Jul
07
1. Amorbacher Basketball Challenge
12:00 Uhr Parzival Sporthalle, Amorbach




FC Bayern München

Dem Aufstieg so nah

Siege allein reichen nicht, um eine wahre Basketballmacht zu etablieren. Mit dem Aufstieg kommen sonst die Zuschauer wie sie mit dem Abstieg gehen. Doch die wahren Fans bleiben loyal und kommen in die Halle. Der FCB demonstrierte am Sonntag mit seinem Rekord von 12.200 Zuschauern, dass sich die Masse auch für die ProA mobilisieren lässt – mit Erfolg.

Von Janine Engeleiter
 23.02.2011 |

uli hoeness

Der traditionelle Fußball Club Bayern München wirbt mit einigen Namen des deutschen Basketballs. Große erfolgsverwöhnte Vereine leben schließlich von großen Namen. Im Fußball sind das Übernamen wie Lionel Messi. Beim deutschen Verein der Superlative tummeln sich Louis van Gaal, Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und allen voran Vereinspräsident Uli Hoeneß (Foto) neben dem Parkett, auf dem die wahrscheinlich zukünftigen Bundesliga-Spieler der Bayern-Baskets agieren. Denn anscheinend reichen allein die Bekanntheitsgrade der Basketballer nicht, um die Ränge der geschichtsträchtigen Olympiahalle auf dem einstigen Gelände der Spiele von 1972 zu füllen.

Fotos um Fotos, Autogramme, sich zeigen und gesehen werden - das alles impliziert die große Art des Sportereignisses. Die Halle fungiert als Bühne für die Prominenz abseits des Spiels. Sponsoren offenbaren ihre Präsenz auf den Plätzen geschlossen in den Blöcken. Mittendrin findet sich ein überraschter Hoeneß, der mit enormer Begeisterung über die große Nachfrage des mehrmals aufgestockten Ticketkontingents spricht. Von 8.000 auf 10.000 und letztlich auf 12.200 Tickets sei man hochgegangen. „Das ist der Beweis, dass man Basketball hier akzeptiert“, sagt er. „Wir hätten für dieses Spiel wahrscheinlich 20.000 Tickets verkaufen können.“

Der Eventcharakter ist damit aber noch längst nicht beschrieben. Überlaut, übervoll und übergroß überzeichnen die Nebenstränge – wie mit Cheerleadern bepackte und Demond Greene wie auch Stefan Effenberg kutschierende Cabriolets um das Spielfeld – das eigentliche sportliche Ereignis: Es ist das Derby zwischen dem Tabellenersten der ProA gegen den Zweiten. Nach 14 Siegen in Folge erwartete München den einzigen Gegner, der den FCB in dieser Saison bisher schlagen konnte: Würzburg.

Am 21. Spieltag des Oberbaus der jungen Liga konnten die Unterfranken nach der passiven ersten Halbzeit mit einer verstärkten physischeren und defensiveren Leistung dem FCB entgegnen. München gelang dennoch die Revanche (82:75), um sich den 15. Sieg in Serie nach der Niederlage in Würzburg zu sichern.

Würzburgs Trainer Marcel Schröder gratulierte anschließend auf der Pressekonferenz zu diesem „Event“ und betonte die erfahrene Überlegenheit des Rivalen. Auf der Gegenseite bezeichnete Dirk Bauermann das Aufeinandertreffen als ein „Spiel mit Erstligaqualität“ und ergänzte, dass die Münchner zu Beginn „fast perfekt wie aus einem Guss“ spielten.

Erste-Liga-Vorstellung mit Erstligaspielern

Auch wenn Würzburg weitaus weniger Gesichter aus der ersten Liga im Kader vorweisen kann, so besitzt die unterfränkische Stadt eine traditionsreiche Basketballvergangenheit, die sie mit einem erneuten Aufstieg nach dem Abstieg im Jahr 2005 weiterführen möchte. Knapp 2000 mitgereiste Fans verdeutlichen die flammende Euphorie.

Münchens letzter Auftritt in der BBL liegt hingegen noch weitere Jahre zurück. 1989 stieg der FCB ab und musste sich ähnlich wie Würzburg von der Regionalliga in die zweite Liga hoch spielen. Die statistisch relevanten Erfolge für einen Verein wie dem FCB müssen in der Chronik der deutschen Basketball-Geschichte weit vorne gesucht werden. Der Deutsche Meister von 1954 und 1955 sowie Pokalsieger von 1968 in der BRD versucht in dieser Saison im Hauruck-Verfahren eine beständige Stellung unter den besten 18 Klubs in Basketball-Deutschland zu erlangen. Neben dem sportlichen Gigakonkurrenten Fußball um die Aufmerksamkeit der Zuschauer scheint für Außenstehende Basketball unterzugehen.

Doch Zweifel an einer Basketballszene räumt neben Hoeneß auch Bauermann aus. Es gibt eine „sehr lebendige Basketballkultur in der Stadt. Es hat nur ein Leuchtturm gefehlt, der alle zusammenfügt“, erläutert der Coach. Mit „alle“ meint Bauermann die einzelnen Vereine der Isar-Stadt, die für sich gearbeitet hätten. Dem hat sich der große FCB angenommen und organisiert nun Grundschulaktionen, Camps und Trainerfortbildungen. „Basketball beim FCB ist gut. Keiner verliert“, lobt der gebürtige Oberhausener. Man kann es auch als weitsichtiges Handeln bezeichnen, denn ist der Verein erst einmal aufgestiegen, benötigt er auch eine solide Jugendarbeit. Wie wichtig dieses vertragsbedingte Credo für die Sportart ist, ist vor zwei Jahren vehement vom Bundestrainer angestoßen worden.

Künftiger Klassenprimus an der Isar

Der 17-jährige Bogdan Radosavljevic profitiert neben dem vier Monate jüngeren Alexander Blessig und dem 21-jährigen Bastian Doreth schon jetzt davon. Trotz der marginalen Einsatzzeit in der ProA ist für den 2,12 Meter großen NBBL-Spieler „im Moment alles, wie es sein soll“. Schule, das tägliche Training mit den Profis und die Individual-Einheiten mit dem Coach zählt er dazu. „Und ich habe abgenommen“, hebt er stolz mit erhobenem Finger hervor. Der ewige Optimist möchte mit dem FCB auch Meister in der BBL werden, was nach einer langjährigen Bindung klingt. Sein Vertrag von zwei Jahren mit der Option auf ein weiteres schließt das Interesse des Vereins ein.

dirk bauermann

Zunächst muss der FCB aber aufsteigen. Genau davon, vom Aufstieg, reden sie – die Münchner, die Basketball-Interessierten, die Journalisten, einfach jeder. Zumindest viele. Und oft wird auch der Vergleich zu den europäischen Vereinen gezogen. Real Madrid, FC Barcelona oder Panathinaikos Athen haben ähnliche Konzepte vorgelegt. Sie vereinen erfolgreichen Fußball und erfolgreichen Basketball auf internationaler Ebene. Bauermann (Foto) hält die Diskussion über dieses Thema und um die ferne Zukunft des FCB für albern. Er kritisiert einerseits das Modell des Zuflussgeschäfts, das horrende Schulden bei diesen Vereinen verursacht hätte. „Ich weiß auch nicht, ob Deutschland jemals mit Madrid oder Barcelona mithalten kann“, zweifelt der 53-Jährige zusätzlich das sportliche Niveau an.

"Ochsentour in einer guten Liga"

Die Tradition der Sportart hat in weiten Teilen Europas auch eine andere Bedeutung. Die meisten Abteilungen für Basketball in den Vereinen von Spanien bis Griechenland wurden schon in den 1920ern, 1930ern gegründet. Und da wo Geschichte ist, ist auch immer Politik. Basketball wurde in Deutschland erst als Frauensport deklariert, nach der Akzeptanz für Männer teilweise als amerikanischer Sport nicht weiter gefördert und nach dem Zweiten Weltkrieg verschoben sich die Foki ohnehin. Die Finanzen fehlen seit jeher nicht nur in der Liga, sondern besonders in den Vereinen.

Deutschland muss seine eigene Basketball-Identifikation finden und etablieren, über angemessene eigene Konzepte und Strukturen verfügen oder wie es Bauermann ausdrückt: „Der Sport muss sich selber tragen.“ Das verfolgt auch der FCB. Mit Fragebögen wurde das Interesse an Basketball im Verein erhoben, die Wildcard wurde umgangen, um den sportlichen Aufstieg unter anderem mit personalen Bekanntheiten aus der Nationalmannschaft zu schaffen. Dies ist Bauermanns Aufgabe. Er beschreibt es als die „Ochsentour in einer guten Liga“, da dies der schwierige aber richtige Weg sei.

Im Hintergrund wird an den Plänen für die Erstligabedingungen gefeilt. Der Umbau der Rudi-Sedlmayer-Halle und vor allem die Personalakte Bauermann beschäftigen den FCB-Vizepräsidenten Bernd Rauch. Lösungsansätze für die illegitime Doppelbeschäftigung als Nationaltrainer und Coach einer Erstligamannschaft werden kräftig mit BBL-Geschäftsführer Jan Pommer erörtert. Bisher ist Uli Hoeneß zuversichtlich, einen befriedigenden Konsens schaffen zu können, lässt sich aber erst auf ein aussagekräftiges Statement ein, wenn ein endgültiges Ergebnis vorliegt.

Was ansonsten nach außen dringt, wird einseitig reguliert auf die Gegenwart gelenkt. Es erfolgt im großen Sinne und wie es die Großen nun mal tun. Der professionelle Bauermann schert sich deswegen weniger um die Zukunft. Erst einmal müsse die „Mission Aufstieg“ mit den verbleibenden neun Spielen erfolgreich abgeschlossen werden. „Wir müssen erst einmal gegen den ETB Essen gewinnen“, versteht er die in die Irre führenden Spekulationen über die Zukunft zu stoppen.




Artikel-Funktionen

Bewerte diesen Artikel:
4.67
(6 Bewertungen bisher)
 

Speichere diesen Artikel:


Kommentare

(5 Kommentare bisher)

von Raquel 23.02.11 um 16:43:15


Tut mir leid, aber ich finde dieser Artikel ist irgendwie nicht lesbar. Sätze wie
"Auf der Gegenseite nannte Dirk Bauermann es ein „Spiel mit Erstligaqualität“ und ergänzte um eine „fast perfekt aus einem Guss“ gespielte Partie der Münchner zu Beginn."
lassen sich überhaupt nicht lesen. Hab nach der Hälfte aufgehört zu lesen.
Einen habe ich aber noch, habe noch versucht wenigstens das Ende zu lesen für ein Faszit, da aber der nächste Satz:
"Lösungsansätze für die illegitime Doppelbeschäftigung als Nationaltrainer und Coach einer Erstligamannschaft wird kräftig mit BBL-Geschäftsführer Jan Pommer erörtert."
WERDEN erörtert!
Sonst kritisiere ich eigentlich nicht unbedingt sowas, aber wenn es öffentlich gemacht wird, sollte das auch eine gewisse Leserlichkeit haben.



von Raquel 23.02.11 um 16:44:49


Jetzt wo ich den Satz nochmal abgetippt habe verstehe ich ihn, aber besonders gelungen ist er nun wirklich nicht. ;)



von Joven17 23.02.11 um 16:53:07


Ein Schuss, ein Tor, die Bayern!



von Raquel 23.02.11 um 22:22:44


Joven, Langeweile? 8 Jahre nichts mehr von dir gehört und dann so ein super Beitrag.



von Dickson 24.02.11 um 09:52:59


Guter Artikel, der beschreibt, dass die Bayern das BBall-Projekt langfristig aufbauen wollen.

Und nicht nach einer Saison Meister werden und 5 Jahre später Insolvenz anmelden wie andere Vereine, die eine Wildcard bekommen haben.

Ich finde diese "Mission Aufstieg" ziemlich mühselig, denn für mich sind die Bayern schon aufgestiegen, obwohl es "nur" 6 punkte vorsprung sind.

Mich interessiert mehr was im Sommer passiert, denn die Bayern müssen sich evtl noch verstärken.

Was ich im Dezember gegen die Saar-Pfalz Braves gesehen hab, war nicht so dominant wie das Endergebnis letztendlich war.



Du benötigst einen myCrossover-Account um Artikel kommentieren zu können!

 Registrieren oder  Einloggen

 





Du bist nicht eingeloggt. Jetzt bei myCrossover registrieren.
  •  
    Passwort vergessen?