Interview
Pommer: Thema Quote ist sehr komplex
Crossover traf sich im Verlauf des BBL-Tip-Off-Meetings mit Jan Pommer. Das Gespräch fand am Samstag statt, als die genauen Details zur neuen Quotenregelung noch nicht bekannt waren. Außerdem spricht der Geschäftsführer der Beko BBL über die Äußerungen von Jan-Hendrik Jagla und die Zukunft der Basketball-Bundesliga.
Von Björn Lehmkühler, Florian Lindemann |
05.10.2009 | |
Crossover: Gibt es Neuigkeiten zum Thema Quote?
Jan Pommer: Dirk Bauermann hat uns seine Sichtweise dargestellt. Er hat sich auch, was den Verband und dessen Arbeit in der Vergangenheit angeht, durchaus selbstkritisch gezeigt. Das ist insofern von Bedeutung, weil wir den Eindruck hatten, dass am Wesen der Beko BBL das ganze Nachwuchswesen genesen sollte. Das ist jedoch nicht möglich.
Wie Sie an unseren Maßnahmen erkennen können, beschäftigen wir uns permanent damit, mittel- bis langfristig sehr guten Nachwuchs für die Beko BBL auszubilden. Für uns war an diesem Wochenende die entscheidende Frage, wie und in welchem Zeitraum eine Quote den gewünschten Erfolg bringt.
Da dies kein einfaches Thema ist und jeder Klub-Manager dazu eine eigene Sichtweise hat, haben wir uns dazu entschlossen, erst am zweiten Tag unserer Versammlung eine Entscheidung zu treffen.
Anmerkung: So sieht das Ergebnis aus.
Inwieweit gibt es auch Überlegungen, verstärkt über den U24-Ausbildungsfonds Talente zu fördern?
Natürlich wäre es eine Möglichkeit, den wirtschaftlichen Anreiz zu erhöhen. Kurzfristig wird das jedoch nicht der Fall sein, weil das Geld auch im System sein muss. Grundsätzlich werden wir unsere weiteren Maßnahmen zur Nachwuchsförderung aufrecht erhalten. Dabei ist nicht auszuschließen, dass wir diese unter Umständen auch ausweiten.
Zum Thema deutsche Stars in der Beko BBL: Jan-Hendrik Jagla fühlt sich nicht richtig gewürdigt von der Liga, und die Klubs sagen, dass deutsche Spieler zu viel Gehalt fördern. Was sagen Sie dazu?
Das ist Unfug. Es liegt sicherlich nicht daran, dass den Managern die intellektuelle Weitsicht, der Überblick über das Geschäft oder die Kenntnis der Spielstärke von Herrn Jagla fehlen würde. Vielmehr ist er nach Einschätzung derjenigen Klubs, die ihn unter den finanziellen Gegebenheiten hätten verpflichten könnten, offenbar nicht gut genug. Das kann man für eine Fehleinschätzung halten. Ob Jan-Hendrik Jagla einen wirklich so intensiven Überblick über die Beko BBL hat, da bin ich eher skeptisch.
Im Übrigen ist es geradezu verblüffend, dass ernsthaft gemeint wird, wir hätten uns vorher nicht intensiv mit dieser Thematik auseinandergesetzt und würden dies erst jetzt tun – nachdem uns ein Nationalspieler vors Schienenbein getreten hat. Es gibt kein Thema, über das intensiver nachgedacht wird – und das auf einem sehr ansprechenden Qualitätsniveau.
Wir haben das Gefühl, dass sich alles etwas im Kreis dreht…
Es dreht sich nichts im Kreis. 2005, als wir sämtliche Ausländerbeschränkungen aufgehoben haben, haben wir beschlossen, etwas für den deutschen Nachwuchs tun - und zwar in Form einer steigenden Quote. Wir haben damals schon gesagt: Wir müssen uns rechtzeitig vor Ablauf dieser Fünf-Jahres-Periode zusammensetzen und darüber nachdenken, wie wir weitermachen. Das haben wir am vergangenen Wochenende getan. Das Thema wurde indes immer wieder in den Medien platziert, weil jeder dazu eine Meinung hat - auch meine Mutter hätte zum Thema Quote sicherlich eine Meinung.
Hoffen Sie auch, dass Spieler wie Elias Harris oder Lucca Staiger, die jetzt am College spielen, mittelfristig auch in die Beko BBL wechseln?
Natürlich würden wir uns sehr darüber freuen, wenn beide irgendwann in der Beko BBL spielen würden – und sie wären herzlich willkommen. Es ist jedoch mitnichten so, dass die Manager Lucca Staiger und Elias Harris nicht gewollt hätten. Wenn jedoch Agenten von deutschen Nationalspielern dem einen oder anderen Klub sagen, dass sie sich den Spieler nicht leisten können: Was soll ein Klub dann machen...?
Marco Baldi (Geschäftsführer von Alba Berlin, Anm. d. Red.) meint, die Beko BBL könnte mittelfristig zur europäischen Spitze gehören, wenn man den Weg so weiter geht. Was fehlt dazu jetzt konkret noch? Sind es die im europäischen Vergleich recht niedrigen Vereinsbudgets oder das fehlende Zuschauerinteresse?
Es fehlt noch größerer Erfolg, der zu mehr wirtschaftlichem Erfolg führt. Ich glaube, es gibt keinen Wettbewerb in Europa, der so spannend ist wie unserer. Es gibt mit Sicherheit keinen Wettbewerb, der strengeren wirtschaftlichen Kontrollen unterliegt als der in der Beko BBL – auch in Spanien nicht. Wo wir noch hinter Spanien liegen, ist beim Zuschauerzuspruch.
Sind die Vertragsabschlüsse mit Beko und dem DSF ein großer Schritt dahin?
Das sind zwei sehr wichtige Schritte. Bei den Basketballfans sind wir schon populär, jetzt müssen wir neue Fans gewinnen, vor allem allgemeine Sportfans. Das gelingt uns im Free-TV sicher besser.
Sie sagten, dass es auch vorher anderen Namens-Sponsoring-Angebote gegeben hatte, die aber nicht attraktiv gewesen waren. Welche waren das konkret?
Das Unternehmen muss vom Image her passen, es muss eine Vision haben, und es muss ein entsprechender Geldbetrag aufgerufen werden. Diese Konstellation hat sich nun mit Beko ergeben. Chancen hätte es davor auch gegeben, ohne dass ich Namen nennen möchte. Das wäre stillos.
Könnten sie einen Geldbetrag nennen, was das Namenssponsoring betrifft?
Wir haben uns überlegt, dass wir dazu nichts sagen, aber sie wissen, dass darüber auch schon von Fachmedien spekuliert wurde und so ganz falsch liegen diese Medien nicht.



von blazerfan72 05.10.09 um 22:31:22
mhh!!??
also irgendwie kann ich mit dem Pommer nix anfangen
er blockiert wissentlich oder auch nicht, alle Versuche mehr Deutsche in die Liga zu bringen (das Ergebnis von Samstag??? ist ja mehr als unbefriedigend) einerseits sagt er das der Zuschauerzuspruch zu niedrig ist andererseits läßt er es kaum zu das in den Vereinen eine Identifikationsfigur (blödes Wort) heranwächst bzw herangeführt wird (was dann auch Zuschauer bringen würde)
will jetzt auch garnicht hier speakers corner einrichten sondern nur mal meine meinung kundtun
bin für konstruktive Kritik immer zu haben
freu mich auf andere Kommentare
von Philo 06.10.09 um 09:13:04
Ich stimme dir zu....
Die Identifikationsfigur fehlt zwar aber das liegt meiner meinung nach eher bei den spielern wenn sie sich länger verplichten lassen würden hätten wir auch mehr Identifikationsfiguren aber es ist schwer eine zu sein wenn man keine spielzeit bekommt deswegen lassen sich viele leute nur ein jahr verplichten um zu sehen wie viel spielzeit sie bekommen.
von blazerfan72 06.10.09 um 10:18:32
@ philo
und genau daran krank ja das system
ist nur schade das wir beide das wissen aber höher gestellte Persönlichkeiten der Beko BBL leider wohl nicht (oder sie wissen es und wenden es nicht an) ich bin gespannt wohin das noch führen soll , ein nicht ganz ernstgemeinter Tipp vielleicht
Bauermann zum Geschäftsführer der Beko BBL zu ernennen
würde mich schon jucken ob er dann sein Kurs auch so konsequent durchziehen würde (mich würde es freuen)
Bitte jetzt nicht allzu ernst nehmen
lg
von dalla13 06.10.09 um 12:56:15
Kleine Frage am Rande, weiss man denn eventuell aus der Geruechtekueche, welche Sponsoren an einem Namenssponsoring interessiert waren?
Und: was meinen die sogenannten "Fachmedien" zum Deal. wie viel Geld ist da im Spiel?
von florian.li 06.10.09 um 13:28:58
Über die Namen weiß ich leider nichts.
Der Betrag um den es bei Beko geht, liegt ungefähr bei einer Million Euro pro Saison.
von Manu Ginobili 06.10.09 um 17:13:08
Mal sehr intressant die Seite der Liga zu hören. Besonders der Kommentar von Pommer: Die kleineren Clubs hören von den Agenten den Spieler könnt ihr euch nicht leisten, lässt doch aufhorchen und zeigt auch die andere Seite der Medaille. Das da wohl auch die deutschen Spieler nicht ebreit sind bei jedemj Club zu unterschreiben. 6 6 Regel langfristig ist doch in Ordnung, denn jedes Team wird mindestens aus einer 8 Mann Rotation bestehen und wenn ich mir die EM an gucke, sollte man damit rechnen, dass da in naher Zukunft öfter mal 5 junge deutsche bei den kleinen Clubs auf dem Paket stehen, die noch keine überzogegen Gehaltsforderungen haben.
von Günther Stagat 08.10.09 um 12:56:53
Ich denke das Problem ist sehr viel tiefgründiger. Die Vereine sind zum Erfolg verpflichtet. Sponsoren springen ab, Zuschauer bleiben weg usw. Wir müssen uns da alle an der Nase fassen. Allerdings machen es sich einige Manager vielleicht doch etwas leicht. Ich sehe das Problem ganz besonders bei den Trainern. Da sollten Manager, das ist jetzt meine ganz persönliche Meinung, etwas mehr Einfluss zu nehmen versuchen, was unheimlich schwer ist. Ein Trainer geht immer den einfachen Weg. Ich bin aber auch der Meinung dass es anders geht, siehe Ulm und Bonn in der letzten Saison. Ich freue mich dass der Robin Benzing nach Ulm ist. Er wird dort Einsatzzeiten bekommen. Für Vereine die international spielen ist dies schwieriger, da im Ausland ganz andere Gelder bezahlt werden und somit ein anderes Niveau gespielt wird. Heuer dreht sich das Ganze aber erstmals um. Die Wirtschaftskrise zwingt viele Vereine in Europa kleinere Brötchen zu backen und der Abstand zur Bundelsiga ist nicht mehr ganz so groß. In erster Linie geht es aber mal um die Bundesliga. Wenn ich mir anschaue was da zum Teil an Spielern rumläuft, dann kann ich nicht glauben dass da nicht auch ein Deutscher spielen könnte. Mit der Regelung für die Saison 2010/2011 bin ich einigermaßen zufrieden, aber dann muss es schneller gehen. Das 6 6 kommt zu spät und ist zu wenig, in der Saison 2012/2013 muss das laufen und ein Jahr später 5 7. Wir müssen durch diese Knochenmühle. Ist die Nationalmannschaft international nur noch zweitklassig, wird es der Bundesliga auch wieder schlechter gehen. Das sollten sich alle Verantwortlichen schon immer wieder in das Gedächtnis rufen. Also Herr Pommer im Namen des Deutschen Basketballs, setzt euch noch einmal zusammen und sprecht intensiv darüber. Ich bin mir sicher dass es eine bessere Regelung möglich ist, als die die jetzt beschlossen wurde.