Jul
07
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12:00 Uhr Parzival Sporthalle, Amorbach




FC Bayern München

„Es war keine leichte Entscheidung“

Marko Pesic ist neuer Sportdirektor beim FC Bayern München. Im exklusiven CROSSOVER-Interview spricht der ehemalige Nationalspieler über seine Entscheidung, seine Spieleragentur aufzugeben, nach München zu gehen, das Basketballprojekt und die Ziele der Bayern Baskets.

Von Thomas Käckenmeister
 06.06.2011 |

Als 16-Jähriger debütierte Marko Pesic in der Basketball Bundesliga für Brandt Hagen. Als Sohn der Trainerlegende Svetislav Pesic, der 1993 mit Deutschland Europameister im eigenen Land wurde, gewann der 1,97 Meter große Shooting Guard sechs Deutsche Meisterschaften sowie fünfmal den Pokal. Der 97-facher Nationalspieler wurde Dritter bei der WM 2002 in Indianapolis (USA) und holte die Silbermedaille im Jahr 2005 in Belgrad (Serbien). Pesic beendete 2006 seine aktive Basketballkarriere, die er in Deutschland (Brandt Hagen, Alba Berlin, RheinEnergie Köln), Griechenland und Italien verbrachte. Nach seinem Studium in Sportmarketing und Kommunikation gründete Pesic die Marketing und Consulting Agentur Lumani 10.7. Vier Jahre lang betreute er als Geschäftsführer Nationalspieler wie Robin Benzing oder Steffen Hamann. Fortan wird Marko Pesic als Sportdirektor beim FC Bayern München in der BBL arbeiten.

Im exklusiven CROSSOVER-Interview spricht der ehemalige fünffache BBL-Allstar über seine Entscheidung, nach München zu gehen, das Basketballprojekt und die Ziele der Bayern Baskets.

Crossover: Herr Pesic, wie schwer ist Ihnen die Entscheidung zwischen Lumani 10.7 und dem FC Bayern München gefallen?

Marko Pesic: Es war keine leichte Entscheidung. Wenn man seine eigene Firma aus dem Nichts aufbaut, zum Erfolg führt und sie dann abgibt, dann ist das so ein Gefühl, als würde man sein Kind zur Adoption freigeben. Das ist ein sehr seltsames Gefühl, weil nicht nur geschäftliche, familiäre und freundliche Beziehungen zu den Leuten und den Spielern, mit denen man zusammen gearbeitet hat, aufgebaut wurden, sondern es auch das ganze Umfeld und Netzwerk betrifft. Natürlich war das ziemlich schwierig, aber letztlich ist es so, dass ich immer gesagt habe: Es ist irgendwann mal mein Ziel, direkt in einem Verein zu arbeiten, Verantwortung zu übernehmen usw. Und wenn man die Möglichkeit und die Herausforderung bei einem Verein wie dem FC Bayern München bekommt, dann muss man ganz rational entscheiden. Das habe ich getan, weil ich glaube, dass diese Erfahrung für meine persönliche Zukunft und persönliche Entwicklung enorm wichtig ist.

Wie lange haben Sie für die Entscheidung gebraucht? Wann haben die Münchner erstmals Interesse signalisiert?

Das Interesse bestand schon länger, aber konkret war es ein entsprechender Zeitraum, um meine Firma noch abzugeben. Wenn wir im Mai mit den Verhandlungen begonnen hätten, hätte es keinen Sinn gemacht. Es begann schon im Frühjahr und wir hatten gemeinsam mit Dirk Bauermann eine Entscheidung getroffen. Dadurch konnte gewährleistet werden, dass die Firma nicht nur in guten Händen bleibt – der ehemalige BBL-Profi Jan Rohdewald ist neuer Geschäftsführer von Lumani 10.7 –, sondern dass die Spieler auch weiterhin gut betreut werden. Anfang April habe ich mich dann langsam aus dem operativen Geschäft herausgezogen.

Ein Markenzeichen von Lumani 10.7 sind die deutschen Spieler. Wie sehen Ihre Pläne, unabhängig von der Pflichtquote in der BBL aus (5 Deutsche auf dem Spielberichtsbogen)?

Der FC Bayern München ist mit deutschen Spielern sehr gut aufgestellt. Mit (Steffen) Hamann, (Demond) Greene und (Bogdan) Radosavljevic haben drei Spieler langfristige Verträge. (Bastian) Doreth ist im nächsten Jahr noch unter Vertrag, d.h. wir haben vier deutsche Spieler für die kommende Saison im Kader. Um die Quote zu erfüllen, wird noch ein deutscher Spieler benötigt. Was also die Zusammenstellung der Mannschaft fürs nächste Jahr angeht, das ist ein Thema, das zurückgestellt wird, weil es eben keinen großen Bedarf gibt, jetzt schnell jemanden unter Vertrag zu nehmen, um die Quote zu erfüllen.

Es gab Spekulationen um Robin Benzing (Foto) und Jan Jagla, die auch von Lumani 10.7 betreut werden. Benzing war kürzlich in München zu Besuch. Gab es bereits Verhandlungen, besteht Interesse seitens der Münchner?

Es gab keine Verhandlungen. Grundsätzlich wird die Philosophie so sein, dass wir Spieler verpflichten, die das Projekt Bayern München nach vorne bringen. Ob das deutsche Spieler, amerikanische Spieler oder europäische Spieler sind, ist erstmal zweitrangig, d.h. wir werden nach Spielern suchen, die für Identität, Erfolg und eine klare Kultur des Vereins sorgen werden. Was die deutschen Spieler bzw. die beiden genannten Spieler angeht: Wenn sie in das Konzept passen und interessant sind, dann ist das interessant für uns, aber nicht weil es deutsche Spieler sind, sondern weil sie den Verein perspektivisch weiter bringen. Ob es diese beiden Spieler sein werden, werden wir sehen.

Auf welcher Position herrscht aus Ihrer Sicht, als Kenner der Basketballszene, der größte Bedarf?

In der deutschen Liga hängt meiner Meinung nach der Erfolg des Vereins von zwei Positionen ab. Das ist die Position fünf und ein Combo-Guard auf der Position eins/zwei. Darauf wird auch das Hauptaugenmerk liegen, dass diese Positionen sehr stark besetzt werden.

Sie haben einen Dreijahresvertrag unterzeichnet. Wo sehen Sie den Verein in einem Jahr und in drei Spielzeiten?

Es ist schwer zu sagen, was sein wird, wenn wir nicht wissen, wie die Mannschaft aussieht. Kurzfristig ist es wichtig, eine wettbewerbsfähige Mannschaft zu formen, die in der oberen Tabellenhälfte spielt und die nicht nur in München, sondern auch national gesehen, für eine gewisse Identifikation sorgt und nicht einfach so zusammengekauft ist. Das ist sehr wichtig. Das Projekt soll natürlich auch irgendwann europäisch ausgelegt sein und deshalb muss es auf stabilen Beinen stehen.

Wer sind aus Ihrer Sicht die drei größten europäischen Spieler aller Zeiten, die Sie selbst erlebt haben?

Auf jeden Fall steht Drazen Petrovic auf Nummer eins – mit Abstand! An zweiter Stelle steht Dimitris Diamantidis und auf Platz drei stehen Arvydas Sabonis und Dejan Bodiroga auf einer Ebene.

Und weltweit?

Weltweit gibt es für mich drei Spieler: Michael Jordan, Magic Johnson und Larry Bird. Mit diesen Spielern bin ich selber aufgewachsen. Für mich war Magic immer jemand, der nicht nur für Erfolg stand, sondern sich auch durch seine Art und Weise auf und abseits des Spielfelds nach außen gut verkauft hat. Deswegen war er immer mein Favorit.

Noch ein kurzes Statement zu den NBA Finals: Wen sehen Sie als Favoriten?

Ich sehe Miami als Favoriten. Ich glaube, dass sie von der Qualität her deutlich stärker sind als Dallas. Auf der anderen Seite ist Dallas als Mannschaft stärker und kompakter. Aufgrund des Heimvorteils ist klar, dass Miami Favorit ist, aber ich wünsche und hoffe und drücke Dirk alle Daumen, die ich habe, dass er endlich diesen Titel holt, weil er es nicht nur verdient hat, sondern er lebt dafür. Ich hoffe, dass er es in diesem Jahr schafft.




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Kommentare

(2 Kommentare bisher)

von KingCrunch 07.06.11 um 16:06:53


Wieso erwähnt er Dirk nicht bei den drei größten europäischen Spielern aller Zeiten? Vergessen?



von Deansteven 09.06.11 um 14:12:52


Ich denke er zählt Dirk nicht dazu weil er "nur" seine Jugend und ne halbe Bundeligasaison in Europa verbracht hat. Was trotzdem schwachsinn wäre weil Dirk ja immer noch Deutscher ist und definitiv zu den besten Euros aller zeiten gehört!!!



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