Jul
07
1. Amorbacher Basketball Challenge
12:00 Uhr Parzival Sporthalle, Amorbach




Giessen 46ers

Der Doc

Reden Basketballer über den Doc, meinen sie entweder Julius Erving, Glenn Rivers oder den Teamarzt. Michael Umeh wird in wenigen Jahren sich selbst meinen. Doch vorher hat er noch einiges zu tun.

Von Martin Vogel
 17.04.2008 |

Ärzte ziehen sich wie ein roter Faden durch das Leben von Michael Umeh. Bei seiner Geburt am 18. September 1984 gibt es Komplikationen: Der Sohn nigerianischer Einwanderer wird per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht. Während des folgenden Krankenhausaufenthalts soll ihm ein Medikament ins Handgelenk gespritzt werden, doch aufgrund eines Fehlers erinnert Umeh ab diesem Tag eine große Narbe an den Beginn seines Lebens.

Als drittes von vier Kindern wächst der heute 23-Jährige in einer guten Mittelklassegegend im Süden von Houston, Texas auf. Es ist kein Zufall, dass er in der Stadt von Hakeem Olajuwon groß wird: ?Houston hat eine große Nigerianische Community, mein Vater ist damals bereits einem meiner Onkel gefolgt?, erklärt Umeh.

Mit sechs Jahren kommt er das erste Mal mit dem orangenen Leder in Berührung und ist sofort elektrisiert von dem Sport. Doch anstatt in einer ?Little League? das erste Mal organisiert dem Ball hinterherzulaufen, wartet Umeh vergeblich auf die Erlaubnis seiner Mutter: ?Meine Eltern haben da einfach nicht so viel Wert drauf gelegt, sonst wäre ich heute vielleicht noch viel besser?, zuckt er mit den Schultern.

Erst in der ?Middle School? beginnt die richtige Basketball-Karriere des Mike Umeh ? als Power Forward. ?Ich war eben größer als alle anderen?, grinst der Shooting Guard der 46ers heute. ?In meinem ersten Spiel habe ich gleich 21 Punkte gemacht und dann in der achten Klasse dominiert. 22 Punkte, 13 Boards im Schnitt. Das muss meine beste Saison aller Zeiten gewesen sein?.

Nach der Middle School wird Umeh von der Hightower High School rekrutiert und hat von nun an zwar eine halbe Stunde Schulweg, aber dafür dank seines basketballerischen Talents auch eine große Möglichkeit: ?Die Schule hatte drei verschiedene Akademien: Ingenieurswesen, Medien und eben Medizin. So hatte ich die Möglichkeit, das kennen zu lernen, was ich nach meiner Karriere später machen will. Ich wollte schon immer Arzt werden und habe mich deswegen auch an der Uni mit Sportmedizin beschäftigt. Es ist mein Traum, später einmal Teamarzt bei einem NBA-Team zu werden.?

Zuvor jedoch führt Umeh seine Highschool zwei Mal ins Final Four um die Staatsmeisterschaft, wo sie jeweils im Halbfinale ausscheiden. Er gilt dank 15,1 Punkten, 4,4 Assists und 3,7 Steals dennoch als einer der besten Spieler aus der Greater Houston Area, wird von Rice, UConn, Georgia Tech, Baylor, einigen Ivy League-Universitäten und UNLV rekrutiert, und wechselt schließlich an die letztgenannte Uni.

Für den Freshman, der seit der Highschool als Flügel eingesetzt wurde, verläuft die erste Saison in Vegas alles andere als erfolgreich: ?Ich war noch so jung und musste mich noch entwickeln. Dazu war ich weit weg von zu Hause und hatte ein bisschen Heimweh.? In zwölf Minuten erzielt er im Schnitt 2,8 PpG und 1,1 RpG.

Einzig im Hörsaal läuft es für den Studenten der Kinesiologie, der Lehre von der Bewegung des Menschen, gut: In seiner ersten Saison sackt er zum ersten Mal den ?Academic All-Mountain West Conference Award? ein ? dem drei weitere folgen sollten. Vor allem die Ankunft von Coach Lon Kruger im Sommer 2004 sorgte dann aber dafür, dass Umeh auch auf dem Parkett besser in der Stadt des Glücksspiels und der schnellen Hochzeiten zurecht kam.

In den letzten 14 Spielen seiner Sophomore-Saison erzielt er 14,5 PpG, doch spürt auch zum ersten Mal die Schmerzen in seinem Knie. ?Ich habe es unseren Ärzten gesagt, aber niemand hat sich wirklich darum gekümmert. Vor meinem Junior-Jahr wurde mir dann prognostiziert, ich würde am Saisonende im All-Conference Team stehen. Ich war der Kapitän des Teams, also habe ich einfach mit den Schmerzen gespielt.?

Der Guard leidet an einer Sehnenentzündung, die dazu führt, dass ihn bei einem Spinmove Anfang 2006 die Patellasehne reißt und erst im Laufe der folgenden Untersuchungen erkannt wird. Am 6. Februar 2006 trifft Michael Umeh einmal mehr mit einem Arzt zusammen und wird operiert. ?Ab Mai durfte ich wieder trainieren, aber wirklich fit war ich erst wieder im Dezember. Ein bisschen hat es also auch meine Senior-Saison beeinflusst.? Vor eben jener hingegen machte Umeh sich erst mal auf den Weg in die Heimat seiner Eltern, um dort für das nigerianische Nationalteam zu spielen, an der Seite von Spielern wie Gabe Mouneke (Tau Vitoria), Ime Udoka (San Antonio Spurs) und dem ehemaligen Würzburger Olumide Oyedeji.

Für Nigeria spielte der 1,88 Meter große Umeh als Point Guard, was ihm bei UNLV niemals passierte: ?Ich war eben immer als Shooting Guard da, für die Eins wurden immer andere Spieler geholt. Du wirst da eingesetzt, wofür du geholt wurdest?, erklärt Umeh. In seinem Senior-Jahr schaffen Umeh und seine Teamkollegen den ersten Einzug in die March Madness seit dem Jahr 2000. ?Mein letztes Jahr war nicht so wie erwartet. Ich hatte nicht die gleiche Rolle wie vor meiner Verletzung, es war keine Konstanz in meinem Spiel. Erst gegen Ende, im Conference Tournament, lief es besser?.

Mit 15 Punkten, vier Rebounds und fünf Assists im Halbfinale gegen Colorado State und 18/6/7 im MWC-Finale gegen BYU spielt Umeh im Spätherbst seiner College-Karriere noch einmal groß auf und sichert UNLV den Conference-Titel. Georgia Tech kassiert 19 Punkte in der ersten Runde des NCAA-Tournaments, bevor er den heutigen Phoenix Sun Alando Tucker im Spiel gegen Wisconsin bei vier von elf Treffern aus dem Feld hält und neben sieben Punkten auch noch sieben Rebounds abgreifen kann. Erst in den Sweet 16 ist dann gegen Oregon Schluss ? trotz der 15/4/4, die Umeh in seinem letzten College-Spiel auflegt. ?Meine Eltern waren zuvor sehr besorgt, weil ich nur noch so wenig spielte in der regulären Saison, aber mein Coach sagte, ich werde mich würdig verabschieden. Und das habe ich getan, ich habe die Uni wie ein stolzer Krieger verlassen.?
 
Mit seinem Abschluss, den er in nur dreieinhalb Jahren gemacht hatte, aber ohne eine richtige Vorstellung von der Zukunft, kehrt er im Sommer 2007 zurück nach Houston. ?Ich wollte schon weiter Basketball spielen. Zuerst wollte ich nur ein bisschen Geld verdienen, weil ich gesehen habe, wie schnell eine Karriere vorbei sein kann, und dann zurück an die Uni.?

Über Patrick King kommt der Kontakt mit den Giessen 46ers zustande. ?Es ist eine gute Liga, in der ich mich beweisen kann. Ich habe mit Thorsten [Leibenath, der Coach der 46ers] telefoniert, und wir hatten beide ein gutes Gefühl, und am Ende habe ich gesagt, dass ich nun aufhören würde zu reden und einfach nach Gießen kommen und zeigen würde, was ich kann.?

Aufgrund von Problemen des nigerianischen Verbandes entscheidet er sich gegen ein weiteres Gastspiel für die Nationalmannschaft und kommt frühzeitig nach Gießen, um sich auf die Saison vorzubereiten. Mit Erfolg: TBB Trier kassiert am fünften Spieltag 30 Punkte, darunter den Dreier, der das Spiel in die Overtime schickt, im Rückspiel gibt es noch mal 28  Punkte (15/16 FW), eine Woche später gegen Bremerhaven gleich ein weiteres Mal. Am 4. April dieses Jahres muss auch der Deutsche Meister aus Bamberg die Waffen strecken: Trotz enger Bewachung durch Steffen Hamann erzielt Umeh sein Season-High mit 32 Punkten und sichert den 46ers den Sieg.

?Überall, wo ich gespielt habe, habe ich einen bleibenden Eindruck hinterlassen, an meinen Schulen, an meiner Uni? ich möchte Teil davon sein, hier mit den 46ers die Wende zu schaffen, damit wir hier Erfolg haben können.?, gibt der 23-Jährige sich motiviert.

Mit derzeit 13,9 PpG, 3,0 RpG und 2,1 ApG ist Umeh auf einem guten Weg, die positivste Überraschung im 46ers-Team dieser Saison zu sein. Einzig der ausbleibende Teamerfolg stört ihn ? und sein Spitzname: ?Am Anfang nannten mich hier alle Hulk Hogan, das muss irgendwann mal auf der UNLV-Website gestanden haben. Ich hab das aber noch nie gehört?.

Vielleicht wird aus Michael Umeh ja bald der ?Doc?. Auch, wenn die Patienten, zur Freude der 46ers-Fans, noch einen Moment auf ihn warten müssen.




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Kommentare

(1 Kommentar bisher)

von Ana.Lyzer 17.04.08 um 20:16:51


Was ist denn an ner halben Stunde Schulweg sowas besonderes?? Hat doch jeder.

Find den Artikel nicht so gelungen, zu sehr an Statistiken orientiert.



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