Giessen 46ers
Glücklose Gießener
Die Gießen 46ers sind das Kellerkind der Beko BBL. Verletzungspech, Freiwurfschwäche, zu wenig Passspiel - die Gründe für die Krise in Mittelhessen sind zahlreich. Woran liegt es, dass der Saisonstart der 46ers in die Hose gegangen ist?
Von Thomas Käckenmeister |
20.10.2009 | |
Es gibt eine Redewendung, die lautet sinngemäß etwa so: Der Teufel macht immer auf denselben Haufen. Übertragen auf den Sport heißt es: Zuerst hatten sie kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu.
Die Gießen 46ers spielen wie verhext, haben kein Glück, dafür aber eine Menge Pech. Das Urgestein der ersten Liga steht nach vier Partien in der Saison 2009/10 noch sieglos da. Während die Konkurrenz jeweils mindestens schon einmal gewinnen konnte, suchen die Mittelhessen vehement nach einem Rezept für den Erfolg.
Die Ursachen
Freiwürfe: Gießen ist das mit Abstand schlechteste Team der Beko BBL in Sachen verwandelte Freiwürfe. In vier Spielen brachten die 46ers nur 52,6 Prozent (40/76 FT) im Korb des Gegners unter. Im verlorenen Overtime-Heimspiel gegen Hagen und dem darauffolgenden Auswärtsspiel in Frankfurt trafen die Männer von Vladi Bogojevic amateurhafte 38,9 Prozent bzw. 42,1 Prozent vom Streifen - zu wenig für ein Bundesligateam. In den Spielen gegen Berlin und Düsseldorf deutete sich Besserung an: Jeweils mindestens 60 Prozent der Freiwürfe wurden verwandelt.
Passspiel: Wo ist der Dirigent? Wer organisiert den Angriff? Bei den 46ers fehlt ein Denker und Lenker im Spiel. Lorenzo Williams zeigte in den ersten beiden Begegnungen Ansätze (je vier Assists), knickte dann aber um und wird ca. vier bis sechs Wochen ausfallen (siehe Verletzungspech). In vier Partien gelangen dem Team aus dem Uni-Städtchen insgesamt 31 Assists, der interne Saisonrekord als Team liegt bei elf Korbvorlagen (gegen Frankfurt). Zum Vergleich: Bonns Jared Jordan verteilte allein gegen Ulm 14 Assists. In den Begegnungen gegen Berlin und Düsseldorf wurden lediglich sechs bzw. vier Assists im Meldebogen vermerkt. Und noch ein Querverweis: Göttingen hat nach zwei Spielen 27 Vorlagen als Team vorzuweisen, Berlin in ebenso vielen Partien 30 Stück.
Alleinunterhalter: David Teague ist eine Punktemaschine. Doch als alleinige Angriffsoption bleibt er der Doughnut im Team - einmal den Ball in Händen, wird selbiger von den Kollegen nicht mehr gesehen. Mit 24,8 Zählern im Schnitt führt der US-Amerikaner die Liga an. Auf der anderen Seite hat er in vier Spielen insgesamt nur drei Assists an den Mann gebracht. Wie ist das zu deuten? Fehlt es ihm an Vertrauen in seine Mitspieler?
Erstligatauglichkeit: Die Gießener Allgemeine schimpft in ihrer heutigen Online-Ausgabe: "Nur Teague und Jeffers ligatauglich". Sollte sich der angeschlagene Teague (siehe Verletzungspech) ebenfalls auf die Verletztenliste schreiben lassen, können schonmal Anfahrtswege für die ProA-Teams im Navigationsgerät berechnet werden. Die Zeitung schreibt über das Spiel gegen Düsseldorf: "Da auch Teague zeitweise auf der Bank Platz nehmen musste (insgesamt 29:20 Minuten Einsatzzeit), gelang in der Offensive bei den Gästen nur wenig, in den Momenten, in denen der US-Amerikaner auf dem Feld stand, hieß das System dann - wie schon so oft in den Partien zuvor - David Teague. Derzeit dürften die Anhänger des Traditionsvereins nicht einmal daran denken, was mit ihrem Team passieren würde, sollte sich der 26-Jährige ebenfalls ins Lazarett verabschieden."
Finanzen: Trier hat letztes Jahr gezeigt, dass in einer Wildcard viel Potential steckt. Gießen ist es bisher noch schuldig. Sicherlich überschneiden sich eine Menge Faktoren - die Verletzungssorgen spielen dabei eine große Rolle -, die die Wildcard-Vergabe ins Negative senken lassen, doch ungeachtet dessen zählt auch die finanzielle Lage der Mittelhessen nicht zum besten der Liga. Teague, Jeffers, Lischka, Williams - der restliche Kader muss noch Erfahrung im Oberhaus des deutschen Basketballs sammeln. Der Zusammenhang zwischen finanzieller Stärke und Durchschlagskraft auf dem Parkett ist somit ebenfalls an der Bilanz abzulesen.
Verletzungspech: Die Liste ist lang, die Alternativen werden dünner. Die 46ers klagen momentan über den Ausfall von zwei Stammkräften: Johannes Lischka zog sich einen Mittelhandbruch zu, Point Guard Lorenzo Williams laboriert an einer Kapselverletzung im Knöchel. Beide fallen mindestens einen Monat aus. Zudem ist Topscorer Teague mit einer Oberschenkelprellung angeschlagen. "Wir müssen durch den Ausfall von drei Leistungsträgern natürlich gewaltige Qualitätseinschnitte hinnehmen. Der Spielplan ist derzeit nicht günstig für uns. Wir müssen jetzt sehen, dass unser Personal so schnell wie möglich fit wird", erklärt Bogojevic gegenüber der Alsfelder Allgemeinen.
Perspektiven: Die 46ers werden in den nächsten Tagen einen neuen Aufbauspieler nachverpflichten. Alles sei unter Dach und Fach, nur noch die Unterschrift fehle. Der Spielgestalter soll in der Bundesliga bekannt sein. Mögliche Kandidaten wären demnach Austen Rowland (ehem. Ulm, Trier) und Bryant McAllister (Paderborn). Wer es sein wird, dürfte in den nächsten Tagen vermeldet werden. Lassen wir uns also überraschen, ob diesmal den Gießenern auch mal das Glück hold sein wird.



von Crossover 17.05.2012 um 10:30:19
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