FC Bayern München
Zwischen Aufbruchstimmung und überzogenem Anspruch
Bundesligaaufsteiger FC Bayern München hat mit den Verpflichtungen von Robin Benzing, Je'Kel Foster und Sharrod Ford seine Kaderplanungen für die BBL-Saison 2011/2012 abgeschlossen. Welche Chance hat der Traditionsklub, gleich im ersten Jahr in der höchsten deutschen Spielklasse den Ton anzugeben?
Von Moritz Rüppel |
21.07.2011 | |

Die Basketballabteilung des FC Bayern München tauchte vor etwa einem Jahr aus der Bedeutungslosigkeit auf, wie ein Phoenix aus der Asche. Plötzlich, scheinbar aus einer Laune von Vereinspräsident Uli Hoeneß (Foto) heraus, begann der Verein eine verbale Offensive und kündigte eine sportlich und wirtschaftlich rasante Entwicklung an. Das Team des FC Bayern, bis dato versunken im Mittelmaß der zweitklassigen ProA, sollte umgehend zum Aufstieg, mehr noch, in die Spitze der Beko BBL geführt werden.
Das Interesse der Vereinsführung an der Basketballfraktion kam für Außenstehende sehr überraschend, schien die Strahlkraft der Fußballer doch bisher alle anderen Interessen im Verein zu überdecken. Besonders der Einsatz, mit dem Uli Hoeneß, eigentlich als Koryphäe des Fußballs bekannt, das Projekt vorantrieb, war erstaunlich und überzeugte selbst Skeptiker von der Ernsthaftigkeit des Ziels.
Nachdem der Etat im Basketballbereich stark erhöht und einige sensationelle Verpflichtungen getätigt wurden, wuchs die Euphorie bei Fans und Verantwortlichen. Nationalspieler wie Steffen Hamann und Demond Greene, sowie gestandene, international erfahrene Profis wie Aleksander Nadjfeji schlossen sich dem Zweitligisten an, um Teil dieses erfolgsversprechenden Projekts zu werden. Mit der Verpflichtung von Nationaltrainer Dirk Bauermann gelang dem Verein ein weiterer Coup, der die Zielstrebigkeit und den Anspruch aller Beteiligten unter Beweis stellte.
Das Ziel, der Aufstieg in die Beko BBL, wurde bereits im ersten Anlauf erreicht. Die Mannschaft um Kapitän Steffen Hamann wurde mit 28 Siegen bei nur zwei Niederlagen souveräner Meister der ProA und stand bereits sechs Spieltage vor Saisonende als Aufsteiger fest.
Doch der FC Bayern wäre nicht der FC Bayern, würde er sich damit zufrieden geben, im Gegenteil, dies gilt als Startschuss für eine erfolgreiche, neue Ära. Basketball soll in München ab sofort ähnlich erfolgreich betrieben werden wie König Fußball. Zwar besteht kein Zweifel daran, dass Fußball Sportart Nummer eins beim FC Bayern bleibt, doch ebenso zweifellos wurde der Verein und insbesondere Uli Hoeneß vom Ehrgeiz gepackt. Die Basketballer sollen national und international dominieren, wie es die Fußballer seit Jahrzehnten vormachen. Der Sport soll den FC Bayern München als Marke weiter vorantreiben, je vielseitiger desto besser.
Dafür ist der Verein bereit zu zahlen. Der Jahresetat liegt mit sechs bis sieben Millionen Euro selbst in der ersten Liga vergleichsweise hoch. Und neben der nötigen Liquidität kann der Verein weitere Vorteile im Kampf um potenzielle Spieler bieten. München gilt als attraktive, große Stadt, der Verein ist international bekannt und besitzt eine langjährige Tradition. Das professionelle Umfeld an der Säbener Straße und der Kontakt zu Größen der Fußballbranche ist in Deutschland einmalig, vergleichbar etwa mit dem FC Barcelona oder Real Madrid, die ebenfalls den Hauptsport Fußball mit anderen Sportarten verbinden und eine ähnliche Balance der Prioritäten schaffen.
Auf Grund dieser Vorteile, die kein anderer deutscher Verein bieten kann, schaffen es Hoeneß und Co. nun einen sowohl in Deutschland als auch Europa mehr als wettbewerbsfähigen Kader zusammenzustellen. Unter die neusten Einkäufe reihen sich vielversprechende, junge, deutsche Nationalspieler wie Robin Benzing oder Philipp Schwethelm, aber auch international erfahrene und bekannte Spieler wie Je’Kel Foster und Sharrod Ford. Durch einen solch leistungsstarken Kader ist die Zielsetzung vereinsintern wohl sehr hoch, auch wenn sie öffentlich nicht verlautet wird, um nicht zu viel Druck aufzubauen.
Trotz allem stellt sich die Frage, wo der FC Bayern München 2011/2012 denn tatsächlich steht. Mannschaft, Trainerstab und Umfeld gehören sicherlich zur nationalen Elite. Allerdings dürfen die Erwartungen nicht allzu hoch angesetzt werden, denn daran könnte das Projekt zerbrechen. Es besteht das Risiko, dass die erfolgsverwöhnte Führungsetage des Vereins bei ausbleibendem Erfolg an Interesse verliert und Investitionen sowie Engagement zurückschraubt. Das wäre jedoch fatal, denn so stark die Mannschaft im Moment wirken mag, benötigt sie trotzdem Eingewöhnungszeit. Der Sprung von der Zweitligamannschaft zum Meisterschafts(mit)favoriten in der Beko BBL und zum Teilnehmer im Eurocup wirkt wie der Sprung ins kalte Wasser, bei dem der erwartete Erfolg vorerst ausbleiben könnte.
Für den deutschen Basketball wäre es enorm wichtig, dass der Verein dieses Projekt auch bei kurzfristigem Misserfolg mit gleichem Eifer unterstützt, schließlich ermöglicht es wirtschaftlich, (durch TV- und Zuschauereinnahmen) sowie sportlich ( durch den Einsatz vieler deutscher Spieler) großartige Möglichkeiten, die nur ein Verein wie der FC Bayern München bieten kann.
Der Kader des FC Bayern München für die Saison 2011/2012
| Spieler | Position | Größe |
| Robin Benzing | SF | 2,09 m |
| Bastian Doreth | SG | 1,82 m |
| Sharrod Ford | PF | 2,06 m |
| Je'Kel Foster | SG | 1,91 m |
| Demond Greene | SG | 1,85 m |
| Darius Hall | C | 2,02 m |
| Steffen Hamann | PG | 1,94 m |
| Ben Hansbrough | PG | 1,91 m |
| Jan Jagla | PF | 2,12 m |
| Aleksandar Nadjfeji | PF | 2,02 m |
| Bogdan Radosavljevic | C | 2,12 m |
| Philip Schwethelm | SF | 2,00 m |
| Jonathan Wallace | PG | 1,87 m |



von Crossover 17.05.2012 um 10:28:31
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