen, ist es Alba Berlin, das als Koorperationspartner mit der Ausbildungsstätte fungiert.
Bis 2012 bei Alba Berlin
Seit dem 22. Januar steht Lucca Staiger nun bei Alba Berlin unter Vertrag. Bis Sommer 2012 trägt der 21-Jährige das Trikot der Albatrosse. Bis zum Olympiajahr will Staiger fester Bestandteil der Rotation der Hauptstädter werden, auch wenn er im restlichen Saisonverlauf kaum Minuten sehen dürfte. "Diese Saison sehe ich als Eingewöhnungszeit an und spätestens nächste Saison greife ich voll an. Ich habe ja nicht umsonst einen Vertrag über zweieinhalb Jahre unterschrieben", äußerte sich der Nationalspieler vor einigen Tagen in einem Interview bei Spox. Bei seiner Vorstellung in Berlin meinte Staiger: "Vereinbart ist, dass ich das erste halbe Jahr dabei bin, aber nicht spiele, es sei denn, wir haben Verletzte. In der kommenden Saison hoffe ich natürlich auf Einsatzzeit." Berlins Einsatzzeit für deutsche Spieler ist nicht selten Bestandteil von Diskussionen. Es bleibt abzuwarten, ob sich Staiger im System von Luca Pavicevic durchsetzen wird. "Natürlich kenne ich den Ruf von Alba. Das heißt aber nicht, dass ich automatisch keine Einsatzzeiten bekomme, nur weil ich Deutscher bin. Wenn ich meine Leistungen bringe, bin ich mir sicher zu spielen", ließ er verlauten.
102 Punkte in einem Spiel
Wie gut aber ist Lucca Staiger? Als 15-Jähriger feierte er sein Zweitligadebüt mit Ehingen. In einem C-Jugendspiel schenkte er dem Gegner 102 Punkte in einem Spiel ein. Damals sagte er zu seiner Leistung: "Das ist mein absoluter persönlicher Rekord, bisher habe ich in einem Spiel nie mehr als 39 gemacht." In seiner ersten Profisaison legte er 11,7 Punkte pro Spiel auf und war als hochgehandeltes Talent in aller Munde. Denn bereits 2002 durfte Staiger an der Dirk Nowitzki Basketball Academy teilnehmen. 2004 stand er beim Arby's Classic, einem Jugendturnier in den USA, zusammen mit Fabian Böke im zwölfköpfigen All-Star-Kader. Ein Jahr später wurde Staiger gar beim Adidas Superstar Camp Europa zu den vier aussichtsreichsten Talenten des Kontinents gewählt. Früh erntete Staiger saftige Lorbeeren, die ihm nach kurzer Zeit aber sauer aufstießen: Mit 16 erlitt er einen Knorpelschaden im Knie. Doch Staiger biss auf die Zähne und kämpfte sich zurück - bis in die deutsche Nationalmannschaft.
Zehn Dreier in einem College-Spiel
Zur Saison 2007/2008 wechselte er in die NCAA. Sein Einstieg in die College-Liga verlief steinig. Da die Verbandsbosse davon ausgingen, dass Staiger in Deutschland schon für eine Profimannschaft gespielt hatte, musste er aufgrund der strengen NCAA-Regularien für ein Jahr aussetzen. Nach einem Jahr Zwangspause etablierte sich Staiger zu einem Dreierspezialisten (2008/09: 38,5% 3FG), stand in der Starting Five und war mit 8,2 Punkten immerhin drittbester Korbjäger. Dennoch war er mit seiner Rolle bei den Iowa State Cyclones unzufrieden, denn Staiger musste als Small Forward auflaufen, obwohl er die Shooting- und Point-Guard-Position bevorzugt.
Nichtsdestotrotz gewann er zweimal die Auszeichnungen zum Rookie der Woche (15.12.2008 und 12.01.2009). In der letzten Saison, die er Hals über Kopf beendete, versenkte Staiger in einem Spiel gegen Drake am 17. November 2009 zehn von 16 Dreier und erzielte insgesamt 32 Punkte.
Das unsägliche Ende in Iowa
Seit seinem Fortgang am 18. Januar verlor Iowa State sechs der letzten sieben Begegnungen. Aktuell stehen nur sieben einsatzfähige Spieler im Kader. Verletzungen, Spielersperren und der Abgang von Staiger sind als Ursachen für die Erfolglosigkeit der letzten Wochen zu werten.
Kansas-Coach Bill Self sagte am Wochenende: "Seit Staiger das Team verlassen hat, fehlt jemand, der die Verteidigung auseinander zieht und jemand, dessen Distanzwürfe gegnerische Teams zum Eins-gegen-eins-Spiel gegen Topscorer Craig Brackins zwingen." Dieser Ausspruch zeichnet das Bild nach, für das Staiger während seiner College-Zeit berühmt und berüchtigt war: Er galt als purer Schütze.
Genau das war einer der entscheidende Punkte, weshalb der 1,95 Meter große Korbjäger Iowa State den Rücken kehrte. "Ich wollte der Mannschaft mehr helfen, aber der Coach hat mich nur als jemand gesehen, der von der Dreierlinie schießt. Das war mir zu wenig. Ich wollte im letzten Sommer ja schon weg. Da haben die mir versprochen, dass sich etwas ändert. Es hat sich aber nichts geändert. Deshalb muss ich mit denen auch nicht mehr reden über das, was passiert ist. Die wissen genau, warum ich weg bin." Also entschloss sich Staiger, Nägel mit Köpfen zu machen.
Er stellte die Teamverantwortlichen vor vollendete Tatsachen: "Ich bin ins Büro des Coaches und habe ihm gesagt, dass ich schon einen Flug nach Deutschland gebucht habe und zukünftig in der BBL spielen will. Daraufhin hat jeder versucht, mich zu überreden, doch noch zu bleiben. Ich war darauf gefasst und bin bei meiner Entscheidung geblieben." Daraufhin beschimpfte sein Coach Greg McDermott ihn als Verräter und ehemalige Fans richteten eine Facebook-Seite ein, um ihrem Ärger Ausdruck zu verleihen. "Die Leute, die mich unterstützt haben, sind jetzt gegen mich", erklärte Staiger. "Ich darf mich jedoch nicht zu sehr von den ganzen Kommentaren runterziehen lassen, denn die meisten haben keine Ahnung von dem, was wirklich passiert ist. Ich hätte mich gerne anders verabschiedet, aber so etwas passiert im Sport ab und zu, so schade es ist."
Neuanfang in der Beko BBL
Und so schmiss er sein Studium der Kommunikationswissenschaften und packte die Koffer. "Ich möchte nicht immer nur an der Dreierlinie rumstehen. Ich möchte mehr Freiheit auf dem Feld. Die letzten Monate habe ich mich gequält", sagte Staiger bei seiner Vorstellung bei Alba Berlin am 28. Januar. Dort berichtete er auch von der Situation, die sich seit dem Sommer 2009 nicht merklich geändert hat. "Head Coach McDermott hat mir versprochen, dass alles anders und besser wird. Aber es hat sich nichts geändert. Ich musste einen Schlussstrich ziehen." Das hat er getan.
In Berlin beginnt für Lucca Staiger ein neues Kapitel in seiner Karriere. Der Traum der NBA lebt zwar weiter, ist aber "weniger wahrscheinlich" geworden. Der Fokus liegt in der Hauptstadt und seinen Einstieg bei den Albatrossen. "Ich bin lange nicht mehr unter Druck ein Pick-and-Roll gelaufen", sagte Staiger in einem Interview auf sportal.de. "Deswegen muss ich mich erst an die neue Situation gewöhnen. Aber lange dauern wird das nicht und ich habe mich auch schon ans Training angepasst. Wenn ich dann soweit bin, soll ich einfach der Mannschaft helfen und werde wohl Shooting Guard spielen."
Bis Lucca Staiger erstmals für Alba Berlin auf dem Parkett steht, wird der gebürtige Ulmer mit der Trikotnummer 24 voraussichtlich noch einige Zeit warten müssen. Trotzdem ist er überzeugt: "Ich bin mir sicher, dass ich eine gute Entscheidung getroffen habe." Die Basketball-Bundesliga hat jedenfalls einen weiteren deutschen Nationalspieler in ihren Reihen, mögen Thomas Stoll und Henning Harnisch noch so sticheln.



von Dickson 17.02.10 um 13:54:21
na ja...
ich verstehe immer noch net, warum staiger nicht für das halbe jahr zu einem anderen klub gegangen ist, dort seine 10-15 PPG aufgelegt hätte und sich im sommer dann in aller ruhe entschieden hätte.
meiner meinung nach ein fehler nach berlin zu gehen, aber ich hoffe lucca straft uns alle lügen und wird finals mvp...
von Dickson 17.02.10 um 14:00:56
staiger kann doch auch noch für den nicht so guten kooperationsparter in der Pro A oder B auflaufen, oder?
von Flosen 17.02.10 um 14:56:07
staiger lief schon für die 2. mannschaft von alba berlin in der 1. regio nord auf
von Tomdawg 17.02.10 um 15:09:01
Am 7. Februar erzielte Staiger im Regionalligaspiel zwischen der BG Magdeburg und Alba Berlin (75:86) insgesamt 19 Punkte.
von Mr_Kittles 17.02.10 um 15:22:20
was denkt sich denn der stolli dabei..der hat doch wirklich keine ahnung über die jugendarbeit in Urspring. Ich denk die tatsache, dass Urspring in der NBBL Ulm an die Wand spielt, sagt schon alles :D
von Le-Roi-Diaw 17.02.10 um 16:09:02
Wenn sich das mal nicht rächt, dass Lucca diese Saison wohl 0 Minuten bekommt, logische Konsequenz wär ihn dafür im Sommer mal nicht mitzunehmen (obwohl er letztes Jahr im DBB Trikot gut war) und lieber einen Ali Seggelke mitzunehmen
von S!mon 17.02.10 um 17:57:43
Staiger wird in Berlin genausoviele Minuten sehen wie Zwiener.
Ok, diese Saison wird er ohnehin nicht spielen.
Nächste Saison kommt er, wenn alles gut läuft, auf maximal 10-15 Minuten pro Spiel.
Warum wechselt er während der Saison zu Berlin ???
Mit der Begründung das er in Iowa mit seiner Rolle nicht zufrieden war und auf der 3 STARTEN musste.
Meines Erachtens hatte er dort ziemlich gute Bedingungen sich weiter zu entwickeln, naja, zumindest deutlich bessere als in Berlin.
Warum tun sich junge Deutsche so schwer ???
Warum ist die Nationalmannschaft nach der Ära-Nowitzki nicht mehr Konkurrenzfähig ???
Weil talente wie Lucca Saiger und Phillip Zwiener in Berlin auf der Bank verrotten, keine Spielzeit bekommen und sich somit logischerweise auch nicht weiterentwickeln.
Gerade Spielzeit ist für junge Nachwuchsleute so extremst wichtig um einen Schritt nach vorne zu machen.
Auf dem College hatte er Spielzeit, war sogar Starter.
Es ist mir ein riesen Rätsel warum Zwiener in Berlin verlängert und jetzt auch noch ein Staiger dorthin wechselt.
Die Zukunft in der Nationalelf gehört Spielern wie Günter und vorallem Benzing, die in Ulm fest zur Rotation gehören und ordntlich Spielzeit erhalten.
Um sich als junger Basketballer gut zu entwickeln ist Berlin meiner Meinung nach immer der schwerste und unvorteilhafteste Schritt.
von ronber 17.02.10 um 18:12:57
Warum, warum, warum? Na weil Berlin die geilste Stadt Europas ist. Ulm? Bamberg? Bremerhaven? Also bitte... Es gibt eben noch ein Leben neben dem Basketball. Aber als Albafan würde ich natürlich auch gerne unsere Nationalspieler mehr auf dem Feld sehen.
von Chi-ball 17.02.10 um 19:36:20
Da spielt aber auch das Gehalt eine gewichtete Rolle und viele können halt nicht wiederstehen und glauben, dass sie 1. Geld verdienen und 2. in Berlin Fuß fassen können. Ich bezweifle das aber, wenn unsere deutsche Nummer 1 schon mehr auf der Bank ist als auf dem Spielfeld, dann wird ein Staiger erst recht die Bank wärmen. Aber er kann mich eines besseren belehren. Ich wünsche ihm alles Gute!
von PPP 17.02.10 um 19:47:19
"In der kommenden Saison hoffe ich natürlich auf Einsatzzeit."
Die Hoffnung stirbt bekanntlich zu letzt!
von nachtmuffel 17.02.10 um 23:38:45
unglaublich einen Starterplatz am College hinzuschmeißen !
unverständlich da er meines erachtens selbst nächste saison nich viel zeit sehen wird bei alba..schade schade...
von Dickson 18.02.10 um 09:11:24
"Warum wechselt er während der Saison zu Berlin ???"
warum wechseln fussballer wie podolski, schlaudraff, baumjohann und co zu den bayern?
chi-ball hat das schon teilweise richtig erklärt.
die spieler verdienen dort viel geld, haben die perspektive jede saison beim meisterschaftstopfavoriten zu spielen, spielen international und und und...
für gestandene spieler ist das meiner meinung nach toll, sie wissen was sie können und können in entscheidenden situationen ihr ego zugunsten des teamerfolges zurückstellen.
aber ein spieler, der sich entwickelt?
der rausfinden will, ob er in 5 jahren mal bei nem euroleague-team (schluck, nba) ne rolle in der rotation spielt, der vllt 18-23 PPG in der BBl auflegt?
meiner meinung nach der falsche weg, lieber zu nem schlechteren team gehen, dort eingewöhnen, zeigen was man schon kann und dann den sommer nutzen...
und zu iowa:
staiger sollte als 3er nur eines tun, 3er werfen, um räume für den topscorer frei zu machen. von der größe her ist er aber eher 2er.
staiger hätte gerne auf der 2 gespielt, sogar auf der 1 aushelfen wollen um sich zu entwickeln.
Und er wollte gerne für das team kreieren, um dem team eine weitere option neben dem topscorer zu geben, was der coach laut ihm nicht berücksichtigt hat.
wie es anders läuft sieht man bei elias harris. der wird neben der 4 auch auf der 3 eingesetzt, wo er nach dem college auch spielen wird, bekommt verantwortung und zahlt diese mit guten leistungen zurück.
ich sag jetzt nicht, dass staiger genauso abgehen würde, aber sein spiel wäre vielseitger...
und zu berlin:
ich kann es verstehen, dass er zu berlin gegangen ist.
er kann von jenkins und mcelroy lernen und sich vllt zu einem jenkins entwickeln (grosses vielleicht) und er bekommt dort anständig kohle.
ein bis zwei verletzungen und die karriere ist vorbei, das sieht man leider bei johannes herber...
von Cabalios 18.02.10 um 19:21:51
hätte es gerne gesehen wenn sich der aspekt "er lässt sein team mitten in der saison hängen" im artikel wieder finden würde.
von Tomdawg 18.02.10 um 19:58:02
Siehe "Das unsägliche Ende in Iowa"
von Cabalios 18.02.10 um 22:39:45
sorry, da hatte ich mich falsch ausgedrückt. Auf was ich hinaus wollte: Mich hätte eine "Wertung" interessiert, ich persönlich find´s ehrlichgesagt ziemlich egoistisch und dumm von ihm. unloyal ganz zu schweigen.
von Deansteven 19.02.10 um 18:56:17
@Calibos wenn dir eine veränderte Rolle zugesagt wird und du nur aus diesem Grunde überhaupt noch in der Mannschaft bist finde ich es weder dumm noch egoistisch das Team zu verlassen wenn sich doch nichts ändert. Er ist vielseitiger als sein coach ihn hat aggieren lassen. Das fördert weder seine Entwicklung noch bereitet ihn das für eine Profikarriere vor wie er sie sich vorgestellt hat.