Svetislav Pesic
Eine Legende für Deutschland
Erfolgstrainer Svetislav Pesic kehrt als Bundestrainer nach Deutschland zurück. Bereits von 1987 bis 1993 war der 62-jährige Serbe Head Coach der DBB-Auswahl. Die Bundesadler spielten unter seiner Führung unter anderem gegen das Dream Team bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona, 1993 folgte der Europameistertitel nach einem Sensationssieg im Finale gegen Russland. 19 Jahre später leitet der Trainerfuchs die Ära nach Dirk Nowitzki ein.
Von Thomas Käckenmeister |
22.02.2012 | |

Februar 2011. Svetislav Pesic lässt die Frage offen, ob er Interesse am Amt des Bundestrainers habe. „Warum nicht?“, lautet seine Antwort in einem Interview mit dem Sportportal Spox.
Februar 2012. Der Deutsche Basketball-Bund (DBB) verkündet, dass Svetislav Pesic neuer Bundestrainer wird. „Ich freue mich sehr auf die kommende Aufgabe beim DBB. Ich glaube, dass mit der deutschen Nationalmannschaft noch so Einiges zu erreichen ist“, wird Pesic in der Pressemeldung zitiert.
Von den drei Kandidaten (außerdem: der frühere Kölner Coach Tony DiLeo und U20/A2-Coach Frank Menz), mit denen für die Nachfolge von Dirk Bauermann verhandelt worden war, hat der serbische Erfolgstrainer das Rennen gemacht. Die Verpflichtung Pesics ist ein Glückfall für den deutschen Basketball, denn mit seiner langjährigen Erfahrung auf allerhöchstem Level kann und wird er die Entwicklung der Nach-Nowitzki-Ära vorantreiben.
„Ich bin sehr froh, dass wir mit einem so erfolgreichen und renommierten Coach wie Pesic zusammenarbeiten können. Er hat eine riesengroße Erfahrung und ist genau der Trainer, den wir uns vorgestellt haben“, sagt DBB-Präsident Ingo Weiss.
Titelhamster und Trainerfuchs
Warum genießt Svetislav Pesic solch ein hohes Ansehen in Europa und speziell in Deutschland? Die Antwort könnte ganze Bücher füllen. Und jeder Basketballfanatiker würde solch ein Meisterwerk – im wahrsten Sinne des Wortes – vollends genießen. Allein 30 Jahre Coaching-Erfahrung auf höchstem Level sprechen für sich.
Als einziger noch aktiver Trainer triumphierte Svetislav Pesic im höchsten europäischen Vereinswettbewerb als Spieler und als Trainer: 1979 gewann er als Spieler mit KK Bosna Sarajevo den Europapokal der Landesmeister und 2003 feierte er als Trainer den Gewinn der Euroleague mit dem FC Barcelona. Übrigens gekrönt durch das sogenannte Triple mit den Katalanen, also drei Titeln innerhalb eines Jahres (Euroleague, Meisterschaft und Pokal). Der Eurocup-Gewinn mit Girona kam 2007 hinzu.
Das Coaching-Genie ist zudem der einzige Trainer weltweit, der Goldmedaillen mit zwei Nationalmannschaften errang. Neben dem EM-Titel 1993 mit Deutschland feierte er mit der jugoslawischen Nationalmannschaft (EM 2001, WM 2002) Turniergewinne. Außerdem ist Svetislav Pesic der einzige Trainer, dem es gelungen ist, mit seinen Mannschaften Goldmedaillen in allen FIBA-Wettbewerben (Kadetten, U16 1985; Junioren U18, 1986 & 1987; Senioren, 1993, 2001, 2002) zu gewinnen.
Und mit der deutschen Nationalmannschaft? Während drei verpassten Qualifikationen (für Olympia 1988 sowie die Europameisterschaften 1989 und 1991) war es Pesic, der mit den DBB-Herren erstmals in der Geschichte überhaupt eine Medaille gewann. Bei der Universiade 1989 in Duisburg holte Deutschland Bronze.
Eine Legende in Deutschland
Deutschen Basketballfreunden sind aber vor allem die nationalen Heldentaten des 62-Jährigen in den frühen 1990er Jahren in guter Erinnerung: 1992 belegte er mit der DBB-Auswahl um Detlef Schrempf, Michael Jackel, Henrik Rödl und Co. den siebten Platz bei den Olympischen Spielen in Barcelona.
Ein Jahr später erreichte Pesic etwas, was niemandem vor ihm (und seither) gelang: Deutschland wurde Europameister im eigenen Land nach einem dramatischen 71:70-Sieg über Russland in der Münchner Olympiahalle. Stephan Baeck, der damals an beiden Großveranstaltungen auf dem Parkett stand, erinnert sich: „Es war damals eine besondere Mannschaft mit einem besonderen Trainer, die bei Olympia 1992 und der Europameisterschaft 1993 gespielt hat.“
Für Pesic setzte sich der Erfolg in Deutschland auf Vereinsebene fort. Mit Alba Berlin gewann er vier Deutsche Meisterschaften (1997-2000), zweimal den Pokal (1997, 1999) und als erste deutsche Vereinsmannschaft einen internationalen Titel, den Korac Cup im Jahr 1995. Von 1993 bis 2000 war der 15-fache jugoslawische Nationalspieler als Head Coach bei Alba Berlin tätig. Von 2001 bis 2002 coachte er RheinEnergie Köln und führte das Team 2002 zur Vizemeisterschaft.
Im Jahr 2012, 19 Jahre nachdem Pesic jubelnd in der Münchner Olympiahalle sein erstes Kapitel als DBB-Coach mit dem EM-Triumph krönte, geht die Reise mit der deutschen Nationalmannschaft weiter. Damals überreichte Pesic das Zepter an Dirk Bauermann (zwischen 1994 und 2003 waren Vladislav Lucic bzw. Henrik Dettmann als Bundestrainer tätig), nun erhält er es aus dessen Händen zurück. Der 54-jährige Coach führte den FC Bayern München 2011 in die Beko BBL, war seit 2003 Bundestrainer, und musste nach der EM 2011 in Litauen aufgrund der Regelungen der Bundesliga die Doppelfunktion aufgeben.
Bundestrainer trotz Doppelfunktion
Pesic arbeitet aktuell als Trainer bei Roter Stern Belgrad in seiner serbischen Heimat und wurde Mitte Februar Vizepokalsieger. Der diplomierte Volkswirt wird seinen bis 2013 laufenden Vertrag in Belgrad nicht aufgeben und somit eine Doppelfunktion ausüben. „Mein Verein ist einverstanden und weiß Bescheid“, sagte Pesic der Süddeutschen Zeitung.
Was in Deutschland coachenden Übungsleitern in der höchsten Spielklasse seit 2008 nicht mehr möglich ist, scheint kein Problem für internationale tätige Coaches zu sein. Dabei weiß Pesic um die Situation, wie er früher in einem Spox-Gespräch sagte: „Ich war 2002 in der ähnlichen Lage. Ich hatte vorher eine Saison Serbien und Köln parallel trainiert, aber […] habe wegen der Belastung bei der Nationalmannschaft aufgehört. Als Übergang ist eine Doppellösung möglich, aber auf Dauer ist sie schädlich für den Verband und für den Verein. Ein Nationaltrainer ist ja nicht nur für die drei Wochen vor einem Großturnier für das Team verantwortlich. Er muss 365 Tage im Jahr die Augen offen halten, die Junioren-Auswahlteams beobachten, die BBL-Klubs besuchen. Das funktioniert nicht, wenn man parallel eine Klubmannschaft täglich betreut. Irgendwann leidet die Arbeit für beide Mannschaften darunter.“
Der künftige Vertrag des 23. Herren-Bundestrainers soll nach Vorstellungen des DBB bis 2016 gelten. Bis 2013, zum Ende der Doppelfunktion, auf Honorarbasis, dann hauptamtlich. Aktuell sind mit Frank Menz und Kay Blümel (U18-Coach) zwei hauptamtliche Übungsleiter beim DBB beschäftigt, die gemeinsam mit Harald Stein (U16-Coach) die Nachwuchsarbeit in Deutschland vorantreiben. Das Fernziel für die deutsche Nationalmannschaft ist die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro. Vertragsdetails sollen auf einer Pressekonferenz am 6. März bekannt gegeben werden.
Auch BBL-Boss Jan Pommer äußerte trotz der spektakulären Verpflichtung leichte Bedenken: „Es gibt genug Arbeit. Deshalb wäre es wünschenswert gewesen, wenn sich Pesic alleine um die Nationalmannschaft gekümmert hätte. Er wird aber die gleiche Energie in die Nationalmannschaft bringen wie Dirk [Bauermann] und genauso eine Leitfigur für die deutschen Trainer sein.“
Nationalcoach-Vorgänger Bauermann bezeichnet Pesic als „Riesenlösung“, denn der Serbe ist ein „ein international sehr anerkannter Coach, der der jungen Mannschaft mit seiner großen Erfahrung in jedem Fall weiterhelfen wird. Ich bin überzeugt, dass es eine gute Zusammenarbeit wird.“
Marco Baldi, Manager von Alba Berlin, weist auf Pesics „gigantischen Erfahrungsschatz“ hin, während Triers Head Coach Henrik Rödl begeistert gegenüber news352.lu betont: „Pesic ist einer der besten Coaches Europas, und das sage ich nicht nur, weil er natürlich auch mein persönlicher Mentor war.“ Rödl spielte bei Olympia 1992 und der EM 1993 und gibt seine Erfahrungen, Erinnerungen und Erlebnisse nun auch im Trainergeschäft weiter.
Neuanfang im Nationalteam
Dass Pesic als Genie an der Seitenlinie gilt, muss Fans und Experten nicht erklärt werden. Das sehen auch die Protagonisten selbst. Heiko Schaffartzik von Alba Berlin spricht dem Verband sein Lob aus: „Es ist eine Supersache, dass der DBB ihn als Bundestrainer gewinnen konnte.“
Auch Robin Benzing freut sich über die sensationelle Verpflichtung: „Er ist ein unglaublich guter Trainer mit viel Erfahrung.“ Mit dem Münchner Forward bzw. Ulms Spielgestalter Per Günther arbeitete Pesic bereits in schweißtreibenden Einzeltrainings zusammen.
Tibor Pleiß (Bamberg), Karsten Tadda (Bamberg), Maik Zirbes (Trier), Philip Zwiener (Trier) oder Johannes Lischka (Ludwigsburg) stehen ebenfalls für den neu zu formenden A-Kader bereit. Hinzu kommen Spieler, die aktuell am College auf Korbjagd gehen, wie Elias Harris (Gonzaga), Mathis Mönnighoff (Gonzaga), Niels Giffey (UConn) oder Patrick Heckmann (Boston College). Die Liste von Perspektivspielern ist lang und stellt eine Herausforderung dar, der Svetislav Pesic sich stellen muss und wird.
„Ich weiß, dass es für ihn ein wichtiger Entscheidungsgrund war, dass Perspektive und Talent vorhanden sind. Wäre das nicht der Fall, hätte er den Job nicht angenommen", erklärt sein Sohn Marko Pesic, Sportdirektor beim FC Bayern München, gegenüber Sport1.
Nach der EM 2011 in Litauen wird die neue deutsche Nationalmannschaft anders aussehen. Ob Dirk Nowitzki noch einmal das DBB-Trikot überstreifen wird, ist fraglich. Demond Greene, Steffen Hamann und Sven Schultze haben bereits mehr oder minder ihren Rücktritt aus dem Nationalteam bekannt gegeben. Auch Chris Kamans Auswahlteilnahme ist an Nowitzkis Engagement gekoppelt und somit unwahrscheinlich. „Ich werde natürlich mit Nowitzki über seine Pläne und Ansichten sprechen, aber ich muss genauso mit Steffen Hamann und Jan Jagla sprechen, ob sie im Sommer noch spielen werden“, erklärte Pesic in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung.
„Besonderes braucht Zeit“ (Svetislav Pesic)
Durch seine Funktion als künftiger Nationalcoach kann Svetislav Pesic nun eine neue erfolgreiche Generation von Korbjägern entwickeln und dadurch indirekt auch auf die Förderung des deutschen Basketballs Einfluss nehmen. „Was mir immer gefehlt hat, ist der Glaube an deutsche Spieler. Wenn man etwas Besonderes entwickeln will, braucht man Zeit“, sagte er Ende 2010 in einem Interview mit Lumani 10.7. „Da kommen Enttäuschungen, Begeisterung und da gibt es auch Rückschläge, aber irgendwann kennst du deinen Weg und du weißt, was du entwickeln willst.“
Die Zeit dürfte vorhanden, der Weg gezeichnet sein. Bis dahin wartet viel Arbeit auf den Basketballlehrer vom Balkan. Spieler müssen beobachtet und bewertet, ein Kader zusammengestellt werden. Es gibt bis zu den nächsten Pflichtspielen viel zu tun. Zwischen dem 18. August und 11. September 2012 spielt die Mannschaft in der Qualifikation zur EM-Endrunde 2013 in Slowenien. Die Gegner heißen Aserbaidschan, Bulgarien, Luxemburg und Schweden.
Im Prinzip ist das der Beginn einer langen Reise, ähnlich wie 1987. Nach holprigem Beginn mündete der Weg damals im Erfolg, sprich: Olympia und EM-Titel. Die nächsten Reiseziele lauten Spanien (WM 2014), Ukraine (EM 2015) und Brasilien (Olympia 2016). Ist das mit Svetislav Pesic möglich? Warum nicht?



von king_handles 23.02.12 um 11:14:43
Ich glaub, das wird gut.
von BballPepe 23.02.12 um 19:53:18
Ich habe auch ein gutes Gefühl. Die armen Nationalspieler, werden in den Trainingslagern leiden müssen ;)